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Karlsruhe Keine Testpflicht gleich mehr Infektionen? Welchen Anteil Geimpfte bei Karlsruhes steigenden Corona-Zahlen haben

Seit über einem Jahr beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Nach drei Corona-Wellen, die letzte im Frühjahr, beginnen die Zahlen aktuell wieder nach oben zu klettern - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz steigt wieder an

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass die Corona-Zahlen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe erneut nach oben klettern.

Zum Vergleich: Waren am Dienstag, den 24. August, 222 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Montag, 30. August, 263. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 47,1 und im Landkreis bei 85,6 (Stand: Sonntag, 29. August, 16 Uhr).

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Der Grund dafür: Reiserückkehrer und vermehrte Neuinfektionen bei jungen Menschen lassen aktuell die Corona-Zahlen in Karlsruhe wieder in Höhe schnellen.

Steigende Zahlen in Karlsruhe auch durch geimpfte Personen?

Da allerdings die geimpften Personen nicht mehr testpflichtig sind und somit die Zahlen sich primär an den Ungeimpften orientieren, stellt sich vermehrt die Frage: Inwiefern sind die geimpften Bürger an dem Anstieg beteiligt? Und vor allem: Wird bei der 7-Tages-Inzidenz zwischen ungeimpft und geimpft unterschieden?

Eine Umfrage bei ka-news.de hat ergeben, dass die meisten Leser bereits geimpft sind oder noch vorhaben, sich impfen zu lassen. | Bild: screenshot@ka-news.de

Auf Nachfrage von ka-news.de beim Karlsruher Gesundheitsamt erklärt dieses in einem schriftlichen Statement, dass zirka 15 Prozent der gesamten Neuinfektionen auf geimpfte Personen zurückzuführen seien. Das heißt, dass bei der Berechnung der 7-Tages-Inzidenz in Karlsruhe nicht speziell zwischen Geimpften und Ungeimpften unterschieden wird.

Auch sollen Fälle aufgetreten sein, in denen sich Menschen infizierten, die erst eine Impfung erhalten haben und deshalb noch über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen. Wie das Amt aber weiter ausführt, müsste die Anzahl der Impfdurchbrüche immer in Relation zu der Anzahl der Geimpften betrachtet werden.

Mehr Geimpfte heißt auch mehr Impfdurchbrüche

"Es liegt auf der Hand, dass in dem Maße, in dem Menschen vollständig geimpft sind - aktuell sind das im Land zirka 60 Prozent - auch die Impfdurchbrüche, also Infektionen bei geimpften Personen, zunehmen. Man muss sich aber vor Augen halten, dass sich das Virus (wieder) exponentiell verbreiten würde, wenn die Impfquote nicht so hoch wäre, wie sie jetzt bereits ist", so das Gesundheitsamt.

Schild beim DM-Testzentrum in Karlsruhe | Bild: Hammer Photographie

Die Kritik von einigen Bürgern, dass geimpfte Personen ebenfalls stark zum aktuellen Infektionsgeschehen beitragen, da bei Ihnen die Testpflicht entfällt, weist das Amt indes zurück.

"Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass die Ansteckungsgefahr durch geimpfte Personen deutlich geringer ist, ist die Vermutung nicht zutreffend, dass der spürbare Anstieg der Inzidenzen von der Zahl der Neuinfektionen durch Geimpfte herrührt."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen im November 2020 in die Höhe, danach erneut im März 2021.

Zwischenzeitlich begannen die Zahlen deutschlandweit zu sinken, was unter anderem der fortschreitenden Impfkampagne zugeschrieben wurde. Aktuell steigt die Anzahl der Corona-Infizierten durch die Ausbreitung der Delta-Variante wieder an. Das Problem: Häufig sind Infektionsketten nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. 

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : Aktueller RKI-Lagebericht vom 30. August
Dateigröße : 1.67 MBytes.
Datum : 30.08.2021 16:29
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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   tom1966
    (1538 Beiträge)

    02.09.2021 08:49 Uhr
    Tests trotz Impfung
    Ich bin genesen und geimpft (Infektion Januar, Impfung Juli), dennoch mache ich einmal pro Woche einen Schnelltest, um auf Nummer sicher zu gehen. Ich möchte ja auch z.B. meine Eltern besuchen können, ohne sie zu gefährden - bei ihnen sind aufgrund des Alters und Erkrankungen Impfdurchbrüche eher möglich, und ich möchte nicht daran Schuld sein, wenn sie an dem Virus erkranken.

    Ich wäre durchaus dafür, dass die Tests für alle einmal pro Woche kostenlos bleiben oder dass sich jeder einen Selbsttest pro Woche kostenlos in der Apotheke holen kann. Wer eine Bescheinigung benötigt, weil er sich nicht Impfen lassen WILL, soll dafür bezahlen, für die, die sich nicht impfen lassen KÖNNEN, soll es weiter kostenlos bleiben.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    31.08.2021 12:35 Uhr
    und dann stellt sich wohl Einigen die Frage,
    wozu impfen, wenn man sich dennoch infiziert?
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  •   AlterMann
    (364 Beiträge)

    31.08.2021 13:56 Uhr
    Ist normal
    Infektion trotz Impfung ist normal.
    Denn eine Impfung macht ja keinen Schutzschild um einen herum der die Erreger nicht durchlässt. Ist man den Erregern ausgesetzt dann dringen die in den Körper ein und beginnen sich zu vermehren.
    Aber : wenn man geimpft (oder genesen) ist dann bekämpfen die Antikörper frühzeitig die Erreger so dass deren Anzahl erst gar nicht groß ansteigen kann und recht schnell wieder auf 0 runter geht.
    Wie weit der Anstieg war das liegt daran wieviele Erreger man abbekommen hat und wieviele Antikörper noch vorhanden waren. Müssen die erst wieder neu produziert werden dann dauert es halt etwas länger, in der Zeit kann die Menge an Krankheitserreger dann höher ansteigen.
    Dies ist aber bei allen derartigen Infektionskrankheiten so. Nicht nur bei Corona. Und auf jeden Fall kein Arguent gegen eine Impfung.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (643 Beiträge)

    02.09.2021 12:54 Uhr
    So siehts aus:
    hier der Überblick: "Baden-Württemberg: 10,1 beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern für die, die zweimal mit einem Impfstoff von Biontech, Astrazeneca oder Moderna beziehungsweise einmal von Johnson und Johnson geimpft sind. Für Ungeimpfte liegt der Wert hingegen bei 122,5 (Stand jeweils 26. August). In den vorangegangenen vier Wochen bis zum 26. August wurden dem baden-württembergischen Landesgesundheitsamt insgesamt 15.653 COVID-19-Fälle übermittelt, darunter befanden sich nur 302 Fälle (1,9 Prozent) "mit Angaben zu einer vollständigen Impfung (Impfdurchbruch)", wie das Stuttgarter Regierungspräsidium in einer E-Mail an unsere Redaktion schreibt. 81 Menschen davon mussten hospitalisiert werden. Von den 47 Personen, die in dem Zeitraum auf der Intensivstation behandelt werden mussten, war von 39 der Impfstatus bekannt – 33 Fälle waren zum Zeitpunkt der Erkrankung nicht vollständig oder gar nicht geimpft."
    Quelle: https://web.de Aktualisiert am 30.08.2021, 15:20 Uhr
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  •   barheine
    (705 Beiträge)

    31.08.2021 09:05 Uhr
    Eine Infektion nach doppelter Impfung soll besser sein als eine dritte Impfung. Dann ist man wirklich perfekt geschützt. In der Regel merken Geimpfte nicht einmal, dass sie sich angesteckt haben.
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  •   udoh
    (1991 Beiträge)

    31.08.2021 17:08 Uhr
    Leider sehen sich aber viele Geimpfte als unantastbar für das Virus an
    Klar ist impfen ein wichtiger Teil der Corona-Bekämpfung, aber eben nur EINER in der (Infektions-) Kette.
    Wer die Erkrankung nicht selbst erkennt und nicht getestet wird ist ein potentielles Problem.
    Derjenige kann durchaus andere anstecken, die mit Impfung seltener, ohne Impfung häufiger ggf. schwer erkranken.
    Daher sehe ich Tests als dauerhaft wichtiger Bestandteil an!
    Der Verzicht aus Kosten- oder Impfwerbegründen ist nur für das Virus und den Wahlkampf gut.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (643 Beiträge)

    02.09.2021 13:00 Uhr
    Gut
    macht es z.B. Dänemark. Dort sind über 70% geimpft (über 80% der >12 Jährigen) und man daher kann man jetzt auf alle praktisch Maßnahmen verzichten.
    Das zeigt: je höher der Anteil Ungeimpfter, desto mehr und länger werden wir mit Corona zu tun haben.
    Ich möchte nicht dauerhaft für Tests bezahlen müssen (diese sind ja nur scheinbar gratis; ich und andere zahle die mit unseren Steuern). Ein wahrhaft göttliches Geschäft für die Betreiber von Testzentren.
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  •   Jossele
    (139 Beiträge)

    30.08.2021 22:40 Uhr
    Hat tatsächlich das Gesundheitsamt selbst
    das Wort exponentiell jetzt auch in der neuen umgangssprachlichen Bedeutung "sehr stark" statt in der Bedeutung "exponentiell" verwendet? Oder hat ka-news da beim Zitat nachgeholfen?
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