Karlsruhe Corona-Kooperation: "Fuck Virus" - Karlsruher Friseurin greift im Künstler-Atelier zur Schere

Zehn Quadratmeter pro Person: Das schreibt die neue Corona-Verordnung für Friseure vor. Doch was machen Betriebe, deren Räumlichkeiten nicht ausreichen, um wirtschaftlich arbeiten zu können? Eine Friseurin aus der Karlsruhe Südstadt stand vor dem selben Problem - und hat kurzerhand Hilfe von ihrem Nachbarn, einem Künstler mit eigenem Atelier, bekommen. Unter dem Motto "Fuck Virus" haben die beiden nun eine solidarische Lösung gefunden, die beiden Vorteile bringt: Sie darf im Atelier Haare schneiden und er kann weiterhin seine Kunst zeigen.

Zu Corona-Zeiten ist Kreativität gefragt. Das  haben sich auch Miriam Zilio und Daniel Bornhäuser aus der Schützenstraße in Karlsruhe gedacht. Der Grund: Seit dem 1. März dürfen Friseure wieder Kunden empfangen, allerdings nur mit einer Sonderregelung - es darf sich nur eine Person auf 10 Quadratmetern aufhalten.

Für die selbstständige Friseurmeisterin Zilio ein Ding der Unmöglichkeit, verfügt ihr Salon "Miriam Zilio Friseure" in der Schützenstraße nur über 52 Quadratmeter Fläche - abzüglich Ausstattung und Equipment bleibt da nicht viel übrig. 

Bild: Verena Müller-Witt

"Ich habe vier Mitarbeiter, man kann sich also ausrechnen, was da übrig bleibt. Entweder fallen meine Mitarbeiter oder die Kunden weg. Für mich war das beides keine Option", erklärt die 31-Jährige gegenüber ka-news.de. 

Eine "Win-Win Situation" für beide

Ihr Glück: Im Hinterhof der ihres Salons liegt das Atelier von ihrem Nachbarn Daniel Bornhäuser, der sich selbst als "Zauberkünstler, Künstler und Performer" bezeichnet. An ihn wendet sich die Friseurin auch, als sie sich auf die Suche nach einer weiteren Arbeitsfläche begibt.

"Ich habe ihn darauf angesprochen, ob es in dem Haus generell noch einen Raum gäbe, den ich anmieten könnte. Daniel hat mir dann sein Atelier angeboten, danach ging es eigentlich relativ flott", erzählt Zilio. So entstand eine "Win-Win Situation" für das Nachbarschaftsduo. 

"Miriam Zilio Friseure" in der Südstadt | Bild: Verena Müller-Witt

Denn: Das Atelier, das direkt durch die Waschküche des Friseursalons über den Hinterhof zu erreichen ist, wird jetzt um wertvolle zwei Kundenplätze ergänzt. Zwei Stühle, zwei Spiegel und sämtliche Haarstyle-Utensilien finden auf den zusätzlichen rund 40 Quadratmetern Platz. 

Auch der freundliche Nachbar zieht aus dieser Arbeitsbeziehung seinen Nutzen, obwohl er aktuell nicht malen kann. "Das Atelier ist eigentlich eine Werkstatt, also ohne Kundenbesuch. Jetzt ist es eine Ausstellungsfläche. Jetzt darf ich offiziell ausstellen, aber nur für die Kunden, die sie bedient. Aber ich bin auch online gut aufgestellt", so Bornhäußer. 

Durch die Hintertür des Friseursalons kommen die Kunden in den Hinterhof und zum Atelier. | Bild: Verena Müller-Witt

Das heißt: Wer seine Kunst sehen möchte, muss sich zunächst einen Termin bei Zilios Salon vereinbaren - und diese sind heiß begehrt. 52 Personen erwartete die 31-Jährige an ihrem ersten Arbeitstag. Auch Frau Bornhäußer gehörte dazu - das war Teil der Abmachung. Dafür bekommt Zilio aber erst mal die Miete erstattet.

"Weil es aktuell schwierig ist, einen Termin zu bekommen, haben wir jetzt ganz exklusiv einen Termin für meine Frau bekommen", erklärt Bornhäußer. "Das Verhältnis bleibt ja nur ein paar Wochen. Da braucht man dann nicht wegen der Kohle rummachen." 

Der Eingang zum Atelier im Hinterhof | Bild: Verena Müller-Witt

Wer sich jetzt fragt, ob der Vermieter des Ateliers nicht noch ein Wörtchen mitzureden hätte, dem kann Bornhäußer Entwarnung geben. Denn: Das Haus ist im Familienbesitz des Künstlers. "Das Haus gehört meiner Oma, aber wir haben ihr bereits Bescheid gegeben. Aber sie meinte, die Entscheidung darf ich treffen. Ich wohne selbst eine Etage darüber."

"Zur Not gibt es noch die Dachterrasse"

Auch das Ordnungsamt hat für diese Zusammenkunft sein "okay" gegeben, sodass die Friseurin neben den vier Kunden im Hauptsalon zwei weitere im Atelier bedienen darf - und das kommt gut an. Auf Nachfrage von ka-news.de seien sowohl die Kunden als auch ihre Mitarbeiter von Konzept und Räumlichkeiten total begeistert.

Der Flur mit Blick auf das Atelier | Bild: Verena Müller-Witt

"Wir haben bisher nur positive Rückmeldung bekommen", erklärt Zilio. "Auch meine Mitarbeiter streiten darüber, wer hier hinten arbeiten darf. Weil es neu ist, weil es bunt ist und genau das, was jeder jetzt braucht - einfach etwas Schönes."

Das wird wohl noch einige Wochen der Fall sein, zumindest, wenn es nach Zilio und Bornhäußer geht. Denn dann vermuten beide, dass die Regelung mit den 10 Quadratmetern aufgehoben wird. Doch was passiert, wenn aus der anfänglichen Kurzzeitlösung coronabedingt etwas Längerfristiges werden muss?

Auch im Atelier gelten die Hygienekonzepte. | Bild: Verena Müller-Witt

Selbst dafür haben die zwei eine "kreative" Lösung gefunden: "Wir machen das Beste daraus und falls es doch länger dauern sollte, haben wir noch eine schöne Dachterrasse", erklärt Bornhäuser. "Man muss einfach die Situation nutzen, wie sie eben kommt und dabei kreativ eingestellt bleiben. Aber da sehe ich bei uns beiden überhaupt kein Problem."

 

 

 

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