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Karlsruhe Wie feiert Karlsruhe? Teil IV: Die Couchgenießer - Hauptsache gemütlich!

Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit, jagst du den Alltag und die Sorgen weg... Ob beim männlichen Pokerabend mit kaltgestelltem Bier und der artgerechten Zigarre. Ob beim weiblichen Heul-Schluchz-Lovestories DVD-Abend mit reichlich Süßigkeiten. Oder beim gemischten Pärchentreff mit vorherigem Abendessen und anschließenden Gesellschaftsspielen. Der Gemütlichkeitsfaktor ist für Couchgenießer alles was zählt.

18 Uhr: Die Vorbereitung startet. Das Bier wurde gestern schon kühl gelegt, die Zigarren besorgt. Für weibliche Couchgenießer steht natürlich mehr Vorbereitung auf dem Programm - diesmal aber nicht in Hinblick auf die Auswahl des richtigen Outfits. Das Dessert muss vorbereitet werden, Kuchen, Törtchen oder doch ein Tiramisu? Und natürlich steht der weibliche Part eines Prächentreffs auch schon in der Küche für das Abendessen. Die Gastgeberin möchte ja richtig auftrumpfen mit ihrer geballten Kochkunst.

18.35 Uhr: Mist, in welcher Ecke ist noch mal das Pokerset gelandet? Ein Anruf stellt klar, dass es verliehen wurde. Glücklicherweise kommt der Ausleiher persönlich und kann es mitbringen. Abend gerettet! Viel Zeit war nicht für die Meisterbäckerin der Mädelsrunde, also schnell die 15-Minuten-Törtchen in den Ofen, abkühlen lassen und mit Streuseln bestreuen, muss reichen. Dafür ist der Möchtegern-Köchin alles misslungen. Angebrannt, wegen spontaner Badputzaktion. Der Freund muss als Sündenbock herhalten. Kurze Lösungssuche. Also eben doch Bestellen beim Italiener um die Ecke.

19.30 Uhr: Alles bereit, der Gemütlichkeitsabend kann an allen Fronten starten. Noch schnell die Kuschelhose gegen eine Jeans tauschen, man will ja die Gäste nicht benachteiligen, die immerhin ihren Weg schlabberlookfrei durch die Öffentlichkeit bestreiten müssen. Außerdem ist die Kuschelhose mit merkwürdigen Mustern bestückt...

20 Uhr: Überwiegend alle sind da wo sie sein sollen. Die männliche Pokerrunde versinkt in ihrer Welt und ward nicht mehr gesehen bis zum nächsten Tag. Beim weiblichen Pendant steht nach Küsschen-Küsschen und dem ersten aufgeregten Schnattern die schwierigste Frage des Abends an: Welche Heul-Schluchz-Filme sollen es denn nun sein? So richtig seine Meinung zu sagen traut sich wieder keine. Beim Pärchentreff hat die Anekdote über das angebrannte Essen für den ersten heiteren Lacher des Abends gesorgt und so wird auf Kosten der Gastgeber beim Italiener bestellt.

21.40 Uhr: Während die einen ihre nicht mehr trainierten Pokerfaces hinter dicken Sonnenbrillen verstecken, haben die anderen ihre Augen schon mit dem ein oder anderen Tränchen benetzt und mit Taschentüchern mühsam wieder trocken gewischt ohne die Mascara zu verschmieren. "Ich brauch mehr Schokolade!" Die gibt's natürlich auch. Die Pärchen beschließen vom Esstisch zum Sofa zu wandern und Tabu zu spielen, das ultimative Spiel um etwas über die Kommunikation zwischen zwei Menschen herauszufinden.

22.15 Uhr: Vertieft in die aktuelle Pokerrunde wurde sogar die leere Bierflasche vergessen, also schnell Pause und neues ranschaffen. Weiter geht's. Der Film ist den in Decken mit Ärmeln eingepackten Mädels dagegen völlig egal. Viel wichtiger ist die Diskussion ob der spielende Hauptdarsteller sich berechtigterweise von seiner letzten Freundin getrennt hat. Tabu hat dagegen schon die ein oder anderen Untiefen offenbart.

23 Uhr: Noch eine Runde? Klar doch, Bier, Chips und Pokerutensilien sind noch genug da. Zeit für die mafiöse Zigarre. Noch ein Film? Ja, aber diesmal ein lustiger. Oder doch nicht? Das Ende vom Lied ist ein Tanzfilm mit traurigem Teil. Wenigstens darf zwischendurch gelacht werden. Noch ein Spiel? Aber das letzte für heute.

23.55 Uhr: Die Runde ist in vollem Gange, der Film mal wieder Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die selbstgebackenen Törtchen. Und die dazugehörigen Kalorien inklusive Übergang zu Diät- und Sporttipps. Passt wenigstens zum Tanzfilm. Das Gastpärchen verabschiedet sich derweil nach einem gemütlichen Abend ins heimige Schlummerland.

0.30 Uhr: Die Pokerrunde neigt sich dem Ende zu, die Konzentration auch. Auf dem weiblichen Sofa machen sich die ersten Gähner breit. Der Film ist schon lange zu Ende, die Gespräch aber nicht.

Schließlich haben es um 1.10 Uhr alle aus der Wohnung des Gastgebers heraus geschafft. Zurück bleibt das Andenken an einen gemütlichen Abend, der Zigarrengestank und eine leichte verwischte Spur der schwarzen Mascara auf dem Gesicht. Und die restlichen Törtchen... Schön war's, bis zum nächsten Mal!

Mit der ka-news-Serie "Wie feiert Karlsruhe?" decken wir die Klischees der einzelnen Feiertypen in der Fächerstadt auf: immer samstags servieren wir in den kommenden Wochen eine neue Glosse über die Verhaltensmuster sowie den Abendablauf der verschiedenen Charaktere innerhalb des Karlsruher Partyvolks. Was macht zum Beispiel den typischen WG-Partygänger und was das Cocktailbar-Chick aus? Immer donnerstags gibt es außerdem den "ka-Clubtester" und natürlich noch weitere Artikel rund ums Feiern in Karlsruhe. Hier geht's zu den bisher erschienen Artikeln!

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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    23.06.2013 22:14 Uhr
    beim gemischten Pärchentreff mit vorherigem Abendessen und anschließenden Gesellschaftsspielen
    "Aha, endlich mal was erfrischendes fürs Herz" denkt sich der geneigte Leser voller Vorfreude.

    Aber was bekommt man statt dessen vorgesetzt? Lauwarmer, nach Geschlechtern getrennter Langweilerabend. Ist das damit sich die Fossil-Religionisten unter uns nicht gekränkt fühlen? Eigentlich fehlt nur noch das gemeinsame Gebet vor dem Essen oder eine Lesung aus dem heiligen Buch.

    Wie beim Halmaspielen im Altersheim, da war ja bei den Events meiner Eltern noch mehr los.

    Wo bleibt denn da (neudeutsch) der Thrill? Die Jungs, die sich doch lieber eine zielorientierte DVD anschauen wollen, oder die unweigerliche Eifersuchtsszene, weil die falschen miteinander flirten? Samt Beinah-Schägerei von mir aus. Auch die Kombilösung: gemischter Strip-Poker wäre nicht schlecht gewesen. Oder zumindest die Diskussion darum.

    Ein bisschen intensivere Storys wären nicht schlecht.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    23.06.2013 19:59 Uhr
    Bei
    einer Einladung zu so einem Abend würde ich kurzfristig wegen meines berüchtigen Brechdurchfalls absagen und es mir statt dessen lieber zu hause richtig gemütlich machen.

    Nix gegen die Autorin, aber von für Männer gemütlichen Abenden hat sie null Ahnung.
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  •   felino
    (330 Beiträge)

    23.06.2013 10:50 Uhr
    diese Reihe
    bietet jede Woche echte Fremdschäm-Momente. Und beweist, dass Schreiben können noch lange nicht "Journalist sein" bedeutet. Nichts gegen die Verfasserin... aber da fehlt noch einiges an "Handwerk" ??
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    23.06.2013 00:49 Uhr
    Wo ist Tina,
    die dem Alltag trotzt? Das war wenigstens witzig.
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    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    23.06.2013 00:40 Uhr
    Gähn...
    grinsen
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    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    23.06.2013 00:46 Uhr
    Man kann doch
    gemütlich grillen, sich vollsaufen und dann fast noch eine Schlägerei anfangen.

    Bei dem geschilderten Abend bin ich ja noch gar nicht daheim. Und wenn ich pokerspielende Sonderschulversager sehen würde ging ich gleich ins Bett. grinsen
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