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Stuttgart Wegen Delta-Variante in Baden-Württemberg: Kommt im Herbst wieder der Fernunterricht?

Fünfeinhalb Wochen noch bis zu den Sommerferien. Die Maskenpflicht an Schulen ist größtenteils gefallen. Eigentlich wollen alle nur noch durchatmen. Doch wegen der Delta-Variante gibt es neue Warnungen. Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes vom Montag lag die Zahl dieser Variante (Stand 21. Juni, 16 Uhr) in Baden-Württemberg bei 368. In den vergangenen zwei Wochen belief sich ihr Anteil an allen gefährlichen Varianten auf 6,73 Prozent. In der ersten und zweiten Juni-Woche hatte sich der Prozentsatz noch auf 2,74 Prozent belaufen. Die Steigerung fiel - auch wegen des Basiseffektes - mit 146 Prozent sehr deutlich aus.

Schüler in Baden-Württemberg müssen sich womöglich auch im Herbst auf Fernunterricht einstellen. Grund für die unklare Perspektive ist vor allem die riskantere Delta-Variante des Coronavirus. "Wir können nicht ausschließen, dass im Laufe des kommenden Schuljahres wieder Schutzmaßnahmen notwendig sein werden, wenn die Inzidenzen steigen sollten oder Virusmutanten das Infektionsgeschehen verändern", sagt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) am Montag in Stuttgart.

Eine FFP2-Maske liegt auf einem Leuchttisch.
Eine FFP2-Maske liegt auf einem Leuchttisch. | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

"Dafür sieht die Corona-Verordnung für die Schulen in Baden-Württemberg aber auch entsprechende Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht vor."

Voraussetzungen besser als im vergangenen Jahr

Schopper gab sich aber grundsätzlich optimistisch. Es sei klar, dass die Schulen im Regelbetrieb in das neue Schuljahr starten. "Die Voraussetzungen sind hier besser als im vorherigen Jahr: Die Lehrer sind aufgrund der Vorziehung in der Priorisierung bereits jetzt zu großen Teilen vollständig geimpft, wir haben ein sehr genaues Screening der Corona-Fälle in den Schulen und Testungen sind weiterhin eine vielversprechende Option."

Schüler in Hannover auf dem Weg in die Schule. Unter einer Inzidenz von 50 kehren die Schulen und Kitas in Niedersachsen in den Regelbetrieb zurück. Für viele Schüler bedeutet das das erste Wiedersehen in kompletter Klassenstärke seit Monaten.
Schüler auf dem Weg in die Schule. Unter einer Inzidenz von 50 kehren die Schulen und Kitas in den Regelbetrieb zurück. Für viele Schüler bedeutet das das erste Wiedersehen in kompletter Klassenstärke seit Monaten. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Sie erinnerte daran, dass Kinder und Jugendliche "solidarisch in vielen Bereichen zurückstecken mussten". Die Ausbreitung der Delta-Variante behalte man genau im Blick.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält in diesem Zusammenhang die Aufhebung der Maskenpflicht in den Klassenräumen für voreilig und gefährlich. GEW-Landeschefin Monika Stein sprach sich angesichts des Risikos durch die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus dafür aus, dass Lehrkräfte und Schüler bis zu den Sommerferien die Maske weitertragen. "Ich möchte nicht, dass die Präsenz gefährdet wird", sagte Stein der Deutschen Presse-Agentur. "Und ich möchte nicht, dass Familien auf engem Raum in Quarantäne leben müssen."

Monika Stein spricht.
Monika Stein GEW-Landeschefin | Bild: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Ansteckungszahlen in Schulen steigen 

Die Ansteckungszahlen in den Schulen seien in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Es sei trotz der allgemein sinkenden Inzidenzen fahrlässig, die Erfolge bei der Corona-Bekämpfung aufs Spiel zu setzen.

Stein argumentierte, es gebe Hinweise, dass Kinder und Jugendliche die Delta-Variante schneller übertragen könnten. Nach den Sommerferien sei voraussichtlich auch der Großteil der Eltern geimpft, auch deshalb sei es sinnvoll, die Maskenpflicht zunächst beizubehalten.

Sie forderte die grün-schwarze Landesregierung auf, die Schulen endlich mit Luftreinigungsgeräten auszurüsten. "Das Land muss dafür sorgen, dass die Schulen sicher sind." Grün-Schwarz müsse die Kommunen als Schulträger dabei finanziell unterstützen. "Die müssen da endlich aus dem Knick kommen."

Geschlossene Schulen und Freizeiteinrichtungen, kaum Umgang mit Freunden: Die Corona-Pandemie belastet viele Kinder und Jugendliche stark.
(Symbolbild) | Bild: Sven Hoppe/dpa

Schüler können seit Montag in Baden-Württemberg größtenteils auf eine Maske verzichten. Wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region unter 35 liegt und es zwei Wochen an der Schule keinen Corona-Fall gab, wird die Maskenpflicht auch in Klassenräumen aufgehoben.

Außerhalb der Unterrichtsräume, also zum Beispiel auf Fluren, müssen Schüler und Lehrer aber weiterhin Masken tragen. Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien und auf Schulhöfen entfällt schon, wenn die Inzidenz unter 50 liegt.

 

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  •   Mondgesicht
    (2634 Beiträge)

    22.06.2021 16:59 Uhr
    Warum erneute Maskenpflicht an Schulen
    im Herbst oder Winter? Bis dahin sind wir doch mit dem Impfen durch. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, noch irgend jemanden in diesem Land unter eine solche Zwangsmaske zu stecken, wenn es keine Gefahr mehr für das Gesundheitssystem gibt.

    Unter Kindern und Jugendlichen gibt es ohnehin keine ernsthaften Erkrankungen, die meisten Infektionen verlaufen völlig symptomlos. Auch das rechtfertigt keine Maskenpflicht, selbst wenn die Kinder nicht geimpft sind.
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  •   tom1966
    (1409 Beiträge)

    23.06.2021 07:31 Uhr
    Aber
    die Kinder tragen das Virus dann in die Familien.

    Abgesehen davon, wer garantiert, dass der Verlauf bei Kindern nur leicht ist? Um sich und andere zu schützen ist die Maske doch ein recht mildes Mittel. Sie ist zwar lästig, aber eben nicht mehr.

    Was gerade in Schulen notwendig wäre, wäre das Ausrüsten der Räume mit Luftfilteranlagen, aber das kostet eben viel Geld, Masken sind da deutlich billiger.
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  •   Mondgesicht
    (2634 Beiträge)

    23.06.2021 08:41 Uhr
    Ja,
    die Kinder können das Virus in die Familien tragen. Aber ich sprach nicht von heute, sondern vom Herbst/ Winter. Bis dahin haben alle Erwachsenen längst die Möglichkeit gehabt, sich impfen zu lassen.

    Das heißt, das Kind infiziert sich vielleicht, erkrankt aber selbst nicht. Das Kind steckt womöglich die Eltern an, die aber längst geimpft sind - und die erkranken deshalb auch nicht.

    Also wo ist die Begründung? Mit Ihrer Logik haben wir noch in 10 Jahren überall Maskenpflicht, da das Coronavirus nie wieder verschwinden wird. Nein - so funktioniert das nicht. Wir haben laut Grundgesetz ein Recht darauf, wieder frei leben zu können. Die Einschränkungen waren nur so lange berechtigt, wie es keine Impfstoffe gab und die Gefahr bestand, dass das Gesundheitssystem durch zu viele schwere Erkrankungen überlastet wird. Mit erfülltem Impfangebot für alle müssen auch sämtliche Beschränkungen entfallen - alles andere wäre Diktatur.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12583 Beiträge)

    22.06.2021 15:53 Uhr
    die Deltavariante überrollt alles viel schneller:
    im Herbst steht der Epsilon-Typ bereits vor der Tür!
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  •   Dalli_Klick
    (633 Beiträge)

    22.06.2021 10:46 Uhr
    Selbstverständlich
    kommt wieder Fernunterricht. Selbstverständlich kommt ein neuer Lockdown. Die Freiheit wird nicht zurückkehren. So lese ich die Statements aus den letzten Tagen von unseren Regierungspolitikern.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (504 Beiträge)

    22.06.2021 14:07 Uhr
    In
    Wirklichkeit ist es ganz einfach:
    a) es kommt auf die dann vorliegenden Zahlen an;
    b) es kommt auf uns an.
    Freiheitsgefasel und Unkenrufe helfen da nicht zwinkern
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  •   Mondgesicht
    (2634 Beiträge)

    22.06.2021 16:54 Uhr
    Es kommt auf die Regierung an,
    denn wir Bürger sind ja gerade dabei, unseren "Beitrag" zu leisten, indem wir in großer Zahl das Angebot annehmen, uns impfen zu lassen. Im Spätsommer dürften alle, die es wollen, vollständig geimpft sein. Kommt dann unser "freedom day", wie er in England schon für den 19.07. angekündigt ist? Ich höre leider nichts dergleichen von der Regierung. Warum?!

    Und wenn Sie mit "Zahlen" die Inzidenz meinen - nein, auf die kommt es dann nicht mehr an, wenn alle eine Impfmöglichkeit hatten. Denn entweder ich habe mich impfen lassen, dann ist mein Risiko für eine schwere Erkrankung nahe null. Oder ich habe mich dagegen entschieden, dann ist es eben mein Problem. Wenn ich mich nicht gegen Tetanus impfen lasse, riskiere ich eben auch eine Tetanus-Infektion - ohne dass deswegen ganz Deutschland in den Lockdown geht.
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  •   tom1966
    (1409 Beiträge)

    23.06.2021 07:44 Uhr
    Vergleiche
    1. In England steigen die Infektionszahlen wegen der Delta-Variante gerade stark an - wird wohl nichts mit dem Freedom-Day. Dort wird überwiegend mit Astrazeneca geimpft und dieser Impfstoff scheint gegen einige Varianten nicht so gut zu wirken.

    2. Eine Tetanus-Impfung kann man nicht mit der gegen das Corona-Virus vergleichen. Der Knackpunkt ist, dass Tetanus nicht ansteckend ist.

    Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich hier lese, dass es sich bei Meldungen, eine Virusvariante sei gefährlicher oder ansteckender um Horromeldungen und / oder Panikmache handle. Fakten checken: Hier hilft ein Blick nach England: Eigentlich müssten wegen der hohen Impfquote und des Sommerwetters dort die Infektionszahlen sinken. Das Gegenteil ist jedoch der Fall und viele der Infizierten sind mit der Delta-Variante angesteckt. Was kann man also daraus schließen: Entweder wirkt der Impfstoff nicht gegen die Delta-Variante oder diese ist ansteckender. Das ist Logik!
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  •   Mondgesicht
    (2634 Beiträge)

    23.06.2021 08:49 Uhr
    England
    hält am 19. Juli für den "freedom day" fest. Aber selbst wenn man ihn noch einmal ein paar Wochen nach hinten schieben würde - er wird kommen. Bei uns wird ja nicht einmal ansatzweise davon geredet, dass wir noch im Laufe des Jahres 2021 unsere Freiheit zurückbekommen.

    Für mich ist und bleibt das unerträglich. Ich erwarte von der Regierung endlich eine klare Aussage, dass die Beschränkungen aufgehoben werden, sobald alle, die es wollen, vollständig geimpft sind.

    Gut, Tetanus war jetzt nicht das ideale Beispiel. Aber es gibt ja genügend andere Impfungen, die man in Deutschland üblicherweise erhält. Und da ist es eben meine persönliche Risikoabwägung, ob ich mich gegen irgendwas impfen lasse. Wer sich gegen die Corona-Impfung entscheidet, der hat in dem Sinne abgewogen, dass er eine Infektion in Kauf nimmt. Wir können aber doch nicht deswegen auf Jahrzehnte im Lockdown bleiben, weil am Ende vielleicht 15, 20 oder 25 % sich gegen die Impfung entschieden haben. Eigenverantwortung!
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  •   tom1966
    (1409 Beiträge)

    24.06.2021 13:37 Uhr
    Welche Freiheit haben wir denn nicht zurück?
    Es ist doch alles fast wieder normal. Gut, wir müssen beim Einkaufen Masken tragen und Masseveranstaltungen finden auch nicht statt, aber im wesentlichen war es das schon, zumindest für die 3 G! Einen Lockdown haben wir nicht mehr.

    Richtig, es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen, ob er sich impfen lässt oder nicht. Und jeder muss auch aus seiner Entscheidung die Konsequenzen tragen können.
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