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Karlsruhe Wir brauchen Hilfe: Gastronomen fordern Aufhebung der Maskenpflicht

Viele Gastronomen sind mit den Auflagen der Wiedereröffnung nach der Corona-Krise unzufrieden: Vor allem die finanziellen Einbußen liegen den Inhabern der Restaurants, Biergärten und Co. schwer auf der Tasche. 49 Karlsruher Gastronomen haben sich zusammengeschlossen und sieben Forderungen an die Stadtpolitik formuliert. Unter anderem wollen sie eine Aufhebung der Maskenpflicht.

Hygieneauflagen, Mundschutz-Pflicht, Umsatzeinbußen - die vergangenen Wochen während der Corona-Krise waren für Gastronomen nicht leicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie seit Montag, 18. Mai, wieder für Gäste öffnen dürfen: Zu hoch seien die Kosten für die zahlreichen Hygienemaßnahmen, zu gering die Gästeanzahl.

Sieben Forderungen an den OB

Damit wollen sich 49 Karlsruher Gastro-Betreiber nicht abfinden - und haben sich in einem Brief hilfesuchend an OB Frank Mentrup gewandt: "Seit Beginn der Krise wurde uns immer wieder versichert, dass niemand im Stich gelassen wird. Jetzt wird es Zeit, das zu beweisen", heißt es in dem Schreiben, das ka-news.de vorliegt.

"Es geht nicht um einzelne Betriebe, sondern um eine Perspektive für die Karlsruher Gastronomie", sagt Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker und einer der sieben Initiatoren, im Gespräch mit ka-news.de.

Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker.
Ingo Zimmermann, Inhaber des Restaurants Holzhacker. |

"Wir leben aktuell in sehr unsicheren Zeiten und wissen nicht, ob möglicherweise noch eine zweite Infektionswelle kommt." Den Gastronomen geht es in ihrem Anliegen vor allem um konkrete wirtschaftliche Hilfen, aber auch Entbindungen von Corona-Maßnahmen. Folgende Punkte sollen umgesetzt werden:  

  • Maskenpflicht komplett aufheben
  • Eine schriftliche Entbindung der Haftung bei Verhaltensverstößen der Gäste, etwa bei der Dokumentationspflicht oder den Abstandsregeln
  • Gewerbesteuer für das Jahr 2020 auf Null setzen - ohne Nachforderung
  • Erlass der Sondernutzungsgebühr 2020
  • Mehrwertsteuer rückwirkend ab dem 17. März auf sieben Prozent herabsetzen 
  • Übernahme der Energiekosten, rückwirkend ab dem 17. März
  • Erlass der Lohnnebenkosten - ohne Stundungen

"Wir wollen keine Personalausweise prüfen"

Vor allem die Aufhebung der Maskenpflicht ist den Gastronomen ein Anliegen: "Das Küchenpersonal steht sehr lange Zeit in einem sauerstoffarmen Umfeld unter Abzugssystemen und an Gasherden. Eine Maske würde die ausreichende Sauerstoffzufuhr zu stark beeinträchtigen", heißt es in dem Schreiben des Zusammenschlusses.

Zudem sei unter keinen Umständen die Korrektheit der gästebezogenen Angaben gewährleistet, daher soll eine schriftliche Entbindung der Haftung bei Verhaltensverstößen der Gäste erfolgen. "Wir können und wollen hinsichtlich unserer Gastfreundschaft keine Personalausweise prüfen, um sicherzustellen, dass lediglich Familien aus zwei unterschiedlichen Haushalten kommen. Das ist Sache der Polizei", so die Karlsruher Gastronomen.  

Gastronomen versammeln sich auf Messplatz

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Gastronomen sei eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent. "Wir erachten diese Punkte als sehr wichtig, um den Fortbestand unserer Betriebe zu sichern", heißt es im Schreiben an den OB. "Auch wir Gastronomen sind Karlsruhe, tragen einen Teil dazu bei und sind es wert am Leben erhalten zu werden - aber das schaffen wir nur gemeinsam und mit Ihrer Hilfe."

Die Karlsruher Gastronomen möchten ein Zeichen setzen.
Die Karlsruher Gastronomen möchten ein Zeichen setzen. | Bild: Ingo Rothermund

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, haben sich rund 70 Gastronomen am Dienstag am Karlsruher Messplatz versammelt, um ein gemeinsames Luftbild aufzunehmen. "Das Bild wird unter anderem vor den Filmen des Karlsruher Autokinos gezeigt", so Holzhacker-Inhaber Zimmermann. 

Vereinbarungen und Regeln für Branche treffen

Und die Initiative der Gastro-Betreiber scheint bereits gefruchtet zu haben: Am Dienstagmorgen haben sie den Brief an Oberbürgermeister Frank Mentrup übergeben. "Im Gespräch hat uns der OB Dialogbereitschaft zugesichert", so Frank Zimmermann im Gespräch mit ka-news.de.

Die Gastronomen übergeben OB Frank Mentrup den Brief.
Die Gastronomen übergeben OB Frank Mentrup den Brief. | Bild: privat

Man wolle sich zusammen mit einer Fachgruppe "Gastro" und dem Gaststättenverband Dehoga an einen Tisch setzen und "Vereinbarungen und Regeln für unsere Branche entwickeln". Restaurantbetreiber Zimmermann ergänzt: "Eine möglichst schnelle Rückkehr in die Normalität wäre für uns sehr wünschenswert." 

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  •   kommentar4711
    (2474 Beiträge)

    20.05.2020 15:51 Uhr
    ANTWORT AUF "MASKENPFLICHT ADE"
    Gerade Aerosolwolken im Innenraum scheinen Übertragungsweg 1 zu sein. Das mit den Masken könnte mit das wichtigste sein, um Corona auszurotten
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  •   mueck
    (11573 Beiträge)

    21.05.2020 01:19 Uhr
    !
    Lebensmittel einkaufen war lange ohne Maske, aber mit Abstand und Maximalzahl, und die Zahlen sanken. An so flüchtigen Begegnungen kann's also nicht liegen ...
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  •   Avatar
    (808 Beiträge)

    20.05.2020 18:53 Uhr
    Ganz genau so ist es
    Uns geht es nur so gut weil wir uns weitestgehend an die Vorsichtsmassnahmen gehalten haben. Man siehe nach England, USA und Brasilien. Die ganzen Leugner lassen ihr Volk für ihre Ignoranz sterben.
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  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    20.05.2020 19:54 Uhr
    Ach was
    Da ist nur das Virus schneller durch und die Länder können dann glücklicherweise früher zur Normalität zurückkehren. Wir büßen Merkels Angstpolitik dadurch, dass wir zwei Jahre unter massiven Freiheitsbeschränkungen leiden müssen.
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  •   schmidmi
    (2584 Beiträge)

    21.05.2020 21:00 Uhr
    Können schneller zur Normalität zurück....
    Das gilt aber nur für die Überlebenden....
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  •   Freigeist1
    (1198 Beiträge)

    20.05.2020 21:04 Uhr
    Du meinst das Land von dem
    mit dem Sauerkraut-Toupé, der zu Ostern die Kirchen wieder aufmachen wollte?

    Erfolgreich waren bisher eher Länder mit frühem und konsequentem Shutdown, wie Österreich oder Neuseeland.
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  •   kommentar4711
    (2474 Beiträge)

    20.05.2020 19:59 Uhr
    ANTWORT AUF "ACH WAS"
    Wer spricht von 2 Jahren? Bei uns in der Region sind die Fallzahlen doch schon stark in Richtung 0 gehend. Jetzt noch ein paar Wochen vernünftig bleiben, dann dürfte ab ca. Juli wieder Normalität sein.
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  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    20.05.2020 20:05 Uhr
    Die Politik
    wird bis dahin die Losung ausgeben, das Virus müsse zuerst weltweit ausgerottet sein, bevor es weitere Lockerungen geben kann.

    Nein, die geben uns unsere volle Freiheit dieses Jahr nicht mehr zurück. Da würde ich viel drauf wetten. Schauen Sie sich doch mal den Herrn Kretschmann an mit seiner gelben Maske, wie er ständig irgendwelche angstvollen Reden hält. Dauerpanik.
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  •   Avatar
    (808 Beiträge)

    20.05.2020 20:19 Uhr
    Lieber etwas Angst
    als 50.000 Tote...ich sehe meine Freiheiten nicht eingeschränkt, ich konnte von Anfang an raus. Wi e alle anderen auch. Business as usual geht halt nicht während einer Pandemie.
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  •   kommentar4711
    (2474 Beiträge)

    20.05.2020 20:16 Uhr
    ANTWORT AUF "DIE POLITIK"
    Das ist jetzt aber im Bereich der Verschwörungstheorie. Unterhalten wir uns mal Ende Juli noch mal darüber, wenn die Fallzahlen sich weiter entwickeln wie im Moment.
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