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Genf Alpha, Beta, Omega: Corona-Varianten erhalten neue Namen

Alpha und Delta statt "britische" oder "indische" Virus-Variante: Die Weltgesundheitsorganisation will Diskriminierung vorbeugen und hat deshalb ein neues Namenssystem für bestimmte Corona-Varianten beschlossen.

Bestimmte Coronavirus-Varianten werden umbenannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt ab sofort auf neutrale Namen, um zu verhindern, dass die Varianten nach den Ländern benannt werden, in denen sie zuerst entdeckt wurden.

"Das ist stigmatisierend und diskriminierend," teilte die WHO am Montagabend mit. Sie nimmt nun Buchstaben des griechischen Alphabets für die Bezeichnung der Corona-Varianten, die sie als "besorgniserregend" oder "Varianten von Interesse" einstuft.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen sehr schnell strengere Überwachungsvorgaben machen.
Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen sehr schnell strengere Überwachungsvorgaben machen. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

So heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7 nun Alpha. Die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351 wird zu Beta, die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1 wird Gamma und die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2 wird Delta. Die Variante, die jüngst in Vietnam entdeckt wurde, stand bis Dienstag nicht auf der WHO-Liste.

Neue Namen sollen Diskriminierung verhindern

Die WHO betont, dass die wissenschaftlichen Bezeichnungen bestehen bleiben, weil sie Forschenden wichtige Informationen liefern. Sie seien aber schwer zu merken, und deshalb habe sich die Angewohnheit verbreitet, die Varianten nach ihren Ursprungsorten zu benennen. "Um das zu verhindern und um die öffentliche Kommunikation zu vereinfachen, empfiehlt die WHO Behörden, Medien und anderen, die neue Kennzeichnung zu verwenden."

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop.
Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop. | Bild: Uncredited/NIAID-RML/AP/dpa

Von der "indischen" oder "britischen" Variante zu sprechen löst bei manchen Menschen einen Abwehrreflex gegen Menschen aus, die aus diesem Land kommen. So hat die Tatsache, dass der frühere US-Präsident Donald Trump beim Coronavirus oft vom «China-Virus» sprach, in den USA Hasskriminalität gegen chinesisch aussehende Menschen ausgelöst.

Indem Phänomene wie Viren nach Orten benannt werden, distanzierten sich Menschen davon, sagte Nilu Ahmed, Psychologin an der Universität Bristol. "Das überträgt Schuld auf die anderen und erlaubt denen, die das Narrativ nutzen, sich als Opfer zu inszenieren."

So etwas könne auch falsche Annahmen fördern: So sei die Spanische Grippe in den USA aufgekommen, aber erst in Spanien ausführlich dokumentiert worden.

Alpha bis Delta sind zurzeit die vier von der WHO als "besorgniserregend" eingestuften Varianten. Sechs weitere Mutanten, die in den USA, Brasilien, den Philippinen und in Indien entdeckt wurden, bekamen ebenfalls griechische Buchstaben zugewiesen.

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Kommentare (15)
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  •   Waterman
    (6562 Beiträge)

    02.06.2021 16:25 Uhr
    Macht doch Sinn
    Es muss ja nicht sein, dass eine Variante dort entstanden ist, wo sie erstmals in größerem Umfang festgestellt wurde. Eine Bezeichnung nach dem Alphabet ist daher ein guter Vorschlag. Es ist ja unbeschadet, festzustellen, wo und wie sie zuerst festgestellt wurde.

    Die Spanische Grippe entstand ja nachweislich in den USA (ziemlich sicher von einer Gans zu einem jungen Mann, der eingezogen wurde) und kam mit den US-Soldaten nach Europa. Da Krieg herrschte, wurde die Krankheit zum Kriegsgeheimnis erklärt und hat sich dadurch natürlich umso schneller und ungehindert verbreitet. Erst als sie in Spanien ankam, wurde darüber berichtet, da Spanien auf keiner Seite Partei war. So kam es in die Presse und von da in die Welt. Bis heute ist es aber dadurch auch die "Spanische" Grippe.
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  •   Dalli_Klick
    (611 Beiträge)

    02.06.2021 17:57 Uhr
    Jetzt
    müssen Sie uns nur noch erklären, worin genau das Problem besteht, dass die "Spanische Grippe" als solche bezeichnet wird. Sind heute noch alle Spanier depressiv deswegen, oder leidet die spanische Wirtschaft darunter?
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  •   OtusLocus
    (155 Beiträge)

    02.06.2021 16:37 Uhr
    Genau das ist sie bis heute.
    Ich denke nicht, daß Spanien dadurch irgendwelche Nachteile gehabt hat, bzw. noch hat.
    Deswegen kann man sich diesen Diskriminierungsunfug sparen.
    Die sollen sich mal lieber überlegen, wie sie Ungeimpfte nicht diskriminieren. Das ist wichtig.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12444 Beiträge)

    02.06.2021 15:55 Uhr
    und Epsilon ist wohl die
    Ausgangsvariante, die nicht "chinesische Variante" genannt werden darf?
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  •   andip
    (11068 Beiträge)

    02.06.2021 12:20 Uhr
    Oje
    Hoffentlich tauchen nicht noch mehr Mutanten auf, so viele Buchstaben hat das griechische Alphabet auch nicht.
    Und muss man die jetzt auch in griechischen Buchstaben schreiben?
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  •   mueck
    (12195 Beiträge)

    02.06.2021 08:50 Uhr
    ?
    Und die Griechen mit ihren armen unschuldigen Buchstaben darf man diskriminieren? zwinkern
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  •   Schattegustl
    (228 Beiträge)

    01.06.2021 23:04 Uhr
    Tolle Kommentare
    Ein Stelldichein der Elite der ka-news Kommentatoren
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  •   OtusLocus
    (155 Beiträge)

    02.06.2021 02:06 Uhr
    Ein hyperventilieren der Sprachverordner?
    Ein mucken der Sprachelite des ka-news Kommentarbereiches?
    Fragen über Fragen...
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  •   Leonid
    (89 Beiträge)

    01.06.2021 19:16 Uhr
    Tattü tatta
    Die Sprachpolizei ist da.
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  •   barheine
    (622 Beiträge)

    01.06.2021 19:01 Uhr
    Heißt das etwa, dass wir eine deutsche Mutante nicht nach Jens Spahn benennen dürfen, wenn das beim Impfen weiterhin so zäh vorangeht?
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