Browserpush
44  

Karlsruhe Karlsruher Hausärzte arbeiten wegen Corona-Impfungen am Anschlag: "Uns reißt allmählich der Geduldsfaden"

Impfen, impfen, impfen. Seit fast zwei Jahren dreht sich vieles rund um die Immunisierung gegen das Corona-Virus. Inzwischen ist man da bei den sogenannten "Booster-Impfungen" angekommen. Eine Person, die diese Impfungen durchführt, ist die Ärztin und Pandemiebeauftragte Marianne Difflipp-Eppele aus Durlach. Sie bestätigt, was viele bereits erahnten: Mit Corona-Abstrichen, Impfungen und dem "normalen" Tagesgeschäft sind die Arztpraxen in Karlsruhe inzwischen am Limit angekommen.

Bis 10 Uhr läuft die Sprechstunde, danach kommen die Infekt-Patienten. Währenddessen werden Abstriche und Impfungen durchgeführt. In der Praxis von Marianne Difflipp-Eppele aus Durlach ist der Tagesablauf extrem durchgetaktet. Das sei wichtig, um die Masse an Anfragen zu bändigen, die die Praxis täglich erreichen.

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

"Wir impfen wie die Weltmeister.  Es ist unfassbar, was hier los ist. Wir arbeiten am Anschlag", berichtet die Allgemeinmedizinerin im Gespräch mit ka-news.de. Aber: Im Vergleich mit den Krankenhäusern und anderen Praxen habe Sie kein Personalproblem.

Mittagspause wird zum Impfen genutzt

"Ich habe das Glück, so ein tolles Team zu haben. Ich hatte nämlich die Befürchtung, dass mir das Personal davonläuft, weil ständig das Telefon  klingelte", berichtet sie im Gespräch mit ka-news.de. Aus diesem Grund würden Impftermine bei ihr nur noch online über einen Link über ihre Website vergeben werden. Andererseits versucht die Ärztin auch möglichst viele Patienten in der Sprechstunde abzugreifen. 

Wann treten die Beschwerden auf? Für die Diagnose einer Allergie ist eine gründliche Anamnese unverzichtbar.
Ein Arzt während einer Sprechstunde (Symbolbild). | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

"Bei den Menschen, die hier ihre Erst- und Zweitimpfung bekommen haben, konnte ich das nachprüfen, wer für den Booster infrage kommt. Bei denjenigen, die sich in den Impfzentren haben impfen lassen, geht das nicht so einfach. Da impfen wir auch manchmal während der Sprechstunde und durch die Mittagspause hindurch", erzählt sie.

Impfstoff-Bestellung nur noch eine Woche im voraus

Um die 100 Impfungen werden so innerhalb einer Woche  in der kleinen Durlacher Einzelpraxis durchgeführt. Zum Vergleich: Im Juni verabreichte das Team in Durlach zirka 30 Impfungen pro Woche. Allerdings fehlte es damals noch an Impfstoffen für die Hausarztpraxen

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze.
Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze. | Bild: Sven Hoppe/dpa

Doch zumindest eine Sache hat sich geändert, die den niedergelassenen Ärzten etwas Erleichterung verschaffen dürfte. "Der Impfstoff muss nicht mehr zwei Wochen im voraus bestellt werden, sondern nur noch eine Woche. Das kommt uns sehr entgegen. Was weiß ich denn, wie viel Impfstoff ich in zwei Wochen brauche?", so Difflipp-Eppele. Rund 169.000 Impfungen wurden bislang von niedergelassenen Ärzten im Karlsruher Stadtkreis durchgeführt (Stand: 17. November 2021). Bei 9.790 handelt es sich um Drittimpfungen.

Impfgegner zeigen "asoziales Verhalten"

Was der Medizinerin allerdings gar nicht behagt, ist, dass es immer noch ungeimpfte Patienten gibt, die zum Beispiel regelmäßig zum Abstrich nehmen in die Praxis kommen  und so die Kapazitäten auslasten. "Jeder der reinkommt, wird auch behandelt. Aber wenn ich sehe, dass da eine Person mehrere Abstriche innerhalb von ein paar Wochen machen lässt, dann würde ich die am liebsten rausschmeißen", so die Ärztin weiter. 

Abstriche von getesteten Personen liegen bei einer Corona-Teststation in einer Schale.
Abstriche von getesteten Personen liegen in einer Schale. | Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Hin und wieder entscheiden sich doch noch Patienten von Difflipp-Eppele dazu, ihre Erstimpfung zu erhalten. Bei den übrigen habe sie aber auch schon ihren Unmut über deren "asoziales Verhalten" geäußert. "Wir müssen da inzwischen sehr deutlich werden. Aber uns Hausärzten reißt da allmählich auch der Geduldsfaden."

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (44)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   andi-b7
    (3407 Beiträge)

    22.11.2021 18:04 Uhr
    Bei der nächsten Wahl muss es das Feld geben "keiner von denen"
    Und genau diese Plätze werden dann im Bundestag ausgebaut. Mal schauen ob die restlichen nicht wieder das Gehirn benutzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Dalli_Klick
    (704 Beiträge)

    22.11.2021 15:54 Uhr
    Impftermin?
    Klappt nicht. Aber nicht traurig sein. Was auf jeden Fall klappen wird ist der nächste Lockdown. Dauert nicht mehr lange. Auf den aus dem Kanzleramt gesteuerten Panikkurs ist Verlass.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AlterMann
    (407 Beiträge)

    22.11.2021 13:42 Uhr
    Gar nicht so einfach
    Es ist auch gar nicht so einfach für manche Menschen eine Impfung zu bekommen.
    Ein entfernter Bekannter hat lange nicht wollen. Jetzt würde er. Hausarzt hat er keinen weil er schon lange nicht mehr zu einer Behandlung musste. Jeder Arzt bei dem er nachgefragt hat lehnt ab Neupatienten zu bekommen. Irgendwelche mobilen Impfaktionen für jedermann gab und gibt es in seiner Umgebung nicht und mit Bussen und Bahnen zum Impfzentrum zu kommen ist für ihn körperlich schwierig. Und bald auch unmöglich weil er ungetestet nicht mitfahren darf (Testmöglichkeit gibt es fußläufig bei ihm auch nicht). Ich befürchte dass er inzwischen den Versuch eine Impfung zu bekommen wieder aufgegeben hat.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (751 Beiträge)

    22.11.2021 14:05 Uhr
    Ein Tipp
    Ich hatte mich damals (ist ja schon 5-7 Monate her) beim HNO Arzt impfen lassen, die haben nicht so dem festen Patientenstamm und hatten zu dem Zeitpunkt auch etwas Probleme ihre Impfdosen loszubekommen - da man sich dort nicht so wie beim Hausarzt meldet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    22.11.2021 17:12 Uhr
    Hier:
    https://corona.karlsruhe.de/aktuell/impfstelle-am-klinikum-karlsruhe-nimmt-betrieb-auf
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bjwerb1
    (7 Beiträge)

    23.11.2021 08:34 Uhr
    Tja
    nützt halt nix bei 100 Terminen pro Woche. Reine Augenwischerei.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RainerBu
    (1482 Beiträge)

    22.11.2021 13:26 Uhr
    Risiko
    mit dem Virus ca 0,5 bis 5 Prozent je nach Alter und Verfassung .
    Wäre es keine Pandemie mit den gerade hohen Inzidenzen dann wärs reine Privatsache .
    Nur eigenes Risiko . Wer aber nur bissl rechnen kann, merkt schnell dass wir derzeit (verzögert) hunderte Patienten täglich erzeugen .
    (Doppelt geimpft wegen mehr Freiheit und auch fürs Kollektiv damit die Intensivbetten eben nicht so schnell vollaufen) .
    Lockdown wir kommen. Für alle. Früher oder später.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2755 Beiträge)

    22.11.2021 11:48 Uhr
    Das Engagement der Hausärzte
    ist sicher erheblich. Immerhin muss das Impfen ja zusätzlich zum üblichen Tagesgeschäft laufen. Aber es wird trotzdem nicht reichen.

    Warum? Weil die Politik versäumt hat, rechtzeitig zu planen, ob und wie die "Booster-Impfungen" durchgeführt werden sollen. Dabei hatte man doch im Sommer schon alle relevanten Informationen aus Israel. Man hätte die Impfkampagne vorausschauend planen können. Und dazu gehören nun mal auch Impfzentren - eben weil die Arztpraxen alleine einen Massenansturm innerhalb von zwei, drei Monaten nicht bewältigen können.

    Natürlich müssen es nicht wieder die großen Zentren mit allem drum und dran sein, wie z.B. in der Messe. Es genügen ja kleinere Anlaufstellen. Aber schon jetzt ist klar: mit den Halbtagsangeboten im ECE und demnächst im Klinikum wird es nicht gelingen, alle Impfwilligen zu versorgen. Leider folgt hier das zweite Impfversagen. Beim ersten Mal fehlte Impfstoff, nun fehlt die Infrastruktur.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2755 Beiträge)

    22.11.2021 11:51 Uhr
    Übrigens
    steht Baden-Württemberg bei den Auffrischungsimpfungen leider gerade mal an viertletzter Stelle im Bundesvergleich. Berlin oder Bremen haben schon fast die doppelte Impfquote.

    Minister Lucha müsste eigentlich nun schnell handeln und zusätzliche Infrastruktur schaffen, sonst wird der Rückstand immer größer. Wo bleiben die Impfzentren bzw. Impfstellen, wo man kurzfristig Termine bekommt oder sich spontan impfen lassen kann, ohne dafür fünf Stunden anstehen zu müssen?

    Immer nur auf Impfskeptiker zu schimpfen ist bequem. Man lenkt vom eigenen Versagen ab, die Impfwilligen zeitnah zu versorgen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   SunCityKA
    (170 Beiträge)

    22.11.2021 10:57 Uhr
    Hut ab ...
    ... für die deutlichen Worte dieser couragierten Ärztin. In der Deutlichkeit würden sich viele das von mehr Menschen in unterschiedlichen verantwortungsvollen Positionen wünschen. "Dank" der Impfgegner sind wir jetzt in dem Schlamassel. Die Mehrheit der Menschen hat sich impfen lassen und die muss schon viel zu lang nach der Pfeife einer Minderheit tanzen und Einschränkungen weiter in kauf nehmen. Es reicht jetzt mit der Rücksichtnahme auf diese Minderheit! Wieso werden Impfverweigerer überhaupt in Krankenhäusern aufgenommen? Wie abgedreht muss man sein, die "Expertise" von veganen Köchen und Ex-NDW-Sternchen über das Fachwissen von Wissenschaftlern und Ärzten zu stellen? Sorry, aber wer lieber Wurmkuren für Pferde zu sich nehmen möchte, statt sich impfen zu lassen, sollte keine Krankenhausbetten belegen und auch nicht die Zeit der praktischen Ärztinnen und Ärzte verschwenden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen