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Karlsruhe Karlsruher Klinik-Chef: "Die Impfung ist die wichtigste Maßnahme gegen Corona"

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und konnte die Lage in der aktuell "zweiten Welle" stabilisiert werden - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Neuinfektionen sinken - aber nur langsam

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe bleibt angespannt. So sind am Donnerstag, 7. Januar, aktuell 398 Personen in der Fächerstadt mit dem Virus infiziert. Der 7-Tage Inzidenzwert liegt in Karlsruhe bei 81,4 pro 100.000 Einwohner. 5.271 Personen gelten als genesen. 

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Deshalb warnt das Robert Koch Institut (RKI) in seinem aktuellsten Lagebericht: "Nach wie vor ist eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein."

Auch im Städtischen Klinikum ist die Lage "ernst, aber stabil", erklärt Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III.  Zwar seien die Zahlen auf den allgemeinen Covid-Stationen "ein bisschen rückläufig", dafür wären jedoch mehr Intensivpatienten hinzugekommen.

Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III.
Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III. | Bild: Verena Müller-Witt

Kurzum: Insgesamt sind 16 Intensivbetten, verteilt auf zwei Intensivstationen, nur von Covid-19 Patienten belegt. Neun davon müssen künstlich beatmet werden. Damit befindet sich das Städtische Klinikum immer noch in der Pandemiestufe 3. 

"Dauerbetrieb macht sich langsam bemerkbar"

Doch mit der Verlängerung des Lockdowns gibt es auch neue Hoffnungen. So könnte sich die Situation bis Anfang Februar womöglich ein wenig entspannen - sofern die Feiertage und Silvester nicht zu schwer ins Gewicht fallen.

"Wir gehen davon aus, dass der Januar noch kritisch bleibt. Die Auswirkungen der Feiertage müssen wir aber noch bis zum Wochenende abwarten", ergänzt Klinik-Chef Michael Geißler. "Dann könnte es sein, dass wir im Februar sogar wieder ein paar OP-Säle hochfahren können." Aktuell sind 10 Operationssäle in Betrieb. 

Bild: Thomas Riedel

Auch dem Pflegepersonal käme das vermutlich mehr als recht. "Zwar haben wir keine massiven Ausfälle und keine permanenten Überlastungen wie andere Krankenhäuser zu beklagen, dennoch macht sich so langsam der Dauerbetrieb beim Personal bemerkbar", erklärt Josef Hug, Pflegedirektor und Prokurist.

Aus diesem Grund soll auch ein Austausch der Beschäftigten in andere Bereiche geprüft werden, um keine einseitigen Dauerbelastungen zu erzeugen. Ebenso wird den Mitarbeitern eine interne psychologische Betreuung angeboten.

Mehrheit der Mitarbeiter impfbereit

Mit der Inbetriebnahme des Zentralen Impfzentrums der Messe Karlsruhe (ZIZ) haben auch im Städtischen Klinikum die Personalimpfungen gegen Covid-19 begonnen. Demnach sind mehr als die Hälfte der Mitarbeiter dazu bereit sich impfen zu lassen - bis Ende Januar soll das erledigt sein.

Pressekonferenz im Städtisches Klinikum.
Pressekonferenz im Städtischen Klinikum. | Bild: Petra Geiger/Städtisches Klinikum Karlsruhe

Laut dem städtischen Klinikum habe es bisher nur leichte Nebenwirkungen auf die erste Dosis gegeben. 99 Prozent der bereits Geimpften gaben eine gute Verträglichkeit an, nur ein Mitarbeiter musste infolge der Nebenwirkungen Zuhause bleiben.

Doch trotz der Impfbereitschaft von Personal und Bürgern gibt es weiterhin ein Problem:Es fehlt an Impfstoff - und das zögert den Verlauf der Pandemie noch weiter hinaus.  "Je länger wir brauchen, desto länger werden die Kliniken belastet, desto mehr Todesfälle nimmt man in Kauf", so der Klinikchef auf der Pressekonferenz im Städtischen Klinikum am Donnerstag. 

Michael Geißler, Geschäftsführer Städtischen Klinikum | Bild: Markus Kümmerle@Städtisches Klinikum Karlsruhe

Viel mehr sehe er die Herdenimmunität als Schlüssel zur Pandemiebekämpfung. Doch nicht durch Kranke, wie es etwa in Schweden versucht wurde, sondern durch ein konsequentes Durchimpfen. 

"Die Impfung ist die wichtigste Maßnahme gegen das Virus. Wenn wir so schnell wie möglich so viele wie möglich impfen und gleichzeitig die Kontaktreduzierung aufrechterhalten, dann kriegen wir das Problem bis zum Sommer oder Herbst gelöst", so Geißler weiter.

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten großen Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen aufgrund privater Veranstaltungen wieder in die Höhe. Durch einen erneuten Lockdown beginnen die Neuinfektionen leicht zu sinken. 

Vor dem Lockdown war der Anstieg vermehrt auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielten laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. 

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

 

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   müllermeier
    (83 Beiträge)

    08.01.2021 11:44 Uhr
    nen echten Lockdown mal durchziehen wäre mal angesagt
    Nicht die Impfung ist das Wichtigste sondern dass es endlich alle kapieren und die Hygienemassnahmen einhalten! Mindesten 14 Tage fehlt noch generell Impfstoff, danach gibt es bestimmt immer noch nicht ausreichende Mengen, weil die gesamte Politik von der Kanzelerin über den Gesundheitsminister bis hin zu unseren Gesundheitsämtern kläglich versagt hat.
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  •   SunCityKA
    (82 Beiträge)

    08.01.2021 09:42 Uhr
    Impfen lassen ...
    ist der solidarische Beitrag für die Gemeinschaft. Wer das nicht will, muss Maskenfetischist sein! Die gute Nachricht ist, mit immer mehr zugelassenen Impfstoffen, steigen die Chancen zurück zur Normalität zu gelangen. Die die noch vor Wochen über zu schnelle Impfverfahren geklagt haben, motzen nun über die Wartezeiten. Das Jahr ist grad mal 1 Woche alt. Ich bin mir sicher, dass einige semiprofessionellen Motzer das alles natürlich viel besser organisiert hätten zwinkern
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    08.01.2021 16:23 Uhr
    Das ist
    doch immer so. Jeder der selbst nichts organisieren muss als den nächsten Urlaub regt sich am meisten über die Unfähigkeit anderer auf, die ein enormes Pensum an Orga in kürzester Zeit bewältigen müssen (und das mit dem gleichen Personalstamm wie vor der Pandemie).
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  •   Kicherente
    (77 Beiträge)

    07.01.2021 23:25 Uhr
    Was ist da los?
    Das SKK hat nach eigener Angabe 1538 Planbetten, 3451 Vollkräfte, 4510 Personen, 627 Aerzte und 2000 Pflegekräfte
    Stand Coronapatienten heute lt. Website:
    30 auf Normalstation
    3 Verdachs- und Quarantänefälle auf Normalstation
    9 auf Intensivstation beatmet
    7 auf Intensivstation nicht beatmet
    1 Verdachts- und Quarantänefall auf Normalstation (nicht beatmet)
    3 Patienten in der Pädiatrie
    1 Verdachts- und Quarantänefall in der Pädiatrie
    in Summe 49 Covidpatienten und 4 Verdachts- und Quarantänefälle
    Wie schlecht ist es um das Klinikum bestellt wenn schon bei diesen Zahlen solcher Alarm geschlagen wird? Die Schweiz hat viel höhere Fallzahlen als wir durch Umstrukturieung bewältigt. Kann es sein, dass das Klinikum schlicht und einfach viel zu wenig Personal hat? War die Personalsituation nicht schon vor Covid desaströs?
    Die Gesamtzahl der Todesfälle im Jahr 2020 in Deutschland war im Vergleich nicht höher als in vergangenen Jahren mit stärkeren Grippewellen (Quelle statistisches Bundesamt).
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    08.01.2021 16:20 Uhr
    Die Schweiz
    bewältigt leider gar nichts. Hier lässt man einfach alles laufen nach dem Prinzip: Kohle vor Menschenleben.
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  •   likeka
    (569 Beiträge)

    08.01.2021 01:29 Uhr
    joa...
    Wenn Sie wollen, dass ein Facharzt für Psychatrie oder ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg am ITS-Bett steht, gibt es auch kein Problem.
    Man kann natürlich alles umstrukturieren, allerdings zu dem Preis, dass die Versorgungsqualität leidet.
    Intensivpflege ist eine aufwendige Weiterbilduung (2 Jahre), Intensivmediziner gar ein eigener Facharzt, zumindest aber eine Schwerpunktbezeichnung.
    Dazu kommt, dass ein Krankhaus schon ohne Pandemie ausgelastet ist, nicht wenige würden von überlastet sprechen. Die Coronapandemie kommt hinzu.
    Kinder werden geboren, Unfälle passieren weiterhin (wenn auch sicherlich vermindert), Menschen erkranken weiterhin an Krebs, Schlaganfälle und Herzinfarkte gibt es weiterhin. Alle diese Krankheitsbilder brauchen operative und teils intensivmedizinsche Kapazitäten.

    Bei Ihren Planbetten können Sie zumindest mal die Kliniken für Psychatrie; Psychosomatische Medizin und Kinderpsychatrie mit insgesmt 229 stationären und 81 tagesklinischen Betten/Plätzen abziehen.
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  •   likeka
    (569 Beiträge)

    08.01.2021 01:40 Uhr
    hinzu kommt
    Hinzu kommt, dass das Klinikum im Neubau mit maximal 66 ITS- (klassische Intensivstation) sowie 22 IMC- (Überwachungsstation) Betten plant.
    Hinzu kommt eine pädiatrische ITS (Kinder) mit 15 Betten, sowie weitere IMC-Betten in Medizinischen Kliniken, wie in der Neurologie.
    Die Kapazität an Beatmungsbetten ist also nicht so hoch (66 Stück maximal im Neubau).
    Dafür braucht man dann noch Personal, dass bundesweit Mangelware ist (insbesondere hochqualifiziertes für ITS) und schon wissen Sie, warum die Situation so angespannt ist. In ganz Deutschland waren vor der Pandemie ITS-Betten wegenzu wenig Personal gesperrt, sprich nicht belegbar.
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  •   Ljungqvist
    (32 Beiträge)

    08.01.2021 01:00 Uhr
    Doch bitte die richtigen Schlüsse ziehen
    Da Sie das statistische Bundesamt als Quelle nennen, dann doch bitte richtig lesen und auch die richtigen Schlüsse ziehen.
    Hier: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_536_12621.html
    Zusätzlich kommt noch hinzu, dass die Schutzmaßnahmen vor Covid-19 Todesfälle, die eigentlich durch andere Krankheiten wie die jährliche Grippewelle auftreten, teilweise verhindern.
    Quelle: https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/medizin/keine-grippewelle-2020-dank-covid-19-massnahmen-13374154
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  •   Nola
    (20 Beiträge)

    07.01.2021 20:09 Uhr
    Rücktritt
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Kommentar
    (342 Beiträge)

    07.01.2021 19:11 Uhr
    Wasser
    ist nass.

    Dinge fallen nach unten.
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