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Karlsruhe Bundestagswahl 2017: So engagiert sich die Jugend in Karlsuhe für Politik

Am Sonntag wird der 19. Bundestag gewählt. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes gibt es über 60 Millionen Wahlberechtigte. Davon auch etwa drei Millionen Erstwähler von denen viele noch nicht wissen, wo sie ihr Kreuz machen sollen. ka-news stellt je einen Vertreter der Jugendorganisationen aus den sechs umfragestärksten Parteien vor.

Sechs verschiedene junge Menschen, sechs verschiedene Ideologien, eine Gemeinsamkeit - Interesse an Politik und der Wille die eigene Zukunft mit zu gestalten. ka-news stellt sechs ganz Unterschiedliche junge Menschen vor die sich in den Karlsruher Jugendorganisationen der Parteien engagieren.    

Tobias Kopf (CDU): "Parteien müssen junge Menschen mehr ansprechen."

Tobias Kopf (25) ist bei der Jungen Union (JU) Karlsruhe seit 2007 politisch engagiert. | Bild: Junge Union

Tobias Kopf ist 25 Jahre alt und bereits seit 10 Jahren Mitglied bei der Jungen Union, der Jugendorganisation der CDU. Er studiert derzeit Philosophie, Politik und Wirtschaft in Karlsruhe. Zur jungen Union kam er mit 15 Jahren aufgrund der politischen Ausrichtung der CDU.

"Ich bin bei der Jungen Union, weil sie mir eine Plattform bietet politisch aktiv zu sein und meine Grundüberzeugungen von Konservatismus, Familie und Eigenverantwortung am besten vertritt", so Kopf. Und erst wenn man sich auf politischen Bühne engagiere, könne man zum einen nachvollziehen, was alles in politische Entscheidungen mit einspielt und zum anderen seine Interessen aktiv vertreten: "Im Alltag wird man zunehmend mit ständiger Systemkritik konfrontiert. Es wird sich beschwert was das Zeug hält – aber sobald man den Dampf abgelassen hat, ist es auch wieder vergessen."

"Junge Menschen sind sehr politisch", findet Kopf. Allerdings schaffen es die Parteien aus seiner Sicht aktuell nicht, dieses Interesse zu kanalisieren. Kopf ist der Überzeugung, dass Parteien viel mehr ihren Kern nach außen tragen müssten, um junge Menschen anzusprechen."

Aktuell hat die Junge Union-Karlsruhe knapp 300 Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren in den Ortsverbänden Karlsruhe-West, Süd-Ost und Nord-Ost.

Michael Brauner (SPD): "Wir politisch Aktiven sind Menschen und nicht die Politiker"

Michael Brauner (24) engagiert den Jusos, der Jugendorganisation der SPD. | Bild: Junge Soziale

Michael Brauner ist 24 Jahre alt und Vorsitzender der Jungen Sozialen (Jusos) in Karlsruhe. Brauner studiert in der Fächerstadt Wirtschaftsingenieurwesen und ist am Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule und in der Gründerszene von Karlsruhe engagiert. Seit März 2011, im Alter von 18 Jahren, ist Michael Brauner als Mitglied in die SPD eingetreten und seither auch Juso-Mitglied.

Die Frage der Gerechtigkeit und die Freiheit etwas aus sich zu machen habe er gespürt. Mit 18 ging er zur SPD und den Jusos war dann die Folge. Auch Brauners Großvater hatte als Gewerkschafter und seinen Erzählungen aus der Zeit im zweiten Weltkrieg ebenfalls einen großen Einfluss auf das politische Engagement seines Enkels.

"Die Zukunft müssen genau wir positiv gestalten. Die Alten sind in ihren Gewohnheiten manchmal gefangen. Anders kann ich mir Dinge wie den Brexit oder das Festhalten an Angela Merkel nicht erklären", so Brauner im ka-news-Gespräch.

Junge Menschen hätten nach seiner Einschätzung ganz konkrete Fragen an die Politik. "Wenn man das nicht mit Leidenschaft macht, dann ist man nicht authentisch und kann auch niemanden überzeugen, dass es sich lohnt." Der Juso-Vorsitzende wünscht sich, dass alle Parteien erkennen, dass dies eine gemeinschaftliche Aufgabe von Parteien und den Jugendorganisationen ist. "Wir politisch Aktiven sind Menschen und nicht 'die Politiker'."

Die Jusos stellen aktuell 250 Mitglieder. Nach eigenen Angaben lag die Mitgliederzahl vor der Nominierung durch Martin Schulz als Kanzlerkandidat bei 230. Vor der Trump-Nominierung demnach bei 215. Die SPD-Karlsruhe selbst hat etwa 1000 Mitglieder. Damit stellen die Jusos ein Viertel der Mitglieder, das Durchschnittsalter der Juso-Mitglieder liegt bei knapp 27 Jahren.

Moritz Klammer (FDP): "Politik zu machen ist häufig sehr mühsam und macht auch oft keinen Spaß !"

Moritz Klammer (29) engagiert sich seit 2013 bei der Jugendorganisation der FDP, den Jungen Liberalen (Julis). |

Moritz Klammer ist 29 Jahre alt und und studiert derzeit Informatik am KIT. Im Herbst 2013 ist der bei den Jungen Liberalen beigetreten. Wenige Tage nachdem die Freien Demokraten den erneuten Einzug in den Bundestag verpassten. Moritz war jedoch schon vorher politisch engagiert. "Ab 2008 war ich in meiner österreichischen Heimat bei den JUNOS politisch aktiv, was allerdings sukzessive nachgelassen hat, seit ich 2009 für mein Studium nach Deutschland gezogen bin."

"Mein wichtigstes politisches Anliegen ist es, dass die für unseren freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat konstituierenden Grundrechte von der Politik ernst genommen und respektiert werden", so sein Statement.

"Jeder Mensch sollte sich für Politik interessieren, denn Politik betrifft uns alle. Ich denke, dass den politischen Jugendorganisationen eine ganz entscheidende Rolle zukommt, wenn es darum geht bei jungen Menschen das Interesse an Politik zu wecken", so Klammer weiter. Deshalb ist es aus Moritz Sicht auch wichtig, dass die Jungen Liberalen regelmäßig Veranstaltungen machen, die insbesondere junge Menschen an politische Fragen heranführen.

Stand heute haben die jungen Liberalen in Karlsruhe 36 offizielle Mitglieder. Das aktuelle Durchschnittsalter im FDP-Kreisverband liegt bei 24 Jahren. "In letzter Zeit sind aber auch vermehrt Schüler auf uns aufmerksam geworden", freut sich Moritz.

Christina Bischoff (Grünen): "Politik bezieht sich zu sehr auf ältere Wählerschaft"

Christina Bischoff/ Grüne Jugend/
Christina Bischoff (19) ist für die Jungen Grünen in Karlsruhe politisch aktiv. | Bild: Grüne Jugend

Christina Bischoff ist 19 Jahre alt und Studentin in Karlsruhe. Politisches Interesse war bei ihr nach eigener Aussage schon immer vorhanden. Politisches Engagement ist ihrer Meinung nach über viele Themen hinweg vor allem in Parteien möglich. "Ich habe mich 2016 der Grünen Jugend angeschlossen, weil ich der Meinung bin, dass Ökologie eines der Kernthemen in der Politik sein sollte und dass Nachhaltigkeit immer Kriterium bei politischen Entscheidungen sein sollte." Seit Juli 2017 ist Christina auch im vierköpfigen Vorstand der Grünen Jugend Karlsruhe.

Alle Parteien sind aus Bischoffs Sicht in der Pflicht, jungen Menschen ein gewisses Angebot zur Verfügung zu stellen und sich mehr mit Themen zu befassen, die auch junge Menschen betreffen. Hier müsste aus ihrer Sicht ein Schwerpunkt in Richtung Generationengerechtigkeit geschaffen werden. "Um mehr jüngere Menschen anzusprechen, ist es wichtig das Parteien wieder einen größeren Schwerpunkt auf Themen legen, die konkret junge Menschen betreffen. Außerdem sollten die Meinungen und Ideen jüngerer Menschen ernster genommen werden und nicht automatisch als naiv kategorisiert werden, findet sie.
"Es ist wichtig sich zu informieren und sein Wahlrecht zu nutzen."

"Aktuell haben wir rund 15 aktive Mitglieder die sich regelmäßig treffen und Aktionen organisieren. Die Gesamtzahl an Mitgliedern ist ungefähr dreimal so hoch", erklärt Christina. Der Großteil der jungen Grünen in Karlsruhe besteht dabei aus jungen Erwachsenen, im Studenten- oder Abiturientenalter. 

Emelie Gruber (Linke): "Nur durch politisches Engagement lassen sich Dinge verändern"

Für Emilie Gruber aus Karlsruhe ist die Linksjugend nach eigenen Angaben die einzige Jugendorganisation die ihre Positionen vertritt. Die Schülerin ist 17 Jahre alt und seit anderthalb Jahren bei der Karlsruher Jugendorganisation, der Linkspartei engagiert. "Nur durch politisches Engagement lassen sich Dinge verändern", ist sich die Schülerin sicher. 

Von ihrem politischen Engagement ist Gruber deshalb überzeugt, weil der Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Faschismus und Umweltzerstörung sowie für eine solidarische und weltoffene Gesellschaft wichtig und notwendig sei. "Politik betrifft uns alle im alltäglichen Leben, daher sollte jeder sein Recht und die Möglichkeit zur Mitgestaltung wahrnehmen."

Ursachen für Armut, Chancenungleichheit oder Rassismus seien aus ihrer Sicht meistens in politischen Verhältnissen zu finden. "Nur, wer sich für Politik interessiert und sich engagiert, kann die Welt verändern." Durch mehr Mitbestimmung innerhalb der Partei und stärkere Beteiligung der Basis, Jugendlichen zuhören, dominante Gesprächskulturen abbauen und offener gegenüber neuen Ideen zu sein, könnte aus Emilies Sicht wieder mehr politisches Interesse bei Jugendlichen geweckt werden.   

In Karlsruhe hat die Linksjugend nach eigenen Angaben derzeit über 100 Mitglieder. Der Altersschnitt der Linksjugend in Karlsruhe beträgt 21 Jahre und umfasst gleichermaßen Jugendliche als auch junge Erwachsene. Damit ist die Linksjugend die im Durchschnitt jüngste Jugendorganisation der großen Parteien in Karlsruhe.

Dominik Stahl (AfD): "Die Demokratie bietet jedem Bürger die Möglichkeit, die Zukunft des Landes mitzugestalten."

Daniel Stahl (28) engagiert sich bei der Jugendorganisation der AfD. | Bild: Daniel Stahl

Dominik Stahl ist 28 Jahre alt und arbeitet als Angestellter. Seit Anfang 2014 ist er Mitglied der Jungen Alternative und derzeit ihr Sprecher für den Bezirksverband Nordbaden. "Ich bin in die Junge Alternative eingetreten, weil mich die Inhalte überzeugt haben, ich mich mit den vertretenen Werten identifizieren kann und Politik eigenständig mitgestalten möchte", nennt Dominik Stahl seine Beweggründe sich in der Jugendorganisation der Alternative für Deutschland zu engagieren.

In anderen Parteien und Jugendorganisationen sieht er nach eigenen Angaben keinen Platz für seine konservativen und freiheitlichen Ansichten. "Die Demokratie bietet jedem Bürger die Möglichkeit, die Zukunft des Landes mitzugestalten. Wir sollten es als unser demokratisches Recht sehen, unsere eigenen Überzeugungen in die Politik zu tragen und dafür einzustehen."

Aus seiner Sicht sollten Jugendliche die Möglichkeiten nutzen, ihre eigene Zukunft mit zu gestalten. "Jungen Menschen muss die Tragweite politischer Entscheidungen erläutert werden und wie die Lebensbereiche eines jeden Einzelnen davon betroffen sind", erklärt Dominik. Um auch aktiv mitwirken zu können, sollten Parteien aus seiner Sicht einen weiteren Schritt auf die Jugend zugehen und netzbasierte Möglichkeiten der Mitarbeit schaffen.

Der Altersdurchschnitt der Jungen Alternative im Bezirksverband Nordbaden beträgt rund 23 Jahre. Dabei besteht der Großteil der Mitglieder aus jungen Erwachsenen. Laut Dominik laufen derzeit Planungen an, um in Karlsruhe einen eigenen Kreisverband zu gründen. Der Bezirksverband Nordbaden umfasst aktuell rund 50 Mitglieder.

Mehr zum Thema
Bundestagswahl 2017 in Karlsruhe: Infos und Ergebnisse der Bundestagswahl 2017: Im Dossier zur Wahl des Deutschen Bundestages am 24. September 2017 sammeln wir die gesamte Berichterstattung rund um die Bundestagswahl 2017. Außerdem: Infos zu den Kandidaten aus Karlsruhe Ingo Wellenreuther (CDU), Parsa Marvi (SPD), Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), Michel Brandt (Linke), Michael Theurer (FDP) und Marc Bernhard (AfD).


Alle Ergebnisse aus Karlsruhe und Baden-Württemberg gibt es ab Sonntag im ka-news-Wahlportal: ka-news-Wahlportal

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  •   kritiker_2014
    (246 Beiträge)

    24.09.2017 00:48 Uhr
    So engagiert sich die Jugend in Karlsuhe für Politik
    Tobias Kopf CDU
    Konservatismus, Familie und Eigenverantwortung.Die CDU hat schon längst den konservativen Pfad verlassen.
    Nur deshalb gibt es die AfD.
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    Michael Brauner SPD
    Wie stehen Sie eigentlich zu Martin Schulz,der sich in Brüssel als Spesenritter unrechtmäßig bereichert hat und jetzt über soziale Gerechtigkeit spricht?
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    Emelie Gruber Linke
    Ihr Direktkandidat Brandt von den Linken ist gleichzeitig aktiv bei der Antifa.
    Die Antifa ist eine linksextremistische Gruppierung und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
    Wie stehen Sie eigentlich dazu?
    Über die grünen braucht man kein Wort zu verlieren,die sind für mich unwählbar.
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  •   kuba
    (874 Beiträge)

    24.09.2017 14:59 Uhr
    Hier ein paar Gründe, für die AfD zu stimmen
    ◾Glauben Sie, dass es Ihr Leben und das Ihrer Verwandten und Freunde verbessern wird, wenn wir alle jetzt anfangen, "stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen", so wie AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland?
    ◾Oder glauben Sie, so wie der Kaiserslauterner  AfD-Direktkandidat Stefan Scheil, dass Polen eigentlich Deutschland erobern wollte, damals, 1939? Dass Hitler dem Feind bloß zuvorkam?
    ◾Glauben Sie, so wie zum Beispiel der  niedersächsische AfD-Kandidat Wilhelm von Gottberg, der Holocaust werde hierzulande wie ein "Mythos" behandelt, als "ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt"?
    ◾Möchten Sie, so wie Björn Höcke, eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad"?
    ◾Glauben Sie, wie von Gottberg und viele seiner Parteifreunde, dass es einen "Kult mit der Schuld" gibt hierzulande, und dass es Ihnen, Ihren Freunden und Verwandten besser ginge, wenn der beendet würde?
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  •   kuba
    (874 Beiträge)

    24.09.2017 12:24 Uhr
    Und die AfD
    kritisieren Sie nicht. Den Herrn Höcke, der offen antsemitische Parolen von sich gibt und ausländerfeindliche Hetze betreibt. Der HerrHerr Meuthen, der ein Antisemit und Ausländerfeind ist und der seinen Professorentitel der grün/rot "versifften" Reformpolitik verdankt, die Frau Petrya, die wegen Meineid angeklagt wird und und und. Ach ja, und der Gauland, der nicht neben dem Boateng wohnen will und der die Verbrechen der deutschen Wehrmacht über den grünen Klee lobt. Da könnte man nicht soviel essen wie man kotzen möchte.

    Außerdem bezieht die AfD illegale Parteispenden aus der Schweiz und die lespische Frau Weidling hat wohl auch Schwierigkeiten, die überholte Familienpolitik der AfD zu leben, irgendwie gaga. Zudem wohnt sie wohl in der Schweiz und dürfte hier garnicht kanditieren. Noch mehr? Dann schauen Sie mal in die Zeitung.
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  •   dipfele
    (4179 Beiträge)

    23.09.2017 20:07 Uhr
    Von Konservatismus ...
    .. und Eigenverantwortung allein kann man nicht leben.
    Zwei Themen wurde bei den Jungpolitikern komplett ausgespart: Die hohe Steuerlast - es gibt neben der MwSt über 30 indirekte Steuern- und die Geldverschwendung durch den Bau von Prestigeprojekten. Warum frägt keiner der Jungen nach dem Nutzen des Kombitunnels? Was könnte alles für 1,1 Milliarden gemacht werden im Oberflächenverkehr, in sozialen Bereichen? Politiker die solche Geldverschwendung für gut heissen, müsen konsequent abgewählt werden. Das Hinterfragen von Geldausgaben muss noch geübt werden.
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