18  

Karlsruhe Karlsruher Bäder: Wiedereröffnung ohne Plan? "Es fehlt ein klarer Impuls des Landes"

Am 9. Mai sollte eigentlich die Freibad-Saison in Karlsruhe beginnen, doch aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Frei- und Hallenbäder bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Während man technisch zwar bereit für eine Öffnung wäre, sieht es organisatorisch eher weniger gut aus. Das Problem: Einen konkreten Plan zur Umsetzung von Hygienevorschriften, Abstandsregeln und Mundschutz-Pflichten gibt es noch nicht.

Am Donnerstag haben es Bund und Länder in ihrer Sitzung entschieden: Schwimmbäder dürfen auch weiterhin nicht für Besucher geöffnet werden. Wann das Verbot aufgehoben wird, ist noch nicht absehbar. Damit steht auch der Start der Karlsruher Freibad-Saison am 9. Mai auf der Kippe - für Bäderchef Oliver Sternagel wäre das ein herber Schlag. 

"Wir wären bereit zu öffnen"

Der Grund: "Wir wären bereit zu öffnen, wie wir es ursprünglich für den 9. Mai geplant hatten", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. Die Becken seien zum Teil schon gefüllt, die Wasserwerte gemessen und die Beckenheizungen in Betrieb. "Wir müssen so tun, als würden wir in die Saison starten. Wir können ja nicht auf das Go der Landesregierung warten und dann erst mit den Vorbereitungen starten", so Sternagel.

Das Problem daran: Vier Frei- und sechs Hallenbäder dauerhaft im Leerlauf zu betreiben - "das kostet richtig Geld", sagt der Bäderchef. Hinzu kommt der fehlende Umsatz aus den Kartenverkäufen. Über 20.000 Besucher pro Tag könnten es in allen vier Freibädern zusammengerechnet an einem heißen Tag schon einmal werden.

"Allein im Europabad fehlen uns pro Monat eine halbe Million Euro an Umsatz"

Wie viele Gäste den Bäderbetrieben 2020 fehlen werden, kann Oliver Sternagel aktuell noch nicht abschätzen, "aber eine solche Zahl dieses Jahr zu erreichen, das halte ich für illusorisch". Unter den fehlenden Besuchern würden besonders die umsatzstärksten Bäder - das Fächerbad und das Europabad - finanziell leiden.

Bäder-Chef Oliver Sternagel
Bäder-Chef Oliver Sternagel | Bild: Tim Carmele

"Allein im Europabad fehlen uns pro Monat eine halbe Million Euro an Umsatz - das tut richtig weh", so Sternagel gegenüber ka-news.de. Man habe zwar bereits Saisonkarten verkauft, aber auch diese Einnahmequelle könnte die Krise zum Versiegen bringen.

"Bis wir öffnen dürfen, macht es vielleicht schon gar keinen Sinn mehr, Saisonkarten zu verkaufen", sagt der Chef der Bäderbetriebe. Sollte eine Öffnung auch weiterhin nicht in Sicht sein, werde man den Betrieb und die Wartung der Becken auf einen Minimalwert herunterfahren - "wir sparen natürlich, wo es geht."

"Es gibt noch viele offene Fragen"

Ganz abgeschrieben hat Oliver Sternagel seine Hoffnung, die Karlsruher Bäder in naher Zukunft wieder für große und kleine Schwimmer öffnen zu können, dabei aber natürlich nicht. Man befinde sich bereits in einem stetigen Austausch mit anderen Bädern Baden-Württembergs, wie man - im Falle der Öffnung - mit den dann eventuell kommenden Hygienemaßnahmen, etwa Abstandsregeln, Desinfektion und Mundschutzpflicht, umgehen könnte.

Das Wellenbecken muss geputzt werden, bevor es gefüllt wird.
Das Wellenbecken muss geputzt werden, bevor es gefüllt wird. | Bild: Hammer Photographie

Doch das Problem: Bei zu vielen Punkten fehlen klare Vorgaben des Landes. "Wie sollen wir beispielsweise Abstandsregeln in den Schwimmbecken, im Kleinkinderbereich oder im Wellenbecken kontrollieren?", meint Sternagel. "Wie sollen wir das Anstehen an den Rutschen regeln oder die Schrankbelegungen und müssen wir vielleicht die Sammelumkleiden sperren? Es gibt noch viele offene Fragen."

Klarer Impuls des Landes fehlt

Offen sei auch noch die Frage, ob für Bäder Einlassbeschränkungen gelten könnten. "Und was passiert dann mit den Menschen, die nicht hineinkommen? Hier sehen wir uns noch vor Probleme gestellt, hier fehlt ein klarer Impuls des Landes."

Um sich dennoch so gut wie möglich auf eine baldige Öffnung vorzubereiten, habe man nicht nur Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken für die Mitarbeiter bestellt, sondern tüftele bereits intern an einigen Plänen, spruchreif ist laut Sternagel aber - ohne die Vorgaben des Landes - keiner davon. "Sobald das Go dann kommt, müssen wir eben schnell losrennen und uns den Vorgaben anpassen", sagt er.

Bäder putzen sich für künftige Besucher heraus

Bis es aber soweit ist, nutzen der Karlsruher Bäderchef und seine Mitarbeiter die besucherfreie Zeit, um längst fällige Sanierungsarbeiten durchzuführen oder Neuinvestitionen zu tätigen. So soll beispielsweise das Europabad bis zum Sommer die erste Stehrutsche Süddeutschlands bekommen. Aber auch der Wildwasserfluss wurde neu beschichtet, eine Sauna ersetzt und die Eislounge hat eine neue Optik bekommen. "Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck", sagt Sternagel im Gespräch mit ka-news.de.

Bild: ka-Reporter: Peter Eich

So soll alles bereit sein, wenn die Landesregierung den Startschuss für die Badesaison 2020 gibt - sofern das in naher Zukunft überhaupt geschehen wird. Oliver Sternagel aber will weiter auf das heiß ersehnte "Go" hoffen - und warten. Dass seine Bäder bis zum offiziellen Beginn der Freibadsaison am 9. Mai öffnen können, "das halte ich aktuell aber nicht durchführbar". 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (18)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Malaika
    (243 Beiträge)

    04.05.2020 08:46 Uhr
    So what?
    Dann bleiben sie halt zu, die Bäder. In Karlsruhe ist in den letzten Jahren schon mehr Wasser=Geld den Rhein hinunter geflossen. Hier plant man nur überdimensionierte U-Bähnle, Stadien für drittklassige Kickertruppen, Theater- und Messepaläste, die nie ausgelastet sind. Nicht mal einen simplen Campingplatz bekommen diese Leute auf die Reihe. Nun, diese Pannen kann man jetzt ja alle auf Corona schieben.
    Die Verantwortlichen würden in der freien Industrie nicht mal eine Hundehütte bauen dürfen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    03.05.2020 19:59 Uhr
    Aktuelle Fallzahlen
    auf https://corona.karlsruhe.de/aktuelle-fallzahlen
    besagen, dass es bei ca. 300.000 Einwohnern der Stadt nur 81 Infizierte gibt, die wohl auch abgeschottet sind. Daraus könnte man tatsächlich ableiten, dass auch Bäder bald mit bestimmten Maßnahmen zu öffnen sind. Allein mir fehlt der Glaube bei den Zahlen.

    Island hat vergleichbar viele Einwohner und untersuchte die Herkunft des Virus (was machbar ist und aussagt, bei wem es aus Österreich, USA oder GB kam), man hat außerdem tatsächlich alle Kontaktpersonen richtig ermittelt. Außerdem kam keiner mehr ins Land. Das sind alles Faktoren, die bei der Stadt Karlsruhe fehlen.
    Im Leben nicht gibt es hier vor Ort nur 81 Infizierte. Deswegen werde ich mich freiwillig vorsichtig verhalten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    04.05.2020 10:25 Uhr
    Dem Gesundheitsamt Karlsruhe
    traue ich nicht mehr, weil es möglich war, dass insgesamt drei Gutachter nicht in der Lage waren zu erkennen, dass in einem Bericht nicht nur die angegebenen Krankheiten nicht vorhanden waren und falls doch, dies gar nicht mit den Kriterien aus dem ICD 10 begründet war. Zusätzlich wurde noch etwas erfunden was bei Kenntnis des Gutachtens sofort mit Unterlagen von mir hätte wiederlegt werden können.
    Muss man alles vorbeugend vor Gericht geben? Meine Vorstellung von Rechtstaatlichkeit geht anders.
    Von Gutachtern eines Gesundheitsamtes erwarte ich seriöse Arbeit und keine Lügen. Wenn Personalmangel der Grund sein sollte, dann muss man sich erst recht die eigenen Erfindungen und Lügerei sparen, weil das auch zu Mehrarbeit führt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    04.05.2020 12:40 Uhr
    Rechtsstaatlichkeit
    bedeutet für eine Stadt auch, dass sie Beratungsverpflichtungen nach SGBI § 14 nicht erst nach Gerichtsurteilen nachkommt. Antworten wurden verschickt, dass man etwas geprüft hat und dann erfolgte eine falsche Zusammenfassung. So blöd wäre noch nicht einmal ein tatsächlich seit Kindheit geistig Zurückgebliebener, dass er das nicht merken würde.

    Applaus, Applaus an Herrn Lenz, Herrn Denecken,die liebe SPD Fraktion.
    Wenn man in mehreren Jahrzehnten nicht fähig ist die Gesetze im Zusammenhang mit dem Opferentschädigungsgesetz zu lesen und anzuwenden, dann kann weder das Land noch der Bund dafür etwas. Und wenn man nicht fähig ist zu erkennen, dass das Gesundheitsamt Karlsruhe zwar beim Landratsamt ist, aber dortige Fehler Auswirkungen auf den Stadthaushalt haben können, dann sollte man im Anschluss nicht noch unverschämt oder gleich gar nicht antworten.

    Wann habt ihr daran etwas geändert? Diese Antwort fehlt mir noch mit Angabe des Datums!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    03.05.2020 19:18 Uhr
    Einfach mal schon Becken befüllen
    ist ganz sicher keine gute Strategie und kostet uns Steuerzahler nur unnötig Geld. Aber die Kretschmann-Landesregierung muss endlich klare Aussagen treffen. Das nichtssagende Gewäsch aus Stuttgart ist unerträglich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (699 Beiträge)

    03.05.2020 19:23 Uhr
    Klar doch
    Stuttgart ist daran Schuld.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7227 Beiträge)

    03.05.2020 17:20 Uhr
    Wie will man denn
    im Schwimmbad kontrollieren, ob die Hygienevorschriften bei großer Besucherzahl und auch der Abstand auf den Liegeflächen eingehalten wird. Will stündlich nur 100 Leute reinlassen und 20 dürfen nur für eine halbe Stunde ins Becken zum schwimmen?
    Noch ist die Pandemie nicht vorbei, auch bei uns steigt die Zahl der infizierten Menschen immer noch und es sterben immer noch Menschen durch diesen Virus. Die Öffnung der Schwimmbäder kann noch warten, auch wenn die Stadt da einen Einnahmeverlust hat.
    Wichtig ist, dass die Industriebetriebe, der Handel so gut es geht, wieder anlaufen.
    Wenn ich aber die Id....ten sehe, die in Berlin und Hamburg zu Tausenden demonstrierten, weil sie es nicht ertragen können, dass für eine gewisse Zeit ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, sehe ich die zweite Corona Welle schon heranrollen. Dann ist das Geplärre groß.
    Fast müsste man sagen, es trifft dann auch diese Leute. Auf Wolke sieben können sie dann über ihre Bewegungsfreiheit nachdenken.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (699 Beiträge)

    03.05.2020 19:26 Uhr
    Einfach laecherlich
    Das ist doch so einfach. Lediglich die Becken mit 60%igem Alkohol auffuellen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    04.05.2020 06:56 Uhr
    Falsch,
    denn Alkohol ist keine Lösung.
    Seife hilft gegen Viren, also muss man Schaumbad zufügen. Schaumschläger haben sie ohnehin genug. Problem gelöst und die Stehrutsche kann auch in Betrieb genommen werden.

    Abzuraten wäre von der Idee 60 Grad heißes Wasser zu nehmen, denn zu heiß gebadet sind in Karlsruhe schon genug. Das scheint hier so verbreitet gewesen zu sein, dass man auch bei mir einen frühkindlichen Schaden mit geistiger Verwissrung sogar gutachterlich (nachweisbar Gesundheitsamt Karlsruhe 2005) bescheinigte, ohne mich zu sprechen oder zu sehen. Ich hatte wahrheitsgemäß angegeben, dass ich im Gymnasium schon vor 1970 als Mädchen in Mathe und Physik sehr gut war. Es hat lange (fast zehn Jahre) gedauert, bis mir das Gutachten bekannt wurde, weil man Gutachten (es waren zwei DINA 4 Seiten) aus Kostengründen nicht zugeschickt bekommt.
    Das ist Karlsruhe!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10329 Beiträge)

    04.05.2020 07:21 Uhr
    Das zweite Gutachten
    wurde dann 2009 mit Befragung erstellt. Weil ich nicht wusste, was im ersten Gutachten steht, habe ich mich noch gewundert, warum die Schwangerschaft meiner Mutter eine Rolle spielen soll, wenn man Antrag auf Opferentschädigung gestellt hatte. Dass Vorschäden den Grad einer Schädigung durch ein Verbrechen mindern, darauf muss man auch erst mal kommen. Das ist aber so und wird heute noch so sein.
    Im Rathaus hat man nicht begriffen, dass eine Beratungspflicht besteht, weil man auch nicht begriffen hat, dass auch §§ aus dem Bundesversorgungsgesetz gelten.
    Lenz stand vor mir und hat 2009 gelacht, als ich etwas von Kriegsopferfürsorge sagte. Nach dem Motto: "Was es doch für überflüssige Gesetze gibt."
    Und schrieb seine Doktoarbeit über den Armutsbericht, während ich mehrfach grundlos noch nicht einmal das Geld für Mietzahlungen bekam und anmahnen musste.
    Arroganter Sauhaufen, wäre eine Beleidigung. Ich bin Dipl.-Ing. (gut), habe auch nie gesoffen oder Abhängigkeitserkrankungen gehabt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.