Wiesbaden Eltern in der Corona-Krise: Warum Väter sich mehr am Familienleben beteiligen

Die Corona-Krise hat Eltern angesichts geschlossener Kitas, Schulen und Homeschooling viel abverlangt. Eine Studie zeigt nun die Folgen auf - auch für die Arbeitsteilung in den Familien.

Eltern in Deutschland haben in der Corona-Krise einer Untersuchung zufolge viel Improvisationstalent beweisen müssen, was auch Auswirkungen auf die Arbeitsaufteilung in der Familie hat.

Väter beteiligen sich mehr an "Familienarbeit"

Der Anteil der Väter an der Familienarbeit - also Kinderbetreuung und Hausarbeit - sei im Schnitt von 33 auf 41 Prozent gestiegen, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) in Wiesbaden mit. Die Zeit, die Väter darauf pro Tag verwendeten, stieg demnach zwischen 2018 und April 2020 von 3,3 auf 5,6 Stunden.

Bei manchen Familien ist das Geld knapp. Der Kinderzuschlag soll hier helfen.
(Symbolbild) | Bild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Der Anstieg zeige sich besonders bei Vätern in Kurzarbeit, die nun deutlich mehr Familienarbeitsstunden leisteten, teilten die Studienmacher mit. Mütter verbrachten demnach durchschnittlich 7,9 Stunden mit Familienarbeit, 2018 waren es 6,6 Stunden gewesen. Angesichts der Krise lasse sich eine "pauschale Re-Traditionalisierung in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung (...) empirisch nicht bestätigen", fasste BIB-Forschungsdirektor Martin Bujard die Ergebnisse auch mit Blick auf eine entsprechende Diskussion darum zusammen.

Den Studienmachern zufolge gibt es in Deutschland derzeit rund 14,6 Millionen Eltern mit 11,1 Millionen minderjährigen Kindern im Haushalt. "Insgesamt waren Eltern in einer historisch sehr, sehr schwierigen Situation, denn sie waren doppelt belastet", sagte Bujard angesichts des Spagats zwischen Kinderhüten, Homeschooling und Beruf während der Schul- und Kitaschließungen. Gerade bei Müttern sei die psychosoziale Belastung hoch.

Brettspiele haben gerade in Zeiten rund um Corona Hochkunjunktur. Wer Lust auf neue hat, findet Anregungen unter den Nominierten zum Spiel sowie Kinderspiel des Jahres.
Brettspiele haben gerade in Zeiten rund um Corona Hochkonjunktur. | Bild: Marius Becker/dpa/dpa-tmn

Der bisherige Höhepunkt der Corona-Pandemie in Deutschland ist der Studie zufolge für fast die Hälfte der Eltern eine sehr belastende Phase gewesen. Das Institut analysierte auch, wie viel Zeit Frauen und Männer in die Erwerbsarbeit investierten. Bei den Männern fiel der Aufwand von 9,6 auf 7,4 Stunden pro Tag, bei Frauen von 8,3 auf 7,0 Stunden. Die Rückgänge seien bei Eltern und Kinderlosen zu beobachten gewesen.

Homeoffice: Beruf und Familie besser vereinen

Als eine Konsequenz aus den Ergebnissen leiten die Studienmacher unter anderem die wachsende Bedeutung von Heimarbeit ab: "Mehr Homeoffice bedeutet größere zeitliche Flexibilität und damit auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagte BIB-Direktor Norbert F. Schneider. Zudem sollten bei den Maßnahmen während einer möglichen zweiten Corona-Welle die Interessen von Eltern und Familien eine größere Priorität bekommen.

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