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Karlsruhe Karlsruher Kita-Erzieher verzweifeln im Pandemie-Alltag: "Frau Eisenmann macht Wahlkampf statt Konzept"

Im Lockdown wird die Kita-Notbetreuung mehr und mehr zur Zerreißprobe für Erzieher. Sie sind zwischen eigener Gesundheit und angemessener Kinderbetreuung hin und her gerissen. Dazu kommt: Während die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erst verlängert wurden, fordern stellenweise Politiker - auch in Karlsruhe - zeitgleich die Öffnung von Kitas und Kindergärten. Bei Erziehern trifft das auf Ablehnung, sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und fordern: Ohne klares Konzept keine Kita-Öffnungen.

Im Lockdown ist vieles geschlossen. Auch Schulen und Kindergärten bleiben es bis mindestens 1. Februar. Arbeitende Eltern müssen sich nun um eine Betreuung für den Nachwuchs kümmern und für den Fall, dass anderweitig keine Betreuung möglich ist, gibt es die Möglichkeit der Notbetreuung.

Hilfe für Eltern wurde ausgebaut

Laut Orientierungshilfe des Landes Baden-Württemberg steht eine Notbetreuung jetzt mehr Eltern zu als noch im ersten Lockdown. Und das Angebot wird gerne genutzt, wie uns die beiden Arbeitskollegen Max und Jürgen erzählen. Sie arbeiten in einer Karlsruher Kita, die im Regelbetrieb - also während nicht Corona-Zeiten - rund 100 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren betreut. Mit ihnen arbeiten 18 weitere Erzieher und Betreuer in der Kita. 

Ein einzelner Turnbeutel hängt in einem Kindergarten an der Garderobe.
Ein einzelner Turnbeutel hängt in einem Kindergarten an der Garderobe. | Bild: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild

"Wir haben aktuell eine Auslastung von 50 bis 75 Prozent, im ersten Lockdown waren es 10 bis 15 Prozent", geben beide im Gespräch mit ka-news.de Einblick in ihren Alltag. Beide wollen anonym bleiben.

"Es entsteht schon der Eindruck, dass manche Eltern die laschen Regelungen zur Notbetreuung bis zur Unendlichkeit ausnutzen, die Eltern füllen das Formular selber aus, und sagen sie müssen arbeiten. Wir müssen das dann hinnehmen." Bei Max und seinem Kollegen trifft das auf Unverständnis.

Problem: Erwartungshaltung mancher Eltern

"Die Notbetreuung ist - wie das Wort schon sagt - nur eine Notbetreuung für die Zeit, in der die Eltern arbeiten." Doch viele Eltern erwarten eine Betreuung wie sie zu Nicht-Pandemie-Zeiten üblich ist, kritisiert Max, der wie sein Kollege anonym bleiben will. "Es ist zum Kopfschütteln."

Gemeinsames Singen, Kinderturnen, Sprachförderungen, Vorschulvorbereitungen, Lernwerkstatt, gruppenübergreifendes Arbeiten, ein normaler Kita-Alltag - während der Notbetreuung ist das alles nicht möglich. 

Dabei ist es beiden wichtig, nicht falsch verstanden zu werden. "Ich kann die Eltern verstehen und ich will auch, dass wir wieder öffnen, doch im Moment geht es einfach nicht", so Max. "Niemand von uns möchte Kinder oder Eltern abweisen, aber es ist einfach ein extrem hohes Risiko für uns und auch für die Kinder."

Betreuer im Zwiespalt

Die Kitas und ihre Betreuer sitzen zwischen den Stühlen, sind hin und her gerissen. Einerseits wollen sie die eigene Gesundheit und die der Familie nicht gefährden - Max hat einen  engen Verwandten aus der Risikogruppe - andererseits sollen die Kinder auch in der Pandemie angemessen betreut werden.

Die verschärften Corona-Regeln in Schulen und Kitas treffen Familien hart.
Die verschärften Corona-Regeln in Schulen und Kitas treffen Familien hart. | Bild: Symbolbild/Marcel Kusch/dpa

Hygiene sei dabei wichtig und viele versuchen freiwillig eine Maske zu tragen. Denn: Die Nähe zum Kind lässt sich aber nicht vermeiden, erklären beide Betreuer. "Die Kinder müssen zum Beispiel gewickelt werden." Hier können sich Erzieher vorbereiten, eine Maske aufziehen, doch nicht immer ist das möglich.

"Wenn ein Kind hinfällt, kann ich nicht erst meine Maske aufziehen - dann gehe ich sofort hin", meint Max und Jürgen ergänzt: "Je jünger ein Kind ist, desto mehr Nähe braucht es natürlich, will mal auf oder in den Arm genommen werden."

Konzept fehlt

Laut Meinung der beiden Betreuer fehlt ein gutes, geeignetes Konzept. Sie meinen Politik und Land haben hier "extrem" versagt. "Es wird schon wieder über Öffnungen diskutiert, aber ein klares Konzept, um uns und die Kinder angemessen zu schützen, gibt es vonseiten der Politik immer noch nicht", bemängelt Max. 

Bild: https://pixabay@Simedblack

Zwar gäbe es in der Kita von Max und Jürgen ein Hygienekonzept, dieses sei aber von der Kita in Eigenregie erarbeitet und auch umgesetzt. Vier Corona-Fälle gab es bisher in der Kita unter den Kindern, Erzieher wurden dabei bisher wohl nicht positiv getestet.

Von den versprochenen Schnelltests für Kita-Betreuer hätten beide bisher ebenfalls keinen gesehen. Für einen normalen Test gibt es zwar "Gutscheine", doch "ich habe schon mitbekommen, dass Kollegen beim Test weggeschickt wurden", erzählt Max. Die Begründung: "Nur bei akuten Fällen oder Symptomen wird getestet." Auch fehle es an ausreichend OP- oder FFP2-Masken für die insgesamt 20 Erzieher.

Frühe Impfung für Betreuer?

Auch beim Thema Impfung sollte die Politik ihren Kurs ändern. "Erzieher sind in Impf-Gruppe drei, das sollte sich ändern", fordert Max. Denn: Laut einer Studie der AOK erkranken Erzieher am häufigsten an Corona. Laut den Daten der Krankenkasse kommen auf 100.000 Beschäftigte aus der Kinderbetreuung 2.672 Corona-Erkrankungen. Damit liegen die Erzieher an der Spitze - noch vor dem Klinikpersonal. 

Die beiden Karlsruher Erzieher fühlen sich im Stich gelassen und bilanzieren: "Es fehlt ein klares Konzept vom Land!"

"Ohne ausreichend Schutz und ohne Konzept, sollte es keine Öffnung geben. Es sollte nicht einmal darüber diskutiert werden", fordert Max und nimmt das Kultusministerium in die Pflicht. "Frau Eisenmann war und ist die ganze Zeit mit Wahlkampf beschäftigt, sie sollte lieber ein geeignetes Konzept entwickeln!"

Frank Mentrup (SPD), Oberbürgermeister von Karlsruhe, spricht.
Frank Mentrup (SPD), Oberbürgermeister von Karlsruhe, spricht. | Bild: Uli Deck/dpa/Archivbild

Vor dem Hintergrund der Kinderentwicklung hatte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup zuletzt eine längere Schließung von Kitas und Grundschulen als "nicht vertretbar" bezeichnet. "Natürlich kann ich unseren OB verstehen, er hat eine Verantwortung den Kindern gegenüber. Als Oberhaupt der Stadt hat er aber auch eine große Verantwortung den Betreuern gegenüber."

Der Wunsch nach Normalität

Zu diesen Problemen kommt nun auch die erhöhte Nachfrage nach Notbetreuungsplätzen. "Wir wollen keinen Keil zwischen uns und die Eltern treiben, aber im Lockdown dürfen wir privat nur eine Person treffen und in der Kita kommen wir mit so vielen Haushalten zusammen. Das ist einfach unlogisch", meint Jürgen. 

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com@FeeLoona

Er appelliert an die Eltern: "Bitte, überlegt zweimal: 'Braucht ihr die Notbetreuung wirklich?', bevor ihr euer Kind in die Kita bringt." Auch an die Politik richtet er einen Appell: "Wir brauchen ein gutes Konzept und kürzere Kommunikationswege." Bis das Beschlossene nämlich in der Kita ankäme, sei wieder Neues beschlossen, erklären beide. Zum Abschluss wünschen sich beide "wieder Normalität, offene Kitas mit gutem Hygienekonzept und ein wenig mehr Verständnis für unseren Beruf."

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  •   Vollbürger
    (120 Beiträge)

    24.01.2021 13:15 Uhr
    Skandal mit Ansage!
    Eisenmann ist eine vollkommene Fehlbesetzung! Totalversagen auf ganzer Linie!

    Mit ihr geht die CDU bei den kommenden Wahlen ganz unter!

    Dann gnade unserem Wohlstand hier im Südwesten Gott!
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  •   Sarah_04
    (4 Beiträge)

    23.01.2021 22:26 Uhr
    Kinder brauchen Kinder!
    Kinder brauchen andere Kinder, brauchen die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, brauchen Bildung, Austausch etc.
    Wieviel sind Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft wert?
    Wo ist die Verhältnissmässigkeit, wo das Abwägen von Schaden und Nutzen?
    Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder unter 12 kaum zum Infektionsgeschehen beitragen. Daher haben in einigen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die Schulen und Kindergärten schon seit Monaten wieder geöffnet.

    Kinder sind ebenso vulnerable Gruppen wie Alte und Kranke und ihre Rechte gehen in dieser Pandemie völlig unter!!

    Ein Runder Tisch muss bei Beratungen her, der auch Kinderinteressensvertreter in die Entscheidungen einbezieht!!!
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  •   Sarah_04
    (4 Beiträge)

    23.01.2021 22:14 Uhr
    Kinder brauchen Kinder!
    Kinder brauchen andere Kinder, brauchen die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, brauchen Bildung, Austausch etc.
    Wieviel sind Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft wert?
    Wo ist die Verhältnissmässigkeit, wo das Abwägen von Schaden und Nutzen?
    Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder unter 12 kaum zum Infektionsgeschehen beitragen. Daher haben in einigen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die Schulen und Kindergärten schon seit Monaten wieder geöffnet.

    Kinder sind ebenso vulnerable Gruppen wie Alte und Kranke und ihre Rechte gehen in dieser Pandemie völlig unter!!

    Ein Runder Tisch muss bei Beratungen her, der auch Kinderinteressensvertreter in die Entscheidungen einbezieht!!!
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  •   Sarah_04
    (4 Beiträge)

    23.01.2021 22:01 Uhr
    Ein Herz für unsere Kinder
    Kinder brauchen andere Kinder, brauchen die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, brauchen Bildung, Austausch etc.
    Wieviel sind Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft wert?
    Wo ist die Verhältnissmässigkeit, wo das Abwägen von Schaden und Nutzen?
    Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder unter 12 kaum zum Infektionsgeschehen beitragen. Daher haben in einigen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die Schulen und Kindergärten schon seit Monaten wieder geöffnet.

    Kinder sind ebenso vulnerable Gruppen wie Alte und Kranke und ihre Rechte gehen in dieser Pandemie völlig unter!!

    Ein Runder Tisch muss bei Beratungen her, der auch Kinderinteressensvertreter in die Entscheidungen einbezieht!!!
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  •   Sarah_04
    (4 Beiträge)

    23.01.2021 21:57 Uhr
    Kinder brauchen Kinder!
    Kinder brauchen andere Kinder, brauchen die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, brauchen Bildung, Austausch etc.
    Wieviel sind Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft wert?
    Wo ist die Verhältnissmässigkeit, wo das Abwägen von Schaden und Nutzen?
    Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder unter 12 kaum zum Infektionsgeschehen beitragen. Daher haben in einigen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, die Schulen und Kindergärten schon seit Monaten wieder geöffnet.

    Kinder sind ebenso vulnerable Gruppen wie Alte und Kranke und ihre Rechte gehen in dieser Pandemie völlig unter!!

    Ein Runder Tisch muss bei Beratungen her, der auch Kinderinteressensvertreter in die Entscheidungen einbezieht!!!
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  •   dede
    (22 Beiträge)

    22.01.2021 19:10 Uhr
    Zeit aufzuwachen
    Inzwischen hat wohl jeder begriffen, dass von Fau Eisenmann und Co nichts zu erwarten ist. Aber wo bleiben die Konzepte der Träger - gleich für alle Träger der Stadt? Auch Erzieher*innen sind Menschen und Abeitnehmer*innen, die geschützt werden müssen. Wo bleibt die zentrale Stelle, die Kitas und Ezieher*innen durchtestet - im Bedarf auch mehrmals? Wann bekommen Erzieherinnen endlich Masken gestellt? Wo bleiben die Konzepte für danach? Wo bleibt die stadtweite Kampagne, um den Beruf attraktiver zu machen? Es ist höchste Zeit, aufzuwachen...
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  •   kuba
    (1057 Beiträge)

    22.01.2021 16:43 Uhr
    Kuba
    Die Nominierung von Frau Eisenmann war ein Wahlgeschenk an die Grünen. Sie ist wirklich nicht sehr sympathisch und kommt auch so rüber. Es wäre schrecklich wenn sie Ministerpräsidentin würde.
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  •   Garrincha
    (723 Beiträge)

    22.01.2021 12:05 Uhr
    "Frau Eisenmann macht Wahlkampf statt Konzept"
    diese Frau ist leider eine völlige Fehlbesetzung, die CDU bedauert inzwischen selbst sie aufgestellt zu haben
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  •   Tyr
    (656 Beiträge)

    22.01.2021 11:14 Uhr
    ganz einfach
    bei der Wahl im März keine Stimme für die CDU, das ist die einzige Sprache die sie verstehen werden.
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  •   Holzbiene
    (201 Beiträge)

    22.01.2021 11:56 Uhr
    Und für die Grünen…
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++

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