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Karlsruhe Karlsruher Historiker erklärt: "Weihnachten 2020 wird Spuren hinterlassen"

Eltern, Großeltern, Kinder und andere Verwandte. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Im Corona-Jahr könnte das allerdings ganz anders aussehen als bisher - mit großen Einschnitten in die eingebürgerten Weihnachtstraditionen. ka-news.de hat mit einem Experten über das kommende Weihnachten 2020 und dessen Bedeutung für die Bürger gesprochen.

Die Weihnachtsgeschichte hat im Verlauf ihrer Existenz einen immensen Wandel durchgestanden. Von der eigentlichen Feier zur Geburt Jesu Christi zum Fest des Konsums und des Kommerzes - festgehalten in Werbekatalogen und Reklametafeln. Doch dieses Jahr wird vermutlich alles anders.

"Dieses Weihnachten wird bei allen, die es miterleben, eine tiefe Signatur hinterlassen, vergleichbar mit den Weihnachtsfesten zu Kriegszeiten", erklärt Rolf-Ulrich Kunze, Professor für Neuzeitgeschichte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Professor Rolf-Ulrich Kunze vom KIT | Bild: KIT

Der Grund für diesen Vergleich: Die Ausbreitung der Corona-Pandemie verlangt in diesem Jahr ein Weihnachtsfest in allerkleinstem Kreise, wenn nicht sogar ganz ohne Familie und Freunde. Über die genauen Vorgaben debattieren Bund und Länder am Mittwochnachmittag.

"Solche Einschränkungen sind den Menschen fremd"

Weihnachten ohne Großeltern, Onkel, Tanten, Kindern und sonstigen Verwandten und Freunden - für Kunze wäre diese Entscheidung allerdings kritisch zu betrachten: "Die Menschen werden durch die Personenreduzierung auf die 'Kernfamilie' in den eigentlichen Sinngehalt von Weihnachten zurückversetzt", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. 

Zwischen März und Juni vergaben deutsche Auslandsvertretungen nur 2753 Visa zum Familiennachzug.
Viele Menschen leiden unter den Kontaktbeschränkungen | Bild: Sophia Kembowski/dpa

"Vielen Menschen sind solche Einschränkungen inzwischen fremd. Besonders in einer Zeit, in der sich dank Discountern fast jeder ein Weihnachtsfest leisten kann." Auch der Wegfall der Vorweihnachtszeit in Form von Weihnachtsmarkt, Krippenspielen und Co. spielen hierbei eine Rolle - denn sie tragen entscheidend zum Aufbau der "Vorfreude" bei.

Mit Plänen der Regierung einverstanden

Dennoch: Der KIT-Professor befürwortet im Großen und Ganzen das Vorgehen der Regierung - auch wenn das womöglich bedeutet, dass die Feiertage nur im engsten Kreis gefeiert werden können.

"Die Politik bringt immer vorletzte Lösungen ins Spiel. Das heißt, dass demokratisch gehandelt wird und noch Verbesserungen und Kritik angenommen werden. Man tastet sich heran", so Kunze. Den Bürgern werden keine endgültigen Entscheidungen aufgezwungen, mit denen sie dann leben müssen.

Einschnitte in die Weihnachtstraditionen fangen schon in der Vorweihnachtszeit an: Die "Vorfreude" fällt weg. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Den Vorwurf von Soziologen in mehreren Medienberichten, dass die Regierung ein Weihnachtsfest mit gelockerten Bedingungen als "Belohnung"  für die Bürger nutzen könnte - sofern diese sich "brav" an die Corona-Verordnungen halten und vorher alle sozialen Kontakte reduzieren, teilt Kunze dabei nicht.

"Ich kann verstehen, warum ein Soziologe das so sieht", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. "Aber Historiker sind da pessimistischer. Ich bin deshalb eher skeptisch, ob diese 'Belohnung' dann auch wirklich so funktioniert."

Doch was passiert, wenn die Regierung sich nun doch gegen ein Weihnachtsfest im Familienkreis entscheiden würde? 

Einsame Verwandte "im Blick behalten" 

Fällt diese Kernfamilie - die Grundsubstanz jedes Weihnachtsfestes - weg, dann werden die Menschen nicht nur physisch, sondern auch "mit dem Kopf alleine gelassen", erklärt der KIT-Professor. Deshalb sei es für die psychische Stabilität wichtig, nicht alleine zu bleiben, sondern "Erinnerungen aufrecht zu erhalten". Aber wie?

"Einsamkeits-Verdächtige im eigenen Umfeld im Blick behalten", sagt Kunze. "An Weihnachten per Telefon oder Webcam kontaktieren und so in das Fest integrieren." Doch speziell für die Kinder, so Kunze, müssten die Erwachsenen "ein bisschen Deeskalieren." Zwar mögen die Erwartungen und die Vorfreude groß sein, aber letztendlich solle den Kindern auch gezeigt werden, dass das Fest auch im kleinen Rahmen schön werden kann.

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  •   staffi
    (42 Beiträge)

    26.11.2020 13:00 Uhr
    da gebe...
    ... ich dir Recht, aber eine Punkt kann an Kriegsweihnachten erinnern, denn bei der Bundeswehr wurden schon mehr Weihnachten im Einsatz im Ausland gefeiert, als bei der preusischen Armme, der kaiserlichen Armee und der Wehrmacht zusammen in 2. Weltkriegen, dem deutsch-französichen Krieg und was sonst noch so unter Wilhelm I. und Bismarck am laufen war
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  •   Blandine
    (50 Beiträge)

    26.11.2020 13:13 Uhr
    2 Unterschiede gibt es da allerdings...
    1. Die Bundeswehrsoldat/inn/en haben sich aus freien Stücken diese Einsätze entschieden.
    2. Keine/r von ihnen muss in Angst und Sorge um das Leben der Lieben daheim sein und sich fragen, ob das eigene Zuhause noch existiert.

    Auch hier wäre also ein etwas bewussterer Umgang mit der Geschichte angebracht.
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  •   Kunze
    (5 Beiträge)

    25.11.2020 19:42 Uhr
    Vergleichbarkeit
    Sie haben recht. Die Belastungen in Kriegszeiten sind anderer Art. Aber wer in sicheren Zeiten aufwuchs, wird auch ein Pandemie-Weihnachten in der Erinnerung behalten.
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  •   Kunze
    (5 Beiträge)

    25.11.2020 19:34 Uhr
    Vergleichbarkeit
    Sie haben sicher recht. Die Belastungen in Kriegszeiten sind anderer Art. Wer dergleichen nie erlebt hat, wird aber auch ein Pandemie-Weihnachten in der Erinnerung behalten.
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  •   Kunze
    (5 Beiträge)

    25.11.2020 18:36 Uhr
    Eine vergleichbare Zäsur in der Erinnerung, nicht in den Lebensumständen
    Sie haben völlig recht. Mit den Härten von Kriegszeiten besteht nicht auf der Ebene der Lebensumstände, sondern nur im Hinblick auf den Einschnitt in der Erinnerung eine Vergleichbarkeit. Viele werden sich an dieses Pandemie-Weihnachten als Einschnitt erinnern. Aber es ist sicher nicht das gleiche wie Kriegsweihnachten.
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  •   Sherlock
    (346 Beiträge)

    25.11.2020 18:32 Uhr
    Stimmt
    Es dürfen ja 10 Menschen zusammenkommen plus Kinder, das kann doch reichen in einer Pandemie. Es gibt Telefon, es gibt Skype, es gibt die zoom....
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  •   Kunze
    (5 Beiträge)

    25.11.2020 18:39 Uhr
    Vergleichbarkeit
    Sie haben völlig recht. Mit den Härten von Kriegszeiten besteht nicht auf der Ebene der Lebensumstände, sondern nur im Hinblick auf den Einschnitt in der Erinnerung eine Vergleichbarkeit. Viele werden sich an dieses Pandemie-Weihnachten als Einschnitt erinnern. Aber es ist sicher nicht das gleiche wie Kriegsweihnachten.
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