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Berlin Zu niedrige Impfquote: IfW befürchten Kostenexplosion im Winter wegen ungeimpften Corona-Patienten

Die Impfquote in Deutschland steigt im Schneckentempo an - dürfte aber höher liegen als offiziell bekannt. Ein Wirtschaftsinstitut beziffert die Kosten von ungeimpften Menschen in Krankenhäusern.

Fast 70 Prozent der Menschen in Deutschland sind mindestens einmal geimpft. Das sind knapp 57,4 Millionen Menschen (69,1 Prozent), wie aus den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag hervorgeht.

66,1 Prozent der Gesamtbevölkerung (54,9 Millionen Menschen) ist inzwischen vollständig geimpft. Am Donnerstag wurden in Deutschland rund 192.700 Dosen verabreicht. Bei aktuell im Mittel rund 124.400 Impfungen pro Tag wird laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums im Schnitt rechnerisch mehr als eine Person pro Sekunde geimpft.

1,5 Millionen Auffrischungsimpfungen

Das RKI geht allerdings davon aus, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft sind, als die Daten nahelegen. So hieß es in einem Bericht Anfang Oktober, dass die Quote bei einmal und vollständig Geimpften ab 18 Jahren bis zu 5 Prozentpunkte höher sein dürfte.

Die Impfquote in Deutschland steigt langsam an.
Die Impfquote in Deutschland steigt langsam an. | Bild: Oliver Berg/dpa

Eine Auffrischungsimpfung haben inzwischen 1,5 Millionen Menschen in Deutschland bekommen. In den vergangenen sieben Tagen wurden täglich im Schnitt rund 40.000 Auffrischungsimpfungen verabreicht. Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie für Menschen ab 70, Pflegepersonal und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten, und auch für Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben sowie für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Hohe Kosten wegen Ungeimpften?

Für die stationäre Behandlung ungeimpfter Corona-Patienten erwarten Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in diesem Winter stark steigende Kosten. Diese wären bei einer höheren Impfquote vermeidbar, wie das Institut mitteilte. Im Winter drohen den Berechnungen zufolge Ausgaben von rund 180 Millionen Euro pro Woche für die Krankenhausbehandlung von Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung.

Patienten mit Corona-Infektion werden auf der Intensivstation IT2 im Operativen Zentrum II des Universitätsklinikum Essen behandelt.
Patienten mit Corona-Infektion werden auf der Intensivstation behandelt. | Bild: Fabian Strauch/dpa

Seit August liege der Anteil ungeimpfter Personen an den stationären Corona-Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Die Behandlungskosten pro Patient betragen nach Angaben der AOK durchschnittlich 10.200 Euro. Damit ergeben sich nach der Berechnung der Kieler Wissenschaftler für die Monate August und September 2021 Ausgaben von mehr als 160 Millionen Euro für die stationäre Behandlung von ungeimpften und an Corona erkrankten Erwachsenen. Unter Einbeziehung von erwarteten Nachmeldungen durch das Robert Koch-Institut (RKI) steige die Summe auf rund 180 Millionen Euro.

Das Logo der Krankenkasse AOK, aufgenommen am Hauptgebäude der AOK Sachsen-Anhalt.
Das Logo der Krankenkasse AOK. | Bild: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv

Im Winter könnten die Ausgaben auf 180 Millionen Euro pro Woche steigen, sollte die Impfquote nicht zulegen und die Prognose des RKI von einer 7-Tage-Inzidenz von 400 pro 100.000 Einwohnern eintreten. Die Autoren rechnen auch mit einer Steigerung der durchschnittlichen Behandlungskosten, da die Intensivbetten zunehmend mit Jüngeren belegt werden könnten, die eine höhere Überlebenschance hätten, was die die Behandlungsdauer verlängere.

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