8  

Karlsruhe Heizpilz oder Außenzelt? So wollen Karlsruher Gastronomen den Corona-Winter meistern

Kalt, nass, ungemütlich - der Herbst steht vor der Tür. Für Gastronomie-Besucher heißt es nun von draußen nach drinnen wechseln. Mit Corona im Nacken ist das aber ein Problem, denn: Der Außenbereich bringt zusätzliche Einnahmen, die mit dem Ende der Saison wegfallen würden. Um das zu verhindern, sollen die Außenbereiche nun länger angemietet und zudem Winter- und Corona-konform gestaltet werden. Doch wie wird das von den Karlsruher Gastronomen umgesetzt?

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt wieder an. Das hat zur Folge, dass die Maßnahmen wieder verschärft werden könnten - für die Gastronomie wäre das besonders schlimm. Denn: Während der kalten Jahreszeit fällt normalerweise der Außenbereich weg - übrig blieben dann nur die inneren Räumlichkeiten.

Das heißt: Bis zu 40 Prozent Einbußen bei den Sitzkapazitäten, so der Hotel und Gaststättenverband Baden-Württemberg (Dehoga). Der Verband hat daher vorgeschlagen, den Außenbereich länger in Betrieb zu nehmen, um Einbußen zu verhindern - zum Beispiel durch den Einsatz von Heizstrahlern. Der Karlsruher Gemeinderat hat diesen in seiner September-Sitzung auch genehmigt. Für viele Wirte in Karlsruhe ist das aber nicht die Lösung.

Infrarot statt Heizpilz

Dazu gehört zum Beispiel Thomas Elischer, Inhaber der "Phono Craft Beer Bar". Er setzt stattdessen auf zwei zirka acht Quadratmeter große Hütten, die bald auf der Terrasse platziert werden sollen, erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. Das schützt zwar vor Regen, aber was sorgt für die Wärme?

"Ich werde definitiv keine Heizpilze benutzten, weil mir der Umweltaspekt wichtiger ist", sagt Elischer im Gespräch mit ka-news.de. "Ich werde auf Infrarotstrahler zurückgreifen, die hängen zum Beispiel auch über Wickeltischen."

Das "Phono" mit Blick auf den Außenbereich. | Bild: Verena Müller-Witt

Im Großen und Ganzen sieht der Phono-Chef dem Betrieb während der Wintermonate aber relativ entspannt entgegen. "Ich denke, dass wir nicht gleich wirtschaften können wie davor. Mit 20 bis 30 Prozent weniger Umsatz müssen wir schon rechnen. Aber ich habe eine überschaubare Pacht und einen coolen Vermieter, der mir netterweise entgegenkommt."

Thomas Elischer, Inhaber vom "Phono" | Bild: Verena Müller-Witt

Seiner Meinung nach seien weniger die Bars und Kneipen die Leidtragenden der Corona-Pandemie, sondern die Restaurants. Der Grund: Die müssen nicht nur den Service bezahlen, sondern ebenso viele Angestellte im Küchenbereich. "Es ist einfach eine Sache der Größe. Wenn ich Verluste mache, ist das nicht so tragisch wie bei einem großen Restaurant", so Elischer weiter.

"Corona bringt mich an meine Grenzen"

Ähnlich sieht es auch Csilla Mako, Inhaberin des Restaurants "gold Karlsruhe" in der Oststadt. "Durch die Küche entsteht in der Corona-Zeit viel mehr Arbeit, was mich wirklich an meine Grenzen bringt, da wir stets flexibel auf neue Regelungen reagieren müssen", gibt die Gastronomin im Gespräch mit ka-news.de zu. 

Dennoch sei das "gold Karlsruhe" von großen Einbußen bisher verschont geblieben, so Mako. "Es gibt viele Gäste, die trotzdem kommen. Man merkt, dass Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte, ausfallen, aber der Bedarf sich zu treffen trotzdem da ist."

Csilla Mako, Inhaberin vom "gold Karlsruhe" | Bild: Verena Müller-Witt

Damit das so bleibt, soll auch der Außenbereich des Restaurants weiter geöffnet bleiben. Ein Thema, das sich, laut Mako, noch "in der Schwebe befindet". "Unsere Terrasse ist nicht quadratisch, weshalb sie für Hütten, Pavillons und Heizpilze nicht geeignet ist. Auch an den Fassaden darf aus Denkmalschutzgründen kein Witterungsschutz befestigt werden", sagt die Inhaberin. Aber was lässt sich dann überhaupt noch umsetzen?

Eignet sich nicht für Außenzelte oder Pavillons: der Außenbereich vom "gold Karlsruhe" | Bild: Verena Müller-Witt

"Ich wollte einfache Klemm-Markisen anbringen und habe ein paar Stehtische angefordert. Hier und da sollen auch Sitzgelegenheiten durch Decken und Felle für etwas Gemütlichkeit sorgen. So können die Gäste, zumindest mit ein wenig Überdachung, ihre Getränke draußen genießen", sagt die Karlsruher Gastronomin. 

Der Außenbereich vom "gold Karlsruhe" soll auch im Winter den Gästen zur Verfügung stehen. | Bild: Verena Müller-Witt

Keine Beheizung ist keine Dauerlösung

Nicht anders ergeht es Annabelle Chantra Saur, Mitbetreiberin des Café Palaver. Sie und ihre Geschäftspartnerin  Barbara Tolone warten noch auf das "Ok" der Stadt Karlsruhe.

Annabelle Saur, Mitinhaberin vom Café Palaver | Bild: Lisa-Maria Schuster

Der Plan: Die Investition in "gemütliche Zelte." Das heißt: Statt Gas und Infrarot wird hier auf Schafswolle gesetzt, die zu Kissen verarbeitet werden soll. So sollen die Besucher zumindest noch eine Weile draußen sitzen bleiben können.

Das Café Palaver setzt auf Außenzelte. Die werden noch Kissen aus Schafswolle bestückt | Bild: Lisa-Maria Schuster

Doch Saur weiß, dass das ohne Beheizung nicht von Dauer sein wird. "Danach könnte das Zelt auch als eine Art Warteraum genutzt werden. Die Gäste gehen, wenn sie im Regen auf einen Sitzplatz warten müssen", so Saur im Gespräch mit ka-news.de.

"Man muss mit dem arbeiten, was zur Verfügung steht"

Und wie blicken die beiden Gastronominnen der kalten Jahreszeit entgegen? Ein gewisses "Unwohlsein" gehöre, so Mako, in diesen unsicheren Zeiten dazu. "Ich versuche offen und flexibel zu bleiben. Andererseits ist mir bewusst, dass es jederzeit vorbei sein kann", gesteht die gold-Betreiberin. Mit weiteren Einschränkungen rechne sie sogar.

Auch Saur möchte "zuversichtlich bleiben", rechnet aber mit Einbußen, weil Gäste früher oder später nicht mehr Draußen sitzen wollen. Aufgeben sei jedoch keine Option. "Es betrifft schließlich jeden von uns, da bringt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Man muss einfach mit dem arbeiten, was zur Verfügung steht", so Mako.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (8)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   pearly1465
    (127 Beiträge)

    12.10.2020 13:13 Uhr
    Solidarität in Krisenzeiten
    Ist es so schwer, sich etwas wärmer anzuziehen und im Freien zu sitzen? Auf dem Weihanchtsmarkt stehen die Feierer doch auch stundenlang in Freien, ebenso in den Wintersportorten. Diese ewige Meckerei, dass etwas nicht geht, sollte doch mal ausbleiben. Corona ist da und man muss damit leben. Ein bisschen Einschränkung in der eigenen Bequemlichkeit ist doch möglich. "Kein Mensch ist eine Insel" (John Donne). Und unsere Gastronomen, die bisher immer für uns da waren, brauchen unsere Unterstützung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2718 Beiträge)

    12.10.2020 15:23 Uhr
    So
    ist es 👍
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4169 Beiträge)

    12.10.2020 10:47 Uhr
    Keine Heizpilze aber Infrarotstrahler
    Vielleicht sollte man dem guten Mann mal erklären, dass Heizpilze nicht die Luft erwärmen, sondern die Wärme über Infrarotstrahlen übertragen - wie elektrische Infrarotstrahler. Stammt der Strom aus erneuerbaren Energiequellen mag das noch angehen, wenn nicht, wäre die Verwendung elektrischer Infrarotstrahler Unsinn, da bei der Stromerzeugung zwei Drittel der Primärenergie verloren geht, was beim Heizpilz nicht der Fall ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2755 Beiträge)

    12.10.2020 08:49 Uhr
    Zelt
    Was soll das mit dem Zelt bringen? Es ist kalt und ungemütlich aber eben trotzdem nicht so gut belüftet, dass die Aerosole sich schnell verflüchtigen. Kurzum, es verbindet nur das schlechteste aus allen Welten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10649 Beiträge)

    12.10.2020 08:31 Uhr
    Naja
    Ob die Leute wirklich wegen Corona nur draussen sitzen wollen bzw. gar nicht kommen, weil es draussen nicht mehr geht?
    Nach meinen Erfahrungen sind die Plätze drinnen weiterhin belegt, nur dass es jetzt weniger Plätze gibt und daher auch weniger Leute insgesamt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   barheine
    (377 Beiträge)

    12.10.2020 08:06 Uhr
    Ich vermute, die meisten Leute werden aus Furcht in nächster Zeit dann doch eher auf Lokalbesuche verzichten. Bitter für die Gastronomen! Straßenverkauf, auf die Hand, könnte noch das größte Potential haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FG1961
    (374 Beiträge)

    12.10.2020 06:38 Uhr
    Winter, Gaststätten und "Draußen" sitzen?
    Nein Danke.
    Ich saß bisher, wenn es nass-kalt war, drinnen und werde das auch weiter so tun.
    Da brauch niemand extra Geld in die Hand nehmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   myopinion
    (52 Beiträge)

    12.10.2020 06:15 Uhr
    ich finde es echt mies
    wie die Politik die Gastronomen "im Regen stehen ließ". Typisch Politik eben. Aber es ist nicht hinnehmbar, dass Verbote aufgehoben werden nur um Gewinne zu generieren. Ich gönne JEDEM Gastronomen seinen Gewinn aber nur deshalb ein Verbot aufheben? Geht gar nicht. Da werden die Regeln gebrochen nur für Profit. Warum soll sich dann der Bürger an Regeln halten? Ich finde die momentane Politik als Aktionosmus ohne Sinn und Verstand
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.