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Karlsruhe Corona-Virus: Karlsruhes Innenstadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand

Das Corona-Virus hat den Alltag in Karlsruhe auf den Kopf gestellt: Ein fast menschenleerer Schlossplatz, eine gespenstisch stille Kaiserstraße und dazwischen Gastronomen und Bürger, die alle anders mit dem Ausnahmezustand umgehen.

Es ist noch vor der neuen Landesverordnung, aber nach der Ankündigung der Bundesregierung, als wir uns in die Karlsruher Innenstadt begeben. Die Geschäfte werden offiziell erst ab Donnerstag geschlossen, aber schon vorher sind die Straßen in der Innenstadt alles andere als belebt. 

Gespenstische Stille

Wo die Karlsruher Bürger in der Innenstadt normalerweise in Scharen ihren Geschäften nachgehen, Eis essen oder die ersten warmen Sonnenstrahlen vor dem Schloss genießen würden, herrscht nun fast gespenstische Stille.

Bild: Melissa Betsch

Fast keine Menschenseele lässt sich an diesem Nachmittag auf den Straßen und Plätzen rund um den Marktplatz blicken, nur ab und an durchbricht das Rattern einer vorbeifahrenden Straßenbahn die Ruhe - und selbst diese verkehren in einem ausgedünnten Takt.

Öffentliches Leben vor dem Stillstand

Man spürt schnell: Die Corona-Pandemie ist auch in den Köpfen der Karlsruher angekommen, die Bürger stehen in den Zeiten der Krise zusammen, das öffentliche Leben kommt immer mehr zum Stillstand, man will die Ausbreitung eindämmen, Kontakte vermeiden.

Bild: Melissa Betsch

So bleiben auch Schulen, Sporteinrichtungen, Bibliotheken und Co. weiter geschlossen, Veranstaltungen und Versammlungen sind untersagt - alles, um die schnelle Ausbreitung von Covid-19 weiter einzuschränken. 

Wenig Besucher in Cafés

Die Karlsruher Gastronomen haben sich auf die neue Situation eingestellt: Bei unserem Innenstadt-Rundgang kommen wir am Marktplatz-Café Böckeler vorbei.  Die Schutzmaßnahmen sind bereits zu sehen: Die Tische sind weit auseinander platziert. Ein Mindestabstand von 1,50 Meter wird bei Restaurants gefordert - sowohl bei Tisch- als auch bei Stehmöglichkeiten.

Gäste müssen zudem Name, Adresse und Kontaktdaten auf einer "Gästekarte" hinterlegen, um im Falle von Infektionen mögliche Kontaktpersonen über einen Monat lang nachverfolgen zu können.

Bild: Melissa Betsch

"Die Karte haben bisher bis auf eine Ausnahme alle Kunden ausgefüllt", so Juniorchef Sebastian Böckeler im Gespräch mit ka-news.de. Dennoch: Das Café leidet unter der Corona-Krise: Nur noch die Hälfte der Angestellten arbeite derzeit in der Karlsruher Filiale.

"Wir wollen nicht als Erster die Segel streichen"

"Die finanziellen Einbußen sind enorm, wir machen nur noch 30 Prozent des Umsatzes, den wir vorher verdient haben", so Böckeler.

Bild: Melissa Betsch

"Es lohnt sich zwar nicht, aber wir bleiben weiterhin offen. Wir wollen nicht als Erster hier am Marktplatz die Segel streichen."Noch sei die finanzielle Situation des Unternehmens mit Sitz in Bühl zwar gut, die Banken kulant - "das hilft zwar, das Überleben zu sichern, wie lange das möglich ist, ist aber schwierig zu sagen", so der Filialleiter. 

"Wir verbuchen Einbußen von bis zu 90 Prozent"

Existenzängste plagen auch Claudio Doimo, Inhaber der Eisdiele Cortina in der Kaiserstraße. Nur ab und zu verirrt sich am Dienstagnachmittag ein Kunde vor sein Straßenverkaufsfenster, im Innern der Eisdiele sind nur wenige Tische besetzt. 

Bild: Marlene Witke

"Das Corona-Virus beeinflusst uns sehr stark. Gerade am Sonntag, wo wir bei dem schönen Wetter normalerweise viel Kundschaft haben, haben wir Einbußen von bis zu 90 Prozent verbucht", so Doimo gegenüber ka-news.de. 

Bild: Melissa Betsch

Die Eisdiele geht über die vorgeschriebenen Maßnahmen hinaus: Mitarbeiter müssen mindestens vier Mal in der Stunde ihre Hände waschen, die Eisdiele mehrmals am Tag lüften und den Lappen, mit dem die Tische gewischt werden, öfter desinfizieren. 

Viele haben Verständnis für Maßnahmen

Die meisten seiner Kunden zeigen Verständnis für die strengen Maßnahmen von Land und Bund, so der Eisverkäufer: "Es geht schließlich um die Gesundheit aller."

Sie wird am Donnerstag den Eisverkauf einstellen müssen. Das Geschäft darf Doimo künftig von 11.30 bis 14 Uhr weiterhin öffnen: Zum Mittagstisch mit warmen Speisen. Den Verkauf von Eis wird er bereits kurz nach unserem Besuch in der Eisdiele einstellen.

Nur noch wenige trauen sich vorsichtig auf die Straßen

Ehepaar Vandré geht am Dienstag mit ihrem kleinen Enkel im Kinderwagen durch die Kaiserstraße spazieren - zwei der wenigen Passanten, die an diesem Nachmittag auf der Straße unterwegs sind.

Bild: Marlene Witke

Beide kommen eigentlich aus Nordrhein-Westfalen und sind zu Besuch in der Fächerstadt. Panik oder Angst vor dem neuen Virus haben sie nicht: "Wir gehen viel spazieren und meiden enge Räume", sagt Siegfried Engelbrecht-Vandré und seine Ehefrau ergänzt: "Erst einmal bleiben wir weiter ruhig."

Ruhig bleiben und Panik vermeiden

Ruhig bleiben und Panik vermeiden - dieser Devise folgt auch Nina Mathis, die ka-news.de auf dem fast menschenleeren Schlossvorplatz am Großherzog-Karl-Friedrich-Denkmal trifft.

Die 22-Jährige ist eigentlich für ihr International Management-Studium an der Fachhochschule in die Fächerstadt gezogen - nun wurde der Semesterstart für sie und zehntausende weitere Studenten landesweit auf den 20. April verschoben.

Bild: Marlene Witke

"Da weiß man erst einmal nicht mehr, was man machen soll. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht einfach wieder in meine Heimat am Bodensee zurückziehen sollte", so Mathis.

"Situation ernst nehmen, ohne zu bunkern"

Zu Beginn habe sie die Situation rund um das Corona-Virus - wie viele andere auch - noch stark unterschätzt. "Ich war dann doch schockiert, welche Maßnahmen plötzlich getroffen werden mussten - auch, wenn ich es natürlich verstehen kann", sagt sie gegenüber ka-news.de. 

Nicht verstehen kann sie dagegen die Hamsterkäufe, die ihr täglich im Supermarkt begegnen. "Man muss die Situation ernst nehmen, aber nicht anfangen zu bunkern", meint die Studentin.

Das sehe ihr Freundeskreis genauso, zu welchem sie Kontakt halten möchte. "Zumindest, so gut es geht." Auch Sport möchte Nina Mathis weiter treiben - dann eben im Freien. "Ein bisschen Lebensqualität möchte man sich ja trotzdem noch erhalten."

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   bergdoerfler
    (1670 Beiträge)

    18.03.2020 17:58 Uhr
    Link funktioniert nicht, hier Korrigiert
    Spanische Treppe in Rom
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Iglaubsnet
    (835 Beiträge)

    18.03.2020 17:42 Uhr
    Jetzt aber
    reitet Ihr aber den Corona-Gaul zu Tode.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bergdoerfler
    (1670 Beiträge)

    18.03.2020 17:20 Uhr
    Rom und Venedig
    ist auch menschenleer und das schon einige Wochen https://www.skylinewebcams.com/de/webcam/italia/lazio/roma/piazza-di-spagna.html
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