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Berlin Corona-Pandemie: Kommt nun doch der Wechselunterricht?

Die Schulen bleiben in der zweiten Corona-Welle offen - darauf haben die Kultusminister stets gepocht. Doch der Teil-Lockdown wirkt nur begrenzt. Und nun rücken doch die Schulen stärker in den Fokus. Was bahnt sich bei den Bund-Länder-Verhandlungen an?

Vor den Beratungen der Länder über die künftigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie erhöht sich der Druck für eine Verlängerung oder Ausweitung der Beschränkungen.

Unter anderem rücken nun die Schulen stärker in den Fokus, auf deren uneingeschränkte Offenhaltung die Kultusminister bisher gepocht haben. Denn das Ziel des Anfang November verhängten Teil-Lockdowns - eine starke Senkung der Infektionszahlen - ist bis jetzt verfehlt worden, wie Virologen und Mediziner beklagen.

Unklar ist noch, ob sich die Länder auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, nachdem sie am vergangenen Montag die Bestrebungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem wirkungsvolleren Vorgehen blockiert hatten. Die Landesregierungschefs wollen sich am Montag auf eine eigene Vorlage für die Beratungen mit Merkel am Mittwoch verständigen.

Wann sollen Ferien beginnen?

Der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Dobrindt, forderte "zusätzliche Beschränkungen", um bis Weihnachten die Infektionszahlen stark einzudämmen. So müsse das Infektionsgeschehen an den Schulen stärker gebremst werden, sagte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). "Die Schulen können zum Beispiel auf Wechselunterricht oder Hybridunterricht umstellen." Schüler könnten auch mit besser schützenden FFP2-Masken ausgestattet werden. Zu diskutieren sei, ob die Schulferien früher beginnen und später enden sollten. Bisher beginnen sie je nach Land am 19. oder 23. Dezember und enden zwischen dem 3. und 10. Januar.

Wenn die Schule geschlossen oder das Kind in Quarantäne ist, haben Eltern meist ein Problem: Wie lässt sich dann noch ungestört arbeiten? Ein Ampelsystem kann helfen.
Wenn die Schule geschlossen oder das Kind in Quarantäne ist, haben Eltern meist ein Problem: Wie lässt sich dann noch ungestört arbeiten? Ein Ampelsystem kann helfen. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auch Kanzleramtschef Helge Braun hatte auf die hohen Infektionsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingewiesen. Vor allem in den weiterführenden Schulen müsse "alles getan werden, um die Abstandsregeln einzuhalten", hatte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag) gesagt und vorgeschlagen, ältere Schüler vermehrt auch digital zu Hause zu unterrichten.

Wie das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" unter Berufung auf Länderkreise berichtet hatte, könnten die bisherigen Maßnahmen bis 20. Dezember verlängert und die Winterferien bundesweit bis 10. Januar ausgedehnt werden.

Weihnachten mit der Familie

Trotz möglicher Verschärfungen setzt Kanzleramtschef Braun darauf, dass das Weihnachtsfest im Familienkreis gefeiert werden kann. "Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die Großeltern an Weihnachten nicht mitfeiern", sagte er dem RND. "Wichtiger als die Anzahl der Menschen, die zusammenkommen, ist, dass man vorher seine Kontakte reduziert und darauf achtet, dass niemand Symptome hat."

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil kommt es bei den Bund-Länder-Beratungen darauf an, "verlässliche Regelungen zu treffen, die über Weihnachten und Neujahr hinaus reichen". Der SPD-Politiker schlug im "Handelsblatt" (Samstag) vor, oberhalb von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überall dieselben Regeln gelten zu lassen. "Das gilt nicht für jedes Detail, aber die Linie muss über die Grenzen der Bundesländer hinweg möglichst klar und einheitlich sein", sagte er. "Sollte sich das Infektionsgeschehen im Laufe des Dezembers in einzelnen Ländern belastbar unterhalb des Schwellenwertes einpendeln, könnte man möglicherweise dort über Lockerungen nachdenken."

Aufhebung des Lockdowns im Norden

Die Zahlen in den Landkreisen sind sehr unterschiedlich, im Norden und Nordosten liegen sie teils unter dem 50er-Wert, im Westen, Süden und Südosten hingegen teilweise über 200. Schleswig-Holstein plant laut "Welt" (Samstag) unter anderem bereits die Wiedereröffnung von Restaurants und Gaststätten, Hamburg die Wiedereröffnung von Kulturbetrieben unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen.

Für Verschärfungen der bisherigen Maßnahmen plädieren auch Mediziner und Virologen. "Dazu sollte gehören, dass an allen weiterführenden Schulen die Klassen sofort geteilt werden und auf Wechselunterricht umgestellt wird", sagte der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Zweitens sollten die Weihnachtsferien bundesweit eine Woche vor dem 24. Dezember beginnen." Das könne helfen, um bis zum Jahreswechsel zurück in den grünen Bereich zu kommen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der "Passauer Neuen Presse": "Man muss davon ausgehen, dass der Lockdown light im Dezember fortgesetzt wird. Das ist auch angesichts der Lage auf den Intensivstationen geboten."

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland ist weiterhin hoch. Heute meldet das Robert Koch-Institut (RKI) 22.964 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Im Vergleich zum Wert vor einer Woche wurden gut 500 Fälle mehr gemeldet. Am vergangenen Samstag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 22.461 gelegen. Der Höchststand war am Freitag mit 23.648 gemeldeten Fällen erreicht worden.

Wenn der Teil-Lockdown weiterlaufe, müssten auch die Hilfen für die Betroffenen in der Wirtschaft weiterlaufen, sagte Dobrindt. "Dann werden auch die November-Hilfen verlängert." Auch Weil forderte für diesen Fall weitere Unterstützung: "Es muss auch in Zukunft einen verlässlichen Ausgleich für Einbußen geben. Daran führt kein Weg vorbei."

© dpa-infocom, dpa:201121-99-411173/4

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  •   camparino
    (527 Beiträge)

    21.11.2020 20:24 Uhr
    Sehe ich anders...
    Wer mit der Behauptung "13 Wochen bezahlter Urlaub sind nicht genug" Stimmung macht, betreibt genau Lehrerbashing.
    Natürlich gibt es in diesem Beruf, wie in jedem anderen auch, Leute, die das ggf. so handhaben. Aber es ist ein Schlag in's Gesicht jedes engagierten Lehrers, dieses bescheuerte Argument so plakativ anzubringen. Jeder Beruf hat seine "schwarzen Schafe", aber insbesondere bei Lehrern (und bei Beamten allgemein) wird gerne pauschal eine Schublade bedient, und jeder meint auch, aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mitreden zu können.
    Ich habe schon in einigen Berufen meine Erfahrung gesammelt, und mir würde im Leben nicht einfallen, eine so pauschale Beurteilung über eine ganze Berufsgruppe zu treffen.
    Übrigens auch NICHT über Politiker !!
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  •   Kommentar
    (146 Beiträge)

    22.11.2020 13:27 Uhr
    Und ich sehe das nochmal
    anders.

    Ganz grundlegend stehen das Geld samt diverser Zuschläge und die Sicherheit, die Beamte haben, bei den meisten Beamten in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Pflichten (Wahl des Wohnortes, Disziplinarrecht, Arbeitszeiten usw.) - und der Entlohnung der restlichen Bevölkerung (auch bei identischer Tätigkeit, wie zum Beispiel Lehrer).
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  •   camparino
    (527 Beiträge)

    22.11.2020 14:34 Uhr
    Sag ich doch !!
    Kein Wunder will niemand mehr Lehrer werden bei dem kargen Gehalt. Nach dem Studium lockt das große Geld der freien Wirtschaft... Sie haben völlig Recht, dass das bei den Beamten in keinem Verhältnis steht. Zumal die dann noch immer in den teuren Schulferien verreisen müssen... das geht ganz schön in's Geld.
    Aber was will man machen: irgendjemand muss die "verblödeten Krampen" ja unterrichten.
    Ist übrigens eine uralte Tradition, die jeweils nacholgenden Generationen als "blöd" und "faul" zu betrachten. Haben unsere Eltern schon über uns gedacht, und davor deren Eltern...
    Irgendwie haben's die Verblödeten und Faulen aber dann doch immer geschafft, die Kurve noch zu kriegen grinsen
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  •   Kommentar
    (146 Beiträge)

    22.11.2020 16:25 Uhr
    Das
    habe ich dann wohl zu freundlich formuliert grinsen
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  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    21.11.2020 17:28 Uhr
    '
    Habe leider keine Lehrergewerkschaft oder Direktorenkonferenz wahrgenommen, die irgend etwas in der Richtung vorgeschlagen hätte. Die fordern einfach generell "mehr Geld", "einfachere Befreiung vom Unterricht" (für Lehrer natürlich) oder was noch? Enttäuschend.
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  •   camparino
    (527 Beiträge)

    21.11.2020 20:35 Uhr
    Achso...
    ... noch konkret zu ihrem Argument:
    Es ist in der Tat für Schüler momentan sehr einfach, sich vom Unterricht befreien zu lassen. Für Lehrer ist das deutlich schwerer. Ich bin jetzt selbst nicht betroffen, aber als "Risikogruppe" würde ich mich als Lehrer gerade schon als Versuchskaninchen fühlen...
    Die Gewerkschaften, die in der jetzigen ituation nach mehr Geld rufen, sind meines Erachtens auch auf der falschen Fährte. Aber das ist momentan ja nicht die GEW oder der BLV (als Lehrergewerkschaften), sondern eher Verdi etc...
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  •   camparino
    (527 Beiträge)

    21.11.2020 20:31 Uhr
    Was für einen Vorschlag meinen Sie ?
    Verkürzung der Sommerferien zugunsten der Winterferien? Für die meisten Lehrer wäre das wohl ein durchaus denkbarer Kompromiss. Allerdings ist die Umsetzung auch etwas komplizierter, als man sich das im EInzelfall vorstellen kann.
    Ich erinnere mich daran, dass im letzten Jahr die Sommerferien in BW entgegen dem sonstigen Turnus statt Donnerstags erst Samstags begannen. Der Grund waren hoffnungslos überlaufene Hotels, verstopfte autobahnen und andere chaotische Zustände, die ein Beginn am Donnerstag mit sich gebracht hätten. Auf diesen Gedanken muss man auch erstmal kommen. Zeigt aber auch, dass an den "Ferien" viel mehr hängt als nur "Urlaub für die Lehrer", sondern eben auch Urlaub für alle Familien mit schulpflichtigen Kindern. Ich will das ehrlich gesagt nicht alles planen müssen. Aber es ist halt in der Theorie immer alles ganz einfach, wenn man nur will...
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  •   pearly1465
    (133 Beiträge)

    21.11.2020 12:12 Uhr
    Wäre sinnvoll
    In der Schule meines Enkels wurde das schon im Sommer praktiziert: die Hälfte der Klasse Präsenzunterricht, die andere Onlineunterricht, wochenweise im Wechsel. Die Ansteckungsrate war gleich null im Gegensatz zu jetzt. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Kinder gleich gut ausgestattet sind. Darab hapert es wohl noch. Tablets und kostenfreies Internet, das kann auch speziell auf die Schulsoftware eingestellt werden.
    Wenn man so viel Geld für alle möglichen Branchen verteilt sollte doch auch Geld zeitnah für unsere Kinder übrig sein.
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  •   camparino
    (527 Beiträge)

    21.11.2020 20:44 Uhr
    Naja,
    Die Ansteckungsrate war im Sommer generell überall niedriger als jetzt. Aber selbst jetzt gibt es kaum Fälle, in denen positiv getestete Schüler andere in der Klasse angesteckt hätten.
    Dass Fernunterricht mit geteilten (halbierten) Klassen problematisch ist, liegt auch seten am Willen der Schulen, sondern an der digitalen Infrastruktur (sowohl bei den Schülern im Homeschooling als auch beim WLAN der Schulen). Ein Unterricht mit 20 Teilnehmern per Videochat läuft halt leider nicht stabil... und den Schülern einfach nur den Bildschirm zu teilen und die Unterlagen durchzugehen, überfordert viele (nicht nur die Jüngeren). Das, was guten Unterricht ausmacht, bleibt dabei oft auf der Strecke. Schüler sind eben (noch) keine Studenten, die das evtl. irgendwann mal können...
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  •   pearly1465
    (133 Beiträge)

    21.11.2020 21:12 Uhr
    Geht schon, wenn man will
    Wir haben vor 20 Jahren angefangen Online zu schulen. Selbstverständlich mussten die Referenten methodisch-didaktisch dafür ausgebildet werden. Aber heute läuft das bundesweit sehr erfolgreich. Dies dürfte auch zukünftig für die Schulen ein Weg sein, mit und ohne Pandemie. Durch die heutige Möglichkeit des face-to-face ist der Unterricht sehr viel persönlicher und macht den Schülern auch Spaß. Zum Beispiel Nachhilfeunterricht wird online von Studenten angeboten, die Nachfrage ist groß.
    Also: Geht nicht - gibts nicht. Ich kenne Lehrer, die dazu durchaus sofort bereit sind.

    Im Übrigen können wir stolz sein auf die Lehrer, die sich in diesen Zeiten so für unsere Kinder einsetzen.
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