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Karlsruhe Corona-Lage am Klinikum: "Im Moment habe ich noch kein Gefühl, wo wir stehen und wo wir hinmüssen"

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland ist zurzeit unter Kontrolle. Um die Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten, wurden in Krankenhäusern seit Mitte März Operationen verschoben und abgesagt. Tausende Patienten, etwa mit Tumoren oder kaputten Hüftgelenken, mussten auf OPs warten, weil Intensivbetten freigehalten werden. Das soll sich nun ändern.

Wegen der eingedämmten Ausbreitung des Coronavirus sollen die Krankenhäuser aus Sicht der Bundesregierung ab Mai wieder mehr freigehaltene Betten mit anderen Erkrankten belegen. Nach fast sechs Wochen Aufschub und Absagen könnten die Kliniken nun wieder mehr planbare Operationen durchführen, heißt es in einem Konzept von Gesundheitsminister Jens Spahn.

"Dies ist wichtig, da auch das Verschieben von dringlichen Eingriffen, etwa bei Tumoren, oder von planbaren Operationen, etwa zum Hüftersatz, für die betroffenen Patienten gesundheitliches und seelisches Leid nach sich ziehen."

"Neue Normalität im Klinikbetrieb"

Eine ausschließliche Bevorzugung von Covid-19-Patienten lasse sich auf Dauer nicht rechtfertigen. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland über das vierseitige Papier berichtet. Der CDU-Politiker Spahn hatte bereits Mitte April erklärt, es gelte, ab Mai schrittweise in eine "neue Normalität im Klinikbetrieb" zu kommen. Dabei gehe es um eine "schwierige Balance" zwischen der regulären Versorgung bei Notfällen und wichtigen Operationen sowie notwendigen freien Kapazitäten für Corona-Patienten.

Will ab Mai schrittweise in eine «neue Normalität im Klinikbetrieb» kommen: Jens Spahn.
Will ab Mai schrittweise in eine «neue Normalität im Klinikbetrieb» kommen: Jens Spahn. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Laut Ministerium steht Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich grundsätzlich gut da mit seiner "sehr hohen" Ausstattung von fast 34 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner. Für Covid-19-Erkrankte sollen nach Spahns Vorschlag in der Startphase nun zunächst nur noch 25 statt bisher 50 Prozent der Intensivbetten reserviert werden. Die OP-Kapazitäten sollten in einem ersten Schritt zu 70 Prozent für planbare Operationen geöffnet werden.

Karlsruher Covid-Intensivstation ist leer

Auch im Städtischen Klinikum Karlsruhe werden die Intensivbetten für Covid-19-Patienten momentan nicht benötigt. "Die Intensivstation im Covid-Bereich ist leer. Das ist eine erfreuliche Nachricht und eine Konsequenz, dass sich die Menschen in den vergangenen Wochen an die Beschränkungen gehalten haben", sagt Uwe Spetzger, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe in einem aktuellen Video-Interview der Stadt Karlsruhe.

Bild: Mediainjector

Dennoch gebe es weiterhin "zwei Krankenhäuser." Es ist eine große Umstrukturierung gewesen und sie war sinnvoll um auf die Covid-Patienten reagieren zu können. Die können wir nicht einfach so wieder zurückfahren, da es vom Personal und Logistik her ein großer organisatorischer Aufwand ist", so Spetzger. 

Zudem stehe man laut ihm noch am Anfang der Epidemie. "Von epidemiologischer Sicht sind wir ganz am Anfang der Krise. Jetzt auf die Zahlen zu reagieren und alles wieder zurückzufahren können wir gar nicht machen", sagt Uwe Spetzger. 

Die Stimmung beim Krankenhauspersonal sei auch weiterhin noch gut. Wie lange das Corona-Virus die Menschen noch begleiten mag, weiß Uwe Spetzger nicht. "Ich war noch nie so unsicher, in welcher Etappe wir uns befinden. Die Zahlen sind rückläufig und es sieht alles hervorragend aus, aber das Ziel sehen wir noch lange nicht. Im Moment habe ich noch kein Gefühl, wo wir stehen und wo wir hinmüssen", so der Medizinische Geschäftsführer. 

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   maehdrescher
    (1434 Beiträge)

    30.04.2020 19:13 Uhr
    Das sind die Fakten.
    Die vorgehaltenen Betten werden nicht benötigt. Und die Kanzlerin reitet noch immer auf der Panikmasche.
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  •   Gevatter
    (282 Beiträge)

    30.04.2020 16:48 Uhr
    Ein Tumor kann lebensbedrohlich
    sein, man kann nur hoffen, dass man da lieber zu früh operiert als zu spät. Vielleicht sollte man jetzt nach Möglichkeit alle planbare Operationen durchführen, bevor eine mögliche zweite Welle kommt. Die soll ja angeblich weitaus heftiger sein als diese erste Welle.
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  •   kommentar4711
    (2508 Beiträge)

    30.04.2020 15:38 Uhr
    0 Fälle
    Heißt also es gibt gerade 0 Fälle. Trotzdem noch alles gelockt. Wir passt das zusammen?
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  •   karlsruher1955
    (1251 Beiträge)

    30.04.2020 15:10 Uhr
    merkwürdig
    seit wann ist Corona ein Gefühl bzw. fühlbar ? Und das aus dem Munde eines Arztes.
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