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Karlsruhe Karlsruher Corona-Trend: Die Kneipe als neuer Hotspot?

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Corona-Lage in Karlsruhe - Hotspot Barszene?

Die Corona-Lage in Karlsruhe hat sich stabilisiert. Wo vor wenigen Wochen noch immer weiter steigende Fallzahlen zu vermelden waren, ist die Zahl der Neuinfektionen in der Fächerstadt nun sogar rückläufig. Waren Anfang September noch 79 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, sind es am Dienstag, 15. September, "nur" noch 56.

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Dennoch warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellsten Lagebericht: "Auch wenn die täglich gemeldeten Fallzahlen aktuell nicht stark zunehmen, muss die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet werden."

Das gilt nicht nur für den in dieser Woche landesweit erfolgten Schulstart, sondern auch für eine Gruppe, die in der Betrachtung der Corona-Lage bisher nur wenig in Erscheinung getreten ist: die Kneipen- und Barszene. Erst am vergangenen Wochenende war in Garmisch-Partenkirchen ein Corona-Ausbruch gemessen worden, nachdem eine junge Frau durch mehrere Kneipen gezogen war und zahlreiche Menschen angesteckt hatte.

"Abstände konnten physisch nicht eingehalten werden"

Und wie ein ka-Reporter der Redaktion vergangene Woche meldete, soll auch die Barszene in Karlsruhe ein Ausgangspunkt mehrerer Corona-Verstöße sein. Konkret berichtet er von seinen Beobachtungen in einer Bar in der Karlsruher Innenstadt am Wochenende: "Der Laden war voller, als es in Vor-Corona-Zeiten üblich war, Abstände konnten physisch nicht eingehalten werden. Weiter wurden keine Masken von Gästen getragen, die sich frei bewegten. Dazu wurde mir zwar ein Getränk serviert, aber keine Kontaktdaten abgefragt.

Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier an.
Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier an. | Bild: Angelika Warmuth/dpa/Symbolbild

Zu guter Letzt war die Luft durch die große Anzahl an Personen auf der geringen Fläche übermäßig stickig. Dass eine Dame hinter der Bar sich mit der Hand über Mund und Nase wischte und direkt weiter eine Limette für einen Drink zuschnitt, war das 'Sahnehäubchen' und ich ging wieder", erklärt er gegenüber der ka-news.de-Redaktion. Ähnliches habe er auch bereits aus anderen Kneipen gehört.

Einzelfall oder bekanntes Problem in Karlsruhe?

Einzelfall-Erfahrung oder bekanntes Problem? Beim Ordnungs- und Bürgeramt (OA) seien in den letzten Monaten mehrere Beschwerden zu Gaststätten und Bars hinsichtlich einer vermeintlichen Nicht-Einhaltung der Corona-Verordnung eingegangen, heißt es auf diese Frage von der Stadt Karlsruhe. "Diesen Meldungen wird gezielt nachgegangen."

So habe man erst am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der Polizei verschiedene Gaststätten kontrolliert. "Die Verstöße in den kontrollierten Gaststätten sind daher auch dem OA bekannt und wurden mit den betroffenen Gaststättenbetreibern bereits besprochen und angezeigt", so das OA gegenüber ka-news.de weiter. Eine Änderung dieser Vorgehensweise sei - trotz der sich häufenden Verstöße - nicht beabsichtigt. 

Bild: ka-news.de

Von der Karlsruher Barszene als neuen Corona-Hotspot will das Landratsamt Karlsruhe derzeit nicht sprechen. Die Erfahrung aus anderen Orten wie Ischgl und Berlin habe gezeigt, dass es in Bars durchaus zu Hotspots und Infektionsclustern kommen kann, heißt es auf Nachfrage von ka-news.de. "Im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Karlsruhe - also der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe - ist dies bislang aber noch nicht der Fall gewesen."

2. Vergangene Entwicklung der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate zum dritten Mal in die Höhe. Das ist neben den Lockerungen der Corona-Bedingungen auch auf die große Zahl der Reiserückkehrer aus Urlaubsländern zurückzuführen.

Nach dem großen Ausbruch in März und April hat die Fächerstadt bereits eine zweite, kleinere Spitze hinter sich: Nachdem das Infektionsgeschehen über mehrere Wochen nahezu zum Stillstand kam, stiegen Ende Juni die Zahlen wieder an.

Im Wesentlichen steht das mit dem Gottesdienst in einer Karlsruher Freikirche in Zusammenhang, bei dem sich 22 Menschen infiziert hatten, sowie dem Corona-Ausbruch am Edith-Stein-Gymnasium in Bretten. Hier haben sich fünf Personen - vier Schüler und eine Lehrerin - mit dem Virus infiziert.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI-Lagebericht - 15.09.
Dateigröße : 1.15 MBytes.
Datum : 16.09.2020 09:52
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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   kapu48
    (2 Beiträge)

    17.09.2020 12:27 Uhr
    Besser in Gaststätten satt im ÖPNV kontrollieren
    Auch im Biergarten von Judys Pflug in Durlach sitzen die Gäste , ohne Einhaltung der Abstandsregel,n dicht gedrängt zusammen.
    Wenn da einer etwas hat, dann haben alle was davon.
    Daher finde ich die S-Bahn Aktion von gestern irgendwie Sinn entleert.
    Ich habe bisher noch von keinem Superspreader im ÖPNV gehört.
    Aber dafür, wie zuletzt in Bayern, von vielen in Gaststätten.
    Wäre es da nichts sinnvoller die Gaststätten zu kontrollieren.
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  •   Skunk
    (3 Beiträge)

    17.09.2020 10:05 Uhr
    Bussi und Karaoke
    Ich war vor einigen Tagen in der Altstadt unterwegs. Den Umgang mit den Abstandsregeln im Biergarten fand ich vorbildlich. Das Verhalten der Gäste und Wirte in den Kneipen nach 23 Uhr eher beängstigend. Von Maskenpflicht, Abstandsregeln und dergleichen war nichts zu merken. Es war alles egal. Bussi Bussi und enges Beisammenstehen war Normalfall und zudem gab es noch Karaoke für alle ;-((((
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  •   Sherlock
    (65 Beiträge)

    17.09.2020 16:10 Uhr
    Wenn das Folgen hat
    dann werden diese Kneipen sicherlich in einigen Wochen nach Staatshilfen schreien, weil sie dann nämlich dicht sind. Mein Mitleid hält sich dann in Grenzen. Es geht ja schon wieder los, dass immer mehr Kneipen/Bars zum Auslöser für viele Neuerkrankungen werden.
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  •   Kiwi
    (403 Beiträge)

    17.09.2020 09:23 Uhr
    Bussi -Bussi
    ...hast du auch ein Bussi bekommen ? zwinkern)
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  •   Dalli_Klick
    (507 Beiträge)

    16.09.2020 15:56 Uhr
    Hauptsache
    wieder mal irgendwelche Schreckensszenarien herbeigeredet. Coronapanik und kein Ende.
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  •   tom1966
    (680 Beiträge)

    17.09.2020 08:46 Uhr
    Coronapanik?
    Es gibt einen Unterschied zwischen Panik und Vorsicht, zwischen verantwortungsvollem Verhalten und Leichtsin / Dummheit.
    Wenn ich mich vielen Menschen in einem geschlossenen Raum aufhalte, braucht doch nur ein einziger darunter sein, der aktuell mit einem Virus, das sich über die Atemluft verbreitet, infiziert ist. Die Folge wäre, dass alle im Raum diesem Virus ausgesetzt würden und somit die Gefahr einer Ansteckung steigen würde. Soviel grundsätzlich.

    Wie man das ganze auf die aktuelle Corona-Situation überträgt, hängt davon ab, wie hoch man persönlich die Gefährlichkeit des Virus und seine Verbreitung in der Bevölkerung einschätzt. Da gibt es die einen, die lieber vorsichtig sind und die anderen, die den Vorsichtigen "Panik" unterstellen.
    Knapp 1 Million Tote weltweit und (Stand heute) über 2000 Neuinfektionen an einem Tag in Deutschland sprechen für sich.
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  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    16.09.2020 17:32 Uhr
    Schreibt
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Wenzel
    (159 Beiträge)

    16.09.2020 13:49 Uhr
    Immer wieder wird uns Kommunalpolitiker die Frage gestellt...
    ...warum wir den Focus auf die Infektionszahlen und nicht auf die tatsächlichen Krankheitsverläufe und Sterbefälle richten. Ein heikles Thema aber eine gute Frage! Denn auch in Fachkreisen mehrt sich die Kritik an dieser Vorgehensweise: [url=https://www.berliner-kurier.de/gesundheit-oekologie/mediziner-fordern-weniger-panik-beim-umgang-mit-corona-li.105386]„Inzwischen gibt es relativ zuverlässige Zahlen zur Letalität von COVID-19“, schreiben die Autoren des EbM-Netzwerks. Die ursprünglichen Schätzungen einer Todesrate von teilweise über 10 Prozent hätten sich als falsch erwiesen. Das Netzwerk verweist auf die sogenannte Infection Fatality Rate (IFR), die Todesfälle unter allen Infizierten erfasst – auch jene mit leichten oder asymptomatischen Verläufen. Sie habe in den vergangenen vier Wochen in Deutschland zwischen 0,1 und 0,4 Prozent gelegen, lautete die Einschätzung vom 8. September. Eine im Juli publizierte Metaanalyse aller weltweit verfügbaren Daten habe die Rate auf 0,68
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  •   Wenzel
    (159 Beiträge)

    16.09.2020 13:51 Uhr
    Sorry - der Link dazu hat nicht funktioniert!
    „Inzwischen gibt es relativ zuverlässige Zahlen zur Letalität von COVID-19“, schreiben die Autoren des EbM-Netzwerks. Die ursprünglichen Schätzungen einer Todesrate von teilweise über 10 Prozent hätten sich als falsch erwiesen. Das Netzwerk verweist auf die sogenannte Infection Fatality Rate (IFR), die Todesfälle unter allen Infizierten erfasst – auch jene mit leichten oder asymptomatischen Verläufen. Sie habe in den vergangenen vier Wochen in Deutschland zwischen 0,1 und 0,4 Prozent gelegen, lautete die Einschätzung vom 8. September. Eine im Juli publizierte Metaanalyse aller weltweit verfügbaren Daten habe die Rate auf 0,68 Prozent beziffert.
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  •   andip
    (10688 Beiträge)

    16.09.2020 08:25 Uhr
    Hotspot Kneipe?
    Bevor man wieder schwarz zu malen anfängt, sollte man erstmal nachprüfen, ob das wirklich so ist.
    Dass man sich dort nicht immer zu hundert Prozent an alle Regeln hält, wird ja schon seit deren Wiedereröffnung praktiziert, und nicht nur hier.
    Ist es deshalb irgendwo zu grösseren Ausbrüchen gekommen?
    Ich behaupte mal nein.
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