Karlsruhe Blogs in Karlsruhe: Dr. Frankenskate hält über Roller Derby auf dem Laufenden

Zehn Frauen auf Rollschuhen, in knappen Höschen, mit starker Schminke im Gesicht sausen im Kreis rum und machen sich mit Body Checks den Weg frei. Willkommen beim Roller Derby. Die noch recht junge Sportart ist inzwischen auch in Karlsruhe eingerollt. Seit 2010 gibt es dort die rocKArollers Roller Derby Karlsruhe. Deren Bench Coach, Benjamin Börzel aka Dr. Frankenskate, betreibt den ersten deutschen Roller Derby Blog und informiert über alles, was in der Szene abgeht.

Sie machen einen Blog über die Sportart Roller Derby. Was ist das überhaupt?
Roller Derby ist eine schnelle Vollkontakt-Sportart, die auf einer ovalen Flachbahn, dem Track, gespielt wird. Dort treffen zwei Teams aus jeweils fünf Spielerinnen aufeinander. Ein Team besteht aus jeweils 4 Blockerinnen - das sogenannte Pack - und einer Punktemacherin, der Jammerin, erkennbar an einer Helmhaube mit Stern. Diese muss sich den Weg durch das Pack mit Hilfe von Hip- oder Shoulder-Checks bahnen.

Arme und Ellenbogen darf sie nicht benutzen. Auch Schubsen, Schlagen oder Beinestellen sind nicht erlaubt. Das eigene Team hilft ihr dabei durch das Pack zu kommen und versucht gleichzeitig die gegnerische Jammerin davon abzuhalten. Ist die Jammerin einmal durch das Pack, muss sie lossprinten und erhält dann für jede überrundete Gegenspielerin einen Punkt. Ein solcher Jam dauert maximal 2 Minuten - ein Spiel, genannt Bout, zweimal 30 Minuten. Am Ende gewinnt das Team mit den meisten Punkten.

Woher kommt die Sportart?
Ursprünglich kommt Roller Derby aus den USA. Entwickelt hat sich der Sport in den frühen 1930ern aus den Sechstagerennen. Dort skateten gemischte Teams so lange um die Wette, bis nur noch eines übrig blieb. In den frühen 1940er Jahren wurde die Sportart überarbeitet - mit neuen Regeln und einem Punktesystem. So entstand eine Art Wrestling auf Rollschuhen. In den 1970ern verschwand Roller Derby wieder in der Versenkung.

1999 kam der Sport in seiner heutigen Form durch ein Team in Texas wieder ans Tageslicht. 2004 wurde der internationale Dachverband, die Womens Flat Track Derby Association, gegründet und ein einheitliches Regelwerk erstellt. 2006 wurde die erste europäische Mannschaft, die London Roller Girls, gegründet. Im selben Jahr starteten Frauen aus Stuttgart das erste deutsche Team, die Stuttgart Valley Rollergirlz. Inzwischen sind es um die 20 Teams - eines davon sind die rocKArollers Roller Derby im SSC Karlsruhe, die am 7. Juli ihren ersten Bout in der Rheinstrandhalle bestritten.

Warum machen Sie als Mann einen Blog für eine Frauensportart? Was verbindet Sie mit dem Sport?
Meine Mitbewohnerin ist über das Internet auf Roller Derby aufmerksam worden. Wir sind gemeinsam zu einem Spiel der Stuttgart Valley Rollergirlz gefahren. Seitdem bin ich dem Roller Derby verfallen. Seit März 2011 stehe ich auf Skates und habe als Schiedsrichter bei den rocKArollers angefangen. Seit kurzem bin nun als Bench Coach für mein Team im Einsatz. An der Sportart fasziniert mich die Geschwindigkeit, mit der teilweise gespielt wird, die Rempeleien und Blocks, die taktischen Finessen, mit denen man in diesem Spiel viel erreichen kann und die teilweise erstaunlichen athletischen, skaterischen Fähigkeiten der Spielerinnen.

Beim Roller Derby geht es sehr heftig zu und trotzdem spielen es nur Frauen. Warum?
Als Roller Derby 1999 in seiner jetzigen Form erschien, war diese Neugründung von weiblichen Amateuren dominiert, von denen viele in Verbindung zur Punk-Bewegung standen. In den USA gibt es mittlerweile auch Männer-Mannschaften. Für viele Frauen ist die Sportart gerade deshalb interessant, weil es sehr heftig zugeht. Sie fordert den ganzen Körper und den Kopf. Man muss nicht nur gut skaten können und braucht eine gute Kondition und Körperspannung. Man muss im Spiel auch mal blitzschnell zwischen Angriff und Verteidigung umschalten können. Da es bisher in Deutschland noch keine Jugendarbeit gibt , kann jeder bei entsprechendem Training und Einsatz relativ schnell auf ein recht professionelles Level kommen.

Dunkles Make-up, knappe Höschen, martialische "Künstlernamen" - was hat es damit auf sich?
Die Netzstrümpfe, Hotpants und Derbynamen sind noch Überbleibsel aus den Anfängen, als Derby aus einer feministischen Punk-Bewegung heraus entstand. Jedes Roller Girl hat einen Derbynamen, der meist etwas mit ihrer eigenen Persönlichkeit zu tun hat - lustige und ab und an martialische Wortkombination.

Auch Referees haben solche Derby Namen. Frau Hölle, Donna Wetter, Track Gyver, Martha Pfahl, Effi Biest oder eben Dr. Frankenskate sind nur wenige Beispiele. Die Namen sind weltweit einzigartig und werden in einer großen Datenbank registriert. Und die "knappen Höschen" haben auch einen sportlichen Aspekt: Sie lassen sehr viel Bewegungsfreiheit zu.

Was erwartet die Leser auf dem ersten deutschen Roller Derby-Blog?
Ich betreibe den Blog zusammen mit meiner Teamkameradin Effi Biest. Wir halten die schnell wachsende Derby-Gemeinde auf dem Laufenden. Wir schreiben Spielberichte von kürzlich vergangenen Spielen, Testberichte über Equipment, Drills fürs Training und sonstige Tipps und Tricks rund um Roller Derby. Im Internet gibt es einige englischsprachige Blogs, hauptsächlich in den USA und England, die über das Geschehen der dortigen Roller Derby Szene berichten. In Deutschland sind wir der erste.

Was machen Sie im Leben außerhalb des Tracks?
Ich betreibe nebenberuflich einen Roller Derby-Online Shop. Mein Traum und Ziel ist es hier in Karlsruhe einen kleinen Roller Derby Laden zu eröffnen. Bis dahin ist es noch aber viel Arbeit. Meine hauptberufliche Tätigkeit hat mit Sport überhaupt nichts am Hut. Ich bin Systemadministrator in einer Spieleschmiede hier in Karlsruhe und betreue das interne Netzwerk und Office PCs.

Fragen: Sandra Schneider

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