Karlsruhe Für mehr Freizeit nach den Corona-Lockerungen: Karlsruhe will Selbsttests von Schülern zertifizieren lassen

Seit über einem Jahr beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Inzwischen ist die dritte Welle, ausgelöst durch eine Corona-Mutation, gebrochen und die Infektionszahlen beginnen zu sinken - doch wohin geht der Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz sinkt weiter

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe bleibt weiterhin angespannt, denn: Die Anzahl der Neuinfektionen befindet sich immer noch auf einem hohen Niveau. Dennoch ist in ganz Deutschland ein Abwärtstrend zu beobachten, der inzwischen auch Karlsruhe erreicht hat. 

Zum Vergleich: Waren am Dienstag, den 19. Mai, noch 459 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Mittwoch, 26. Mai, 295. Der 7 Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 41 und im Landkreis bei 48,8. 

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Dennoch warnt das Robert Koch Institut (RKI) in seinem aktuellsten Lagebericht: "Das Robert Koch-Institut schätzt trotz des aktuell beobachteten Rückgangs aufgrund der noch immer hohen Fallzahlen und der Verbreitung von einigen SARS-CoV-2 Varianten, die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt weiterhin als sehr hoch ein."

Inzidenz unter 50 - winken die nächsten Lockerungen?

In Karlsruhe geht die Stimmung mit der sinkenden Inzidenz allerdings weiter nach oben. Denn: Wenn der Wert unter 50 bleibt, winken am Wochenende bereits die nächsten Lockerungen. Und diese Chancen stehen sogar gut.

Dr. Frank Mentrup (Oberbürgermeister Karlsruhe, SPD) spricht auf einer DGB Kundgebung zum 1. Mai.
Dr. Frank Mentrup (Oberbürgermeister Karlsruhe, SPD) spricht auf einer DGB Kundgebung zum 1. Mai. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Sowohl unser Corona-Abwassermonitoring als auch die positiven Ergebnisse, die heute Morgen beim Gesundheitsamt eingetroffen sind, lassen uns optimistisch bleiben, dass der Trend sich weiter fortsetzen wird", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Auch wirkliche Infektionsherde gebe es momentan nicht. "Aktuell ist eine soziale Einrichtung mit über 20 Infizierten betroffen. Sowas ist aber eher die Ausnahme", so der Oberbürgermeister.

Das heißt: Karlsruhe würde an diesem Wochenende, wenn der Wert fünf Tage lang unter 50 bleibt, weiter eine Stufe in der Corona-Verordnung nach vorne rutschen. Am 5. Juni könnte dann die Überleitung in den zweiten Öffnungsschritt stattfinden. 

Zertifizierung der Selbsttests von Schülern geplant

Diese Öffnungen gehen unter anderem mit dem Ende der Pfingstferien und weiteren Lockerungen einher. Darunter: Sportanlagen, -stätten und -studios. Aber auch Vereine und Jugendhäuser sind davon betroffen.

Doch genau hier gibt es ein Problem, denn: Die Aktualität der Testergebnisse ist zeitlich stark begrenzt und würde für Kinder weitere Aktivitäten nach der Schule zusätzlich erschweren, so die Ansicht der Stadtverwaltung. Eine entsprechende "Zertifizierung" der Tests soll hier Abhilfe schaffen. Ein Vorhaben, welches die Stadt bereits mit dem Städtetag verhandele. 

Ein Corona-Schnelltest wird in einer Teststation aufbereitet.
Ein Corona-Schnelltest wird in einer Teststation aufbereitet. | Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

"Wir wollen abklären, ob es möglich ist, Kindern nach der Schule auch nachmittags Zugang zu den Vereinen zu gewähren", erklärt Mentrup. "Das wäre für viele Kinder und Jugendliche nach den Pfingstferien besonders hilfreich."

Voraussetzung dafür wäre aber, dass der Test noch morgens in der Schule gemacht wird und nicht daheim. Hinzu käme eine "Autorisierungsperson", die das bescheinigt sowie ein System, das diese Bescheinigungen zur Verfügung stellt. Angesichts der durch Corona gebeutelten Schulen vielleicht doch zu viel verlangt? 

Ein Schüler hält einen negativen Test in die Kamera.
Ein Schüler hält einen negativen Test in die Kamera. | Bild: Christoph Soeder/dpa/Aktuell

"Sicher fällt da die Bereitschaft der Schulen unterschiedlich aus, deswegen sollten wir bis Ende der Schulferien geklärt haben, ob das alles rechtlich sauber ist, und wie vereinfacht solch ein System umgesetzt und angeboten werden könnte", so der Rathaus-Chef.

Stadt will bis kommende Woche Klarheit

Dem stimmt auch der neue Leiter des Karlsruher Ordnungsamtes, Maximilian Lipp, zu. Tatsächlich würden die Verhandlungen mit dem Städtetag auch "in diese Richtung tendieren". "Es wird geprüft, ob die Tests, die in Einrichtungen wie Schulen oder auch Kultureinrichtungen gemacht werden, in irgendeiner Art und Weise verkehrstüchtig gemacht werden können."

Maximilian Lipp steht künftig an der Spitze des Ordnungs- und Bürgeramts der Stadt Karlsruhe.
Maximilian Lipp steht künftig an der Spitze des Ordnungs- und Bürgeramts der Stadt Karlsruhe. | Bild: privat

Dies soll vor allem für Selbsttests gelten, um Kinder davor zu bewahren, sich mehrmals am Tag testen lassen zu müssen. Ob das gelingt, und wie die Idee in die Praxis umgesetzt werden soll, darüber erhofft sich die Stadt bis zur kommenden Woche Klarheit. 

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen zuletzt im November 2020 in die Höhe, danach im März 2021. Inzwischen sind die Zahlen deutschlandweit aber wieder am Sinken, was der fortschreitenden Impfkampagne zugeschrieben wird.

Dennoch sind Infektionsketten oft nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. 

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage. In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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