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Karlsruhe Bildungsstreik: Innnenstadt zeitweise blockiert

Etwa 3000 Schüler und Studenten versammelten sich heute auf dem Friedrichsplatz zu einer Demonstration anlässlich der bundesweiten Bildungsstreikwoche. Punkt 10 Uhr startete der Streikzug durch die Karlsruher Innenstadt, bei dem die Teilnehmer ihrem Unmut über die Situation im Bildungssystem Luft machten.

Mit Plakaten, Banner und Schilder ausgerüstet zogen die Streikenden nach einer Eröffnungskundgebung auf dem Friedrichsplatz die Erbprinzenstraße entlang zur Karlstraße und legte den Straßenbahnverkehr auf der Kaiserstraße kurzzeitig lahm.

Mit von der Partie waren verschiedene politische Gruppierungen unter anderem die Juso-Hochschulgruppe, die Grüne Hochschulgruppe, die Linksjugend "['solid]" und die Piratenpartei. Daneben beteiligten sich auch eine Vielzahl von Schülern und Studenten, die ihre Kurse sausen ließen, um auf die Bildungsproblematik aufmerksam zu machen.

Aufmerksamkeit für die Mängel an den staatlichen Schulen erhoffen sich auch Miri, Emma und Sina vom Markgrafen-Gymnasium in Durlach. Die Elftklässlerinnen beklagen besonders die Aussicht auf die im nächsten Jahr einzurichtende Doppelkurse.

Manche Lehrer drohen bei Fehlen im Unterricht mit Nachsitzen

In diesen sollen der letzte G9-Jahrgang und der erste G8-Jahrgang gemeinsam auf das Abitur vorbereitet werden. Doch dafür ist ihrer Meinung nach weder Platz, noch gibt es an ihrer Schule eine entsprechende Anzahl Lehrer, die die organisatorischen und inhaltlichen Anforderungen stemmen könnte.

Von ihren Lehrern fühlen sich die drei Mädchen bei ihrer Streikteilnahme allein gelassen. Manche Lehrer hätten sogar mit Nachsitzen und ähnlichen Sanktionen gedroht, sollten die Schüler heute morgen im Unterricht fehlen. Miri, Emma und Sina zeigen sich davon weniger beeindruckt und marschieren fröhlich im Tross die Erbprinzenstraße entlang.

Verbesserungsbedarf auch auf Privatschulen

In diesem laufen auch David, Sebastian und Larissa mit. Die drei Schüler vom privaten Heisenberg-Gymnasium sind um die Situationen des öffentlichen Bildungssystems besorgt, wissen jedoch auch, dass selbst an Privatschulen nicht alles reibungslos funktioniert. So beklagen sie die Einführung des Faches "Naturwissenschaft und Technik" ("NWT"), ohne dass die Lehrer im Vorfeld darin ausreichend geschult worden wären.

Verschultes Studiensystem an der PH verlangt Anwesenheitspflicht im Kurs

Als Mitglied der GEW-Hochschulgruppe an der Pädagogischen Hochschule hat Deborah Scheller bereits an der Streikaktion im vergangenen Jahr teilgenommen. Grundsätzlich geändert haben sich ihrer Meinung nach die Bedingungen an der PH seit damals nicht, sagt sie.

Noch immer bestimme ein verschultes Studiensystem mit Anwesenheitspflicht und ähnlichem das Studieren an der PH. Davon müsse man sich verabschieden und sich auch als Student Gedanken über die (Weiter-)Entwicklung der Bildung hierzulande machen, ist sich die Lehramtsstudentin sicher.

Forderung nach mehr aktivem Mitspracherecht an der Uni

Fehlende Miteinbeziehung in grundlegende Entscheidungsfragen an der Uni Karlsruhe bemängelt Yannik Ille. Der Student des Chemieingenieurwesens sieht diese besonders beim Beschluss des Zusammenschlusses des Forschungszentrums und der Universität zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). 

Zwar sei eine Abstimmung unter den Studenten zu dieser Frage durchgeführt worden, nur sei diese wohl eher als Alibi-Befragung geschehen. Einen ausschlaggebenden Einfluss auf die Entscheidung bezweifelt er.

Dabei sieht der zukünftige Diplomingenieur das Mitbestimmungsrecht der Studenten an der Uni stark beschnitten und glaubt, dass "wenn die Studenten die Uni nicht mitgestalten können, ist die Uni tot."

Bahnhofblockade in Freiburg

Während die Demonstration in Karlsruhe ohne besondere Zwischenfälle verlief, vollzogen sich die Streiks in anderen Städten in Baden-Württemberg nicht immer friedlich. So blockierten in Freiburg etwa 500 Studenten mehrere Gleise am Hauptbahnhof.

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Kommentare (10)
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    10.06.2010 10:47 Uhr
    Skatenite + Streiks
    Könnte man das nicht zusammenlegen? Die "Störung " wäre dann auf ein Minumun reduziert und alle hätten ihren Spaß... zwinkern
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  • unbekannt
    (1981 Beiträge)

    10.06.2010 10:12 Uhr
    ich denk es tut allen Leid
    dass die Studies der Chemieingenieiurwesesn nicht gefragt wurden, ob FZK und Uni fusionieren dürfen, Herr Ille. Das nächste Mal sollte natürlich auch beim KIT-Gesetz die Erlaubnis der Studierenden eingeholt werden, bevor das Ministerium da eine Entscheidung trifft. Vielleicht fühlen sich ja auch zur Leitung des KIT berufen. Bewerben sie sich doch mal bei Frankenberg. grinsen :-p
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    10.06.2010 09:32 Uhr
    xox
    Also es war gestern schon beeindruckend, wie die Schüler durch die Stadt gezogen sind. Die gehen noch für Ihre Sache auf die Straße.
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  •   minocyclin
    (168 Beiträge)

    10.06.2010 08:15 Uhr
    Lustig eher nicht!
    Ich weiss nicht was daran deiner Meinung nach lustig sein soll.
    Haben diese Gruppen nicht ebenso eine Meinung und ein Recht zu demonstrieren wie andere? Muss man arbeiten gehen um eine Meinung äußern zu dürfen? Ich denke nicht. Und gerade im Bildungssystem läuft einiges schief, und es war schon lange Zeit, dass dies mal gesagt wird. Abgesehen davon sind die heutigen Bachelor Studiengänge sicher alles andere als entspannt oder lustig...

    Abgesehen davon geht es auch dich was an... diese Schüler und Studenten zahlen schließlich später unsere Rente!
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    10.06.2010 10:49 Uhr
    für meine Rente sorge ich schon selber...
    und verlasse mich nicht auf ein völlig marodes System, das hinten und vorne nicht funktioniert.
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  •   mcclaney
    (1342 Beiträge)

    10.06.2010 11:12 Uhr
    ...
    Na dann ist ja alles in Butter.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    10.06.2010 02:58 Uhr
    Streikende
    Schüler und Studenten, das ist schon irgendwie eine lustige Vorstellung. Bald 'streiken' wahrscheinlich die H4er und legen auf unbestimmte Zeit die Arbeit nieder.... zwinkern
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  • unbekannt
    (9 Beiträge)

    10.06.2010 13:40 Uhr
    aber sicher doch
    ich war selbst dabei obwohl ich eig. nicht demonstriere aber in dieser hinsicht hab auch ich mich auf die straße bewegt, und ausserdem ist die schule unsere arbeit und wie haben ein recht auf gescheite bildung, was soll denn sonst aus uns werden, die rentner beschweren sich nur "die jugend heutzutage" aber woran es liegt das sieht keiner!
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    10.06.2010 14:26 Uhr
    liegt wohl eher an...
    den "Erziehenden" als an den Schulen.
    Die Schule/die Lehrer sind nicht für die Erziehung der Kinder/Jungend zuständig, sondern für die Bildung bzw. deren Vermittlung durch Wissen.
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  • unbekannt
    (9 Beiträge)

    24.06.2010 12:02 Uhr
    von erziehung ist garnicht die rede
    Das die Erziehung in Händen der Eltern liegt das is richtig, hierbei geht es aber überhaupt nicht um Erziehung sondern um Bildung, zwischen Erziehung und Bildung liegt ein sehr großer Unterschied, und das dieses Bildungssystem versagt das sieht man in Statistiken und Vergleichen zu anderen Ländern!
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