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Karlsruhe Impfpflicht nur für bestimmte Berufsgruppen? Warum die Träger von Karlsruher Alten- und Pflegeheimen sich dagegen wehren

Kommt in bestimmten Berufsgruppen bald die Impfpflicht? Genau dafür sprach sich Oberbürgermeister Frank Mentrup auf einer Pressekonferenz vor zwei Wochen aus. Sogar auf Landesebene wird das Thema immer präsenter. Besonders im Fokus: Pflegepersonal in Senioren- und Pflegeheimen. In Karlsruhe soll zuletzt eine Mitarbeiterin das Virus nach einer Party in ein Heim eingeschleppt und somit den Tod einer Heimbewohnerin verursacht haben. Doch wie stehen die Träger der hiesigen Einrichtungen dazu? Wäre die Impfpflicht für Pflegekräfte wirklich vertretbar?

Für viele Menschen kommt eine Corona-Impfung nicht infrage. Darunter befinden sich auch Personen, die in medizinischen Berufen wie der Pflege oder in Seniorenheimen tätig sind. Viele fordern allerdings, dass genau diese Berufsgruppe sich definitiv gegen das Virus impfen lassen sollte, um ältere und vulnerable Gruppen zu schützen. 

Fünf Corona-Ausbrüche in Karlsruher Altenheimen

Der Grund: Immer öfter werden Corona-Ausbrüche in solchen Einrichtungen gemeldet, da Besucher oder Mitarbeiter die Viren einschleppen. Erst kürzlich wurde ein Fall bekannt, bei dem eine Mitarbeiterin sich infolge einer Feier mit Corona infiziert und damit einen Corona-Ausbruch in einem Heim ausgelöst hatte. Dieser sei einer von fünf Ausbrüchen, die beim Karlsruher Gesundheitsamt derzeit vermerkt seien. 

Landkreise fordern eine Corona-Impfpflicht in Pflegeheimen. (Archivbild).
Landkreise fordern eine Corona-Impfpflicht in Pflegeheimen. (Archivbild). | Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

"Das Gesundheitsamt kann bestätigen, dass es derzeit in fünf Einrichtungen in der Stadt ein Ausbruchsgeschehen gibt, zum Teil ausklingend. Mit insgesamt rund 90 infizierten Personen verteilt sich der Großteil der in Pflegeheimen erfassten Fälle auf diese Ausbrüche", teilt das Gesundheitsamt auf Nachfrage der Redaktion mit. Zum Geschehen hinzu kämen viele Einzelfälle in mehreren anderen Pflegeeinrichtungen in der Stadt. Zuletzt hätten sich insgesamt etwa 130 Personen infiziert.

Eine Pflegerin (l) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims beim Gang über den Flur.
Eine Pflegerin (l) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims beim Gang über den Flur. | Bild: Oliver Berg/dpa

Allerdings soll der Mitbewohner aus dem oben genannten Beispiel nicht vollständig geimpft gewesen sein. Bei der Mitarbeiterin sei dies nicht bekannt. "Informationen über den Impfstatus der Mitarbeiter liegen dem Gesundheitsamt nicht vor", heißt es vom Gesundheitsamt.

Dies könnte sich aber anlässlich der steigenden Infektionszahlen vielleicht bald ändern. Viele Ministerpräsidenten sprechen sich mittlerweile durchaus für eine Impfpflicht aus. Dazu gehört auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Die Seniorenheime fassen diese Überlegung allerdings mit gemischten Gefühlen auf, wie im Gespräch mit verschiedenen Stellen aus Karlsruhe klar wird.

Caritas Karlsruhe befürchtet Wegfall von Personal

Gegen eine Impfpflicht im Pflegebereich spricht sich beispielsweise die Caritas Karlsruhe aus. Zwar seien ihre Einrichtungen von keinem Ausbruch betroffen gewesen, man befürchte jedoch, dass es bei einer Impfpflicht zu vermehrten Kündigungen seitens der Arbeitskräfte kommen würde. 

Eine Pflegerin hält im Altenheim die Hand einer Bewohnerin.
Eine Pflegerin hält im Altenheim die Hand einer Bewohnerin. | Bild: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

So heißt es auf der Website des Caritas-Verbandes: "Viele Einrichtungsleitungen befürchten, dass im Zuge einer Impfpflicht viele Pflegekräfte ausfallen würden. Insbesondere in Regionen, in denen die Impfquote niedrig ist, würde das die Betreuung der Bewohner schier unmöglich machen. Die Dienstpläne sind jetzt schon kaum zu bewerkstelligen. Im Verband setzen wir uns weiter mit aller Kraft dafür ein, über die Impfung zu informieren und aufzuklären, um so viele Mitarbeitende wie möglich zum Impfen zu animieren."

Logo der Caritas.
Logo der Caritas. | Bild: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

In Karlsruhe sei diese Angst jedoch noch nicht spürbar, wie der Redaktion durch eine Sprecherin per E-Mail mitgeteilt wird. "Die vielbeschriebene Angst, dass reihenweise Pflegekräfte durch Impfpflicht die Dienste und Einrichtungen verlassen würden, ist bei uns derzeit nicht akut zu bemerken und wir hoffen, dass dies auch so bleibt", heißt es.

"Impfpflicht für alle oder gar nicht"

Deutlicher fällt da schon die Antwort des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Baden-Württemberg e.V. Region Karlsruhe aus. So seien etwa 75 Prozent des ASB-Personals in Karlsruhe gegen Corona geimpft. Eine Impfpflicht, die ausschließlich für das Pflegepersonal gelte, lehnt der Regionalgeschäftsführer des ASB Karlsruhe, Daniel Groß, entschieden ab. 

Aushelfen im Pflegeheim: Das FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) oder andere Freiwilligendienste können eine Alternative zum Ausbildungsstart sein.
(Symbolbild) | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

"Eine Impfpflicht sollte entweder alle Bürger umfassen oder es sollte keine Impfpflicht geben. Eine Impfpflicht ausschließlich für einzelne Berufsgruppen, die in der Corona-Pandemie ohnehin schon belasteter waren und sind als andere Berufsgruppen, lehnen wir ab", antwortet Groß auf Nachfrage von ka-news.de. Durch die Testpflicht in den Einrichtungen hätten Corona-Ausbrüche bislang auch verhindert werden können.

AWO: "Eine Impfpflicht ist nicht mehr auszuschließen"

Damit vertritt der ASB dieselbe Meinung wie die Prokuristin und Leiterin des Geschäftsbereiches "Gesundheit und Pflege" der AWO Karlsruhe, Clarissa Simon. "Eine Impfpflicht ist nicht mehr auszuschließen, aber diese nur für eine Berufsgruppe einzuführen, das ist nicht zielführend und führt zur Ausgrenzung", sagt sie gegenüber ka-news.de. Laut Simon seien bei der AWO zirka 70 Prozent der Mitarbeiter geimpft.

Bild: KLAUS LORENZ FOTODESIGN

Stattdessen setze sie auf Aufklärung, um die Mitarbeiter doch noch von der Corona-Impfung zu überzeugen. "Inzwischen ist das aber viel Überzeugungsarbeit, denn der Weg aus der Pandemie erfolgt nur über die Impfung", so die Geschäftsführerin.

Die Einrichtungen der AWO waren im vergangenen Jahr immer wieder von Corona-Ausbrüchen betroffen. Dies habe sich in diesem Jahr 2021 deutlich verbessert. "Dieses Jahr gab es keine erwähnenswerten Ausbrüche", betont Simon.

Heimstiftung Karlsruhe: "Hohe Impfquote ist ein Weg aus der Pandemie"

Mit einer Quote von 80 Prozent kann die Heimstiftung Karlsruhe etwas mehr geimpfte Mitarbeiter verzeichnen. Dennoch stimmt auch die Geschäftsführerin der Stiftung, Eva Rühle, ihren Kollegen bezüglich Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu. "Aus Sicht der Heimstiftung Karlsruhe ist eine möglichst hohe Impfquote ein Weg aus dieser Pandemie. Diese hohe Quote ist nur gesamtgesellschaftlich zu erreichen. Ob das über eine Impfpflicht begrenzt für bestimmte Berufsgruppen zu schaffen ist, scheint fraglich."

Geschäftsführerin der Heimstiftung Karlsruhe, Eva Rühle
Geschäftsführerin der Heimstiftung Karlsruhe, Eva Rühle | Bild: Janusch Fotodesign

Sie erzählt auch, dass ihre Einrichtungen bislang gut durch die Pandemie gekommen seien. "Aktuell haben wir nun allerdings in einer Pflegeeinrichtung auf zwei Wohngruppen positiv getestete, überwiegend geimpfte Bewohner. Wir sind in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und alle Angehörigen sind informiert", erklärt Rühle. 

Kurzum: Die Geschäftsführer von Pflege- und Senioreneinrichtungen lehnen eine generelle Impfpflicht zwar prinzipiell nicht ab, fordern aber, das Thema gemeinschaftlich anzugehen. Damit schließen sie sich beispielsweise der Haltung des Deutschen Pflegedienstes an, welcher ebenfalls auf die "Verantwortung der gesamten Gesellschaft" verweist.

 

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Kommentare (22)
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  •   melotronix
    (3562 Beiträge)

    24.11.2021 11:54 Uhr
    dann sollen sie eben kündigen..
    ...durch eine Impflicht bekommen sie in ihrem Job ungeimpft keine Arbeit mehr.
    Aufklären, Abwarten, Reden, Überzeugen...
    Es reicht. Die Geduld hat irgendwann mal ein Ende. Man sieht was man dadurch bisher erreicht hat wenn man die Zahlen betrachtet!
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  •   richy2021
    (43 Beiträge)

    24.11.2021 18:31 Uhr
    Und dann gehst
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Reger
    (741 Beiträge)

    24.11.2021 11:48 Uhr
    Ungeeignetes Personal
    Wenn Mitarbeiter nicht einsichtig sind, und sich nicht impfen lassen wollen, dann verhalten sie sich verantwortungslos und sind sie für diese Tätigkeit ungeeignet. Man darf sich durch Erpressungsversuche, andernfalls zu kündigen, nicht beeindrucken lassen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

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