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Stuttgart Land weist an: Krankenhäuser müssen 40 Prozent der Intensivbetten für Covid Patienten freihalten

Es droht ein übler Winter mit einer nie dagewesenen Notlage in den Kliniken. Bald könnten die Intensivstationen noch voller sein mit Covid-19-Patienten als in vorigen Wellen. Um das Schlimmste zu verhindern, gibt es nun eine klare Ansage.

Das Land Baden-Württemberg greift angesichts der dramatischen Corona-Lage durch, um die Zahl der Intensivbetten für Covid-19-Patienten kurzfristig zu erhöhen. Die Regierung wies die Kliniken am Donnerstag an, mindestens 40 Prozent ihrer Plätze auf Intensivstationen für Covid-19-Fälle freizuhalten. "Die Situation auf den Intensivstationen der baden-württembergischen Krankenhäuser spitzt sich in hohem Tempo weiter zu", heißt es dem Beschluss, der der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vorliegt.

Mehr als 1.000 Intensivbetten könnten bald gebraucht werden

Nach Prognosen der Unikliniken Ulm und Freiburg könnten bis nächsten Donnerstag landesweit zwischen 750 und über 1.000 Intensivbetten für Covid-19-Fälle gebraucht werden. Derzeit sind 439 mit solchen Fällen belegt. Die Landesregierung hält die Belastungsgrenze schon bei 390 Intensivbetten für überschritten und hat deswegen die Alarmstufe ausgerufen, die vor allem Einschränkungen für Ungeimpfte vorsieht.

Kliniken wollen Kostenübernahme

Trotz wiederholter Appelle hätten sich bisher manche Krankenhäuser nicht an die Bitte des Landes gehalten, 40 Prozent der Intensivplätze für Covid-19-Patienten vorzuhalten - auch aus wirtschaftlichen Gründen, hieß es. Deshalb müsse es nun die Anweisung geben. Wieviele Plätze zusätzlich durch diese Maßnahme gewonnen werden, konnte das Gesundheitsministerium noch nicht sagen.

Die pflegerische Leitung der Intensivstation und Intensivstationsarzt bei einem Corona-Patienten auf der Intensivstation. (Archivbild).
Die pflegerische Leitung der Intensivstation und Intensivstationsarzt bei einem Corona-Patienten auf der Intensivstation. (Archivbild). | Bild: Daniel Vogl/dpa

Die Anweisung ist mit der Zusage verbunden, dass die Kosten erstattet werden. Das Land geht von Kosten in Höhe von 20 bis 30 Millionen Euro in der Woche aus, setzt aber auf eine Übernahme durch den Bund. Am Donnerstag beschlossen Bund und Länder, dass Berlin die Kosten für einen "Versorgungsaufschlag zur Vermeidung wirtschaftlicher Nachteile von Krankenhäusern" übernimmt. Dennoch hat die Landesregierung für dieses Jahr 180 Millionen Euro als mögliche Entschädigung vorgesehen und für das nächste Jahr nochmal 120 Millionen Euro.

Andere Operationen im Zweifel zurückstellen

Die Regierung fordert die Kliniken auf, andere Operationen im Zweifel zurückzustellen. Sie müssten in der Lage sein, "planbare Aufnahmen und Operationen bei Bedarf jederzeit so zu reduzieren", dass kurzfristig ausreichend Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten auf Intensivstationen bereitstehen. "Dazu sind planbare Aufnahmen, soweit medizinisch vertretbar und erforderlich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben und auszusetzen", heißt es in der Allgemeinverfügung.

Problem: Es fehlt Personal auf Intensiv

Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft im Land wurde im vergangenen Winter mit 642 Covid-Patienten auf den Intensivstationen im Land ein Höchststand erreicht. Doch dazu will es die Landesregierung nicht wieder kommen lassen. Hintergrund ist auch, dass das Personal nach eineinhalb Jahren Pandemie fehlt. Im Schreiben der Regierung heißt es, viele Beschäftigte kämen mit dieser enormen Belastung nicht mehr zurecht. "Das führt dazu, dass Pflegekräfte ihre Stunden reduzieren, sich auf andere Stationen versetzen lassen oder kündigen."

Ein Stethoskop hängt um den Hals eines Arztes einer internistischen Intensivstation.
Ein Stethoskop hängt um den Hals eines Arztes einer internistischen Intensivstation. | Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Um gegenzusteuern, soll es erneut einen Bonus geben. Darauf haben sich Bund und Länder am Donnerstag verständigt. Auch sollen vermehrt Hilfskräfte rekrutiert werden, Medizinstudenten oder Ärzte im Ruhestand, um für Entlastung zu sorgen.

Verlegen in andere Bundesländer? Schwierig.

Wenig Hoffnung macht sich das Land, dass man im Notfall Patienten in andere Bundesländer verlegen könnte. Zwar kämen Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Bremen in Betracht, doch deren Kapazitäten seien grundsätzlich sehr begrenzt. In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sei die Lage ähnlich angespannt wie in Baden-Württemberg.

 

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Kommentare (22)
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  •   Kicherente
    (218 Beiträge)

    21.11.2021 20:49 Uhr
    Sehr lustig
    Das funktioniert nur, wenn geplante, auch dringliche, Operationen und Behandlungen für die hinterher eine Intensivüberwachung erforderlich ist verschoben werden. Leider hat sich trotz aller Versprechen die Situation in den Kliniken verschlechtert, trotz aller Zusagen von Politikern. Wenn jemand ausfällt müssen die andern das auffangen und sind dann auch ausgebrannt. Die Abwärtsspirale ist voll in Gang.
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  •   andip
    (11294 Beiträge)

    19.11.2021 13:46 Uhr
    ??
    Gibt es überhaupt noch freie Intensivbetten, für die auch das Personal zur Verfügung steht?
    Wenn nein, wie sollen die dann frei gehalten werden?
    Soll man Patienten, die was anderes als Corona haben, da vorzeitig rausschmeissen?
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  •   likeka
    (652 Beiträge)

    19.11.2021 13:50 Uhr
    Das passiert schon.
    Genau das passiert. Jeden Tag, überall in Deutschland.

    Da werden die "am wenigsten schlechten" Patienten halt mit ungutem Bauchgefühl auf Normalstation (bestenfalls IMC) verlegt. Oft geht das gut, manchmal halt auch nicht.

    Wird halt lieber nicht öffentlich drüber geredet.
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  •   Motorhead
    (987 Beiträge)

    19.11.2021 13:49 Uhr
    Gute Frage
    Derzeit sind ja alle Intensivbetten belegt ...mhhh...
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  •   AlterMann
    (407 Beiträge)

    19.11.2021 13:13 Uhr
    Intensivbetten
    Die Chinesen haben uns letztes Jahr schon vorgemacht wie man innerhalb einiger Tage aus dem Nichts heraus große Behandlungszentren für Coronapatienten aufbauen kann.
    Die Deutschen haben nur nichts daraus gelernt und seit Anfang des Jahres über 4000 Intensivbetten abgebaut.
    Das ist unser Problem, nicht die Zahl der Patienten.
    Und wenn Corona vorbei ist und die nächste Grippeepidemie kommt wird es kein bisschen anders ein wie jetzt.
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  •   likeka
    (652 Beiträge)

    19.11.2021 13:32 Uhr
    Es wurde kein Bett abgebaut.
    Kein einziges Bett auf den Intensivstationen wurde bewusst abgebaut.
    Die Betten stehen bereit. Die Medizintechnik steht bereit.

    Das Personal fehlt. Intensivpflege ist personalintensiv und setzt hohes Fachwissen voraus.
    Vor Corona waren schon Betten aus Personalmangel gesperrt. Seit Corona wird es immer schlimmer.

    Die Pflegekräfte KÖNNEN einfach nicht mehr. Die sind am Ende. Kündigen. Bestenfalls gehen sie "nur" in Teilzeit.

    BSP Klinikum: Im Neubau Haus M stehen 66 High-Care Intensivbetten zur Verfügung. Nagelneu, mit Möglichkeiten von ECLA, Dialyse, etc. Dazu 22 chirurgische Überwachungsbetten (IMC).

    Aufgrund von Personalmangel können aber zur Zeit nur (um die) 38 (von 66) Intensivbetten betrieben werden.
    Da können Sie in die Messe 200 weitere Betten stellen, das bringt gar nichts.

    Es fehlt am Personal.

    Und falls Sie mir das nicht glauben, hier sagts der Klinikchef selbst: Interview vom 05.11.21
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  •   Eiermann
    (355 Beiträge)

    19.11.2021 13:40 Uhr
    Und warum
    fehlt es an Personal? Weil wir in Deutschland seit Jahren immer nur auf Arbeitsverdichtung gesetzt haben. Alles wurde wirtschaftlich optimiert, Personalkosten mussten runtergefahren werden. Da kann man hinschauen wo man will. Arbeit, die früher 10 Mitarbeiter machten, müssen heute 6 oder 7 Mitarbeiter leisten. Keine Zeit mehr zum Verschnaufen. Und wer weg kann, der geht. Das ist schlimm für die Patienten, aber nachvollziehbar.

    Beim Krankenhauspersonal wird die Problematik eben jetzt durch die Pandemie sehr deutlich ans Licht gebracht. Und, bei allem Respekt gegenüber dem Medizin- und Pflegepersonal: sie sind nicht die einzigen. Auch anderswo gehen Leute auf dem Zahnfleisch. Unsere Arbeitswelt ist zunehmend inhuman geworden.
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  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    19.11.2021 19:43 Uhr
    und selbst, wenn man einstellen wollte,
    und ordentlich bezahlen wollte - es gibt schlichtweg niemanden.

    Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in die Rente. Und was nachkommt, kann niemals den Bedarf ersetzen. In allen Dienstleistungsberufen ist das so. Die Jungen studieren alle Jura oder BWL.
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  •   Reger
    (757 Beiträge)

    20.11.2021 10:34 Uhr
    Stimmt
    Junge Menschen wollen oft nur einen Beruf ergreifen, der vor allem Spaß machen soll. Am besten jeden Tag. So kann ein Gemeinwesen aber nicht funktionieren. Arbeiten kann Spaß machen, dient aber vor allem auch dem Lebenserwerb und sie soll einem liegen.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (775 Beiträge)

    20.11.2021 11:12 Uhr
    Es liegt
    schon auch an den Anreizen. Wenn man z.B. als Aktien-Broker ohne persönliches Risiko mit dem Geld der Kunden oder der Bank im Erfolgsfall schnell mal ne Mio pro Jahr machen kann, hat das eine gewisse Lenkungswirkung bei schlauen jungen Menschen.
    Auch im Gesundheitswesen gibt es groteske, falsche finanzielle Anreize (z.B. Fallpauschale), weswegen in DE doppelt so viele Menschen/100.000 Einwohner operiert werden wie z.B. in NL. Käme man davon weg, wäre ein ganz anderer Personalschlüssel und ein anderes Lohnniveau erreichbar. Die Erneuerung muss auch von den Akteuren des Gesundheitswesens kommen. Nach dem Motto: die bisher hier verschleuderten Gelder künftig da sinnvoll einsetzen.
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