63  

Karlsruhe Wir brauchen Hilfe: Gastronomen fordern Aufhebung der Maskenpflicht

Viele Gastronomen sind mit den Auflagen der Wiedereröffnung nach der Corona-Krise unzufrieden: Vor allem die finanziellen Einbußen liegen den Inhabern der Restaurants, Biergärten und Co. schwer auf der Tasche. 49 Karlsruher Gastronomen haben sich zusammengeschlossen und sieben Forderungen an die Stadtpolitik formuliert. Unter anderem wollen sie eine Aufhebung der Maskenpflicht.

Hygieneauflagen, Mundschutz-Pflicht, Umsatzeinbußen - die vergangenen Wochen während der Corona-Krise waren für Gastronomen nicht leicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie seit Montag, 18. Mai, wieder für Gäste öffnen dürfen: Zu hoch seien die Kosten für die zahlreichen Hygienemaßnahmen, zu gering die Gästeanzahl.

Sieben Forderungen an den OB

Damit wollen sich 49 Karlsruher Gastro-Betreiber nicht abfinden - und haben sich in einem Brief hilfesuchend an OB Frank Mentrup gewandt: "Seit Beginn der Krise wurde uns immer wieder versichert, dass niemand im Stich gelassen wird. Jetzt wird es Zeit, das zu beweisen", heißt es in dem Schreiben, das ka-news.de vorliegt.

"Es geht nicht um einzelne Betriebe, sondern um eine Perspektive für die Karlsruher Gastronomie", sagt Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker und einer der sieben Initiatoren, im Gespräch mit ka-news.de.

Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker.
Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker. |

"Wir leben aktuell in sehr unsicheren Zeiten und wissen nicht, ob möglicherweise noch eine zweite Infektionswelle kommt." Den Gastronomen geht es in ihrem Anliegen vor allem um konkrete wirtschaftliche Hilfen, aber auch Entbindungen von Corona-Maßnahmen. Folgende Punkte sollen umgesetzt werden:  

  • Maskenpflicht komplett aufheben
  • Eine schriftliche Entbindung der Haftung bei Verhaltensverstößen der Gäste, etwa bei der Dokumentationspflicht oder den Abstandsregeln
  • Gewerbesteuer für das Jahr 2020 auf Null setzen - ohne Nachforderung
  • Erlass der Sondernutzungsgebühr 2020
  • Mehrwertsteuer rückwirkend ab dem 17. März auf sieben Prozent herabsetzen 
  • Übernahme der Energiekosten, rückwirkend ab dem 17. März
  • Erlass der Lohnnebenkosten - ohne Stundungen

"Wir wollen keine Personalausweise prüfen"

Vor allem die Aufhebung der Maskenpflicht ist den Gastronomen ein Anliegen: "Das Küchenpersonal steht sehr lange Zeit in einem sauerstoffarmen Umfeld unter Abzugssystemen und an Gasherden. Eine Maske würde die ausreichende Sauerstoffzufuhr zu stark beeinträchtigen", heißt es in dem Schreiben des Zusammenschlusses.

Zudem sei unter keinen Umständen die Korrektheit der gästebezogenen Angaben gewährleistet, daher soll eine schriftliche Entbindung der Haftung bei Verhaltensverstößen der Gäste erfolgen. "Wir können und wollen hinsichtlich unserer Gastfreundschaft keine Personalausweise prüfen, um sicherzustellen, dass lediglich Familien aus zwei unterschiedlichen Haushalten kommen. Das ist Sache der Polizei", so die Karlsruher Gastronomen.  

Gastronomen versammeln sich auf Messplatz

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Gastronomen sei eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent. "Wir erachten diese Punkte als sehr wichtig, um den Fortbestand unserer Betriebe zu sichern", heißt es im Schreiben an den OB. "Auch wir Gastronomen sind Karlsruhe, tragen einen Teil dazu bei und sind es wert am Leben erhalten zu werden - aber das schaffen wir nur gemeinsam und mit Ihrer Hilfe."

Die Karlsruher Gastronomen möchten ein Zeichen setzen.
Die Karlsruher Gastronomen möchten ein Zeichen setzen. | Bild: Ingo Rothermund

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, haben sich rund 70 Gastronomen am Dienstag am Karlsruher Messplatz versammelt, um ein gemeinsames Luftbild aufzunehmen. "Das Bild wird unter anderem vor den Filmen des Karlsruher Autokinos gezeigt", so Holzhacker-Inhaber Zimmermann. 

Vereinbarungen und Regeln für Branche treffen

Und die Initiative der Gastro-Betreiber scheint bereits gefruchtet zu haben: Am Dienstagmorgen haben sie den Brief an Oberbürgermeister Frank Mentrup übergeben. "Im Gespräch hat uns der OB Dialogbereitschaft zugesichert", so Frank Zimmermann im Gespräch mit ka-news.de.

Die Gastronomen übergeben OB Frank Mentrup den Brief.
Die Gastronomen übergeben OB Frank Mentrup den Brief. | Bild: privat

Man wolle sich zusammen mit einer Fachgruppe "Gastro" und dem Gaststättenverband Dehoga an einen Tisch setzen und "Vereinbarungen und Regeln für unsere Branche entwickeln". Restaurantbetreiber Zimmermann ergänzt: "Eine möglichst schnelle Rückkehr in die Normalität wäre für uns sehr wünschenswert." 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (63)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   andip
    (10381 Beiträge)

    20.05.2020 12:01 Uhr
    Aha
    Und wie viel hat das Bier da vorher gekostet?
    Das war garantiert nicht billiger gewesen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   hajmo
    (4219 Beiträge)

    20.05.2020 12:11 Uhr
    Hat ja auch niemand behauptet,
    dass es vor Corona billiger war. Es ist einfach die allgemeine Aussage, dass die Getränke in den Lokale extrem teuer sind. Wenn zwei Leute was trinken gehen und jeder zwei Getränke hat, sind 20 Euro weg. Gerade Wein und Kaffe/Tee sind unverhältnismäßig teuer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2484 Beiträge)

    20.05.2020 15:52 Uhr
    ANTWORT AUF "HAT JA AUCH NIEMAND BEHAUPTET,"
    Sie sehen nur den Preis für das Bier. Sie sehen nicht die Mehrwertsteuer, die Miete, die Personalkosten, ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10381 Beiträge)

    20.05.2020 12:18 Uhr
    So hört sich das aber an
    als ob es bis vor kurzem noch günstiger war.
    Wie ich schon weiter oben schrieb, von den Getränkepreisen finanziert ein Wirt nicht nur deren Einkauf, sondern auch alles andere.
    Mit einem Umsatz von 20 € kommt der nicht weit und schon gar nicht, wenn der die Getränke günstiger anbieten würde.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1250 Beiträge)

    20.05.2020 11:41 Uhr
    Genau
    Meine Rede. Die Preise stehen in keiner Relation mehr zum Produkt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1207 Beiträge)

    20.05.2020 12:34 Uhr
    Warum kommen denn
    dann bitte immer mehr Franzosen und Schweizer zu uns wegen der günstigen Restaurantpreise?
    Mittagstisch beim Italiener ca. 8 EUR mit Hauptgericht, Brot und Salat. Was will man mehr?
    Ob Schni-Po-Sa für 10 EUR für das Tierwohl, die Arbeitskonditionen in den Schlachthöfen, das Klima etc. eher gut oder bedenklich ist, sei mal dahin gestellt zwinkern
    Übrigens, ich muss es Euch sagen: in einer Gaststätte wird 0,5 Hefeweizen nie so billig sein wie beim Discounter, snief.

    Ein Problem aus meiner Sicht: Das (schier grenzenlose) Anspruchsdenken vieler Menschen. Das macht einen selbst und andere nicht unbedingt glücklicher...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   zahlenbeutler
    (1566 Beiträge)

    20.05.2020 11:03 Uhr
    die Mehrwertsteuer
    ist eine Verbrauchssteuer, die der der Kunde zahlt, egal was für ein Gewerbe, der Unternehmer hat sie einzunehmen und an den Staat im Rahmen seiner Umsatzsteuermeldungen an das Finanzamt abzuführen, unter Abzug seiner als Kunde bezahlten Mehrwertsteuer, sprich Vorsteuer
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11575 Beiträge)

    20.05.2020 12:43 Uhr
    ?
    Soll das ein Plädoyer gegen die Ust-Senkung sein oder wie soll Dein Exposée verstanden werden?

    Wenn Regers Bierchen für 3,40 auf der Speisekarte steht, kostet es ohne 19% Ust 2,86, von dem der Wirt Miete und Personal bezahlt und sein eigenes Leben. Mit 7% Ust könnte er es dann für nur 3,06 auf die Karte setzen.
    Wenn er es aber bei 3,40 auf der Karte belässt, wären es ohne Ust 3,18, also bleiben 32 Cent mehr bei ihm hängen und der Kunde murrt nicht (jedenfalls nicht mehr als sonst schon ...).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2484 Beiträge)

    20.05.2020 15:46 Uhr
    Antwort auf "?"
    Das Problem ist: Die Kohle fehlt dann wieder im Staatshaushalt, und die liebe SPD spricht eh schon wieder über Steuererhöhungen um die ganzen Corona-Bonds zu finanzieren. Ich kann nicht einerseits über Steuererhöhungen sprechen und sie dann aber wieder an anderen Stellen gleichzeitig runter setzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11575 Beiträge)

    21.05.2020 01:25 Uhr
    !
    Natürlich kann man über beides gleichzeitig sprechen.
    Ust senken für die, die es gerade nötig haben.
    Est anheben, vor allem im oberen Bereich, denn die wird von denen gezahlt, die trotzdem genug verdient haben dieses Jahr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.