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Karlsruhe Betrieb und Quarantäne in Corona-Zeiten: Eine Krankenschwester erzählt

Es gab selten ein Thema, das in den letzten Wochen präsenter war als die Corona-Krise: Viele Einschränkungen trafen und treffen die Menschen in ihrem Alltag. Für Katrin Apelt-Wolf ist die Situation nochmal eine besondere: Sie ist Krankenpflegerin in den Vidia-Kliniken Karlsruhe und hat in den vergangenen Wochen Höhen und Tiefen erlebt. ka-news.de hat sie aus ihrem Alltag zwischen selbstgebastelten Schutzmasken und Isolation erzählt, als auch auf ihrer Station erste Covid-19-Fälle im Personal auftreten.

Anfang des Jahres verfolgte auch Katrin Apelt-Wolf die Nachrichten über den Ausbruch von Covid-19 in China. "Ich habe die Nachrichten damals ohne Sorgen verfolgt, dass es uns hier auch betreffen könnte. Die Ausmaße der Pandemie hätte ich im Januar für unmöglich gehalten", so die 41-jährige Pflegefachkraft gegenüber ka-news.de. "Erst als das Virus in unserer unmittelbaren Nähe Menschen krank werden ließ und die Bundesregierung noch nie dagewesenen Maßnahmen ergriff war allen klar, es betrifft auch uns."

Katrin  Apelt-Wolf
Katrin Apelt-Wolf | Bild: privat

Im Klinik-Alltag bereitet man sich im März auf eine mögliche  Vielzahl erkrankter Menschen vor: Operationen wurden abgesagt, Stationen nach und nach leer geräumt, um erweiterte Kapazität in der Versorgung zu haben. In den Karlsruher Krankenhäusern werden Organisationsstrukturen umgestellt - auch auf der Station von Katrin Apelt-Wolf. Die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin ist mit kurzer Unterbrechung seit 2003 bei den ViDia-Kliniken tätig.

Bild: Thomas Riedel

"Als man uns sagte, dass unsere Station aufgrund der baulichen Lage und Gegebenheiten zur Anlaufstation werde, war man plötzlich mittendrin", so Apelt-Wolf. Die Krankenschwester arbeitet auf der Station G2 im St. Vincentius Klinikum in der Südendstraße. Normalerweise werden hier Patienten im Schwerpunktbereich Unfallchirurgie behandelt. Das heißt: Die Station übernimmt hauptsächlich Patienten direkt nach einem operativen Eingriff oder nach Unfällen.

Mit Kreativität gegen den Mangel an Schutzausrüstung

Trotz der damals noch leeren Station mit voller Personalbesetzung, haben die Pfleger alle Hände voll zu tun. Aufgrund des zu erwartenden Mangels an Schutzausrüstung ist die Kreativität jedes einzelnen gefragt.

Die Pflegekräfte beginnen, selbst Schutzvisiere herzustellen: Das Gesichtsvisier bildet eine Laminierfolie aus einem gängigen Laminiergerät. Einige Kollegen bestellten sich bei einem Versandanbieter Regenmäntel als Reserve zum Isolieren, erzählt Apelt-Wolf. "Oftmals auch aus eigenen Mitteln." 

Bild: Thomas Riedel

Notwendig seien die Maßnahmen aus Sicht der Klinikverantwortlichen nicht gewesen. "Wir waren glücklicherweise nie in der Situation, dass wir keine Schutzkleidung hatten", so ViDia-Sprecherin Melanie Barbei, "Die Ansage war immer die, dass wir sparsam damit umgehen müssen, weil die Nachlieferungen nicht zuverlässig ankamen. Aber die Mitarbeiter auf Station waren grundsätzlich mit ausreichend Schutzkleidung wie Brillen und Kitteln ausgestattet. Viele Mitarbeiter sind aber parallel kreativ geworden. Regenmäntel mussten aber glücklicherweise nie zum Einsatz kommen."

Kollegen infiziert und häusliche Quarantäne

Auf der neu umgewidmeten Covid-19-Station G2 zeigt man sich solidarisch unter den Kollegen: "Wir haben alle noch mehr aufeinander aufgepasst. Eine Kollegin, die mit einem Kleinkind alleinerziehend ist, haben wir nicht mehr in die Zimmer gelassen. Sie hat uns die Materialien im Flur angereicht".

Bild: Thomas Riedel

"Aufeinander aufpassen und füreinander da sein gilt auch noch außerhalb der Arbeitszeit". Für alleinstehende erkrankte Kollegen in häuslicher Quarantäne gehen andere Kollegen einkaufen. Im März infizieren sich drei Kollegen von Apelt-Wolf mit Covid-19 - für die gesamte Station bedeutet das: Quarantäne. Für eine kurze Zeit steht die Station leer - und wirkt wie eine "Geisterstation".

Bild: Thomas Riedel

Auch Aktrin Apelt-Wolf muss 14 Tage zuhause bleiben - Isolation und Ausgangssperre. Zu den üblichen Regeln der Hygiene zieht sich die zweifache Mutter in eines der Kinderzimmer zurück. Dinge die früher selbstverständlich waren, werden zur Hürde - wie beispielsweise das gemeinsame Hausaufgaben erledigen der Tochter. Versorgt wird sie von ihren gesunden Kollegen.

Bild: privat

Nachdem die Testergebnisse bei der Krankenschwester negativ sind, darf sie kurz nach Ostern wieder ihrem Beruf nachgehen. Inzwischen hat sich die Arbeit auf der Station wieder normalisiert: Der Betrieb läuft aktuell wieder mit voller Auslastung im Bereich der Unfallchirurgie, so Apelt-Wolf.

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   107
    (488 Beiträge)

    05.05.2020 19:24 Uhr
    für die nächsten Tarifverhandlungen drücke ich den Beteiligten kräftig die Daumen
    und wenn es dazu noch möglich wäre diesen Fallpauschalenirrsinn abzuschaffen, so hätte ich Anlaß zum Jubel.
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  •   andip
    (10386 Beiträge)

    05.05.2020 15:36 Uhr
    Lob und Anerkennung
    Aber hoffentlich ist ihr nicht auch passiert, dass sie angefeindet wurde, weil man ihr unterstellte, den Keim aus dem Krankenhaus heraus überall zu verbreiten.
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  •   silberahorn
    (10324 Beiträge)

    06.05.2020 06:11 Uhr
    Man kann sich wünschen,
    dass die veröffentlichten Zahlen zu Infizierten stimmen.
    Das ist tatsächlich eine extrem geringe Zahl im Verhältnis zur Bevölkerungszahl und im Vergleich zu anderen Städten oder ländlichen Gebieten in ganz Deutschland.

    Dass man bei der Messe in Rheinstetten sofort nach Bekantgabe des ersten Falles mit Absagen von Veranstaltungen reagiert hat, war gewiss mehr als gut. Damals gab es viele Stimmen, die diese Maßnahme als zu übertrieben betrachteten, weil sie Einkommensverluste befürchteten.

    Ich wünsche mir auch, dass Stadt Karlsruhe als "hat schnell und gut reagiert" tatsächlich Bestand hat. Im Moment wirkt es auf mich aber eher so, als wenn man sich Gewerbesteuerrückgänge und Rückzahlungen an Eltern wegen geschlossener Kitas ersparen will. Und dazu wird Eltern klargemacht, dass Kindern "unverantwortlich Bildungs- und Entwicklungschancen" genommen werden. Welche Kinder? Es gab schon vor Corona schlimme Ausgrenzungen und fehlende Chancengleichheit.
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  •   barheine
    (305 Beiträge)

    05.05.2020 13:34 Uhr
    Ich hörte, dass auf den Karlsruher Corona-Stationen schon Langeweile aufkäme, wären da nicht die akuten Fälle aus Frankreich, Großbritannien und aus weiteren Ländern.
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  •   Waterman
    (6443 Beiträge)

    05.05.2020 16:31 Uhr
    Ist das jetzt
    Überheblichkeit, Hochmut, Arroganz, Anmaßung oder Hybris?

    Unangebracht allemal...
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  •   Oitastisch
    (161 Beiträge)

    05.05.2020 20:26 Uhr
    Weder noch
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Route66
    (2471 Beiträge)

    06.05.2020 07:02 Uhr
    Was
    nimmst Du eigentlich für Pillen oder ist das der Lockdown?
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  •   zahlenbeutler
    (1567 Beiträge)

    05.05.2020 18:18 Uhr
    für ihn sind halt
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
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