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Karlsruhe Karlsruher im Corona-Alltag: "Mir macht die Krankheit Sorgen, weil sie so irreal ist"

Acht Monate nach dem ersten Covid-19-Fall wirkt die Karlsruher Innenstadt auf den ersten Blick so, als wäre nie etwas geschehen - bis man genauer hinschaut. Maskenpflicht und Abstand halten heißt die Devise beim Einkaufen - Auflagen, denen die Mitbürger Folge leisten. ka-news.de hat sich in der Innenstadt umgeschaut, wie die Karlsruher mit der anhaltenden Pandemie - und ihren Folgeerscheinungen - umgehen.

Als ka-news.de am Dienstag gegen 14 Uhr durch die Karlsruher City geht, wirkt diese auf den ersten Blick wie jede andere: Volle Eiscafés und viele gut gelaunte Menschen, die die Nachmittagssonne genießen - kaum etwas weist augenscheinlich auf die Pandemie hin, in der das Land aktuell noch steckt.

Bild: rmv

Gleiches gilt für den beim Einkaufen obligatorischen Mund-Nase-Schutz: Vor wenigen Wochen noch ständiger Begleiter, ist er auf den Straßen der Innenstadt jetzt seltener zu sehen. Gleiches gilt für den 1,50 Meter-Mindestabstand - zumindest, wenn man an diesem Nachmittag einen Blick auf den geschäftigen und gut besuchten Stephan- und Europaplatz wirft.

Bild: rmv

Beim genaueren Hinsehen wird aber klar, dass Corona definitiv Spuren hinterlassen hat - und die kommen nicht von ungefähr. Zunächst fallen die Plakate an den Werbegerüsten auf. "Karlsruhes Herz schlägt wieder", prangt so etwa in roten Lettern unter einer Straßenlaterne. Andere machen durch "Abstand halten, Maske tragen" klar, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist.

Bild: Lena Kube

"Ich bin überzeugt: Die Maßnahmen tragen zur Eindämmung des Virus bei"

Doch trotz allem sind die Karlsruher froh, dass das Leben in der Innenstadt wieder mehr und mehr in die Normalität zurückkehrt: "Am Anfang der Pandemie war ich im Krankenhaus eingesetzt", berichtet Levin Rösler, Krankenpfleger bei den Kliniken des Landkreises Karlsruhe, den ka-news.de am Ludwigsplatz trifft. "Inzwischen kehrt bei uns aber wieder einigermaßen Normalität ein und wir können langsam in den Regelbetrieb zurückkehren."

Krankenpfleger Levin Rösler. | Bild: rmv

Die aktuell geltenden Maßnahmen - wie Abstand halten und Maske tragen - findet er sinnvoll und ausreichend im Kampf gegen Corona: "Der Abstand von zwei Metern und die Maskenpflicht ist definitiv ausreichend, wenn sich jeder daran hält. Ich und viele meiner Kollegen sind davon überzeugt, dass diese Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beitragen."

Vorlesungen finden online statt - das Los der Schüler und Studenten

Auch betroffen von der Pandemie sind Schüler und Studenten, die während des Lockdowns nicht in die Universitätsgebäude eingelassen wurden. "Als Student habe ich die Vorlesungen online verfolgt", erzählt  Asil Meidow, Physikstudent* am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), im Gespräch mit ka-news.de am Stephanplatz.

Physikstudent* Asil Meidow. | Bild: rmv

"Von den anderen Studiengängen habe ich mitbekommen, dass es da nicht so gut funktioniert hat. Sehr wenige Veranstaltungen haben stattgefunden."

"Mir macht die Krankheit Sorgen, weil sie so irreal ist"

Wie aber gehen diejenigen mit Corona um, die sich nicht einfach anpassen können? Elisabeth Steiner, die gerade nach Hause von der Innenstadt unterwegs ist, gehört mit 58 Jahren zur Risikogruppe - und hat sich deshalb punktgenau an die Verordnungen gehalten. "Einige Maßnahmen, die vom Sozialministerium auferlegt wurden, verstehe ich nicht. Ich kann sie mir logisch nicht erklären und trotzdem halte ich mich daran", sagt sie.

Elisabeth Steiner | Bild: rmv

"Mir macht die Krankheit Sorgen, weil sie so irreal ist. Sie ist nicht greifbar, und man könnte meinen, dass man die Maßnahmen überhaupt nicht mehr braucht", sagt sie gegenüber ka-news.de. Das ist jedoch ein falscher Schluss: Sobald die Krankheit nicht zuverlässig behandelbar ist, sollte oberste Vorsicht geboten sein.

ka-news.de-Leser sind sich einig: Die Maske ist sinnvoll

Auch die ka-news.de-Leser sind überzeugt: An den Maßnahmen wie der Maskenpflicht festzuhalten, ist derzeit definitiv noch sinnvoll. In einer nicht repräsentativen Umfrage auf Instagram stimmt dem eine Mehrheit von 68 Prozent zu. "Wir sehen ja, was in Ländern passiert, die das nicht für nötig halten", meint eine Leserin dazu.  Auf Twitter sind die Meinungen sogar noch klarer: 88,4 Prozent halten die Maskenpflicht aktuell noch für sinnvoll.

Ebenso einig ist sich die Facebook-Community: Von rund 4.300 Nutzern (Stand Dienstag, 18.35 Uhr), die abgestimmt haben, stehen 63 Prozent hinter der Entscheidung der Landesregierung, die Maskenpflicht noch nicht abzuschaffen. Facebook-User Ralf-Uwe Hedderich fasst zusammen, was wohl aktuell viele denken: "Ich finde die Maske zwar lästig, aber trotzdem sinnvoll. Und wenn sie uns nur dran erinnert, dass der Spuk noch nicht vorbei ist..."

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Kommentare (10)
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  •   andip
    (10484 Beiträge)

    08.07.2020 12:00 Uhr
    Naja
    Sich mit 58 schon zur Risikogruppe halten, insbesondere wenn man ansonsten gesund ist?
    Die Gefahr, sich als ältere Person anzustecken ist genauso gross bzw. mittlerweile klein wie bei jeder anderen Altersgruppe.
    Von daher braucht sich diese Dame nicht all zu viele Sorgen machen.
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  •   Mondgesicht
    (2354 Beiträge)

    08.07.2020 12:45 Uhr
    Politisch gewünscht
    ist es aber, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger ganz viel Sorgen machen. Denn, so das Kalkül: wer sich selbst keine Sorgen macht, der verhält sich auch unvorsichtiger. Es ist schon auffällig, wie viele "Horrormeldungen" zu Corona seit Monaten tagtäglich durch die Medien gehen - und wie ruhig dagegen die reale Lage ist.

    Ganz klar, man will Ängste schüren, damit alle vorsichtig bleiben. Denn Angst um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen lässt die Menschen deutlich vorsichtiger werden. Alleine auf die Vernunft und Einsicht zu setzen, wirkt dagegen nicht so nachhaltig.

    Wichtig ist, diese Mechanismen zu erkennen. Deshalb lasse ich mir von den Medien keine Angst einreden - die Regeln halte ich trotzdem ein.
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  •   Chris23
    (562 Beiträge)

    08.07.2020 17:06 Uhr
    Der Grund ist sicher profaner
    Und der ist das sich dramatische News auch besser verkaufen, und dazu gibt es weltweit gerade durch Corona deutlich mehr.
    Ich meine wer kannte die Präsidenten der Phillipinen oder Brasiliens früher, dank derer regelmäßigen Fehltritte sind Duterte und Bolsonaro auch hier in Deutschland Medien recht präsent. Während du nach Aussagen von MdB teilweise richtig googeln mußt.
    Es gibt sicher auch heute noch ich sag mal sehr vorsichtige Politiker wie dem Lauterbach, der auch viel Medienpräsenz hat aber ich würde nicht sagen das die Politik in Allgemeinen Panik verbreitet ... Das große Thema ist doch aktuell, wir stehen momentan gut da und wie können wir lockern. Das wir keine 100% Normalität haben, liegt ja auch das in vielen Regionen indem nichts gemacht wurde die Situation kaum noch kontrollierbar war/ist. Aus diesen Regionen ist es halt leichter zu berichten, den der Artikel das ist Herbert ihn geht es gut wird wohl kaum gelesen.
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  •   kunvivanto
    (169 Beiträge)

    08.07.2020 13:51 Uhr
    So seh ich es auch.
    Regeln zwar einhalten, aber sich nicht in Angst oder Panik versetzen lassen.
    Problematisch wird es bei denen, die den Angstschürmechanismus nicht durchschauen. Bei denen wirkt nämlich auf Dauer der Flooding-Effekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Flooding_(Psychotherapie) . D.h., sie stumpfen ab, die Angst verfliegt nicht trotz, sondern WEGEN des Trommelfeuers. Und dann werden sie unvorsichtig, weil sie vorher nur auf den Angst-Knopf reagiert haben, statt über die reale Gefahr wirklich nachzudenken. Angst verbreiten ist nur in einem gut durchdachten Maß wirksam.
    Politiker und Medien sollten sich DAUERHAFT Psychologen ins Team holen, damit ihnen so ein Unfug nicht unterläuft.
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  •   ALFPFIN
    (7272 Beiträge)

    08.07.2020 11:42 Uhr
    Also
    "irreal" ist diese Krankheit nicht, die Menschen erkranken und sterben tatsächlich. Das Virus ist in der Welt , ganz real.
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  •   kunvivanto
    (169 Beiträge)

    08.07.2020 10:47 Uhr
    Physikstudent*
    In der Einzahl sehe ich das auch das erste Mal. Ich gehe davon aus, dass das Geschlecht der betroffenen Person politisch superkorrekt offen gelassen werden soll. (Wirklich interessant ist es eh nur für potentielle Paarungspartner*.)
    Dieselbe Schreibweise findet sich übrigens im Profil der Autor*in. Volontär*, Redakteur*. Nur im Fließtext ist ihr keine geeignete Formulierung eingefallen. Dort heißt es verräterisch "In ihrer Freizeit..." zwinkern
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  •   redaktion
    (1289 Beiträge)

    08.07.2020 13:27 Uhr
    Respekt ist nicht politische Korrektheit
    Hier ist Ruby M. Voigt, ich habe diesen Artikel verfasst, und ich bin (genauso wie der Physikstudent* im Artikel) nichtbinär - also zwischen männlich und weiblich. Ich frage jeden meiner Interviewpartner nach ihren präferierten Pronomina und Anreden und verwende diese dann auch im Text. Ich bitte sie, dies zu respektieren. Das hat nämlich mit politischer Superkorrektheit nichts zu tun - es geht hier darum, die Präferenzen der einzelnen Personen zu achten und ihnen mit Respekt zu begegnen.
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  •   FCKSUV
    (334 Beiträge)

    08.07.2020 14:38 Uhr
    Welche Anreden kann man denn im Briefverkehr nutzen?
    "Sehr geehrte Damen und Herren" scheidet dann wohl aus, oder?
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  •   DonSlawinde
    (30 Beiträge)

    08.07.2020 10:29 Uhr
    @Redaktion
    Ich habe Fragen:
    1. Was bedeutet das * hinter Physikstudent?
    2. "Am Anfang der Pandemie war ich im Krankenhaus eingesetzt"
    Wo ist denn ein "Krankenpfleger bei den Kliniken des Landkreises Karlsruhe" eingesetzt wenn "wieder einigermaßen Normalität" und der "Regelbetrieb zurückkehren", wenn nicht im Krankenhaus?

    Zu den Umfragen: ein Schelm, der einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Ergebnisse auf den unterschiedlichen Plattformen und der Intelligenz der jeweiligen User dort sieht... zwinkern
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  •   redaktion
    (1289 Beiträge)

    08.07.2020 13:29 Uhr
    Antworten auf Ihre Fragen
    1. Der Stern ist ein sog. Gender-Gap und bezeichnet eine unbestimmte oder nicht-binäre Geschlechtsidentität. Die interviewte Person hat darum gebeten, und das werde ich als Redakteur respektieren.
    2. Möglicherweise etwas undurchsichtig formuliert: Gemeint ist, dass die Person zum Anfang sowie zum Ende an den Fronten im Kampf gegen die Pandemie eingesetzt wurde.

    -rmv
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