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Berlin Corona-Warn-App: Das muss beachtet werden

Nach der Vorstellung haben innerhalb weniger Tage über zehn Millionen Menschen die offizielle Corona-Warn-App installiert. Mit dem Betrieb der Tracing-App tauchen neue Fragen auf. Hier gibt's die Antworten.

Die Corona-Warn-App appelliert an den Gemeinschaftssinn der Bevölkerung. Sie kann nur sehr indirekt dazu beitragen, dass Anwender eine Ansteckung verhindern. Sie kann aber Menschen sehr schnell darüber informieren, wenn sie einem Infizierten länger als 15 Minuten zu nahe gekommen sind. Bei der Installation und im Betrieb tauchen nun aber etliche Fragen auf.

Wenn ich im App-Store nach "Covid-19" suche, tauchen mehrere Apps auf. Welche ist die offizielle App des Bundes?

Es gibt nur eine offizielle App, nämlich die "Corona-Warn-App": Sie hat eine eigene Homepage (www.coronawarn.app), über die auch die Links zum Download der Versionen für iOS (iPhone) und Android bereitgestellt werden. Wenn man danach sucht, sollte man den Begriff "Corona-Warn-App" verwenden.

Ich bekomme im App-Store eine Fehlermeldung, dass die App nicht installiert werden kann. Woran liegt das?

Bei Android-Handys wurden die notwendigen Programmschnittstellen nicht über ein Android-Update zur Verfügung gestellt, sondern über die Google Play Services. Diese müssen vorhanden sein. Man findet sie über "Einstellungen/Google". Wenn die Aktualisierung der Play Services im Hintergrund geklappt hat, steht hier ganz oben der Menüpunkt "Benachrichtigungen zu möglicher Begegnung mit COVID-19-Infizierten". Dieser Google-Dienst reicht aber alleine nicht aus. Man muss dazu auch noch die Corona-Warn-App installieren.

Beim iPhone ist bislang das Betriebssystem 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für die Modelle aus dem Jahr 2015 (iPhone 6S) und neuer. Die Geräte aus dem Jahr 2014 oder davor, also das iPhone 6, 5S, 5 und noch ältere Modelle, können iOS 13.5 nicht laufen lassen. Die Bundesregierung steht im Kontakt mit Apple, damit die APIs auch für iOS 12 aufbereitet werden. Eine Zusage aus der Apple-Zentrale steht aber noch aus.

Wer getestet wurde, kann dies auch in die Corona-App eingeben.
Wer getestet wurde, kann dies auch in die Corona-App eingeben. | Bild: Catherine Waibel/dpa-tmn

Die App verlangt bei der Installation unter Android nach einer Freigabe der Ortungsdienste. Sollte die App nicht ohne auskommen?

Ja, die Corona-Warn-App des Bundes übermittelt keine Ortungsdaten und erfasst sie auch nicht. Da Ortungen in Gebäuden wie Einkaufszentren oder Bahnhöfen auch mit Bluetooth-Sendern möglich ist, fällt Bluetooth bei Google zusammen mit GPS in eine Kategorie. Eine Überprüfung des öffentlich einsehbaren Quell-Codes hat aber bestätigt, dass die App keine Ortungsinformationen einsammelt.

Ich hab das freie Android-System LineageOS auf meinem Telefon, weil ich die Google-Dienste grundsätzlich nicht haben möchte. Kann ich die Corona-Warn-App irgendwie zum Laufen bringen?

Nein, ohne die Google Play Services läuft die App nicht. (Nachtrag: Hier soll es aber möglich sein, die Google Play Services nachzuinstallieren)

Ich habe Probleme bei der Installation der App. Kann mir das Gesundheitsamt dabei helfen?

Nein, bitte auf keinen Fall wegen technischer Probleme dort anrufen. Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter sind dafür nicht zuständig und haben ohnehin alle Hände voll damit zu tun, die Infektionsmeldungen außerhalb der App abzuarbeiten. Für eine technische Beratung hat die Telekom eigens eine Hotline eingerichtet. Sie ist unter der Nummer 0800-7540001 zu erreichen. Fragen werden dort von Montag bis Samstag (7 bis 22 Uhr) auf Deutsch und Englisch beantwortet. Andere Sprachen wie Türkisch und Arabisch sollen folgen.

Brauche ich für die Installation der App einen QR-Code oder TAN?

Nein, QR-Codes oder Transaktionsnummern (TAN) kommen nur dann ins Spiel, wenn eine Infektion in die App eingetragen wird. Den QR-Code liefern die Labore, die schon den digitalen Arbeitsablauf beherrschen. Erhält der Nutzer den Hinweis auf seinen Infektionsstatus auf einem anderen Weg, muss er sich unter 0800/7540002 die TAN erfragen. Das Verfahren soll verhindern, dass Trolle mit Falschmeldungen das System angreifen und unnötige Fehlalarme auslösen.

Die Corona-Warn-App des Bundes übermittelt keine Ortungsdaten. Sie erfasst diese auch nicht.
Die Corona-Warn-App des Bundes übermittelt keine Ortungsdaten. Sie erfasst diese auch nicht. | Bild: Catherine Waibel/dpa-tmn

Die App misst den Abstand zwischen zwei Geräten mit Bluetooth. Sind damit andere Bluetooth-Anwendungen wie Musikstreaming trotzdem noch möglich?

Ja, man kann weiterhin Bluetooth-Lautsprecher oder andere Geräte verwenden, die ebenfalls den Kurzstreckenfunk verwenden. Bluetooth LE beherrscht den Parallelbetrieb.

Können Menschen im Ausland, die über einen deutschen Account bei Apple oder Google verfügen, die App auch anwenden?

Nein, das soll aber bald geändert werden, haben die Entwickler von SAP und Telekom in Aussicht gestellt.

Und wie sieht es aus, wenn Anwender aus Deutschland ins Ausland fahren?

Die App funktioniert bislang nicht im Ausland. Aber auch an diesem Thema arbeiten die Entwickler.

Kann man über die App risikoreiche Begegnungen in Echtzeit erkennen?

Nein, die Begegnungen werden nicht live ausgewertet, sondern mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Nur so kann der Stromverbrauch niedrig gehalten werden. Ein Live-Tracing würde auch das ausgeklügelte Datenschutzkonzept über den Haufen werfen.

Kann man bei der App sehen, wie vielen Leuten ich begegnet bin, die auch die App nutzen?

Nein, mit der App ist das nicht möglich. Man könnte aber mit gängigen Scannern sehen, welche Bluetooth-Signale gefunkt werden. Die Kurzzeitschlüssel der App werden aber verschlüsselt übertragen und ändern sich auch alle 15 Minuten, so dass man mit den "Sniffern" kein Bewegungsprofil erstellen kann.

Grüne Anzeige heißt, das Infektionsrisiko wird als niedrig eingestuft.
Grüne Anzeige heißt, das Infektionsrisiko wird als niedrig eingestuft. | Bild: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Wie erfährt man, dass man sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat?

Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, kann diesen Status selbst in die App eintragen. Um einen Missbrauch zu verhindern, muss dieser Status aber offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN - also eine Transaktionsnummer - eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren.

Im Infektionsfall erhalten die betroffenen App-Kontakte dann einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen. Am ersten Tag nach der Installation zeigt die App noch auf grauem Hintergrund ein "unbekanntes Risiko": Danach springt die Anzeige auf "niedriges Risiko" auf grünem Hintergrund. Erkennt das System eine riskante Begegnung, springt die Anzeige auf "erhöhtes Risiko".

Was muss ich unternehmen, wenn ein "erhöhtes Risiko" angezeigt wird?

Die Bundesregierung rät den Betroffenen, wenn möglich zu Hause zu bleiben und sich bei seinem Hausarzt zu melden. Man könne aber auch unter der Telefonnummer 116117 Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder mit dem Gesundheitsamt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Mit dem "erhöhten Risiko" hat man nicht automatisch ein Anrecht auf einen Corona-Test. Da inzwischen in Deutschland in der Regel genügend Testkapazitäten vorhanden sind, sollte ein Test in Abstimmung mit den Ärzten oder dem Amt möglich sein. Diesen bezahlen dann auch die Krankenkassen.

Die offizielle Corona-Warn-App auf einem Smartphone. Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen.
Die offizielle Corona-Warn-App auf einem Smartphone. Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen. | Bild: Sven Hoppe/dpa

Muss ich die App jeden Tag neu starten?

Nein, sie läuft im Hintergrund weiter, sobald sie einmal gestartet wurde. Wenn man die App nicht mehr nutzen möchte, kann sie deinstalliert werden. Es werden dann keine Schlüssel mehr übertragen.

Funktioniert die App auch in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Räumen, in denen es gerade keine Internetverbindung gibt?

Der Austausch über Bluetooth benötigt keine aktive Internet-Verbindung. Nur zum täglichen Download der Liste der infizierten Tagesschlüssel muss man mit dem Netz verbunden sein. Die App funktioniert daher sogar auf Smartphones ohne SIM-Karte, wenn die einmal am Tag mit dem WLAN verbunden sind. Für das Herunterladen der Schlüsselliste berechnen alle Provider in Deutschland kein Datenvolumen ("Zero Rating").

Kann die App tatsächlich dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen?

Diese Frage kann man zweifelsfrei noch nicht beantworten. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Corona-Warn-App schon einen Beitrag leisten, aber herkömmliche Schutzmaßnahmen nicht ersetzen kann. Selbst die Bundesregierung sagt, dass die App kein Wundermittel ist.

Kann die App das Tragen von Atemmasken und das Einhalten von Abstandsregeln ersetzen?

Nein. Die App kann nur dazu beitragen, Infektionsketten schneller zu erkennen. Wer sich und andere vor Infektionen schützen will, sollte auch mit der App im Handy genug Abstand wahren und eine Maske tragen.

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert.

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  •   Propagandahilfskraft
    (1419 Beiträge)

    21.06.2020 13:48 Uhr
    Das Plansoll ist nicht erfüllbar!
    Das Plansoll von mindestens 60% Veräppelten Schlaufonnutzern ist nicht erreichbar. Es ist ja schön, dass auch etwas ältere Äpple-Schlaufone die Äpp laufen lassen können ... aber bei Android? Bei irgendwas von 23 Mio. verkauften Schlaufönern im Jahr sind auch Geräte dabei, die die Äpp nicht laufen lassen können. Und dann war da die Sache mit den Updates ... Nicht vergessen sollte man die multiplen Besitzer der neuen Schlauphöner. Die 23 Mio. Schlauföner erreichen daher um einiges weniger als 23 Mio. Benutzer. Dienstschlauföner sind auch nicht selten und dem gleichzusetzen. Bzgl. der Äpp werden diese Mehrfachidentitäten auch mehrfach gezählt: Datenmüll. Das ist dIch würde mich sehr wundern, wenn mehr als etwa 50 Mio. Zugriff auf ein potentiell taugliches Schlaufon hätten, davon aber einige Mio. dann real doch erst mal nicht tauglich sind. Hat sich da jemand übrigens Gedanken über die Ökobilanz gemacht? Oder soll eine innovative Schlaufoncoronakaufprämie die Wirtschaft ankrubeln?
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  •   HerrNilson
    (1458 Beiträge)

    21.06.2020 14:06 Uhr
    Deine Art zu schreiben
    erinnert mich an 5jährige.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1419 Beiträge)

    21.06.2020 14:22 Uhr
    5Jährige ...
    ... können idR nicht lesen und schreiben. Aber wenn sie sich im Kindergarten mal wieder streiten greifen sie gerne zu ad Hominem Angriffen, so wie Du es dauerhaft tust. Versuche es doch mal zu Abwechslung mit Argumenten? Wiederlege doch mal eines meiner Argumente ...
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  •   HerrNilson
    (1458 Beiträge)

    21.06.2020 14:43 Uhr
    lies selber
    Handelsblatt

    Spiegel

    Aber Achtung: hier gehts um Aussagen von Leuten, die sich auskennen.
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  •   Oitastisch
    (165 Beiträge)

    21.06.2020 12:35 Uhr
    Ergänzung
    Es sollte auch beachten werden, dass solche fragwürdigen Apps ein äußerst ausbaufähiges Grundkonzept haben und für eine freiheitliche Demokratie sehr gefährlich sind. Ich rate meinen Mitbürgern dringend von dieser App ab.
    Zitat von Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales Wir arbeiten kontinuierlich daran, das System, auch mal auf etwas anderes anwenden zu können. (Interview auf N-TV)

    Eine Studie von 2019 zu Maßnahmen gegen Grippepandemien der WHO kam zum Ergebnis, dass Kontakt-Verfolgung aus medizinischer Sicht "unter keinen Umständen zu empfehlen ist".
    WHO Studie 2019 Kontakverfolgung bei Grippepandemien
    Ich möchte wissen, warum die Regierung trotzdem ein derartiges Interesse an solch teuren Projekten hat, wenn der Nutzen schon jetzt äußerst fragwürdig zu beurteilen ist.
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  •   HerrNilson
    (1458 Beiträge)

    21.06.2020 12:52 Uhr
    Na wenn Du
    als ??? abrätst und der Chaos Computer Club die app als unbedenklich einstuft, auf wen wird man dann hören?
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  •   Propagandahilfskraft
    (1419 Beiträge)

    21.06.2020 14:17 Uhr
    Teile des CCC stufen die Äpp ...
    ... aber als nicht besonders barrierefrei ein, gehen daher von einer zu geringen Nutzungsrate für den Erfolg aus. Dazu kommen dann noch die erfolgreichen Versuche von der TU-Darmstadt die virtuelle Darstellung des Coronaveräpprlten mittels einfacher Hilfsmittel zu „teleportieren“ und somit besteht die potentielle Möglichkeit von den Behörden Quarantaine für Personen und Betriebe zu fördern und zu fordern. Diese Kenntnisse sind noch relativ neu, daher auch nicht überall angekommen. Des weiteren gab es noch keine bekannte Anwendung dieses Features. Ich habe bei einigen IT-nahen Veräppelten bereits erste starke Anzeichen der kognitiven Disonanz gesehen. Ob bei einer Ausweitung des Modells die Bereitwilligkeit wieder auf das aktuelle Niveau, welches ja auch noch nicht so berauschend ist, kommt ist daher eine weitere, wichtige Frage.
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  •   Oitastisch
    (165 Beiträge)

    21.06.2020 13:08 Uhr
    Wieder Wikipedia?
    Woher haben Sie diese Information? Wieder aus Wikipedia? Ich hätte gerne einen Beleg, dass der Chaos Computer Club die App als "unbedenklich" einstuft. Der CCC meckert nicht über die App so wie sie jetzt ist. Er empfiehlt sie aber auch nicht! Und wenn Sie andere Kommentare so aufmerksam lesen würden, wie Einträge auf Wikipedia, dann könnten Sie auch sehen, dass ich vor einer möglichen Entwicklung warne.
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  •   HerrNilson
    (1458 Beiträge)

    21.06.2020 14:44 Uhr
    Siehe
    oben. Aber sicher weisst Du auch mehr als der CCC, so als Laie.
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  •   HerrNilson
    (1458 Beiträge)

    21.06.2020 14:08 Uhr
    Na dann
    teile uns doch mal mit, was Dich zum IT-Experten macht. Caos Computer Club kannste selber googeln, steht überall, da musste nicht zu wiki. Probiers mal mit CHIP und anderen Fachmagazinen zum Thema IT. Bitte, gerne.
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