34  

Stuttgart Landesregierung verbietet Abholangebote im Handel

Der Einzelhandel hat sich sehnlichst Abholangebote für die Kunden gewünscht, damit das Weihnachtsgeschäft in den Innenstädten nicht komplett wegbricht. Aber die Landesregierung schiebt den Geschäften den Riegel vor. Einig sind sich Grüne und CDU dabei nicht.

Die Abholung von Waren bei stationären Einzelhändlern wird in Baden-Württemberg während des harten Corona-Lockdowns von diesem Mittwoch an bis zum 10. Januar mit wenigen Ausnahmen verboten. Die Händler dürfen vorbestellte Artikel aber immerhin selber ausliefern oder ausliefern lassen, wie das grün-schwarze Kabinett am Dienstag in Stuttgart beschloss.

Man wolle lange Schlangen vor den Geschäften und damit zusätzliche Kontakte unbedingt vermeiden, sagte ein Sprecher der Landesregierung am Dienstag zu dem Verbot des sogenannten Click&Collect-Service.

Handelsverband über Verbot empört

Der Handelsverband Baden-Württemberg reagierte erzürnt - und wollte sich zunächst nicht mit dieser Entscheidung abfinden. "Wir brauchen den Click&Collect-Service dringend, das muss nachgearbeitet werden", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Sabine Hagmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Tausende Waren - etwa Bücher - seien bei stationären Händlern zur Abholung vorbestellt worden, und die könnten jetzt nicht an den Mann gebracht werden.

Sabine Hagmann, Geschäftsführerin des Handeslverbandes Baden-Württemberg.
Sabine Hagmann, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg. | Bild: Nikolai Huland/Archiv

"Es ist unglaublich, dem Mittelstand diese Möglichkeit zu verwehren", sagte Hagmann. Das allein sorge für einen riesigen wirtschaftlichen Schaden. Die Menschen seien sowieso in den Städten unterwegs, etwa für Besuche in Apotheken oder Lebensmittelmärkten.

Es spreche nichts dagegen, dass diese Menschen dann vorbestellte Waren wie Bücher oder Elektronikartikel bei anderen Händlern abholten. Die alternativ von der Regierung ins Gespräch gebrachte Lieferung von Artikeln sei teuer und aufwendig zu organisieren. Von vielen Kunden hätten die Händler oft gar keine Telefonnummern oder Mailadressen.

Im Zuge des Lockdowns müssen die meisten Händler - mit Ausnahme etwa von Lebensmittelgeschäften - schließen. Vor allem das Wirtschaftsministerium hatte sich jedoch für Abholangebote stark gemacht. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) erklärte, es werde immerhin Abholmöglichkeiten für Handwerker und die gewerbliche Wirtschaft geben.

Was genau darunter fällt und wie etwa Handwerker Nachweise erbringen sollen, um Ersatzteile für eine Waschmaschine aus dem Baumarkt abholen zu dürfen, sei noch offen, hieß es. 

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen).
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen). | Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Wenn man  regionale Unterschiede mache, sei die Verordnung rechtlich anfechtbar, betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und rechtfertigte das allgemeine Verbot. Man wolle das Signal senden, dass die Menschen zuhause blieben und nicht in die Städte gingen zum Einkaufen.

Es dürfe keine Zusammenballung von Menschen geben. "Es macht keinen Sinn, das, was sich im Geschäft abspielt, dann vor das Geschäft zu verlagern."

Verband rechnet mit rund 12.000 Schließungen

Der Handel fürchtet angesichts des Lockdowns eine Insolvenzwelle in noch viel größerem Umfang als bisher prognostiziert. Noch zuletzt war der Verband von rund 6.000 coronabedingten Geschäftsschließungen und Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren ausgegangen.

Doch der neue Lockdown werde die Lage nochmals verschärfen. "Die Zahl wird sich auf jeden Fall deutlich erhöhen", sagte Hagmann. Im schlimmsten Fall müsse man mit einer Verdopplung auf rund 12.000 Schließungen und Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren rechnen.

Die weitere Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gilt für Unternehmen, die pandemiebedingt überschuldet, aber nicht zahlungsunfähig sind.
Die weitere Aussetzung der Insolvenzantragspflicht gilt für Unternehmen, die pandemiebedingt überschuldet, aber nicht zahlungsunfähig sind. | Bild: Martin Gerten/dpa

Das gelte vor allem dann, wenn die Händler nicht schnell ausreichende staatliche Hilfen bekämen.

Hagmann forderte für die Betriebe in ihrer Branche Zuschüsse nach dem Vorbild der außerordentlichen November- und Dezemberhilfen, von denen beispielsweise das bereits seit längerem weitgehend geschlossene Gastrogewerbe profitiert. Diese Betriebe erhalten in der Regel Bundes-Zuschüsse von 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes aus den jeweiligen Vorjahresmonaten.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (34)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Kicherente
    (102 Beiträge)

    16.12.2020 17:59 Uhr
    Es gibt Alternativen
    zu Lasten der Karlsruher Geschäfte z.B. Ware abholen im Baumarkt in der Pfalz oder Shopping im Elsass
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2525 Beiträge)

    16.12.2020 16:09 Uhr
    Der Handel muss handeln
    und Lieferdienste anbieten. Da kann man auch lokal etwas aufbauen, sogar ohne DHL und Co. Sonst geht eben der ganze Umsatz an Amazon.

    Obwohl ich vieles kritisiere, was unsere Landesregierung in Sachen Corona in den letzten Monaten verordnet hat: in diesem Fall kann ich die Argumentation sogar nachvollziehen. Was nützt es, wenn z.B. Saturn und Mediamarkt geschlossen haben, aber Hunderte etwas bestellen und sich dann lange Warteschlangen vor der Warenausgabe bilden? Da ist doch vorprogrammiert, dass es mit Abstand etc. nicht klappt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10702 Beiträge)

    16.12.2020 17:35 Uhr
    schau mal
    https://www.karlsruhe-erleben.de/weihnachtsstadt/kostenfreier-lieferdienst

    Vom 24. November bis 31. Dezember 2020 bietet das Citymarketing der KME in Kooperation mit der City Initiative Karlsruhe und der Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe einen für die Kundinnen und Kunden der Innenstadt kostenfreien Lieferdienst in Zusammenarbeit mit dem Radkurier Karlsruhe an.

    Ich frage mich nur, warum nicht mehr Geschäfte daran beteiligt sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maehdrescher
    (1516 Beiträge)

    16.12.2020 18:59 Uhr
    Jetzt frag ich mich aber
    warum die Handelsverbandsdame nur lamentiert und nicht auf solche Angebote hinweist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nacional
    (571 Beiträge)

    16.12.2020 16:16 Uhr
    es geschehen noch Zeichen und Wunder
    die Einsicht kehrt zurück
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nacional
    (571 Beiträge)

    16.12.2020 15:51 Uhr
    Hängen AfD-Hochburgen und hohe Coronazahlen zusammen?
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Karlsruher1986
    (502 Beiträge)

    17.12.2020 07:07 Uhr
    @nacional
    Gab es nicht Mal eine Zeit in der eine Bevölkerungsgruppe für die Pest verantwortlich gemacht wurde?

    Abartig was Sie hier schreiben!!!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maehdrescher
    (1516 Beiträge)

    16.12.2020 19:01 Uhr
    Und das
    hat jetzt was genau mit dem Verbot von Abholangeboten im Handel zu tun?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rino
    (336 Beiträge)

    16.12.2020 12:00 Uhr
    Fassungslos und sprachlos.
    Ob Spahn oder unser "Landesvater", beide sind einfach nur in vielem inkompetente Männlein.
    Was spricht gegen eine Abholung? Nichts, aber rein garnichts.
    Da ist jedes weitere Wort überflüssig.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (5931 Beiträge)

    16.12.2020 18:31 Uhr
    Doch,....
    ....es spricht viel dagegen. Z. B. lange Abholwarteschlangen vor den Käufhäusern. Dieses Argument sprach schon jemand vor mir an. Mit den Schließungen und den Ausgangsbeschränkungen will man so weit wie nur irgendmöglich Kontakte unter den Menschen verhindern. Damit der Virus sich nicht weiter ausbreitet. In einem Zittauer Krankenhaus spricht man schin vin einer Triage. Damit diese Zustände nicht auch in KA so werden, muss jeglicher Kontakt zu Menschen verhindert werden. Den Virus besiegt man nur durch die Vermeidung jeglichen Kontaktes und durch einen Impfstoff. Und dieser ist noch nicht da. Und wenn er da ist, dauert es immer ein Jahr bis belastbare Ergebnisse vorliegen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.