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München Die große Corona-Unbekannte: Welche Rolle spielen Aerosole?

Der große Tropfen Schnodder sinkt schnell zu Boden, so viel ist klar. Doch das Coronavirus ist winzig und kann in Mini-Tröpfchen auch länger in der Luft stehenbleiben. Diese Aerosole rücken immer mehr in den Fokus der Forschung.

Bei der Erforschung von Corona-Infektionswegen nehmen Wissenschaftler zunehmend sogenannte Aerosole unter die Lupe. Damit wird ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen - wie Partikel von Sars-CoV-2 - in der Luft bezeichnet.

Schmierinfektionen spielen untergeordnete Rolle

"Wir sind ziemlich sicher, dass Aerosole einer der Wege sind, über die sich Covid-19 verbreitet", sagte der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, in Gemünden (Wohra) der Deutschen Presse-Agentur. Schmierinfektionen etwa spielten eine geringere Rolle.

Es seien aber noch viele Fragen offen, so Scheuch - zum Beispiel, wie sich das Virus beim Sprechen verbreite oder welche Rolle die Temperatur spielt. "Da muss viel Forschungsarbeit gemacht werden", sagte er. "Aber es wird gerade immer mehr in die Richtung geforscht." Längst nicht geklärt ist demnach auch, wie infektiös getrocknete Aerosole sind.

Richtiges Verhalten ist in Zeiten von Covid-19 besonders wichtig - wer kein Papiertaschentuch griffbereit hat, sollte in die Armbeuge niesen oder husten.
Richtiges Verhalten ist in Zeiten von Covid-19 besonders wichtig - wer kein Papiertaschentuch griffbereit hat, sollte in die Armbeuge niesen oder husten. | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Laut Robert Koch-Institut (RKI) erfolgt die Übertragung des neuartigen Virus hauptsächlich über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute aufgenommen werden. Aerosole - definiert als Tröpfchenkerne kleiner als fünf Mikrometer - könnten aber ebenso dazu beitragen, "auch wenn eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist".

Es gibt schon Studien, die sich mit der Verbreitung von Tropfen und Aerosolen in der Luft befassen. Allerdings kommen die zu teils unterschiedlichen Ergebnissen. So hat ein Team um Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München mit einer Sängerin Experimente gemacht und kommt zu dem Schluss, dass die Luft beim Singen nur bis 0,5 Meter vor dem Mund in Bewegung versetzt wird - unabhängig etwa davon wie laut der Ton war. Als Tipp zum Selbertesten raten die Forscher, sich vor eine brennende Kerze zu stellen und zu schauen, wann die Flamme anfängt zu flackern, wenn man sich ihr beim Sprechen nähert.

Reicht Entfernung von zwei Metern nicht aus?

Die Wissenschaftler Talib Dbouk und Dimitris Drikakis wiederum haben berechnet, wie weit sich Speicheltropfen bei leichtem Husten verbreiten: ohne Wind nicht weiter als zwei Meter, aber bei Winden von 4 und 15 Stundenkilometern durchaus auch sechs Meter. Zwar nähmen Konzentration und Größe der Tropfen ab, aber womöglich reiche eine Entfernung von zwei Metern nicht aus.

Forscher aus Washington analysierten die Ansteckung innerhalb eines Chores und vermuteten, dass die Übertragung einem Abstand von unter zwei Metern geschuldet war. Allerdings macht Kähler klar, dass neben dem Abstand auch zu beachten sei, ob jeweils Hygieneregeln eingehalten wurden oder zum Beispiel Hände geschüttelt und Stühle gemeinsam verrückt wurden.

Weitere Aspekte, die Einfluss auf die Infektionswege haben können, sind etwa die Höhe des Raumes und die Durchlüftung. So rät beispielsweise Kähler, es sollte "einerseits die Luftwechselrate in Zeiten der Pandemie deutlich erhöht werden, andererseits sollte bei einer idealen Raumbelüftung die Luft von unten durch den Boden zugeführt und flächig über die Decke abgesaugt werden."

Kaum Gefahr im Freien

Im chinesischen Wuhan haben Forscher für eine Studie in Kliniken nach Sars-CoV-2-Erbgut in Aerosolen gesucht. Die Menge sei etwa in belüfteten Patientenzimmern sehr niedrig gewesen, in Toilettenbereichen jedoch höher. An der frischen Luft sei sie nicht nachweisbar gewesen, außer in zwei Bereichen, die zu Überfüllung neigten. Auch Kähler sagt, im Freien bestehe kaum Gefahr. Man atme etwa einen halben Liter Luft aus, der sei schnell verdünnt. Gefährlich werde es, wenn man sich etwa wegen einer Blaskapelle im Hintergrund näherkommt und lauter spricht. Das ist dann aber wieder eine Frage des Abstands.

Die Luftgeschwindigkeit beim Niesen kann Orkanstärke erreichen.
Die Luftgeschwindigkeit beim Niesen kann Orkanstärke erreichen. | Bild: Jordan

Wie lange eine potenzielle Gefahr besteht, haben Forscher auch schon untersucht: Ein weiteres Team aus den USA hat mit Laserlicht die Lebensdauer kleiner Tröpfchen in der Luft gemessen, die beim Sprechen entstehen. Demnach verschwinden sie in einer geschlossenen Umgebung bei stehender Luft erst nach 8 bis 14 Minuten.

Im Fazit heißt es, "dass es eine erhebliche Wahrscheinlichkeit gibt, dass normales Sprechen in beschränkten Umgebungen eine Übertragung von Viren in der Luft verursacht". Laut Scheuch, der eine Firma für Bio-Inhalation führt, könnten sich Aerosole in geschlossenen Räumen sogar über Stunden halten und infektiös sein. Ein Atemstoß enthalte 1.000 Teilchen. "Draußen ist die Verdünnung stark, innen sammelt es sich."

Masken haben wichtigen Effekt

Abhilfe soll der Mund-Nase-Schutz schaffen. Allerdings muss man dabei wissen, dass die sogenannten Community-Masken Partikel etwa mit einem Durchmesser bis zu zwei Mikrometern nahezu gar nicht stoppen können, was Kählers Team eindrucksvoll mit Videoaufzeichnungen dargestellt hat. Dennoch hätten die einfachen Masken einen wichtigen Effekt, betont der Professor: "Sie bieten Strömungswiderstand. Anstatt dass man Partikel weit nach außen pustet, halten sie sich nah am Kopf."

Mutter und Tochter dürfen sich natürlich nah sein - allgemein sollte man bei Treffen mit Freunden oder Verwandten allerdings an die Abstands- und Hygieneregeln denken.
Mutter und Tochter dürfen sich natürlich nah sein - allgemein sollte man bei Treffen mit Freunden oder Verwandten allerdings an die Abstands- und Hygieneregeln denken. | Bild: Mascha Brichta/dpa-tmn

Scheuch geht sogar einen Schritt weiter: Weil das Coronavirus nur rund 0,1 bis 0,14 Mikrometer groß sei, reichten nicht mal die sogenannten FFP-Masken. "Die sind für größere Bakterien. Aber so kleine Teilchen lassen sich schlecht filtern." Schwebstofffilter seien wohl besser geeignet. Aber auch das sei noch zu erforschen.

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  •   mueck
    (11752 Beiträge)

    02.06.2020 23:00 Uhr
    !
    "Längst nicht geklärt ist demnach auch, wie infektiös getrocknete Aerosole sind." ... bzw. wie lange auch feuchte Aerosole feucht bleiben, wie viele Coronas drin sind und wie lange die vermehrungsfähig bleiben in feuchten/trockenen Aerosolen etc.pp.
    Die eigentlich wichtigen Fragestellungen fe_len hier leider wieder mal ... Ohne diese Grundlagen sind alle Verbreitungsmodelle von Aerosolen relativ witzlos ...
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  •   andip
    (10516 Beiträge)

    02.06.2020 12:19 Uhr
    Noch was
    Die Versuche mit den Aerosolen wurden bei stehender Luft gemacht.
    In welchen normalen Räumen, insbesondere in denen sich Menschen aufhalten, steht die Luft?
    Da ist immer irgendeine Luftbewegung.
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  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    02.06.2020 14:28 Uhr
    Luftbewegung
    in geschlossenen Räumen führt dazu, dass sich in der ausgeatmeten Luft enhaltene Partikel nur besser im Raum verteilen.
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  •   andip
    (10516 Beiträge)

    02.06.2020 08:48 Uhr
    Dumme Fragen
    Gab es diese Aerosole eigentlich früher nicht?
    Und sind die ausschliesslich nur mit Corona-Viren behaftet?
    Denn ansonsten hätte es schon immer Krankheitswellen gegeben, denn mit irgendwelchen Erregern infizierte Leute, die in geschlossenen Räumen schnaufen gibt es immer und überall.
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  •   silberahorn
    (10470 Beiträge)

    02.06.2020 10:11 Uhr
    Andere Krankheiten
    wurden so auch schon übertragen. Ganz bekannt dafür sind Masern, Windpocken, Tuberkulose.
    Windpocken haben wahrscheinlich sogar den Namen daher.
    Man hat immer schon versucht größere Ansteckungsherde zu verkleinern und sofort Isolierungen der Kranken angesetzt. Bei Corona wird der Unterschied der sein, dass man noch nicht einordnen konnte, wie diese Viren sich verhalten und warum manche Menschen resistenter sind.
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  •   andip
    (10516 Beiträge)

    02.06.2020 12:15 Uhr
    Ich dachte da eher
    an Influenza und Co.
    Die kommt noch wesentlich häufiger vor als Masern oder gar Tbc.
    Gegen Grippe kann man sich zwar impfen lassen, aber sehr viele, so auch ich, machen das aber nicht.
    Daher müsste es eigentlich viel mehr Influenza-Infizierte geben, als man tatsächlich findet, wenn die Aerosole wirklich so schlimm sind.
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  •   Mondgesicht
    (2385 Beiträge)

    01.06.2020 18:29 Uhr
    Anstatt in die Forschung
    über Aerosole zu investieren, sollte man die Gelder in die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen stecken. Dieses ganze Theater um die Aerolsole ist zwar für Virologen sicher spannend, nützt uns betroffenen Bürgern aber absolut nichts.
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  •   barheine
    (367 Beiträge)

    01.06.2020 16:33 Uhr
    Würde hier in besonderem Maße ein Infektionsrisiko bestehen, dann würden wir wohl über ganz andere Infektionszahlen klagen. Ich kenne Leute, die trauen sich wegen solcher Meldungen seit März(!) schon nicht mehr vor die Haustür. traurig
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  •   Avatar
    (831 Beiträge)

    01.06.2020 21:30 Uhr
    Aerosole
    Diese Meldungen können gar nicht im März gekommen sein, sondern eher im Mai Barheine. Babbel net so einen Käs.
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