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Berlin Corona belastet die Psyche: Warum Senioren und Kinder besonders betroffen sind

Was macht Corona mit der Seele? Wer leicht verletzbar ist, den kann die Pandemie hart treffen. Aber nicht jeder ist gleich gefährdet: Vor allem ältere Menschen und Kindern leiden unter der sozialen Isolation.

Die Corona-Pandemie kann bei vielen Menschen psychische Störungen auslösen oder deutlich verschlimmern. Darauf machte die Bundespsychotherapeutenkammer am Montag in Berlin aufmerksam.

Kammerpräsident Dietrich Munz sagte laut einer Mitteilung: "Neben Depressionen und Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen können auch Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Zwangsstörungen und Psychosen zunehmen."

Die Corona-Pandemie kann bei vielen Menschen psychische Störungen auslösen oder deutlich verschlimmern.
Die Corona-Pandemie kann bei vielen Menschen psychische Störungen auslösen oder deutlich verschlimmern. | Bild: Nicolas Armer/dpa

Ältere zählen laut den Psychotherapeuten zu den am stärksten betroffenen Gruppen. "Die ständigen Gedanken an eine tödliche Infektionskrankheit können verängstigen und der Verlust an familiärer Aufmerksamkeit und Aufgaben zu Depressivität und dem Gefühl von Sinnlosigkeit führen", so die Kammer in einer Übersicht über die bisherigen Studien zum Thema.

Wenn aus Vorsicht totale Isolation wird

Bei Vorerkrankungen oder begrenzter erwarteter Lebenszeit wirke sich langfristige Isolation ohne Austausch oft besonders heftig aus.

Eine Seniorin und ein Senior gehen gemeinsam spazieren.
Eine Seniorin und ein Senior gehen gemeinsam spazieren. | Bild: Federico Gambarini/dpa/dpa-tmn/Symbolbild

"Bei vielen, die 75 Jahre und älter sind, wird aus der Angst sich anzustecken nicht selten Todesangst und aus Rückzug totale Isolation", so die Kammer unter Berufung auf praktische Erfahrungen von Psychotherapeuten. "Am Ende quälen sie sich mit der Erwartung, wegen Corona allein zu sterben."

Einzelkindern fehlen die Kontakte

Kein Zweifel bestehe, dass ältere Menschen in Pflegeheimen extremen psychischen Belastungen ausgesetzt seien. Besonders Demenzkranke seien zudem kaum in der Lage, die starken Veränderungen in ihrem Alltag einzuschätzen und zu verstehen.

Auch Kinder und Jugendliche sind psychisch besonders gefährdet - durch die Schließung von Kitas und Schulen und den Verlust von Kontakten, so die Kammer unter Berufung auf erste internationale Studien hierzu.

Wegen einer höheren Belastung durch die Corona-Krise erhalten Familien nun einen Kinderbonus. Die Auszahlung beginnt am 7. September.
(Symbolbild) | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

"Insbesondere bei Einzelkindern kann dies zur sozialen Isolation führen." Kleine Kinder könnten das gemeinsame Spiel eben kaum durch Telefonate oder Internetkontakte ersetzen.

Eltern haben dank Corona mehr Zeit für die Familie

Zuhause seien die Belastungen durch Schul- und Kita-Schließungen und gleichzeitigem Homeoffice der Eltern sowie unklaren Perspektiven bei Millionen Familien auch in Deutschland gewachsen.

Der tägliche Zeitaufwand für Familien- und Hausarbeit stieg im April 2020 im Vergleich zu 2018 bei Müttern von 6,6 auf 7,9 Stunden und bei Vätern von 3,3 auf 5,6 Stunden, so eine zitierte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

«Jim Knopf und die wilde 13» ist seit Jahrzehnten bei Kindern und Eltern beliebt.
(Symbolbild) | Bild: picture alliance / dpa

29 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben laut einer Befragung der DAK-Gesundheit zudem an, sich während der Schulschließungen schlechter oder sogar deutlich schlechter gefühlt haben als davor. Viele fühlten sich gestresst oder traurig.

Belastung für Corona-Erkrankte und Angehörige

Belastet sind laut der Kammer oft auch Corona-Erkrankte und ihre Angehörigen. Corona-Kranke würden laut einer Studie drastisch erhöhte Angst- und Depressionswerte aufweisen. Erkranken wiederum Angehörige schwer oder sterben gar, "kann es zu langanhaltenden Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen kommen".

Für eine zweite Corona-Welle forderte die Kammer, Kindern und Jugendlichen mehr Kontaktmöglichkeiten zu eröffnen. Eine Isolierung von Altenheimbewohnern müsse vermieden werden. Kranke und Gefährdete müssten im Internet und am Telefon mehr Beratung bekommen.

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  •   Nachteule
    (896 Beiträge)

    18.08.2020 13:02 Uhr
    Genau deshalb sollte man mit dem Maskenschwachsinn jetzt aufhören
    In den deutschen Krankenhäusern soll es gestern noch ganze 225 Patienten gegeben haben, die wegen Corona behandelt wurden. D.h. das Ding ist gelaufen und wir brauchen keine Masken mehr. Das ursprüngliche Ziel war, die Infektionskurve abzuflachen und die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Dieses Ziel ist schon seit Wochen erreicht. Nun scheint es so zu sein, dass man alle Neuinfektionen verhindern möchte - da lacht jeder Virologe und die ersten Rechtsanwälte gehen im Auftrag ihrer Mandanten auf die Barikaden:
    Eilantrag eines Richters
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  •   Route66
    (2822 Beiträge)

    18.08.2020 13:44 Uhr
    Maskenschwachsinn
    Also Du bist dafür Dich und Deine Mitmenschen anzustecken, sehe ich das richtig?
    Ansonsten, in seriôsen Medien nachlesbar, weiss man ja inzwischen dass die Masken sowohl den Träger als auch das Gegenüber schützen. Nur dadurch sind die Inepfektionszahlen niedrig bei uns...und Du wilkst dass sie nach oben gehen? Was ist Deine Intention?
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  •   Tellerrand
    (83 Beiträge)

    18.08.2020 18:01 Uhr
    Na ja
    Auch da streiten sich die Wissenschaftler.
    Sinn oder Unsinn.
    Aber Mann sollte durchaus die psychologischen Folgen nicht ausser Acht lassen.
    Vielleicht wird da auch die Gesundheit von Einigen mit der psychischen Krankheit von Anderen erkauft?
    Ist das noch solidarisch?
    Ist Solidarität nur richtig für den guten Teil der Bevölkerung?
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  •   silberahorn
    (10612 Beiträge)

    18.08.2020 09:21 Uhr
    Vorsicht
    speziell in Karlsruhe. Es gibt einige dubiose Macher.

    Link zum Thema:
    Es wie bei Stan und Olli, wo Stan in einer Straße die Scheiben einwirft und Olli dienstbereit als Glaser hinterherkommt.

    Obwohl ich kein Fan von Mafred Lütz bin, halte ich seine Kritik auch an der Psychoterapeutenkammer an einigen Stellen für richtig.
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