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Karlsruhe Karlsruher Corona-Wellen im Vergleich: 5 Gründe, warum die Corona-Zahlen heute höher sind als vor einem Jahr

Seit zirka anderthalb Jahren begleitet uns die Corona-Pandemie. Nach gefühlt unzähligen Corona-Verordnungen, Umgewöhnungen im Alltag, wirtschaftlichen Tiefpunkten, dauerüberlasteten Kliniken und neuen Stufen- und Regelungssystemen ist Deutschland inzwischen in der vierten Corona-Welle angekommen. Bislang soll sie die Heftigste von allen sein. Aber wie sah die Lage noch vor einem Jahr in Karlsruhe aus, als noch die zweite Welle wütete? Ist der "status quo" im Vergleich wirklich schlimmer? Wir haben beim Karlsruher Gesundheitsamt einmal nachgehakt.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 183,8 im Karlsruher Stadtkreis und 221,5 im Karlsruher Landkreis (Stand Montag, 8. November) hat die vierte Corona-Welle auch Karlsruhe fest im Griff. Denn: Werden beide Kreise zusammengezählt haben sich laut dem Landesgesundheitsamt von Baden-Württemberg  (LGA)  innerhalb einer Woche 1.557 Personen mit dem Virus angesteckt. 

Deutschlandweit hat die Sieben-Tage-Inzidenz sogar ihren Höchstwert im Verlauf der Pandemie erreicht. Denn dieser liegt aktuell bei 201,1. Das Land Baden-Württemberg weist laut dem Landesgesundheitsamt (LGA) einen Wert von 235,1 auf (Stand: 7. November 2021), wobei zwischen der Sieben-Tage-Inzidenz zwischen nicht-Geimpften (512,8) und Geimpften (49,7) unterschieden werden muss (Stand: 5. November 2021). 

Warum gibt es die 7-Tages-Inzidenz noch?

Aber wie war denn die Situation vor einem Jahr? Laut dem damaligen Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 8. November 2020, lag die 7-Tages-Inzidenz deutschlandweit bei 135,6. In Baden-Württemberg bei 135,1. Das Städtische Klinikum in Karlsruhe befand sich am 26. November 2020 - wie heute - in der Pandemiestufe drei. Neun Patienten wurden auf der Intensivstation und 33 auf der Allgemeinstation behandelt. Zum Vergleich: Heute, den 8. November 2021, werden 16 Patienten auf der Covid-Allgemeinstation und zehn Patienten auf der Corona-Intensivstation behandelt. 

Mediziner und Pfleger versorgen einen an Covid-19 erkrankten Patienten in einem Zimmer.
Mediziner und Pfleger versorgen einen an Covid-19 erkrankten Patienten in einem Zimmer. | Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild

Der Unterschied: Eine 7-Tages-Hospitalisierungsinzidenz gab es damals noch nicht. Viel mehr galt die 7-Tages-Inzidenz als alleiniger Richtwert, was sich im Sommer 2021 änderte. Aus dem Wechsel folgte allerdings auch eine grundlegende Infragestellung dieses Richtwerts. Das hat folgenden Grund:

"Aufgrund des Prinzips, dass positiv getestete Personen an ihrer Meldeadresse als 'Infiziert' geführt werden, kann man aufgrund der hohen Mobilität der Menschen in der Regel keinen genauen Aufschluss auf das tatsächliche Infektionsgeschehen vor Ort gewinnen oder Infektionsherde identifizieren. Das wird an Reiserückkehrern ganz deutlich, die sich an völlig anderer Stelle auf dem Erdball angesteckt haben, aber nach Rückkehr an ihrem Wohnort dort als Infiziert geführt werden", heißt es seitens des Karlsruher Gesundheitsamtes.

Laut RKI haben sich in Deutschland nachweislich mehr als drei Millionen Menschen mit dem Virus infiziert.
(Symbolbild) | Bild: Nicolas Armer/dpa

Dennoch sei der Wert immer noch von Bedeutung wie das Gesundheitsamt auf Nachfrage der Redaktion mitteilt. Der Grund: Die Sieben-Tage-Inzidenz gebe Aufschluss sowohl über die Dynamik von Sars-Cov2-Infektionen als auch über das individuelle Ansteckungsrisiko in einer Region. 

Corona-Zahlen in der vierten Welle höher

Doch woran liegt es konkret, dass das jetzige Infektionsgeschehen scheinbar als kritischer empfunden wird, als im Vorjahr? Um dies zu verdeutlichen hat das Gesundheitsamt einen Vergleich aufgestellt. Als Stichtag gilt hier jeweils der 4. November. 

Der bisherige Rekordwert wurde auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle mit 197,6 erreicht. Nun ist er auf über 200 gestiegen.
(Symbolbild) | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

"Am 4. November 2021 hatten wir im Landkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 167,4 und in der Stadt Karlsruhe von 134,5. Im Vergleich zum Vortag wuchs die Zahl der Infizierten im Stadt- und Landkreis um 381. 174 Personen galten im Vergleich zum Vortag als Genesen. Somit wurden 207 Personen als aktuell infiziert geführt. Bezogen auf sieben Tage gelten somit 961 Personen als 'Positiv'", erläutert das Gesundheitsamt Karlsruhe und ergänzt:

"Am 4. November 2020 hatten wir im Landkreis eine 7-Tage-Inzidenz von 119,1 und in der Stadt Karlsruhe von 141,6. Im Vergleich zum Vortag wuchs die Zahl der Infizierten um 288. 50 Personen galten im Vergleich zum Vortag als Genesen. Somit galten 238 Personen als aktuell Infiziert. Bezogen auf 7 Tage galten somit 902 Personen als 'Positiv'." Dass die Zahlen in der vierten Welle - trotz Impfungen - doch höher liegen als im Jahr zuvor, ließe sich an fünf Punkten ableiten. 

1. Ansteckendere Virusvariante

In Deutschland macht die Delta-Variante fast 100 Prozent aller Infektionen aus, während in der zweiten Welle noch die Alpha-Variante vorherrschend war. Die Delta-Variante gilt allerdings als deutlich infektiöser und aggressiver, soll sogar schwerere Krankheitsverläufe begünstigen. 

Je «schöner» eine bildliche Darstellung des Coronavirus ausfällt, als desto weniger ansteckend wird das Virus empfunden.
(Symbolbild) | Bild: Uncredited/Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa

2. Es wird / wurde mehr getestet

Durch die vermehrten Testungen in den Testzentren wurden auch vermehrt asymptomatische Personen entdeckt und dem Gesundheitsamt gemeldet.

3. Schulen und Kitas sind geöffnet

Während vor einem Jahr noch das Homeschooling vorherrschend war, dürfen Klassenzimmer und Kitas trotz steigender Zahlen weiterhin geöffnet bleiben. Durch die regelmäßigen Testungen werden auch hier wieder Fälle aufgedeckt.

Eine Maske liegt in der ersten Klasse einer Grundschule in Baden-Württemberg auf einem Mäppchen.
Eine Maske liegt in der ersten Klasse einer Grundschule in Baden-Württemberg auf einem Mäppchen. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

"Schulen und Kindergärten waren aus gutem Grund wieder im Präsenzbetrieb, obwohl sie bekannterweise relevante Orte zur Verbreitung des Virus sind. Kindergarten-Gruppen oder Schulklassen wurden nur noch im Ausnahmefall in Quarantäne geschickt", erläutert das Gesundheitsamt.

4. Bevölkerung ist der Pandemie überdrüssig

Über ein Jahr Pandemiegeschehen schlaucht auch die Bevölkerung. Das habe sowohl Auswirkungen auf das Verhalten von Einzelpersonen wie auch auf Gruppen. 

5. Vor einem Jahr galt noch der Lockdown

Erst seitdem am vergangenen Mittwoch die Warnstufe ausgerufen wurde, gelten für die Ungeimpften wieder Kontaktbeschränkungen. Im Jahr 2020 fand derweil ein fließender Übergang zwischen dem "Lockdown Light" und dem richtigen Lockdown statt.

Darüber hinaus wurden im Dezember Ausgangsbeschränkungen zwischen 20 Uhr und 5 Uhr morgens beschlossen. Wie das Gesundheitsamt bereits in der Vergangenheit betonte, sollen sich diese  Maßnahmen bei einem diffusen Infektionsgeschehen durchaus bewährt haben. Derartige Maßnahmen in der vierten Welle einzuführen, wären in ihrer Verhältnismäßigkeit jedoch nicht mehr vertretbar.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   ordnungshueter
    (213 Beiträge)

    09.11.2021 11:31 Uhr
    ich hab mir ueberlegt, ob ich antworte...
    ich lass es.
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  •   ordnungshueter
    (213 Beiträge)

    09.11.2021 09:42 Uhr
    konsequent
    sollte man sein: wer seine impfentscheidung vom verhalten eines fussballspielers abhaengig macht, sollte auch seinen apotheker in die nationalmannschaft entsenden!
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  •   auchmalsenfdazu
    (3225 Beiträge)

    09.11.2021 11:03 Uhr
    ich verstehe
    zwar den Sinn deiner Aussage nicht wirklich.
    Aber lass bitte Süle in Ruhe, der ist doch "geschützt"
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  •   RainerBu
    (1499 Beiträge)

    09.11.2021 09:07 Uhr
    Ich fürchte mal
    egal wie viele geimpft sind , einige tausend auf Intensiv.
    Bei alten Menschen hat man wohl auch mit Impfung eine fifty fifty Chance schwer zu erkranken oder zu sterben. DIe Ausbreitung Virus, besonders bei Kindern scheint unaufhaltsam . Und die haben ja auch Kontakte zu Erwachsenen. Mögen vor allem Ungeimpfte im Krankenhaus sein aber wie geschrieben, ich vermute auch Impfquote 100 Prozent wird den Krankenhäusern nichts bringen . Reiserückkehrer ? Ja das Böse lauert nur im Ausland . Reines Ablenkungsmanöver , wer sich wo wie warum ansteckt , wird bald nicht mehr aufzuklären sein bzw ist es schon. Es laufen wohl so viele Infizierte ohne Symptome rum dass es wohl eher daher kommt.
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  •   RainerBu
    (1499 Beiträge)

    09.11.2021 09:24 Uhr
    ok impfen
    verhindert wohl noch mehr Patienten aber mit einigen tausend werden wir wohl (jeden Winter ?) rechnen müssen.
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  •   SunCityKA
    (177 Beiträge)

    09.11.2021 07:47 Uhr
    Das betrifft ...
    ... ja jetzt hauptsächlich die freiwillig Ungeimpften/Querphantasierenden usw. Wirklich schlimm ist, dass das Pflegepersonal und die Ärzteschaft nun schon zum 4. Mal ihre Freiheiten opfern müssen, weil eine verquere Minderheit ihre Freiheit über diejenige der Mehrheit stellt. Dieses unsoziale Verhalten gehört schon längst sanktioniert. Der Ministerpräsident aus Thüringen hat hierzu den wertvollsten Vorschlag gemacht: freiwillig Ungeimpften und an Covid erkrankten sollte der Anspruch auf den, von der Allgemeinheit solidarisch finanzierten, Krankenhausaufenthalt verweigert werden. Chapeau!
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  •   auchmalsenfdazu
    (3225 Beiträge)

    09.11.2021 09:18 Uhr
    schlimm
    dass sich immer noch so viele Menschen von der politischen und medialen Hass - und Hetzkampagne beeinflussen lassen und wirklich alles ungefiltert glauben, ohne sich selbst mal richtig zu informieren...

    Die Politik benötigt für das eigene Handeln und Versagen Sündenböcke.

    Nicht jeder , der nicht geimpft ist, ist ein Querdenker. Auch wenn das in den Medien natürlich anders geframed wird.
    Auch wenn DU andere Meinungen als deine eigene als unsozial bezeichnest (zeigt schon wes Geistes Kind du bist) musst du es ertragen.

    2G ist auch ein schlechter Scherz. Gibt ja zig Beispiele, wo das schon schief gegangen ist und der Witz dabei ist ja, dass man die frisch Getesten (die es bei 3G gibt )jetzt aussperrt und lieber mehr Leute reinlässt , die das Virus unkontrolliert verbreiten können.

    Und wenn du diesen (wirklich asozialen ) Vorschlag aus Thüringen gut findest, dann bitte auch keine Krankenhausbehandlungen für Raucher, Säufer, Drogenkonsumenten usw..... mehr !
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  •   tom1966
    (1759 Beiträge)

    09.11.2021 12:06 Uhr
    Versagen der Politik?
    Kann man so sehen! Was wäre denn das richtige Handeln gewsen?
    Der einzig gangbare Weg, schwere Infektionen einzudämmen, ist die Impfung. Folglich wäre das richtige Handeln der Politik die Impfpflicht gewesen! Aber dann hätten gemnau die, die immer vom "Versagen der Politik" sprechen, von "diktatorischen Maßnahmen" oder ähnlichem gesprochen. Es gibt Leute, denen KANN man es nicht recht machen, sie haben immer Grund zu meckern!

    Natürlich hätte man sich besser auf die kalte Jahreszeit vorbereiten können (sowohl 2020 als auch aktuell): Aufstockung der Intensivbetten, mehr Personal in den Krankenhäusern und besser Bezahlung usw.. Letztes Jahr war ein starker Anstieg der Infektionszahlen im Spätjahr voraussehbar, diese Jahr war das nicht so sicher, da es die Impfungen gibt. Leider hat die Delta-Variante die Vorhersagen über den Haufen geworfen.
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  •   Mondgesicht
    (2789 Beiträge)

    09.11.2021 13:07 Uhr
    Richtiges Handeln?
    Hmmm... okay, Sie sagen: vielleicht eine Impfpflicht. Ich denke, dass es zwar ein erheblicher Eingriff in die Grundrechte des Einzelnen ist - aber im Vergleich zu einem gesamtgesellschaftlichen Lockdown für alle (der wohl bald kommen wird) hielte ich die Impfpflicht für das geringere Übel.

    Nur, Achtung: wir wissen doch gar nicht, ob das die Garantie ist, dass wir wirklich aus der Pandemielage herauskommen. Die Niederlande beispielsweise haben eine höhere Impfquote als wir, steuern aber gerade genau so auf eine massive Auslastung der Krankenhäuser zu wie wir. Umgekehrt befindet sich Großbritannien seit Sommer im Freiheitszustand, und ich höre nichts, dass die Lage dort bedrohlicher ist als hier.

    Ich bekomme immer mehr das Gefühl: wir können tun, was wir wollen. Aber wir kommen aus der immer währenden Pandemie nicht mehr raus. Wir können vielleicht durch regelmäßige Impfungen die Folgen lindern, das zumindest scheint möglich. Mehr nicht.
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  •   tom1966
    (1759 Beiträge)

    09.11.2021 14:05 Uhr
    Impfpflicht
    Ich halte eine Impfpflicht für rechtlich bedenklich, auch wenn man aus meinem vorigen Kommentar das anders lesen könnte. Sie wäre nur die einzig konsequente Maßnahme gewesen, die die Krankenhasusbehandlungen auf niedrigem Niveau hält.

    Was ich jedoch nicht verstehen kann, sind die Bedenken der Impfgegner gegen die Impfungen: Es wurden weltweit über 7 Milliarden Menschen einfach und über 3 Milliarden vollständig geimpft und es türmen sich keine Leichenberge oder füllen sich die Krankenhäuser mit Patienten, die unter Nebenwirkungen leiden.

    Und nein, die mRNA-Impfstoffe bewirken keine Veränderungen am Erbgut!
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