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Karlsruhe Corona-Lage im Städtischen Klinikum bleibt ernst: Bald wird jeder Patient getestet

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage - Im Klinikum werden die Kapazitäten knapp

Das Städtische Klinikum muss haushalten - und zwar nicht mit finanziellen Mitteln, sondern im Bezug auf Personal und Behandlungskapazitäten. Das macht die aktuelle Entwicklung der Corona-Lage nötig, wie Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz erklärt. 

Der Grund: Die Zahlen der mit dem SARS-CoV2-Virus Infizierten reißen auch bis auf Weiteres nicht sichtbar ab. 38 Personen lagen am Freitag auf der Covid-Allgemeinstation, davon sind neun Verdachts- beziehungsweise Quarantänefälle. Sieben Patienten werden zudem aktuell auf der Corona-Intensivstation behandelt, davon müssen drei beatmet werden.

OP-Säle auf zwölf zurückgefahren

Aufgrund der hohen Zahlen dreht sich der Klinikalltag aktuell vornehmlich um die konstante Bereitstellung von Kapazitäten, sollten plötzlich viele neu infizierte Patienten eintreffen. Das Klinikum befindet sich laut Geißler zurzeit auf Stufe drei des Pandemieplans - "und das wird sich erst einmal auch nicht ändern". Die Anzahl der Operationssäle wurde von insgesamt 19 auf 12 heruntergefahren. 

Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.
Michael Geißler, medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

"Viel tiefer wollen wir auch nicht gehen", so Geißler. Der Grund: Sollte der schlimmste Fall eintreten und nur noch acht Operationssäle zur Verfügung stehen, sei die Behandlung dringender Notfälle und Schwerkranker nicht mehr gewährleistet. Schon jetzt sei die Versorgung vor allem der Normalstationen beeinträchtigt.

"Vier Krankenstationen wurden bereits geschlossen", so Josef Hug, Geschäftsleiter Pflegedirektion. Alle dortigen Mitarbeiter wurden auf den Corona-Allgemeinstationen eingesetzt, um das Personaldefizit auszugleichen.

Alle Patienten werden ab spätestens Ende kommender Woche getestet

An der knappen Anzahl an Betten ändert das allerdings nichts: "Von 43 Betten sind aktuell 38 belegt - so können wir nicht ins Wochenende gehen", erklärt Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III. Aus diesem Grund sollen die Kapazitäten ab Montag auf 55 Betten ausgebaut werden. Die Nutzung des neuen Bettenhauses M als Corona-Ausweichkrankenhaus stehe aber noch nicht zur Diskussion.

Ein weiteres Problem, mit dem das Städtische Klinikum aktuell kämpft: Steigende Krankheits-Ausfälle unter dem Pflegepersonal des Krankenhauses: Fast 200 Angestellte fallen demnach aktuell aus, 33 Mitarbeiter sind corona-positiv.

Josef Hug, Geschäftsbereich Pflegedirektion im Städtischen Klinikum Karlsruhe.
Josef Hug, Geschäftsbereich Pflegedirektion im Städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Melissa Betsch

Um eine weitere Verschlimmerung der Situation zu verhindern, wurde am Freitag ein internes Corona-Maßnahmenpaket verabschiedet. Dazu gehört: Ab spätestens Ende kommender Woche will das Klinikum eine intensivierte Teststrategie einführen. Demnach müssen alle Patienten vor ihrer Aufnahme - egal ob stationär oder ambulant - mit einem PCR-Test auf Corona getestet werden, um auch Infizierte ohne sichtbare Symptome frühzeitig zu erkennen. "Das bedeutet natürlich einen hohen logistischen Aufwand", sagt der Klinik-Geschäftsführer. 

"Können nicht von Welle zu Welle springen"

Die gute Nachricht: Auch wenn sich die Infektionszahlen aktuell auf einem hohen Niveau bewegen - mit einem weiteren Anstieg rechnet Geißler aktuell nicht. Auch die Lage auf der Corona-Intensivstation sei momentan noch nicht bedenklich, hier befinde man sich auf Stufe zwei. Drei beatmete Patienten habe man in dieser Woche zudem extubieren können. "Bei mehr Neuinfektionen als noch in der ersten Welle gibt es aktuell weniger Intensiv- und weniger Sterbefälle - das ist ein Erfolg", so Geißler.

Bild: Thomas Riedel

Dennoch sei es zum Aufatmen noch zu früh: "Es ist eine stabile, aber ernste Situation." Größere Lockerungen könne man sich derzeit nicht erlauben. Die Bürger müssten sich bewusst sein, dass es den ganzen Winter über Einschränkungen geben wird. "Eine stabile, leichte Stufe zwei im Pandemieplan ist unser Ziel. Wir können nicht von Welle zu Welle springen."

Für den Notfall sei man allerdings gerüstet, erklärt Josef Hug: Im Worst-Case-Szenario könne man in kürzester Zeit 20 zusätzliche Beatmungsplätze schaffen und innerhalb einer Woche fünfzig Betten bereitstellen. Dafür müssten allerdings weitere Stationen geschlossen werden - "und das wäre katastrophal", so Hug.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie durchlebt Karlsruhe nun gerade seinen dritten großen Höhepunkt. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate und zum Schulbeginn wieder in die Höhe. Inzwischen steigen die Neuinfektionen so schnell, dass in Baden-Württemberg die Pandemiestufe drei ausgerufen wurde.

Neben den Lockerungen der Corona-Verordnungen ist der Anstieg inzwischen auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielen laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Corona-Infektionen im Schulbetrieb halten sich bis dato in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : Aktueller RKI-Lagebericht
Dateigröße : 1.22 MBytes.
Datum : 20.11.2020 15:57
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  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    23.11.2020 07:15 Uhr
    Alle Patienten testen
    Warum erst jetzt? Das hätte schon längst passieren müssen. Ich weiß z.B. das im städtischen Klinikum Landau ALLE Patienten (außer Notfälle), egal ob stationär oder ambulant, zwei Tage vor einem Eingriff zum Corona-Test kommen müssen - und das zumindest schon seit dem Sommer.
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