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Karlsruhe/Bruchsal Freie Intensivbetten in der Corona-Pandemie: Wurden die Zahlen in Karlsruhe manipuliert?

Die freie Zahl der Intensivbetten ist in Zeiten der Corona-Pandemie eine wichtige Kennzahl. Mit fortschreitender Ausbreitung des Virus nahm die Zahl der freien Betten nach und nach ab und die Kliniken kamen an ihre Belastungsgrenzen. Doch waren die Betten wirklich so voll wie angegeben? Eine Analyse des Bundesrechnungshofes nährt den Verdacht der Manipulation. ka-news.de konfrontiert die Krankenhäuser der Region mit den Ergebnissen des Rechnungshofes.

Ende der vergangenen Woche berichteten mehrere Medien über eine "Intensivbetten-Betrug." Inhalt der Meldungen: Bundesweit sollen mehrere Krankenhäuser die Zahl der freien Intensivbetten bewusst niedriger angegeben haben, als sie es tatsächlich war. Dies sei das Ergebnis einer Analyse des Bundesrechnungshofes.

Prämie wenn wenig Betten frei sind?

Möglicher Grund für die falschen Angaben sollen laut "focus online" monetäre Anreize sein. So soll es für Krankenhäuser Ausgleichszahlungen geben, wenn die freien Intensivbetten unter 25 Prozent der Gesamtkapazität liegt. Das Bundesgesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut (RKI) sollen von den manipulierten Zahlen gewusst haben, dementierten diese Meldungen aber. 

Ein Intensivbett im neuen Haus M des Städtischen Klinikums.
Ein Intensivbett im neuen Haus M des Städtischen Klinikums. | Bild: Thomas Riedel

ka-news.de konfrontiert die Krankenhäuser der Region mit diesen Vorwürfen und bittet um eine Stellungnahme. Wurde in Karlsruhe die Zahl der Intensivbetten möglicherweise manipuliert? Die Antworten der Kliniken fällt deutlich aus. 

"Nein, der Bedarf an Intensivkapazitäten war deutlich erhöht und es mussten Mehrkapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Dies führte dazu, dass einzelne Bereiche geschlossen und Personal intern versendet werden musste, um die Versorgung der Corona-Patienten sicherzustellen", schreibt die Geschäftsführung des Städtische Klinikums auf die Frage, ob die Zahl der freien Intensivbetten niedriger angegeben wurde, als sie es tatsächlich war. 

Prämie an Parameter geknüpft

Ähnlich fällt die Antwort der RKH-Kliniken, die unter anderem für das Bruchsaler Krankenhaus verantwortlich ist, aus. "Bei uns wurden zu keiner Zeit bewusst weniger freie Intensivbetten angegeben als tatsächlich vorhanden." Auch Fehlmeldungen aus anderen Kliniken seien weder dem Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal noch dem Städtischen Klinikum bekannt. 

Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg an einem Covid-19-Patient.
Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation des RKH Klinikums Ludwigsburg an einem Covid-19-Patienten. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

In ihrer Stellungnahme erklärt das Klinikum Karlsruhe die Regeln für eventuelle Ausgleichszahlungen. Diese seien an insgesamt drei Parameter gekoppelt. 

  1. 7-Tage-Inzidenz der Coronafälle von über 70 je 100.000 Einwohner bzw. ab April über 50 je 100.000 Einwohner
  2. weniger als 25% Intensivbetten verfügbar
  3. Häuser der Stufe 2 und 3 der Notfallversorgung

"Wenn einer der genannten Parameter über 14 Tage dauerhaft nicht erfüllt war, dann entfiel die Berechtigung für die Ausgleichszahlung", erklärt das Klinikum weiter. 

Nach Klinik-Angaben wurden die Parameter kontinuierlich von Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe geprüft.  "Beispielsweise waren für das Klinikum Karlsruhe in der Zeit vom 22. Februar bis 5. März nicht alle Parameter erfüllt, sodass hierfür die Ausgleichszahlungen eingestellt wurden", so das Klinikum. 

ka-news.de wendete sich mit einer Anfrage auch an die Vincentius Kliniken. Diese Anfrage blieb bisher unbeantwortet. Die Antworten der wird nachgereicht, sobald sie die Redaktion erreichen. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   Mondgesicht
    (2634 Beiträge)

    18.06.2021 21:46 Uhr
    Danke
    für das Aufgreifen des Themas. Immerhin geht es da nicht nur um die Abrechnung, sondern auch die "Bundesnotbremse" mit erheblichen Grunrechtseinschränkungen wurde ja mit der Intensivbettenbelegung begründet.
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  •   kommentar4711
    (3180 Beiträge)

    18.06.2021 13:58 Uhr
    Neeeeeinn...
    Neeeeiiin, natürlich hat das niemand. Und natürlich legt man seitens des Städtischen Klinikums darauf wert, dass es in den ganzen Monaten der 3. Welle auch ein paar einzelne Tage gab, in denen die Prämie nicht gezahlt wurde...
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  •   melotronix
    (3482 Beiträge)

    18.06.2021 13:47 Uhr
    begonnen hat alles mit sogenannten Fallpauschalen
    auch die Krankenhäuser wurden immer mehr in den betriebswirtschaftlichen Focus gebracht. Da müssen so und so viele Patienten durchgeschleusst werden, damit sich u.a. die teuren Apparaturen so schnell wie möglich amortisieren. Wenn nur ein Funken Wahrheit an diesen Gerüchten dran ist...dann ist das an Widerwärtigkeit nicht zu überbieten. Lügen auf Kosten der Angst und Gesundheit. Verantwortliche die dabei mitgewirkt haben, ihre Approbation auf Lebenzeit entziehen mit einer empfindlichen Strafe versehen.
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  •   kommentar4711
    (3180 Beiträge)

    18.06.2021 14:01 Uhr
    ANTWORT AUF "BEGONNEN HAT ALLES MIT SOGENANNTEN FALLPAUSCHALEN"
    Fallpauschalen auf der einen Seite und auf der anderen Seite immer mehr Privatisierung. Da sind wir in KA ja noch relativ gut dran, schaut man sich im Umland um wurden ja z. B. im Landkreis Germersheim die Kliniken schon vor ca. 30 Jahren verkauft. Aber auch in KA hat man ja beispielsweise die Wäscherei privatisiert.
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  •   likeka
    (621 Beiträge)

    18.06.2021 16:57 Uhr
    Stimmt
    Stimmt. Wobei ja der Aufbau der Herzchirurgie in Karlsruhe vor 25 Jahren auch komplett in diese "Privat vor Staat" Welle gefallen ist. So wird man auch heute in Karlsruhe mit dem Helios-Konzern "beglückt".
    Schlimmer hat es neben dem LK Germersheim natürlich auch Pforzheim getroffen. Im ehemaligen Städtischen läuft es unter Helios auch so richtig rund :D
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