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Für knapp vier Millionen hat der Bund ein Viertel des ehemaligen Militärgeländes innerhalb eines Jahres saniert - darunter drei der vier Hauptgebäude mit über 130 Büro- und Besprechungsräumen sowie ein Gebäude, in das die Bundespolizei eingezogen ist. Einen Monat vor dem Umzug gewährte das Gericht für Pressevertreter einen ersten Einblick in die frisch renovierten Räumlichkeiten.

82 Kilometer verlegte Kabel

Die vorhandenen Gebäude musste das Staatliche Hochbauamt Baden-Baden als einer der Bauherren nicht grundlegend umbauen, bemerkte Wolfgang Grether, Leiter des Amts. "Wir haben relativ wenige Eingriffe in die Substanz vorgenommen." Handwerker verlegten 82 Kilometer Kabel, strichen rund 80.000 Quadratmeter Wände und verlegten zirka 6.000 Quadratmeter Teppichboden.

Für den neuen Eingangsbereich, zeigte sich das Architekturbüro Lederer, Ragnarsdóttir und Oei aus Stuttgart. Hier seien "viele Kleinigkeiten" an unterschiedlichen Stellen zu tun gewesen, fügte Arno Lederer an. Wie ein liegender Trichter sitzt er auf dem bisherigen Eingang des Hauptgebäudes der ehemaligen Fliegerkaserne. Schneeweiß mit zwei großen Glasfronten und dem Bundesadler in schwarz hebt es sich vom übrigen Gebäudeensemble ab, das 1959 erbaut und bis vor einigen Jahren vom Generalstab der Luftwaffe genutzt wurde. Grüner Teppichboden, der an eine gemähte Wiese erinnert, empfängt Mitarbeiter und Besucher im Foyer, zusammen mit einem Glasfenster von Clara Kress aus dem Jahr 1961 mit dem Thema "Fliegen und Flugzeuge".

Der gleiche Teppichbogen liegt im neugestalteten Sitzungssaal. Wo sich Soldaten früher Filme über Kriegmaschinerie ansahen, sprechen die Verfassungsrichter in Zukunft Recht. Von getragener, ernster Atmosphäre ist hier keine Spur. Große Fenster bringen viel Licht in den Saal und geben die Aussicht aufs Grüne frei. Die Holzverkleidung aus Birkenfurnier vermittelt eher Wohnzimmerambiente. Einen Blick auf diesen Teil des neuen Amtssitzes können Fernsehzuschauer ab Ende Juli werfen, wenn das erste Urteil in den Räumlichkeiten verkündet wird.

Grundsanierung für 44 Millionen Euro

Der vorübergehende Umzug war wegen der erforderlichen Grundsanierung des Stammsitzes des Gerichts am Schloss notwendig geworden. In den nächsten drei Jahren sollen die fünf Gebäudemodule energetisch modernisiert und im Bereich des Wärmeschutzes und des Brandschutzes auf den neuesten Stand gebracht werden. Für die Energiegewinnung will das Staatliche Hochbauamt um Wolfgang Grether auf dem Sitzungssaalgebäude und dem Richtergebäude Photovoltaikanlagen anbringen.

Rund 44 Millionen Euro werden die Baumaßnahmen kosten. Doch ein Neubau sei bei errechneten Baukosten von weit über 60 Millionen Euro nicht in Frage gekommen, erklärte Grether. Außerdem sei das denkmahlgeschützte Ensemble das letzte Gebäude der Bonner Republik im Originalgewand, das den "Geist der Bonner Republik wiederspiegelt". Dies soll es auch nach der Renovierung tun. Das Hochbauamt wird die Renovierung so vornehmen, dass "man nicht sieht, dass am Gebäude etwas neu ist", versicherte Grether.