80  

Stuttgart Kretschmann: Harter Lockdown ist leider unvermeidlich - Das gilt ab Mittwoch

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat um Verständnis für den harten Lockdown schon ab Mittwoch geworben. "Es bleibt uns leider nichts anderes übrig, als nun schnell in den harten Lockdown zu gehen", sagte der Grünen-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart nach der Schalte mit den anderen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel. "Die erneut wachsende Zahl der Neuinfektionen, die vielen Toten, die wir Tag für Tag zu betrauern haben und die zunehmende Belastung der Krankenhäuser und Intensivstationen zwingen uns dazu."

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern gilt der Lockdown vom 16. Dezember bis zum 10. Januar. Der Einzelhandel muss mit Ausnahme der Geschäfte für den täglichen Bedarf schließen. Schüler und Kita-Kinder sollen spätestens ab Mittwoch deutschlandweit - wann immer möglich - für zunächst dreieinhalb Wochen zu Hause bleiben.

"Das Virus ist stärker denn je"

"Das Virus ist stärker denn je", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Pressestatement nach der Konferenz von Bund und Ländern zu weiteren Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. "Diese Woche ist die Zahl der Neuinfizierten hochgeschnellt. Es haben sich in Deutschland rund 140.000 Menschen mit dem Virus angesteckt. Davon 20.000 in Baden-Württemberg. Allein gestern sind in Baden-Württemberg knapp 3.800 Neuinfizierte dazugekommen", so Kretschmann.

Lage in Krankenhäusern spitzt sich zu

Auch die Situation an den Krankenhäusern spitze sich kritisch zu. „"In Baden-Württemberg sind es 500 schwer kranke COVID-19-Patienten. So viele wie nie zuvor. An der Uni-Klinik Heidelberg sind die Intensiv-Kapazitäten zu 90 Prozent ausgelastet. Immer mehr Ärzte und Pflegekräfte stecken sich selbst an." Mit dem sanften Lockdown seit Anfang November habe man es zwar geschafft, das exponentielle Wachstum zunächst zu stoppen, es sei aber nicht gelungen, die Infektionszahlen wie gewünscht drastisch senken.

Deshalb müsse man jetzt einschneidende Maßnahmen ergreifen und das öffentliche Leben radikal herunterfahren, um die Zahl der Neuinfektionen radikal herunterdrücken, erläuterte Kretschmann in seinem Statement. "Ein kleines Feuer kann man schnell löschen. Einen Flächenbrand dagegen nur sehr schwer", machte Kretschmann deutlich.

Schulen und Kitas schließen

Die Schulen und Kitas in Baden-Württemberg werden vorzeitig schon am 16. Dezember geschlossen. Für Schüler der Abschlussklassen wird Fernunterricht angeboten. Für Kindergarten-Kinder und Schüler bis Klassen 7, deren Eltern an ihrem Arbeitsplatz unabkömmlich sind, wird es eine Notbetreuung geben, die von den Schulen respektive den Kita-Trägern organisiert wird. "Bitte verzichten Sie aber auf die Notbetreuung, wenn das möglich ist - um die Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren", appellierte Ministerpräsident Kretschmann.

Einzelhandelsläden machen ebenfalls zu

Auch der Einzelhandel muss ab dem 16. Dezember weitgehend schließen. Der Bund wird die Betroffenen Unternehmen mit unterschiedlichen Maßnahmen unterstützen. Dafür stockt der Bund die Überbrückungshilfe und schafft Regeln für Teilabschreibungen, um mit den mit der Schließung verbundene Wertverlust von Waren und anderen Wirtschaftsgütern unbürokratisch und schnell möglich zu machen.

Damit kann der Handel entstehende Wertverluste unmittelbar verrechnen und steuermindernd absetzen. "Details zu den Regelungen gibt der Bund zeitnah bekannt", so das Land Baden-Württemberg in einer Mitteilung.

Nicht betroffen von der Schließung sind:

  • Der Einzelhandel für Lebensmittel
  • Wochenmärkte für Lebensmittel und Direktvermarkter von Lebensmitteln (Zum Beispiel Hofläden)
  • Apotheken, Reformhäuser, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker und Hörgeräteakustiker
  • Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Fahrradwerkstätten
  • Banken und Poststellen
  • Reinigungen und Waschsalons
  • Tierbedarfsmärkte und Futtermittelmärkte
  • Der Weihnachtsbaumverkauf
  • Der Großhandel

Die Lieferung und Abholung von Speisen bleiben weiter möglich. Der Konsum von alkoholischen Getränken im öffentlichen Raum wird nun bundesweit untersagt - so wie es in Baden-Württemberg bereits gilt.

Frisöre müssen ab dem16. Dezember auch schließen

Die bisher geschlossenen körpernahen Dienstleistungen bleiben mit Ausnahme von medizinisch notwendigen Behandlungen weiter geschlossen. Auch Frisöre müssen ab dem 16. Dezember schließen.

Verkauf von Pyrotechnik verboten

Wegen der hohen Verletzungsgefahr und der bereits enormen Belastung des Gesundheitssystems ist der Verkauf von Pyrotechnik vor Silvester in diesem Jahr generell verboten. Die in Baden-Württemberg geltenden Ausgangsbeschränkungen gelten laut Land auch über den Jahreswechsel.

Gottesdienste weiter möglich

Gottesdienste und Zusammenkünfte von Glaubensgemeinschaften sind nur noch unter folgenden Bedingungen möglich:

  • Mindestabstand von 1,5 Metern
  • Es gilt Maskenpflicht
  • Der Gemeindegesang ist untersagt

"In den kommenden Tagen werden wir Gespräche mit den Glaubensgemeinschaften führen, um zu geeigneten Regelungen zu kommen", kündigte Ministerpräsident Kretschmann an.

Kontakte am Arbeitsplatz reduzieren

Ministerpräsident Kretschmann forderte die Arbeitgeber auf, wo immer möglich Home-Office zu ermöglichen oder vom 16. Dezember 2020 bis 10. Januar 2021 ganz zu schließen. "Das Motto sollte sein: ‚Wir bleiben zuhause‘", brachte Kretschmann den Appell auf den Punkt. Arbeitgeber sind verpflichtet, in den Betrieben die Hygieneregeln aus der Corona-Verordnung umzusetzen. Auch sind sie gesetzlich gegenüber ihren Angestellten zur Fürsorge verpflichtet.

Um den bestmöglichen Schutz in den Alten- und Pflegeheimen zu ermöglichen, werden Testungen des Pflegepersonals mehrmals pro Woche verpflichtend eingeführt - das gilt auch für das Personal von mobilen Pflegediensten. "Wir appellieren eindringlich an Sie alle, bis zum 10. Januar auf jegliche Reisen zu verzichten - das gilt besonders für touristische Reisen", sagte Kretschmann.

Zehn Tage Quarantäne nach Rückkehr aus Risikogebiet

Wer aus einem ausländischen Risikogebiet einreist, muss zehn Tage in Quarantäne gehen. Diese Quarantäne kann laut Land durch einen negativen Test, der frühestens am fünften Tag nach der Einreise gemacht wurde, beendet werden.

Am 5. Januar werden sich die Länderchefs erneut mit der Kanzlerin beraten, um Maßnahmen ab dem 11. Januar 2021 zu beschließen. "Aber eines kann ich schon heute sagen: Wenn die Zahlen bis dahin nicht deutlich runtergehen, brauchen wir auch danach drastische Einschränkungen", so Kretschmann abschließend.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (80)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Gevatter
    (485 Beiträge)

    14.12.2020 10:20 Uhr
    Übrigens, Gottesdienste
    sollten auch verboten werden. Gerade die Freikirchen sind sehr resistent. Im Kreis Lippe kam es nach Gottesdienste von Freikirchen zu Coronaausbrüchen. Deswegen wäre es konsequent alle Kirchen und Moscheen zu schließen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3181 Beiträge)

    13.12.2020 22:22 Uhr
    Kontakte reduzieren
    Wie üblich halten sich viele, zuviele, nicht an Vorgeschriebenes, bei Corona genauso wie im übrigen Leben, z. B. Straßenverkehr. Ohne Kontrollen und Strafen geht da nichts. Heute auf dem Turmberg: so voll war der schon lange nicht mehr. Mir ist klar, dass KOD und Polizei nicht überall sein kann, aber ich habe sie dort oben vermisst. Ich war auch dort mit dem Kfz dort auf der Durchfahrt, aber ich hatte einen anerkannten Rechtfertigungsgrund.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   M.S.
    (376 Beiträge)

    13.12.2020 20:59 Uhr
    also
    wenn ich aus der Pfaz nach BaWü zurück kehre nuss ich in Quarantäne???
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (485 Beiträge)

    13.12.2020 19:00 Uhr
    2021 wird nicht leichter als 2020,
    eher schwieriger. Der Lock Down wird nicht am 10. Januar zu Ende sein, der wird länger gehen. Impfung? Man sieht jetzt schon, dass die Dosen nicht reichen werden, es muss ja zweimal geimpft werden. So werden wir bis mindestens April warten müssen, bis so was wie ein annähernd normales Leben wieder stattfindet. Und bis jetzt weiß keiner, wie lange die Immunität anhält. Unter Umständen muss im Herbst wieder geimpft werden.

    Selbst wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen sollten, danach werden wir mit massiven wirtschaftlichen und finanziellen Problemen konfrontiert werden. Und auch da sagen die Politiker uns nicht die Wahrheit, wie denn die ganzen Kredite wieder zurückgezahlt werden sollen. Dazu noch die Energiewende mit horrenden Energiekosten.

    Darüber schweigen sich unsere Politgrößen aus, wohlwissend, dass die Wahrheit sehr unangenehm ist. Vielleicht mal den Prodcast von Sahra Wagenknecht dazu anschauen. Eine hochintelligente Frau die die Wahrheit sagt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sherlock
    (346 Beiträge)

    13.12.2020 19:42 Uhr
    Natürlich
    wird nach der Pandemie nichts mehr so sein wie es war. Es war ja auch eine lange Krise. Aber ich glaube wir Deutschen haben es nach 1945 aus dem Nichts geschafft die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das sollten wir nun mit einer viel besseren Ausgangssituation doch auch schaffen. Dann wird eben mal ein Shirt und ein SUV und ein Smartphone jährlich weniger gekauft. So what? Hauptsache man lebt noch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kommentar
    (443 Beiträge)

    15.12.2020 03:50 Uhr
    Über siebzig Jahre alt?
    "Hauptsache man lebt noch."
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2762 Beiträge)

    14.12.2020 15:07 Uhr
    Legendenbildung
    1945 lag die deutsche Wirtschaft längst nicht so am Boden, wie einem immer vorgemacht wird. Aber eine hübsche Story ist es trotzdem grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (485 Beiträge)

    13.12.2020 19:59 Uhr
    Das war eine andere Generation.
    Mit der weichgespülten Generation heute wird das schwierig.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sherlock
    (346 Beiträge)

    13.12.2020 20:18 Uhr
    Das stimmt
    Aber da müssen die/wir durch. Wir hatten seit 70 Jahren ein wunderbares Leben ohne Krieg, ich glaube das hatte noch keine Generation vorher. Die Pandemie ist weitaus "gemütlicher" als ein Krieg und es sollte auf jeden Fall zu schaffen sein, innerhalb 5-10 Jahren wieder den vorherigen Wohlstand in Deutschland erwirtschaftet zu haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kojak
    (582 Beiträge)

    13.12.2020 20:21 Uhr
    Hoffentlich
    wird man dann endlich auch mal die sogenannten Aktivisten zur Arbeit heranziehen, die es sich jetzt auf Staatskosten bequem machen können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 (9 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.