6  

Karlsruhe Corona-Tests rund um die Uhr - aber kein Geld: Wie ein Karlsruher Labor unter den Folgen der Krise leidet

Unzählige Abstriche, Analysen, Tests: Labore, die Proben auf das Virus Sars-CoV-2 erkennen, waren in den letzten Monaten so gefragt wie noch nie. Arbeit gab es mehr als genug, ungeachtet ob Sonn- oder Feiertag, Tag oder Nacht. Doch: Trotz des hohen Pensums haben die Labore nicht von der Corona-Zeit profitiert - im Gegenteil. ka-news.de hat mit Michael Elgas vom Karlsruher Labor Volkmann gesprochen.

Als die Pandemie Ihren Höhepunkt nahm, waren sie besonders gefragt: Labore, die die unzähligen Corona-Test analysieren und die Ergebnisse an die Behörden übermitteln. Schnelligkeit war gefragt, die Kapazitäten wurden um ein Vielfaches ausgeweitet und die Arbeit in den Laboren lief rund um die Uhr.

Proben für Corona-Tests werden einem Labor für die weitere Untersuchung vorbereitet.
Proben für Corona-Tests werden einem Labor für die weitere Untersuchung vorbereitet. | Bild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

In Deutschland können rund 200 Labore Testungen auf das Virus Sars-CoV-2 durchführen. Eines von ihnen ist das Labor Volkmann aus Karlsruhe. Als die ka-news.de-Redaktion im März und April ein Interview anfragen möchte, sind die Telefone dauerhaft besetzt. Das Labor läuft auf Hochtouren.

Bereits Anfang Februar wurde in Karlsruhe getestet

Seit Mitte Januar war die Erbsubstanz des Corona-Erregers entschlüsselt und die Labore konnten mit ihrer Arbeit beginnen. "In den darauf folgenden Wochen wurden in den deutschen Laboratorien, darunter auch in unserem, mit viel Aufwand und hohen Kosten Testkapazitäten aus dem Boden gestampft", sagt Michael Elgas, Facharzt für Infektionsepidemiologie des Labors Volkmann.

Virologe des Karlsruher Labors "Volkmann".
Michael Elgas, Virologe des Karlsruher Labors "Volkmann". | Bild: Elgas

Bereits Anfang Februar war es so weit: Die ersten Corona-Abstriche wurden in Karlsruhe untersucht. Als die Rate der Neuansteckungen immer weiter stieg, wurden bundesweit jede Woche über eine Million Tests durchgeführt.

Hohe Kosten, wenig Einnahmen: Labore profitieren nicht

Zwischenzeitlich wurden die Testkapazitäten soweit "hochgefahren", dass aktuell bundesweit über eine Millionen Tests jede Woche durchgeführt wurden - ein enormer Kraftakt für die Laboranten und Ärzte, denn hinzu kommt ein größerer Zeitdruck. "Wir haben die Zeitspanne soweit reduziert, dass über 80 Prozent der Ergebnisse taggleich oder sogar über Nacht vorliegen - auch an Sonn- und Feiertagen", sagt Elgas auf Nachfrage von ka-news.de. 

Weltweit gibt es mehr als 15 Millionen Corona-Infektionen.
Die Labore liefen rund um die Uhr. | Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Doch trotz der Vielzahl an Testungen sind die Labore nicht die Nutznießer der Pandemie. Im Gegenteil: "Die Vergütungen für die Corona-Testungen wurden erst in letzter Zeit deutlich abgesenkt, vollkommen ungeachtet der Tatsache, dass für den Aufbau und zur Aufrechterhaltung der Testkapazitäten sehr viel Zeit, Geld, Personal und Geräteneubeschaffungen notwendig waren", so Facharzt Michael Elgas.

Laboranten und Ärzte wünschen sich Anerkennung

Ein weitere Tatsache hat den Laboren finanziell zu schaffen gemacht: Da in den Monaten März und April Arztbesuche und Routineeingriffe in den Krankenhäusern auf ein Minimum reduziert wurden, wurden die Labore mit weniger Analysen beauftragt.

Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet.
Ein Wattestäbchen mit einem Abstrich wird im Labor für einen Corona-Test verarbeitet. | Bild: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Darüber hinaus haben die Labore mit Lieferengpässen zu kämpfen. Sowohl für Standard-Laborutensilien wie Handschuhe oder Mundschutz als auch für spezielle Testreagenz war die Nachfrage hoch, doch das Angebot knapp. "Wir mussten überhöhte Preise in Kauf nehmen, die für einen Abstrichtupfer lagen drei bis vier mal so hoch wie normal",  so Elgas.

Der Facharzt wünscht sich mehr Rückhalt von der Politik, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Denn obwohl es von außen vielleicht so aussehe, als ob Labore von den unzähligen Testungen profitiert hätten, sei bei genauerem Hinschauen genau das Gegenteil der Fall.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (6)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   karlsruher1955
    (1260 Beiträge)

    26.07.2020 15:36 Uhr
    das wundert mich nicht
    wenn ich mir diese Regierung anschaue -unfähige Dilettanten-.
    Das gesundheitliche Wohl der eigenen Bevölkerung ist denen doch völlig egal.
    Hauptsache dumme Sprüche klopfen, die Menschen verarschen und nichts auf die Reihe bringen können die gar nichts.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (2029 Beiträge)

    26.07.2020 23:10 Uhr
    Beim Resultat hast du Recht!
    Ich denke aber, dass es nicht Unfähigkeit ist, sondern Absicht! Unserem Sozialsystem könnte es besser gehen, wenn wir es wie in der Schweiz machen. Jeder zahlt in die Sozialversicherung ein ohne Höchstbetrag und wer Luxus will kann sich freiwillig privat versichern. Unsere Politiker wollen mehr das Zweiklassensystem, was man besonders an den Zähnen sieht! Jahrelang wurden nur die Löhne gedrückt, Leistungen eingeschränkt. Daran krankt das Gesundheitswesen. Es braucht frisches Geld und das muß nach Jahren der Umverteilung von oben kommen. Ganz einfach einmal den Freibemessungsvertrag abschaffen und schon sieht die Welt besser aus, die Beitragssätze könnten sinken und dies wäre wieder für die Wirtschaft gut und das Krankenhaus könnte die Arbeit ihrer Mitarbeiter mehr wertschätzen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1260 Beiträge)

    27.07.2020 10:55 Uhr
    sehr gut
    ein Mensch der denken und rechnen kann. Leider können dies unsere Poilziker/-innen nicht (mehr), ausser wenn es um deren Kohle geht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (1485 Beiträge)

    26.07.2020 16:57 Uhr
    Vorschlag
    Stelle Dich zur Wahl. Zeig was Du besser kannst!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6448 Beiträge)

    26.07.2020 16:35 Uhr
    Fragt sich halt immer, wer das tut....
    "Hauptsache dumme Sprüche klopfen"
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1260 Beiträge)

    26.07.2020 16:45 Uhr
    So, so
    Du bist ja ein ganz schlaues Kerlchen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.