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Berlin Ausblick auf Herbst: Kinderärzte befürchten Ansturm wegen "Schnupfnasen"

Nach dem Sommer kommt irgendwann die Husten- und Schnupfensaison. Kinderärzte befürchten, dass ihre Praxen diesmal besonders voll werden, weil Eltern, Schulen und Kitas verunsichert sind und hinter jeder Erkältung eine Corona-Infektion vermuten könnten.

Die Kinderärzte in Deutschland stellen sich wegen der Corona-Pandemie in der zweiten Jahreshälfte auf eine Belastungsprobe ein.

"Wir befürchten in der Tat, dass es ab dem Herbst zu einem Ansturm auf unsere kinder- und jugendärztlichen Praxen kommen wird", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der Deutschen Presse-Agentur.

Kritik an Testkriterien

In der Infektzeit sei man auch so jedes Jahr gut beschäftigt, "und das bei einem allgemein zu konstatierenden Kinder- und Jugendarztmangel". "Wenn jetzt aber - oft ausgehend von den Kitas und Schulen selbst - zusätzlich noch Kinder geschickt werden, bei denen jede Schnupfnase als Hinweis auf Covid-19 gesehen wird, dann ein Test verlangt wird, dann werden wir dies nicht alleine bewältigen können."

Fischbach forderte unter anderem, dass Eltern bei kleinen Infekten ihre Kinder mehrere Tage auch ohne Attest des Arztes zu Hause behalten und gesund pflegen können sollten. "Hierzu bedarf es aber endlich einer großzügigen Karenztagregelung für die betreuenden Eltern, die ohnehin teilweise bereits um ihre Jobs fürchten müssen."

Kinder in Nordrhein-Westfalen dürfen wieder regulär in die Kita - dort ist dann Händewaschen angesagt.
In der Kita ist gründliches Händewaschen angesagt. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Verband kritisierte auch die aktuellen Testkriterien des Robert Koch-Instituts, wonach Ärzten die Veranlassung eines Corona-Tests bei "akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere (...) bei allen Patienten unabhängig von Risikofaktoren" empfohlen wird. Gerade kleine Kinder wiesen diese Symptome im Rahmen von banalen Atemwegsinfekten sehr häufig auf. "Es ist also schlicht nicht leistbar - selbst beim besten Willen -, jedes Kind mit diesen Symptomen zu testen. Und es ist auch nicht sinnvoll." Wenn großflächige Tests gewollt seien, so sei das eine primäre Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Unkomplizierte Lösung für Winterzeit gefordert

Klarheit, ob es sich um einen "gewöhnlichen" Infekt oder um eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus handelt, kann nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, zwar nur ein Labortest bieten. "Ein banaler Schnupfen ohne Fieber oder eine milde Erkältung, die in weniger als 3 Tagen abklingt, muss aber nicht hinsichtlich Coronavirus abgeklärt werden", sagte er der dpa.

Zur Entlastung von Kinderärzten und Allgemeinmedizinern schlug Hübner außerdem "Teststraßen und Massen-Test-Einrichtungen" vor. "Es muss in diesem Winter einen raschen und unkomplizierten Zugang zu einer Diagnostik geben."

© dpa-infocom, dpa:200725-99-919430/4

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  •   BMWFahrer
    (329 Beiträge)

    25.07.2020 18:43 Uhr
    Wer sich eine Erkältung einfangen möchte,
    dem gelingt das zielsicher durch einen Besuch beim Kinderarzt. 5 Minuten dort im Wartezimmer reichen.

    Man kann der Corona-"Krise" auch Positives abgewinnen: Endlich wird in Krankenhäusern wieder Wert auf Hygiene gelegt. Maximal 1 Besucher pro Patient, und der nur nach Anmeldung.

    Die Zustände vorher waren unerträglich. Ganze Familien und Jugendclubs feierten Partys im Krankenzimmer, wenn sie ihren Spezi besuchten. Brachten Ihren Dreck, Lärm und Keime herein. Damit ist jetzt glücklicherweise Schluss.
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  •   andip
    (10692 Beiträge)

    27.07.2020 15:57 Uhr
    Wie schrecklich
    Wie können es Angehörige und Freunde wagen, jemandem im Krankenhaus zu besuchen, das geht gar nicht, der Kranke soll ja alleine bleiben.
    Dass es der Genesung hilft, wenn man Besuch empfängt, gibt es ja nicht.
    Und das mit der Party im Krankenzimmer halte ich für eine völlige Übertreibung.
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  •   Mimik1
    (11 Beiträge)

    25.07.2020 16:51 Uhr
    Man muss sich schon mal fragen warum wir diesen Artikel zu lesen bekommen
    Ja, jedes Jahr im Winter kommen mehr Kinder in die Praxen als im Frühling und im Sommer. Das ist natürlich eine Weltsensation. Ich frage mich aber warum lesen wir diesen Artikel hier.
    Vielleicht lesen wir bald einen weitern Artikel über die Möglichkeit das es in den Wintermonaten zu Schneefall kommen könnte.
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  •   runeb68
    (6 Beiträge)

    25.07.2020 14:25 Uhr
    Vielleicht gibt es mit Abstand nun auch weniger "banale" Erkältungen
    Viele der jedes Jahr großflächig verteilten Schnupnasen gab es vielleicht deshalb weil niemand mit Schnupfen zu Hause blieb. Auch ein normaler Schnupfen kann für alte gefährlich sein. Und auch mal schwerer zuschlagen und einzelne Mitarbeiter in Firmen ausfallen lassen.

    Ich habe schon Berichte gelesen das die Kinder in den Kitas etc. noch nie so gesund wie heute waren weil die Schnupfnasen nach Hause geschickt werden. Allerdings wird in Bayern gemäß der BR Webseite schon gefordert diese nicht mehr abzuweisen.

    Es wäre schön wenn eine Nebenwirkung von der Covid Forschung und der Abstandsregeln wäre das wir endlich weniger mit Husten, Schnupfen und Halsschmerzen zu tun hätten. Die Arzneimittelindustrie würde das natürlich weniger freuen. Manche meinen das es genau deshalb noch nichts wirksames dagegen gibt.

    Zumindest sollte man meiner Meinung nach die Erkälteten von den anderen trennen.
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