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Karlsruhe Medizinischer Leiter vom Impfzentrum Karlsruhe erklärt: "So läuft die Corona-Impfung"

In Karlsruhe, genauer gesagt in der Halle zwei der Messe Karlsruhe an der B 36, entsteht ein zentrales Impfzentrum (ZIZ). Insgesamt ist das Karlsruher ZIZ eins von neun in Baden-Württemberg. Hier sollten, sobald der Impfstoff verfügbar ist, 1.500 Menschen pro Tag gegen das Corona-Virus geimpft werden. Wie der gesamte Vorgang logistisch geregelt wird und was einen Patient in der Messe erwartet, ka-news.de hat sich vor Ort umgesehen und weiß, was genau auf den Patienten zukommt.

Dort, wo normalerweise die Offerta mit vielen verschiedenen Ausstellern zu Hause ist, sollen ab 15. Dezember pro Tag 1.500 Menschen geimpft werden: Die Messe Karlsruhe wird zum zentralen Impfzentrum umgebaut. Am Freitagabend gaben der neue medizinische Leiter Andreas Ruf, Messe-Geschäftsführerin Britta Wirtz, Markus Pulm von der Feuerwehr Karlsruhe und Marianne Difflipp-Eppele von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg einen Einblick in die Aufbauarbeiten. 

Andreas Ruf im Gespräch.
Andreas Ruf im Gespräch. | Bild: Thomas Riedel

"Wir wollen viele Leute in relativ kurzer Zeit versorgen, aber unter Einhaltung aller aktuell gültigen Hygieneregeln", erklärt Andreas Ruf die Schwierigkeiten, denen sich der eingerichtet Verwaltungsstab gegenüber sieht. Hinzu kommt die Ungewissheit, wann genau der Impfstoff zur Verfügung steht. "Wir müssen uns aber schon vorher rüsten, damit wir keine Zeit mehr verlieren, um das Medikament zugänglich zu machen", so Ruf weiter. 

Bild: Thomas Riedel

Um bereit sein, sobald der Impfstoff verfügbar ist, laufen in der Halle zwei die Vorbereitungen auf Hochtouren. In der 12.500 Quadratmeter großen Halle entstehen mithilfe von temporären Stellwänden insgesamt 20 "Praxen" mit je drei Behandlungsräumen.

Hier kommen die Patienten vom Foyer in den Anmeldebereich.
Hier kommen die Patienten vom Foyer in den Anmeldebereich. | Bild: Thomas Riedel

Doch diese "Praxen" sind erst die vierte von insgesamt fünf Stationen, die ein Patient während der Corona-Impfung durchläuft. Eine Impfung beginnt ab "Station eins" der Einlasskontrolle. Über den Eingang Ost der Messe gelangen die Patienten ins Foyer. Hier untersucht speziell geschultes Personal, ob ein Patient Erkältung- oder Corona-Symptome aufweist. Dies soll unter anderem mithilfe einer kontaktlosen Temperaturmessung geschehen. Zeigt ein Patient Symptome, wird er wieder nach Hause geschickt, erklärt Ruf und begründet: "Wir wollen hier auf gar keinen Fall einen Hotspot generieren." 

Ein Desinfektionsmittelspender im Foyer. Danach folgt die Anmeldung.
Ein Desinfektionsmittelspender im Foyer. Danach folgt die Anmeldung. | Bild: Thomas Riedel

Standardisierte Fragen nach Husten und Schnupfen sollen zusätzlich die Einlasskontrollen vereinfachen. Nach der Einlasskontrolle hat eine "zu impfende Person (Zipf)" die Möglichkeit, ihre Hände zu desinfizieren oder erhält bei Bedarf eine Maske. Dann  gelangt die Zipf in den Anmeldebereich, direkt hinter dem Eingang zur Halle zwei. 

Die Anmeldung.
Die Anmeldung. | Bild: Thomas Riedel

Um das gesetzte Ziel von 1.500 geimpften Personen zu erreichen, ist es notwendig, die Prozesse zu parallelisieren, wie Ruf während des Rundgangs erklärt. Dazu stehen bei der Anmeldung mehrere Terminals bereit. "Hier wird die Identität festgestellt. Es wird geprüft, ob die Person einen Termin hat und die Kriterien für eine Impfung erfüllt", erklärt der medizinische Leiter. 

Bild: Thomas Riedel

Im Anschluss werden die Personen mit allen nötigen Materialien zur Impfung versorgt. Bei diesen Materialien handelt es sich um Informationsbögen oder einen Impfpass, falls dieser nicht vorhanden ist. Durch die parallelen Abläufe soll es in der Spitze möglich sein, pro Stunde 110 Personen zu versorgen. 

Bei der Anmeldung stehen viele Terminals zur Verfügung.
Bei der Anmeldung stehen viele Terminals zur Verfügung. | Bild: Thomas Riedel

Das zentrale Impfzentrum soll von 7 Uhr bis 21 Uhr geöffnet haben. Ruf garantiert, dass es trotz der hohen Personenanzahl in der Halle zu keiner "Gruppenansammlung" kommt. "Wir können jederzeit Abstand sicherstellen und das ist auch die Grundvoraussetzung für den Betrieb. Diese Voraussetzung können und müssen wir erfüllen", macht Ruf deutlich. Helfen soll hierbei ein "Einbahnstraßen-System", welches dafür sorgt, dass der Patient während seines Aufenthalts nur in eine Richtung läuft.

Im Informations- und Wartebereich schmücken Palmen den Raum.
Im Informations- und Wartebereich schmücken Palmen den Raum. | Bild: Thomas Riedel

Nach der Anmeldung kommen die Patienten in die größte Station. Der Informations- und Wartebereich füllt die größte Fläche der Halle zwei aus. Hier warten die Patienten in einem überdimensionalen Wartezimmer, bis es weiter geht. Außerdem erhalten sie hier weitere Informationen zur bevorstehenden Impfung. Beispielsweise über einen Film. Auch hier soll für genügend Abstand zwischen den Menschen gesorgt sein. Wie beim richtigen Arzt geht es nach dem Wartezimmer in die eigentliche Praxis. 

Im Wartebereich ist der Abstand zwischen den Patienten garantiert.
Im Wartebereich ist der Abstand zwischen den Patienten garantiert. | Bild: Thomas Riedel

Insgesamt entstehen in der Halle 20 kleine "Arztpraxen" mit je drei Behandlungszimmern. In jeder Praxis sollen später mal ein Arzt und eine ärztliche Assistenz arbeiten. Zu Beginn werden aber erst zwölf Praxen in Betrieb sein, die anderen acht sollen je nach Bedarf nach und nach Datum geschaltet werden, wie Ruf im Gespräch mit ka-news.de erklärt. 

Ein "Vorzimmer" in einer der 20 "Praxen"
Ein "Vorzimmer" in einer der 20 "Praxen" | Bild: Thomas Riedel

In der Praxis selbst folgen für den Patienten dann die bereits bekannten Abläufe aus jeder Arztpraxis: Die Assistenz empfängt den Wartenden und bereitet ihn schon einmal vor. Im Anschluss führt der Arzt selbst ein Aufklärungsgespräch mit dem Patienten, für das zirka sechs Minuten vorgesehen ist.

Die Trennwände zwischen den verschiedenen Behandlungszimmern.
Die Trennwände zwischen den verschiedenen Behandlungszimmern. | Bild: Thomas Riedel

Anschließend sind wiederum sechs Minuten für die Impfung an sich vorgesehen. "Wir haben einen neuen Impfstoff, der eine andere Vorbereitung braucht deswegen dauert der Vorgang an sich ein wenig länger, sechs Minuten sind aber großzügig bemessen", begründet Ruf. So sind pro Patient zwischen zwölf und dreizehn Minuten eingeplant.

Bild: Thomas Riedel

Obwohl in der gesamten Halle keine Tür eingebaut ist, ist die Privatsphäre durch die baulichen Gegebenheiten jederzeit gegeben wie Ruf ausführt. "Wir haben es so konzipiert, dass eine ruhige und vernünftige Atmosphäre entsteht." 

Über diesen Gang geht es in den Beobachtungsraum.
Über diesen Gang geht es in den Beobachtungsraum. | Bild: Thomas Riedel

Nach der Impfung verlässt der Patient das Behandlungszimmer nach hinten und kommt in einen langen Gang, der in den hinteren Teil der Halle führt. Über diesen Gang sind alle Praxen miteinander verbunden, durch die Wände aber voneinander getrennt. Über diesen Gang, der auch im Falle eines Notfalls ein schnelles Eingreifen des Notdienstes garantiert, wie Feuerwehr-Pressesprecher Markus Pulm verspricht, gelangt der Patient auf die letzte Station, die Beobachtungsstation. 

Bild: Thomas Riedel

Ähnlich wie im Informations- und Wartebereich warten hier die Patienten und werden nach der Impfung unter Einhaltung aller Hygieneregeln für 30 Minuten beobachtet. Danach führt wiederum ein langer Gang zum Ausgang, dabei wird darauf geachtet, dass bereits geimpfte und nicht geimpfte Personen keinen Kontakt haben.

Bild: Thomas Riedel

Doch was, wenn ein Patient es sich anders überlegt und nicht geimpft werden möchte? "Je nachdem, wo das passiert, wird der Patient von Security-Personal nach draußen begleitet, ohne in Kontakt mit anderen zu kommen", beantwortet Messe Geschäftsführerin Britta Wirt. 

Hier gibt's noch mehr Bilder vom Impfzentrum:

 

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  •   ramius
    (216 Beiträge)

    13.12.2020 12:46 Uhr
    Dauer
    Bei 11 Millionen Baden-Württembergern dauert die Impfung aller Bürger bei 9 Impfzentren mit einer Kapazität von 1500 Impfungen pro Tag 2,2 Jahre.
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  •   BMWFahrer
    (401 Beiträge)

    13.12.2020 14:35 Uhr
    Gut berechnet
    Jetzt erweitern wir die Rechenaufgabe: Angenommen, ab März wird ein weiterer Impfstoff verfügbar sein (z.B. von CureVac), der keine Tiefkühlung auf -80C benötigt, und jeder Hausarzt kann diesen verabreichen. Wie lange dauert dann die Impfung der Bevölkerung?
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  •   toilettenfrau
    (325 Beiträge)

    12.12.2020 18:01 Uhr
    Warum
    bekommen die EU-Schnarchnasen die Zulassung nicht auf die Reihe? Man nimmt damit Tausende Tote in Kauf.. . auch ein Lockdown wird das nicht verhindern.
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  •   Mimik1
    (28 Beiträge)

    12.12.2020 11:38 Uhr
    Freiwillge vor. Aber besondere Gruppen müssen sich den Stoff geben
    Polizisten, alle Behörden Mitarbeiter, Politiker und Ärtze sollte dieser Impfstoff verpflichtend verabreicht werden. Ohne Ausnahme jedes Jahr.
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  •   Mondgesicht
    (2532 Beiträge)

    12.12.2020 08:46 Uhr
    Da geben sich
    die Verantwortlichen vor Ort sehr viel Mühe - aber was nützt's, wenn die EU die Zulassung der Impfstoffe verschläft und sich noch Wochen damit Zeit lässt? Immer mehr Länder lassen zumindest den ersten Impfstoff zu, d.h. sie können mit den Impfungen beginnen und werden natürlich auch vom Hersteller bevorzugt beliefert. Bis die EU die Zulassung hinbekommt, wird man wahrscheinlich erst mal gar nichts mehr bekommen, weil alle verfügbaren Vorräte in USA, GB, Kanada usw. sind...

    Wir verlieren damit viel zu viel Zeit. Aber unsere Politiker gefallen sich ja momentan darin, immer härtere Lockdown-Maßnahmen zu verhängen. Und dann gibt es dazu jedes Mal eine passende ARD- oder ZDF-Umfrage, wonach sich über 80% über den harten Lockdown freuen. Wozu also überhaupt impfen? Bleiben wir doch gleich im ewigen Lockdown, wenn's allen so gut gefällt.
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  •   schoenix
    (164 Beiträge)

    12.12.2020 11:52 Uhr
    Vermutlich
    ... weil es bei diesen Umfragen den Punkt "härtere Massnahmen halte ich für sinnvoll, auch wenn ich sie nicht mag" nicht gibt. Echt niemand will diese Massnahmen.
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  •   beutelratte
    (78 Beiträge)

    12.12.2020 06:54 Uhr
    AHA
    gilt selbstverständlich für Frau Wirtz nicht, als Schlossherrin. Wie auf dem Foto dokumentiert, natürlich mit keinen vernünftigen Masken.
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  •   Kommentar
    (459 Beiträge)

    11.12.2020 23:25 Uhr
    Man
    stelle sich eine Person mit Rollator in dem langen Gang zum "Beobachtungsraum" vor.

    Oder eine Person, die es nicht durch den langen Gang bis in den "Beobachtungsraum" schafft. Wird es ja nicht ohne Grund geben.

    Dann entsteht ein Rückstau oder schlimmer noch, die AHA + L Regeln werden verletzt.
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  •   beckstef
    (2 Beiträge)

    11.12.2020 22:59 Uhr
    Wie anmelden / beantragen?
    Die spannendste Frage bleibt leider unbeantwortet: Wie kommt man an einen Termin?
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  •   beckstef
    (2 Beiträge)

    11.12.2020 22:56 Uhr
    Wie anmelden / beantragen?
    Die wichtigste Frage bleibt leider wieder unbeantwortet: Wie kommt man als Risikopatient an einen Termin? Telefonische Anmeldung mit Attest (Nr.?)? Überweisung vom Arzt?
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