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Karlsruhe Ein Appell an die Bürger: "Viele haben den Ernst der Lage nicht verstanden"

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage - Neuinfektionen steigen immer weiter

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verrät: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe spitzt sich weiter zu. Waren in der vergangenen Woche 420 Personen in der Fächerstadt mit dem Virus infiziert, sind es am Freitag, 06. November, 932.

Damit hat sich die Anzahl der Infizierten innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Der 7-Tage Inzidenzwert liegt in Karlsruhe bei 141,6.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt deshalb in seinem aktuellsten Lagebericht: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert."

Bild: Landratsamt Karlsruhe

"Light-Lockdown" muss Wirkung zeigen

Aus diesem Grund wenden sich der amtierende Oberbürgermeister, Frank Mentrup, und Landrat Christoph Schnaudigel mit einem dringenden Appell an die Karlsruher Bevölkerung. "Man kann inzwischen nicht mehr sicher sein, wer möglicherweise infiziert ist", so Mentrup. "Wir wollen deshalb nochmal darauf aufmerksam machen, worauf es in den nächsten Tagen ankommt."

Karlsruher Innenstadt in Corona-Quarantäne am 1. April 2020
Karlsruher Innenstadt in Corona-Quarantäne am 1. April 2020 | Bild: Corina Bohner

Das heißt: Kontakte auf ein Minimum beschränken, Hygienekonzepte befolgen, AHA Regeln einhalten. Doch viele Bürger, die zum Beispiel ohne Maske oder in größeren Gruppen durch die volle Fußgängerzone schlendern, scheinen, so Mentrup, wohl den Ernst der Lage nicht verstanden zu haben.

Blätter liegen neben einem Aufkleber mit der Aufschrift, «Bitte 1,5 m Abstand halten» auf dem Boden.
Blätter liegen neben einem Aufkleber mit der Aufschrift, «Bitte 1,5 m Abstand halten» auf dem Boden. | Bild: Gregor Fischer/dpa/Symbolbild

Zur Information: Allein diese Woche mussten 6000 Menschen vom Karlsruher Gesundheitsamt zwecks Corona kontaktiert werden. 30 Prozent der Infektionsquellen sind aktuell nicht mehr nachvollziehbar. Labore seien bis zum Anschlag ausgereizt. Damit nicht noch die Krankhäuser überlastet werden, müsse jeder sein Verhalten überdenken.

"Es geht nicht darum, ohne Maske erwischt zu werden, sondern sich selbst und Andere zu schützen", erklärt der Oberbürgermeister per Videokonferenz.

Hinweis auf die Maskenpflicht auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil.
Hinweis auf die Maskenpflicht auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil. | Bild: Arne Dedert/dpa

Dieser Appell sei deshalb ein "letzter Versuch" sich nochmal der Dringlichkeit der Situation bewusst zu werden. Ansonsten könnte es nach den vier Wochen "Teil-Lockdown" gegebenenfalls zu weiteren Einschränkungen kommen, wie zum Beispiel einer Ausgangssperre.

Einzelhandel leidet wegen fehlender Gastronomie

Doch trotz aller Vorsicht dürfe der "öffentliche Raum nicht mit Angst belegt werden", betont Mentrup. Denn: Mit der wegfallenden Gastronomie würde auch der Einzelhandel leiden, da sich potentielle Kunden nicht mehr zum Einkaufen in die Stadt trauen.

Hierfür geben Mentrup und Schnaudigel aber Entwarnung. Sofern sich die Kundschaft an die vorgegebenen Konzepte halte, bestünde beim Einzelhandel oder beim ÖPNV kein erhöhtes Infektionsrisiko. 

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate und zum Schulbeginn wieder in die Höhe. Inzwischen steigen die Neuinfektionen so schnell, dass in Baden-Württemberg die Pandemiestufe 3 ausgerufen wurde.

Neben den Lockerungen der Corona-Verordnungen ist der Anstieg inzwischen auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielen, laut Gesundheitsamt, nahezu keine Rolle mehr. Corona Infektionen im Schulbetrieb halten sich bis dato in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Bericht 05.11
Dateigröße : 1.07 MBytes.
Datum : 06.11.2020 16:24
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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   80er
    (5998 Beiträge)

    08.11.2020 00:23 Uhr
    Nur....
    ....in Karlsruhe regt man sich darüber auf. Woanders ist es kein Problem wenn man die Maske auf hat, auch wenn der Partner dabei ist. Entweder man lehnt die Maske ganz hat oder man stimmt ihr zu. Aber so einen Quatsch die Maske abzulehnen wenn der Partner dabei ist, ist heuchlerisch und feige.
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  •   Mondgesicht
    (2584 Beiträge)

    08.11.2020 08:45 Uhr
    Ach was
    Nur in Karlsruhe wurde dies explizit gefordert. Ansonsten hält man sich an den gesunden Menschenverstand.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    07.11.2020 18:52 Uhr
    Dass
    so "komische" Vorschriften erlassen werden, mangels anderer wirksamer Regeln, haben wir den "Verharmlosern" zu verdanken. Hätten die sich einfach an die Basics gehalten statt das Problem Corona kleinzureden und mit diversen kruden Theorien zu versehen, wäre jetzt alles im grünen Bereich.
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  •   peppi321
    (24 Beiträge)

    08.11.2020 18:14 Uhr
    Und wieder mal
    der sogenannte Freigeist, der die Schuld bei irgendeiner Gruppe sieht, Hauptsache es wird irgendwer als Sündenbock präsentiert.
    Hier übrigens ein Link zu den so verlässlichen PCR-Tests, vielleicht sehen Sie dann mal etwas klarer.
    https://www.berliner-kurier.de/berlin/berliner-senat-hat-offenbar-zweifel-an-aussagekraft-von-corona-tests-li.117285.amp
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    07.11.2020 18:58 Uhr
    Aber aber
    es sind doch immer die Politiker schuld, wenn Einzelne sich an keine Regeln halten wollen.😉 Zerstöre hier doch nicht einfache Weltbilder.
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  •   Mondgesicht
    (2584 Beiträge)

    07.11.2020 19:14 Uhr
    Betreutes Denken?
    Ich habe noch gelernt, selbständig zu denken. Und dass diese Vorschrift blanker Unsinn ist, hat nichts damit zu tun, warum jetzt die Zahlen in ganz Europa wieder stark gestiegen sind. Es geht darum, dass der Staat notwendige und verhältnismäßige Maßnahmen zu treffen hat - was auf die Maskenpflicht unter Personen des gleichen Haushalts schlichtweg nicht zutrifft.

    Aber bleiben Sie ruhig bei Ihrem betreuten Denken. Sie liegen da ganz auf der Linie des Karlsruher Ordnungsamtes, das verkündet hat, man möge doch in einer Pandemie die Regeln bitteschön nicht hinterfragen. Also, einfach schön brav machen was Mentrup sagt. Da können jedenfalls die Gehirnzellen nicht durch den Stress eigenen Denkens geschädigt werden.
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  •   schmidmi
    (2822 Beiträge)

    09.11.2020 16:26 Uhr
    Überleg doch erst mal
    warum die Verordnung über das Tragen der Masken auch für Partner gilt.
    Vielleicht kommst Du dann auch darauf, dass es nicht nur Schwachsinn ist...
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  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    07.11.2020 19:34 Uhr
    Sie unterstellen anderen
    die nicht Ihrer Ansicht sind betreutes Denken? Somit muss man mit so jemand wie Ihnen auch nicht diskutieren. Schönes Leben und bleiben Sie trotzdem gesund.
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  •   InKa
    (922 Beiträge)

    07.11.2020 10:10 Uhr
    Mit
    der Bahn ? Sicher nicht und solange die Autofahrer von Herr Mentrup "schikaniert" werden,bleibt noch online Kauf
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1558 Beiträge)

    07.11.2020 20:53 Uhr
    Von
    Herr Mentrup "schikaniert", ha ha. You call it "Bürgerwillen", dass die in vieler Hinsicht ungute Dominanz und die quasi-religiöse Überhöhung dieses Verkehrsmittels ein kleines bisschen relativiert wird. Aber man sieht: das ist bisher viel zu weniig, da muß viel deutlicher umgesteuert werden, damit es wirkt. Bisher sehe ich keine Verkehrsentlastung beim MIV, die Autolenker bilden weiterhin munter Staus.
    Von wegen "schikaniert" - was für Mimosen sind denn Autofahrer eigentlich, bitte?
    Ich bin Rad- und Autofahrer sowie Öffi-Nutzer und kann Dir versichern, dass einem in Bahn&Bus sowie beim Radeln deutlich mehr Steine in den Weg gelegt werden. Da muß ein gesundes Gleichgewicht hergestellt werden.
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