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Karlsruhe Eine Kommunikations-Expertin analysiert: Welcher Kandidat macht in Karlsruhe die beste Wahlwerbung?

Informationsstände, Talk-Runden, Social Media. In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes geht es für die Kandidaten nochmal darum, Gas zu geben. Von vornherein immer mit dabei: Das gute alte Wahlplakat. In sämtlichen Farben, mal mehr mal weniger kunstvoll aufbereitet, begegnen sie uns aktuell überall in Karlsruhe. Aber was sagen die bunten Tafeln eigentlich aus? Betreiben die Parteien überhaupt bei ihrer Plakatgestaltung "gute Wahlwerbung"? Eine Kommunikationswissenschaftlerin aus Karlsruhe hat sich die Werbemittel einmal genauer angeschaut.

Auf Plätzen, in Straßen, vor Eingängen oder gar mehrfach in einer Reihe. Wahlplakate finden sich überall wieder, wo auch Menschen sind. Wer meint, dass das klassische Druck-Erzeugnis in Zeiten der Digitalisierung ausgedient habe, der irrt.

Wahlplakate werden am meisten wahrgenommen

Der Grund: Wahlplakate sind das Wahlwerbemittel, welches von Menschen am meisten wahrgenommen wird. Da gilt es natürlich, auf einen Blick möglichst viele Menschen zu überzeugen.

Bild: ka-news.de

Das weiß auch die Wahlplakat-Expertin und promovierte Kommunikationswissenschaftlerin Melanie-Marita Leidecker-Sandmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Denn: "Wahlplakate können auf den Betrachter aktivierend oder motivierend wirken, sich an der Wahl zu beteiligen."

Gesichter wirken mehr, als reiner Text

Für diese "Überzeugungsarbeit" fallen der Expertin zunächst einmal einige Gemeinsamkeiten auf, die die Parteien bei der Gestaltung der Plakate anwenden.  So handelt es sich bei den wahkreisspezifischen Wahlplakaten meist um Personenplakate, die die Kandidaten für das Direktmandat zeigen. Häufig begleitet von einem kurzen Werbeslogan.

Bild: Lars Notararigo

"Diese Strategie der Personalisierung macht natürlich Sinn, da sie gezielt auf Erstimmen für einzelne Kandidaten abzielt. Darüber hinaus, so zeigen etwa Blickaufzeichnungsstudien, ziehen Bilder von Personen die Blicke stärker auf sich als etwa reine Textplakate", erläutert die Expertin im Gespräch mit ka-news.de. Allerdings unterscheiden sich die Plakate bezüglich der Stärke in dieser Personalisierung.

"Einige Parteien rücken den Namen ihres Wahlkreiskandidaten durch große Lettern in den Vordergrund (etwa die CDU, SPD oder AfD), was auf eine stärkere Personalisierung schließen lässt, wohingegen andere den Namen der Kandidaten kleiner drucken als den Wahlwerbeslogan (etwa FDP, die Linke oder die Grünen) und somit dem Slogan etwas stärker in den Vordergrund rücken", so Leidecker-Sandmann weiter. 

Bild: Lars Notararigo

Als kontraproduktiv empfinde sie bei diesen Plakaten jedoch, dass die meisten auf eine "moderne lebendige Inszenierungen der Kandidaten" - etwa, wenn diese "in Aktion" zu sehen wären - verzichten. Stattdessen dominiere die klassische Nah- beziehungsweise Großaufnahme, wie sie auch bei Pass- oder Bewerbungsbildern üblich sei.

Hervorzuheben seien hier die Porträt-Plakate von Parsa Marvi (SPD) und Zoe Mayer (Grüne), da diese durch die auffällige Farbgebung und der Wiedergabe des Gesichts hervorstechen.

Volt punktet bei Farbauswahl

Allgemein sind Farben ein wichtiger Faktor bei der Plakatgestaltung. Der Grund: Farbige Plakate fangen die Blicke eher auf als Anzeigen in schwarz-weiß. Außerdem helfen die Farben bei der Wiedererkennung, noch bevor das Logo oder das Gesicht vom Betrachter erkannt wird.

Besonders farbenfroh empfindet Leidecker-Sandmann die Plakatgestaltung der 2017 gegründeten Partei "Volt". Die bunt gestreiften Tafeln dürften, so die Meinung der Expertin, den Betrachtern gleich ins Auge fallen. 

Bild: Verena Müller-Witt

"Dies wird auch durch ihre – für eine Kleinpartei – umfangreiche Plakatierung begünstigt. Zwar spielt die gestalterische und inhaltliche Qualität der Wahlwerbung eine Rolle, aber um wahrgenommen zu werden, ist auch die Quantität, also die Menge der Plakatierung, entscheidend", erklärt Leidecker-Sandmann. Zumindest habe sie den Eindruck, dass "Volt-Plakate" recht häufig in der Fächerstadt vertreten seien. 

Keine konkreten Wahlsprüche

In demokratietheoretischer und normativer Hinsicht habe die Expertin allerdings einen Kritikpunkt, der durchaus auf einige der Plakate zutreffe: Kurze, aus dem Zusammenhang herausgelöste Werbeslogans. 

Zwar sei auf Personenplakaten zwar "naturgemäß wenig Platz", dennoch könnten die Parteien "entscheiden wie konkret oder wie vage sie ihre politischen Positionen und Pläne innerhalb eines Wahlslogans bewerben", wie die wissenschaftliche KIT-Mitarbeiterin gegenüber ka-news.de betont.

FDP-Wahlplakat mit Michael Theurer | Bild: Lars Notararigo

"Mir erscheinen die Wahlsprüche auf den Wahlplakaten überwiegend wenig konkret. Sie verweisen in der Regel nicht auf spezifische Ziele oder Positionen der Parteien zu bestimmten Themen. Vielmehr werden Floskeln verwendet oder vage Statements", führt sie weiter aus.

Zum Beispiel: "Familien stärken. Bürger schützen. Arbeitsplätze sichern!"(AfD), "Entlasten. Entfesseln. Investieren" (FDP) oder "Haltung zeigen für eine soziale & solidarische Gesellschaft!" (Die Linke).

Es gibt nicht das "beste Wahlplakat"

Allerdings, so wendet die Expertin ein, können derartige Slogans durchaus nützlich sein, um eine möglichst breite Wählerschaft anzusprechen. Also strategisch gar nicht mal so ungeschickt, wenn es darum geht, die "Masse" zu überzeugen?

Bild: Lars Notararigo

Auch hier gibt es eine plausible Erklärung: "Vage Slogans bieten in der Regel wenig Angriffsfläche, dafür aber Interpretationsspielraum. Sie sind offen für die eigene Vorstellung von etwa einer 'sozialen & solidarischen Gesellschaft' oder davon, wie genau man 'Familien stärken' kann. Und von den eigenen Vorstellungen ist man in der Regel überzeugt und bewertet diese positiv", betont die 38-Jährige.

Welche Partei aber nun die "beste" Wahlwerbung mache, könne die Expertin nicht konkret sagen. Denn dies wäre aus ihrer Sicht alles andere als wissenschaftlich. 

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  •   tom1966
    (1675 Beiträge)

    22.09.2021 10:04 Uhr
    @KA-News-Redaktion
    In diesem Beitrag sind diverse Wahlplakate zu sehen, jedoch scheint mir eine gewisse Einseitigkeit Ihrerseits vorzuliegen: Außer dem Plakat der FDP werden nur Plakate von Parteien des eher linken Spektrums gezeigt.
    Auch auf Ihrer Startseite fiel mir bislang auch nur Wahlwerbung der Grünen auf.
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  •   tom1966
    (1675 Beiträge)

    22.09.2021 10:35 Uhr
    Muss mich korrigieren:
    Jetzt ist auch ein CDU-Plakat auf der Startseite!
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  •   motzki
    (773 Beiträge)

    22.09.2021 09:11 Uhr
    da hat...
    die redaktion doch glatt wieder vergessen, diesen artikel als wahlwerbung zu kennzeichnen. die offensichtliche abneigung des kit/ka-n dreamteams gegen den cdu-kandidaten konnte nicht überzeugender in szene gesetzt werden.
    #sternstundendesjounalismus*nicht
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  •   vielfahrer
    (423 Beiträge)

    22.09.2021 18:10 Uhr
    Welli ist doch im Bild
    seltsam. Ich habe das Wellenreuther-Plakat gesehen, das von den Grünen hingegen nicht - wenn man das Symbol-Massenplakat am Anfang mal weg lässt.
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  •   Chris23
    (751 Beiträge)

    22.09.2021 09:10 Uhr
    Bin froh wenn sie wieder weg sind
    Die Plakate scheinen ja zu funktionieren, ich finde es aber traurig wenn man die Entscheidung anhand so einer Punchline fällt. Viele sprüche könnte man ja auch auf jedes andere Plakat drucken, auch wenn die Parteien dieses Ziel sehr unterschiedlich verfolgen würden ... Was sie ja auch mit wenig konkret meint. Zu dem Porträts, finde in dem Zusammenhang "Das hübsche Gesicht (pfeil nach oben), für dem Bundestag reicht es" (oder ähnlich) von der Partei ganz passend.

    Bei dem FDP slogan lese ich irgendwie ständig "EntlasSen" statt entlasten, auch wenn ich die Entlastung in kürzeren Aufbewahrungsfristen für die Steuer nicht so sehe (die Entlastung ist eher das die Zeit für nachforderungen sinkt als der Bürokratische Aufwand wie er meint denn ob man das nun 3,5 oer 10 Jahre zusammen hält ist ja von der Arbeit recht egal)
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