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Stuttgart Kritische Corona-Lage: "An Lockerungen ist erst einmal nicht zu denken", warnt Kretschmann

Die baden-württembergischen Corona-Regeln bleiben zwar erstmal wie sie sind - doch warnt Ministerpräsident Kretschmann vor neuen Maßnahmen, wenn sich die Lage nicht deutlich verbessert. Harte Zeiten ständen an. Es gelte, "eine Schippe draufzulegen".

Angesichts der anhaltend hohen Infektionszahlen hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Menschen im Südwesten auf weitere harte Monate eingestimmt. "An Lockerungen ist in den kommenden Wochen nicht zu denken", sagte der Grünen-Politiker am Montagabend nach den Gesprächen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder.

"Wir müssen uns vielmehr auf lange, harte Wintermonate einstellen." Die Infektionszahlen stagnierten zwar, sie seien aber zu hoch, um die aktuellen Einschränkungen zu lockern. "Wir müssen alle noch eine Schippe drauflegen", appellierte Kretschmann.

Ohne Verbesserung drohen weitere Maßnahmen

Zuvor hatten Bund und Länder in einer mehrstündigen Beratung vereinbart, die weitere Entwicklung zunächst noch zu beobachten. Am 25. November wollen Merkel und die Ministerpräsidenten die Lage erneut bewerten und dann gegebenenfalls auch Vorschriften verschärfen.

Das Offenhalten von Kitas und Schulen habe aber nach wie vor eine Priorität, sagte Kretschmann. "Klar ist: wenn sich in den kommenden Tagen kein deutlicher Abwärtstrend zeigt, werden wir um strengere Maßnahmen nicht herumkommen", warnte der Ministerpräsident.

Die Bürger rief er unter anderem dazu auf, private Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren - "auf das absolute und unbedingt notwendige Minimum". Sie sollten gänzlich auf private Feiern verzichten und private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten auf einen festen weiteren Hausstand beschränken. Das schließe auch Kinder und Jugendliche mit ein. "Treffen Sie sich nicht heute mit den einen und morgen mit den anderen", appellierte er.

FFP2-Masken sollen günstiger erhältlich sein

Im Beschluss von Bund und Ländern heißt es zudem, Bürger sollten auch auf nicht notwendige private Reisen und touristische Tagestouren verzichten, außerdem auf Besuche in Bereichen mit Publikumsverkehr. Besonders gefährdete Menschen sollen mit günstigen FFP2-Masken vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus bewahrt werden.

Ein Apotheker hält in einer Apotheke eine FFP2 Atemschutzmaske.
Ein Apotheker hält in einer Apotheke eine FFP2-Atemschutzmaske. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Über 65-Jährige und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollen insgesamt 15 dieser Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung erhalten können. Die Kosten dafür trägt der Bund.

Die notwendige Trendwende sei noch nicht erreicht worden, warnte Kretschmann in seiner Ansprache weiter. "Die Kraft der zweiten Welle ist noch nicht gebrochen." Sie sei stärker als die erste, in der längere Tage und höhere Temperaturen geholfen hätten.

"Weitere Corona-Hotspots unbedingt verhindern"

Zuvor hatten sich führende baden-württembergische Politiker bereits skeptisch zu Lockerungen, aber auch zu schärferen Auflagen geäußert. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart rechnete vor Beginn der Gespräche nicht mit weiteren Verschärfungen oder Lockerungen. "Wir sollten noch eine weitere Woche warten, bis wir die Auswirkungen der Maßnahmen realistisch beurteilen können. Dann lässt sich besser in den Rückspiegel schauen", sagte der CDU-Politiker vor Beginn der Beratungen.

Notwendig sei auch eine Strategie, die über den November hinausreiche, forderte SPD-Chef Andreas Stoch. Dies gelte sowohl für den Fall einer kontrollierten Wiedereröffnung derzeit geschlossener Bereiche als auch für den Fall, dass die Lage sich nicht bessere. "Es müssen ausgewogene und differenzierte Konzeptionen auf den Tisch, die die enormen Kraftanstrengungen insbesondere in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport berücksichtigen", sagte Stoch.

SPD-Landeschef Andreas Stoch.
SPD-Landeschef Andreas Stoch. | Bild: Fabian Sommer/Archivbild

"Allein auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, war bisher leider immer falsch." Stoch forderte auch einheitliche Corona-Regeln und klare Ansagen für die Advents- und Weihnachtsmärkte. Weitere Corona-Hotspots von Feiernden vor Weihnachten müssten unbedingt verhindert werden.

Über 2.000 Corona-Fälle im Stadt- und Landkreis Karlsruhe

Das Landesgesundheitsamt untermauerte den Appell Kretschmanns zur Vorsicht mit den jüngsten Zahlen zu den Infektionen: Demnach sind in Baden-Württemberg innerhalb eines Tages 1.739 neue Corona-Infektionen registriert worden. Die Zahl der nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckten Personen stieg damit auf mehr als 118.700, wie die Behörde am Montag (Stand 16 Uhr) mitteilte. Landesweit legte der Wert für Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auf 134,3 leicht zu.

Die Corona-Lage am 16. November im Landkreis Karlsruhe. | Bild: Landratsamt Karlsruhe

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind am Montag (Stand 0 Uhr) 2.191 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, davon entfallen 859 auf den Stadtkreis Karlsruhe. 145 Menschen sind insgesamt bislang im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Landesweit beträgt die Zahl 2.296 Menschen - das waren 32 mehr als am Vortag. 

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  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    17.11.2020 23:30 Uhr
    Wer
    lieber auf die Behörden warten will kann das natürlich auch tun.
    Mein Vorschlag war ja gerade nicht, die Eltern die mit einem relativ niedrigen Einkommen auskommen müssen, zu belasten.
    Aber wer unbedingt falsch verstehen möchte, der verstehe eben falsch... zwinkern
    Allein mit den eingesparten Urlaubsaufwendungen der Familien in 2020 könnte man zig Tausende hocheffizienter Luftreiniger anschaffen grinsen
    Auch da meine ich: Australien, Nepal, Südafrika, Anden und nicht Juhe Recklinghausen und Zeltplatz im Elsass.
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  •   kritiker_2014
    (574 Beiträge)

    17.11.2020 19:13 Uhr
    Zuvor hatten Bund und Länder in einer mehrstündigen Beratung vereinbart, die weitere Entwicklung...
    Ist aber schön umschrieben.
    In Wirklichkeit hat Merkel sich für ihren Vorstoß eine riesen Klatsche eingehandelt.
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  •   Route66
    (2829 Beiträge)

    17.11.2020 17:57 Uhr
    gehts schon
    wieder los mit Deinem ewigen DDR-Vergleich? Es wird auch nach dem 100sten Mal nicht wahrer und besser.
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  •   Route66
    (2829 Beiträge)

    17.11.2020 18:19 Uhr
    sollte
    unter Dalli Klicks ewigem DDR Vergleich.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1718 Beiträge)

    17.11.2020 20:55 Uhr
    Bei Klopapiermangel und Reisebeschränkungen ...
    ... sind Assoziationen mit der DDR sehr naheliegend. Der Kabarettist Uwe Steimle hat das in meinen Augen recht witzig aufgegriffen. Aber das ist natürlich erstens Geschmackssache und zweitens sagt das nichts über den Sinn und Unsinn eines Vergleichs aus. Aber es bringt viele Menschen zum Lachen und hat damit seine Aufgabe erfüllt.
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  •   froschi
    (88 Beiträge)

    17.11.2020 16:13 Uhr
    Untaugliche im Foto abgebildete Maske mit Ventil!
    Die im Foto abgebildete Maske mit Ausblasventil ist zum Schutz der Mitmenschen NICHT geeignet! Denn sie lässt die Atemluft des Trägers völlig ungefiltert nach draußen durch. Der Träger verbreitet seine Viren und Bakterien so, als ob er gar keine Maske hätte. Insbesondere auch Husten und Niesen geht ungefiltert durch das Ventil nach draußen.

    Solche Masken mit Ausblasventil mögen für bestimmte medizinische Zwecke geeignet sein, zur Eindämmung von Corona sind sie untauglich und gehören verboten. Als Corona-Verbreitungs-Schutzmaske sind deshalb NUR Masken OHNE Ausblasventil geeignet, die die ausgeatmete oder ausgehustete Luft filtern.

    Liebe Redaktion, bitte bringt künftig nicht solche falschen Bilder, die die Leser zum Kauf falscher Masken verleiten und damit die Corona-Schutzregeln unterlaufen.
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  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    18.11.2020 09:38 Uhr
    Verwendungszweck der Masken
    Die "Alltagsmasken" und FFP2-Masken haben ganz andere Verwendungszwecke: Eine Alltagsmaske soll die Aerosole in der ausgeatmeten Luft des Trägers reduzieren, um so das Risko zu vermindern, dass andere angesteckt werden. Eine FFP2-Maske schützt hingegen den Träger der Maske, der Filter filtert beim Einatmen einen Großteil der Partikel aus der Luft. Die Reduktion der Aerosole gibt es dennoch. Daher ist eine FFP2 Maske für Risikogruppen und medizinisches Personal sinnvoll.

    zu Masken
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  •   froschi
    (88 Beiträge)

    18.11.2020 12:51 Uhr
    FFP2 Masken
    gibt es natürlich auch OHNE Ventil. Damit schützt man sich selbst UND die anderen, so wie es sein soll.

    Ich selbst bin Risikoperson und verwende FFP2 Masken, viele andere Menschen auch, natürlich ohne Ventil. Es gibt keinen Grund dafür, Masken mit Ausblasventil zu verwenden, es sei denn, der Träger kann garantieren, dass er nicht infektiös ist, was aber eigentlich niemand garantieren kann.
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  •   DeNunziant
    (55 Beiträge)

    18.11.2020 01:29 Uhr
    !
    Diese Masken sind laut der Landesverordnung regelkonform. Wenn du allerdings eine OP-Maske auf Halbmast trägst, mußt du Strafe zahlen.
    Willkommen in Deutschland und dem Fachkräftemangel in der Politik.
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  •   fischkopffamilie4
    (37 Beiträge)

    17.11.2020 12:12 Uhr
    Obwohl ich nicht
    viel von den Grünen halte und sie niemals wählen werde, hatte ich für Kretschmann dennoch einige Symphatien übrig und fand in zum Teil eher realistisch. In der letzten Zeit erscheint er mir jedoch wie ein Gefolgsmann des bayrischen Möchtegern Kaisers Söder und der von den Medien in den Himmel gehobene gefühlte Kaiserin Merkel. Ich bin kein Corona Leugner und habe mich an alle Vorschriften gehalten, aber das was die Politik hier fabriziert gehört ins Grimms Märchen Buch und ist in jedem Punkt nur noch unverständlich. Herr Kretschmann, mit Respekt, es wäre zeit für die Rente, wie bei vielen unseren Politikern, leider muß ich halt auch sagen, was Junges, dem man mal so richtig die richtigen Entscheidungen zutraut, auch etwas Ruhe und überzeugungskraft, ist weit und breit nicht sichtbar. Der Sommer hätte mal genutzt werden können für den Bau mehrer intensiv Stationen, Ausbildung vieler Pflegekräfte, bei weit besserem Stundenlohn, dazu kommt Hilfskräfte müssen nicht 3 Jahre ausgebildet sei
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