Karlsruhe Karlsruher richten Gabenzaun am Kühlen Krug ein: "Ihr seid nicht allein, wir sind für euch da"

Die Corona-Krise trifft bedürftige und obdachlose Menschen besonders hart. In Karlsruhe haben Privatpersonen daher sogenannte Gabenzäune eingerichtet, wo sie Spenden in Form von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und warme Decken aufhängen. Auch an der Unterführung am Kühlen Krug befindet sich ein solcher Zaun. ka-news.de hat mit der Betreuerin des Projekts gesprochen.

Tüten und Kartons, gefüllt mit Konserven, Isomatten, Decken, Obst, Zahnbürsten und vielen anderen Dingen stapeln sich an der Wand der Unterführung am Kühlen Krug. Dort abgestellt haben die Sachen Menschen, die den Hilfsbedürftigen der Karlsruher Bevölkerung ein wenig unter die Arme greifen möchten. "Es muss dringend pragmatische Hilfe her", erklärt die Verantwortliche des Gabenzauns.

Polizei und Ordnungsamt dulden den Gabenzaun

Ihren Namen möchte sie gegenüber ka-news.de nicht nennen, "weil nicht ich im Mittelpunkt stehen soll, sondern die Sache selbst". Zudem sei es eine rechtliche Grauzone, in der sie und die anderen Helfer sich mit der Aktion bewegen. Anmelden hätten sie den Zaun bei der Stadt nämlich bisher nicht können, die Ämter seien kaum zu erreichen.

Am der Unterführung Kühler Krug wurde ein Gabenzaun für Obdachlose eingerichtet.
Neben dem Kühlen Krug gibt es noch weitere Gabenzäune im Karlsruher Stadtgebiet. | Bild: Corina Bohner

"Aber es wird geduldet, solange alles vernünftig bleibt", erklärt sie im Gespräch mit ka-news.de. Mehrmals am Tag würden Polizei und Ordnungsamt an der Unterführung vorbeifahren - angesprochen habe die Helfer bisher aber noch niemand.

"Sofern die Wand oder der Zaun durch die Aktion nicht beschädigt wird und jeder sich an die Corona-Verordnung hält, sollte eine solche Aktion kein Problem darstellen", heißt es auch von Seiten der Polizei auf Nachfrage von ka-news.de.

"Wenn wir abbauen müssten, wäre niemandem geholfen"

Damit das auch so bleibt, muss sich jeder der Spender an klare Vorgaben halten. "Kleidung - wie Jeans oder Hemden - Zigaretten, Alkohol und selbst gemachtes Essen sind nicht erlaubt und werden auch sofort entsorgt", so die Betreuerin des Projektes. Auch in der Unterführung weisen Schilder auf die Regeln der Spendenaktion hin.

Am der Unterführung Kühler Krug wurde ein Gabenzaun für Obdachlose eingerichtet.
Es gelten strikte Regeln - sonst könnte der Aktion schnell das Ende drohen. | Bild: Corina Bohner

Zudem dürfe immer nur eine Person gleichzeitig am Zaun stehen, Handschuhe sowie der Sicherheitsabstand von 1,50 Metern sind Pflicht. "Die Gefahr, dass wir abbauen müssten, wäre sonst auch zu groß - denn damit wäre dann niemandem geholfen."

Bis zu acht Mal am Tag muss aufgefüllt werden

Angenommen werde der Gabenzaun am Kühlen Krug laut der Betreuerin bisher sehr gut. "20 Beutel waren schon mal über Nacht weg." Besonders begehrt seien haltbare Lebensmittel wie Brot und Brötchen, geräucherte Würstchen, Scheibenkäse, Obst und Konserven wie Dosenwurst.

Am der Unterführung Kühler Krug wurde ein Gabenzaun für Obdachlose eingerichtet.
Haltbare Lebensmittel und Hygieneprodukte sind besonders begehrt. | Bild: Corina Bohner

Aber auch Hygieneartikel für Damen, Einmalzahnbürsten, feuchte Hygienetücher, Decken, Schlafsäcke, Schals und Handschuhe seien schnell vergriffen. "Sieben bis acht Mal am Tag muss aufgefüllt werden, das ist ruckzuck weg."

Vier weitere Gabenzäune gibt es in Karlsruhe

Neben dem Gabenzaun in der Weststadt gibt es weitere Spendenplätze am Durlacher Bahnhof, am Lidellplatz, an der Lutherkirche in der Oststadt und in Beiertheim am Bolzplatz gegenüber des dortigen Aldis.

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Für den Standort in der Unterführung am Kühlen Krug habe man sich bewusst entschieden, weil der Platz bereits zuvor regelmäßiger Anlaufpunkt für Obdachlose gewesen sei und deshalb oftmals schon Spenden dort abgelegt wurden.

Helfer organisieren sich über Facebook-Gruppe

Um einen Überblick über die geschenkten und bereits wieder vergriffenen Dinge zu behalten, organisieren sich rund 70 Helfer seit dem vergangenen Samstag, 28. März, über die Facebook-Gruppe "Karlsruhe-West Hilft Bedürftigen".  "Es sind bisher noch nicht so viele, aber das Wichtigste ist, dass sich überhaupt etwas tut", so die Projekt-Betreuerin, die gleichzeitig auch die Administration der Gruppe übernommen hat.

Am der Unterführung Kühler Krug wurde ein Gabenzaun für Obdachlose eingerichtet.
Die Gesellschaft müsse gerade jetzt eng zusammenrücken. | Bild: Corina Bohner

"Mit dem Projekt wollen wir den Hilfsbedürftigen zeigen: Ihr seid nicht allein, wir sind für euch da." Gerade jetzt müsse die Gesellschaft noch enger zusammenhalten - "damit am Ende nicht noch mehr Menschen in die Armut abrutschen als es jetzt schon passiert".

#KANEWSverbindet

Mit der Aktion #KANEWSverbindet wollen wir Hilfesuchende und Helfer zusammenbringen: Auf dem Portal können Helfer ihr Angebot eingetragen und Hilfesbedürftige die Angebote nach ihren Anforderungen filtern. Weiterhin bieten wir der lokalen Geschäftswelt eine Möglichkeit, sich mit ihren Kunden zu vernetzen. Unternehmen können ihr Angebot kostenfrei eintragen.

Nachbarschaftshilfe: https://kanews-verbindet.de/

Übersicht Helferliste: https://kanews-verbindet.de/helferliste/

Geschäftswelt: https://kanews-verbindet.de/wirtschaft/

Übersicht Geschäftswelt: https://kanews-verbindet.de/wirtschaft/firmenliste/

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