Browserpush
26  

Karlsruhe ka-news.de-Leser empört über Karlsruher Gesundheitsamt: "Niemand kontrolliert uns am Ende der Quarantäne"

Vierzehn Tage Quarantäne und die Gefahren einer Corona-Erkrankung sind ausgestanden. Eine recht simple Vorstellung, die allerdings nicht immer zutrifft. Manche Patienten könnten weit über diesen Zeitraum hinaus ansteckend sein - so auch ein verärgerter ka-news.de-Leser, der sich an die Redaktion wendet. Der Grund: Aufgrund einer Immun-Vorerkrankung wollte er seine Quarantäne auf eigenen Wunsch verlängern lassen - das Karlsruher Gesundheitsamt jedoch war dagegen.

"Erste Symptome des Corona-Virus", erklärt der ka-news-Leser Axel Moldenhauer, "begannen bei mir am  31. Oktober. Entsprechend habe ich auch direkt einen PCR-Test machen lassen." Dieser habe auch relativ schnell Klarheit geschaffen: Moldenhauer war an Covid-19 erkrankt und musste sich dementsprechend in Quarantäne begeben.

Risikopatient aufgrund von Immunsuppression

"So schlimm war das eigentlich nicht, denn ich hatte nur einen milden Corona-Verlauf und fast ausschließlich leichtes Fieber", so der ka-Reporter. Das eigentliche Problem bei ihm liege in einer ganz anderen Richtung: "Aufgrund einer Vorerkrankung muss ich halbjährlich starke Medikamente nehmen. Diese haben bei mir zu einer Immunsuppression geführt - oder anders ausgedrückt: Nach den zwei Wochen Quarantänezeit bin ich noch immer sehr ansteckend."

Das Gesundheitsamt des Landkreises Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Moldenhauer sei daher ein Risikopatient und wollte seine Quarantäne über die Regelzeit hinaus verlängern. "Ich habe mich mehrfach nach Ablauf der Quarantänezeit testen lassen und das Virus war noch immer in einem Organismus. Allerdings in so geringer Konzentration, dass man nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob ich noch ansteckend oder nicht. Ich wäre also  durch einen vorzeitigen Ablauf ein Risiko für meine Mitmenschen", erklärt Moldenhauer.

"Außerdem musste ich den Quarantäneschein auch verlängern lassen, damit mein Arbeitgeber weiterhin Gelder zum Ausgleich meines coronabedingten Fehlens beantragen kann." Er habe sich also an das Karlsruher Gesundheitsamt gewandt.

"Drei verschiedene Antworten auf dieselbe Frage"

"Als ich nach einer Verlängerung der Quarantäne gefragt habe, haben mir zunächst drei Mitarbeiter drei verschiedene Antworten gegeben. Schlussendlich wurde mir mitgeteilt, dass meine Quarantäne um zehn Tage verlängert werden würde - was aber wenig später wieder zurückgezogen wurde", so Moldenhauer.

"Mir wurde mitgeteilt, dass der ursprüngliche Quarantänezeitraum gültig sei, nämlich vom 3. bis zum 17. November. Das Problem daran war nur, dass meine Quarantäne eigentlich am 31. Oktober begann - dem Tag meiner ersten Symptome - und am 14. November endete", sagt der ka-Reporter im Gespräch mit ka-news.de.

"Das Gesundheitsamt hat mir also weder eine Quarantäne-Verlängerung zugesprochen, noch den eigentlichen Quarantäne-Zeitraum einheitlich wiedergegeben."

Symptombeginn oder Testergebnis?

Um herauszufinden, wie so ein Fehler passieren konnte, wendet sich ka-news.de an das Gesundheitsamt des Landkreises Karlsruhe. Tatsächlich beginne die Quarantäne laut Aussagen des Amtes "14 Tage ab Symptombeginn beziehungsweise bei asymptomatischen Personen 14 Tage nach Nachweis des Erregers." Diese Aussage decke sich mit den beiden Zeitangaben zu Moldenhauers Quarantäne, die das Gesundheitsamt ihm zukommen ließ.

"Sie haben einmal vom Beginn der Symptome und einmal vom fertigen Testergebnis aus gerechnet. Das hat mich nur noch mehr verwirrt und als ich eine exakte Angabe von Daten und Zeitraum meiner Quarantäne anforderte, haben sie sich erneut auf den Zeitraum zwischen 31. Oktober und dem 14. November festgelegt. Nach einigem Hin und Her konnte ich dann mit der Chefetage telefonieren", so Moldenhauers weitere Aussage.

"Der eine weiß nicht, was der andere macht"

"Kurz gefasst wurde mir nach Ende des Gesprächs eine Verlängerung bis zum 21. November zugesprochen. Damit konnte ich eigentlich auch leben und nach einigen PCR-Tests kam ich am 23. und 24. November auf zwei virenfreie Tage hintereinander."

Unter den größtenteils ungeimpften Kindern steigen die Corona-Fallzahlen deutlich an. Das RKI empiehlt daher, schon bei leichten Symptomen einen PCR-Test zu machen.
Ein PCR-Test (Symbolbild). | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/Symbolbild

Ab diesem Zeitpunkt habe sich Moldenhauer also nicht mehr in Quarantäne befunden. "Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack zu dieser Angelegenheit. Ich hatte wirklich nicht den Eindruck, als wüsste der eine im Gesundheitsamt, was der andere macht oder dass wirklich angekommen wäre, dass ich immunsuppressiv bin", sagt er.

"Nach Ablauf der Quarantäne kontrolliert niemand mehr die Ansteckungsgefahr"

Doch egal ob nun immunsuppressiv oder nicht: Generell sehe Moldenhauer es als großes Problem, dass nach Ablauf der Quarantänefrist von offizieller Seite nicht mehr kontrolliert wird, ob eine Person nicht doch noch ansteckend sein könnte. "Ich habe auch mal beim Gesundheitsamt nachgefragt, wieso das so ist. Man gab mir eine Antwort nach dem Tenor: 'Wenn wir uns bei jedem Fall über den Fortschritt der Genesung erkundigen würden, wären wir noch bei der ersten Welle'."

Auf Nachfrage von ka-news.de verneint das Karlsruher Gesundheitsamt ebenfalls die Frage, ob Patienten nach Ablauf der Quarantäne noch einmal getestet würden. Ob man, wie im Fall Moldenhauer, eine Quarantäne verlängern könne, beantwortet das Gesundheitsamt nur vage: "Wir haben die Möglichkeit, in Einzelfällen aus wichtigem Grund Verlängerungen zuzulassen. Diese sind in der Verordnung nicht gesondert aufgeführt. Dabei gilt es, mögliche Infektionsgefahren gegen Freiheitsrechte abzuwägen."

"Wie sollen die Ärzte klaren Richtlinien folgen?"

ka-Reporter Moldenhauer sieht darin eine unzureichende Handhabung. "Die 14 Tage Quarantäne aus den Landesverordnungen sind in den meisten Fällen bestimmt sinnvoll. Aber beispielsweise das Bundesinfektionsschutzgesetz schreibt doch vor, man soll die entsprechenden Maßnahmen zur Ansteckungsvermeidung unabhängig von einer Zeitbegrenzung ergreifen", erklärt er. "Ich bin kein Jurist, aber sollte das Bundesrecht nicht über dem Landesrecht stehen?" 

Auch diese Frage stellt ka-news.de dem Gesundheitsamt des Landkreises. Ein Sprecher gibt daraufhin an, dass das Gesundheitsamt  beide Ebenen berücksichtige. "Im Infektionsschutzgesetz sind keine exakten Quarantänevorgaben geregelt. Die darin enthaltenen allgemeinen Grundlagen für Maßnahmen zum Infektionsschutz werden durch die Corona-Verordnung des Landes konkretisiert."

Für Axel Moldenhauer sei damit jedoch kaum Klarheit geschaffen. "Vom Robert-Koch-Institut weiß ich, dass die Genesung bei Patienten mit Immunsuppression genau überwacht werden soll. Das scheint allerdings nicht für das Karlsruher Gesundheitsamt zu gelten, wenn sie keine klaren Richtlinien vorgeben", meint er. "Und wenn das Gesundheitsamt schon keine klaren Richtlinien hat, wie sollen beispielsweise die niedergelassenen Ärzte klaren Richtlinien folgen?"

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (26)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Scheuerleiste
    (263 Beiträge)

    06.12.2021 20:01 Uhr
    das reicht aber nicht,
    für den arbeitgeber geht es darum das er die Kosten der Lohnfortzahlung bei einer Erkrankung an Covid 19 abrechnen kann,die werden ersetzt. Eine normale AU Bescheinigung reicht in diesem Fall nicht aus.
    Das ist das eine ende des Stricks, das andere ist das wer viele Fragen stellt viele antworten erhält.Die richtigen und die falschen dürfen Sie nach einem Behördengang gerne trennen, Gehe ins Rathaus und Du kommst dümmer heraus.So erging es wohl dem Ka News Reporter.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (11123 Beiträge)

    07.12.2021 04:43 Uhr
    Es heißt ja auch
    Rathaus. Also kann man rätseln welche Antwort stimmt.

    Spaß beiseite.

    Sie haben den Hintergrund und warum er es benötigte gut geschildert. Das Gesundheitsamt hat aber ca. 180 Mitarbeiter. Die richtigen Ansprechpartner zu finden wird nicht nur bei Corona und Coviderkrankung schwieriger sein, als sich das die meisten Bürger vorstellen.
    Wenn ich mir anschaue wofür Dr. Wagner alles zuständig ist, bekomme ich großen Respekt, zumal ich seine bisherigen Äußerungen zur Lage gut fand.

    Meine Erfahrungen mit dem Karlsruher Gesundheitsamt, speziell der Gutachter waren auch schlimm. Aber wenn man nie erfährt woran das liegt, ob an zu hoher Häufung von Fällen oder an falschen Diagnosen, die nicht erkannt werden, wird auch berechtigte Kritik nicht gut verarbeitet werden können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (11123 Beiträge)

    07.12.2021 06:22 Uhr
    Respektvoller Umgang
    ist auch nicht jedem Gutachter gegeben.
    Als ich befragt wurde bekam die Gutachterin einen Anruf und sprach im Säuselton, als wenn sie vom Liebsten angerufen wurde. Kurz drauf war sie mit mir schnell fertig. Und der Ton mit dem sie darüber sprach wie sie zu bedauern ist, wer da bei ihr so rumsitzt - zu meinen Ohren - war überheblich.
    Danach hatte ich jahrelang zu warten, weil ihre Beurteilung wegen ihrem Fehlen (Mutterschaft) noch nicht da war.
    Der Vorgänger war noch schlimmer, nur der hatte mich gar nicht erst gesprochen. Beurteilung nach Aktenlage, noch etwas beleidigend draufgesetzt zu den ohnehin schon falschen Angaben im Arztbrief. Und eine Kontrollgutachterin war mit beiden Gutachten einverstanden.
    Alles hinter meinem Rücken, weil man Gutachten wegen der Kopierkosten nicht mit den Bescheiden verschickt.
    Seit 1. Antrag bis zum einzigen Gerichtstermin vergingen zehn Jahre, fünf Jahre seit 2. Gutachten. Und ich hatte bis dahin gar keine Ahnung was in den Gutachten steht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3230 Beiträge)

    06.12.2021 07:59 Uhr
    Ende Quarantäne - und dann?
    Nach 2. Impfung gegen Corona an Corona erkrankt, festgestellt nach PCR-Test durch den Hausarzt. Selbstverständlich danach sofort in Quarantäne, ab Beginn der Symptome, die schon gut 3 Wochen vorher da waren, oder ab Test? Also, da jeder für Quarantäne selber verantwortlich wurde, das Gesundheitsamt hier Arbeitsverweigerung betreibt, den Zeitraum ab Test gerechnet. Danach wieder zum Hausarzt, der nicht wusste was er jetzt machen soll. Liegt der Status genesen vor? Wer erstellt hierzu ein Zertifikat? Kann nun die 3. Impfung erfolgen oder besteht durch die Erkrankung nun Immunität, und wenn ja wie lange? Es geht nicht um eine Bescheinigung sondern um den Wille geschützt zu sein. Das der Hausarzt sauer auf das Gesundheitsamt ist weil die ihre Arbeit nicht machen und die auf die Hausärzte verlagern, kann ich verstehen. Was ist das für ein Staat.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   pearly1465
    (174 Beiträge)

    06.12.2021 12:52 Uhr
    Früher nannte man
    solche Zustände "Saustall", das sollte ausdrücken, dass nichts klappt.

    Das dies mitten in Deutschland stattfindet ist ein Skandal.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   patrickkk
    (2303 Beiträge)

    06.12.2021 08:10 Uhr
    ...
    Zitat von ... Es geht nicht um eine Bescheinigung sondern um den Wille geschützt zu sein.

    Die nächsten Monate dass einzig wirklich wichtige. Sie sollten mit Infektion und doppelter Impfung sehr gut geschützt sein, aber da es keine 100% Sicherheit gibt einfach trotzdem boostern? Darauf verzichten um Impfstoff zu sparen ist nicht mehr wirklich nötig.

    Dass Gesundheitsamt ist einfach unendlich überfordert und wurde auch nicht der Pandemie entsprechenden aufgerüstet. Danke dass Sie ihren Teil getan haben und die Quarantäne eingehalten haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen