Wer am frühen Morgen gegen 3.30 Uhr aus der Kneipe oder Bar kommt, der will oft keinen Gedanken mehr an Bier verschwenden. Anders sieht es bei Alex Gutbrod aus. Wenn er am Hauptfriedhof aus der Bahn steigt und ihm auf Höhe der Hoepfner Bierburg der Geruch von Bier in die Nase steigt, ist er zufrieden. "Es ist einfach traumhaft", schwärmt Gutbrod.

Bereits seit fast 40 Jahren arbeitet er als Brauer und Mälzer in Karlsruhe. Lange Zeit war die Bierburg nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch sein Wohnort. "Da ist man dann noch viel näher dran", beschreibt Gutbrod. Aber diese Zeit hatte seine Vor- und Nachteile: "Ab und an bin ich auch mal nach Feierabend nochmal runter gegangen und habe etwas gemacht." Seine Frau habe das nicht gestört. "Wir sind nur weggezogen, weil wir uns eine Eigentumswohnung gekauft haben, als Altersvorsorge."

Die erste Schicht beginnt mitten in der Nacht

Seither muss er etwas früher aufstehen, um pünktlich bei der Arbeit zu sein. "Der Partner muss da schon Verständnis für diese Schichtarbeit haben." Der erste Biersud wird um 3.30 Uhr angesetzt. Vieles macht dabei zwar schon ein Computer, aber Gutbrod und seine Kollegen sind zur Kontrolle trotzdem mit dabei. Bis zum Abend eines jeden Abends werden es dann fünf bis sechs Sude angelegt sein.

Der Brauer ist dann nicht nur für einen Arbeitsschritt zuständig: "Ich mache quasi meinen eigenen Sud und begleite ihn bis er komplett fertig ist." Um das zu ermöglichen, ist er im Wechsel eine Schicht im Sudhaus, in der nächsten Woche dann im Gärkeller. "Ich bin in der ganzen Brauerei unterwegs, außer bei der Flaschenabfüllung", sagt Gutbrod. "Da springen wir aber auch manchmal ein."

Ein noch größerer Teil der Arbeit macht allerdings nicht das Bierbrauen selbst aus. "Wir lernen von Anfang an, sauber zu arbeiten", so der gebürtige Karlsruher Gudbrot. "Dazu gehört auch viel Reinigungsarbeit in den Tanks und Läuterbottichen." Und so kam es, dass er auch in den eigenen vier Wänden für das Putzen zuständig ist. "Meine Frau fragt dann schon mal, welches Putzmittel man am besten für eine bestimmte Stelle benutzen sollte", erzählt er lachend.

Brauer und Mälzer sitzen nicht nur am Computer

So sitzt er während seiner Schicht nur nur vor einem Computer. Nachdem der Sud fertig ist, muss er in den Gärkeller umgefüllt werden. "Hier ist noch richtig Handarbeit angesagt", so der Bierbrauer. Denn die Schläuche vom kupfernen Sudkessel bis zum Gärkeller werden jedes Mal aufs Neue von Hand verbunden.

"Gärkeller und Sudhaus ist hier etwas ganz Besonderes", beschreibt der Mälzer und Brauer. Im Gegensatz zu anderen Brauereien sind viele Behälter noch offen. "Man ist so direkt am Produkt", so Gudbrot. Bei neueren Brauereien sei das nicht mehr so, dort ist das Bier hinter Edelstahlwänden und Rohren verborgen. "Auch wenn dort dafür natürlich alles etwas größer ist."

Unter den Karlsruher Bierbrauern selbst herrscht ein guter Kontakt: "Die Szene ist sehr klein, man kennt sich da schon", sagt Gutbrod. "Und wir Bierbrauer halten zusammen". Es komme dann schon mal vor, dass man sich gegenseitig beim Umzug hilft. "Aber natürlich plaudert keiner die Rezepte der eigenen Brauerei aus", so der Mitarbeiter von Hoepfner.

"Wir brauen sogar in unserer Freizeit Bier."

Wer glaubt, ein Bierbrauer könne am Ende des Tages kein Bier mehr sehen, irrt bei Alex Gutbrod. "Wein trinke ich gar nicht, der bekommt mir nicht." Dafür trinkt er gerne mal ein Pils oder ein Weizen - die Klassiker eben. "Natürlich auch mal die von der Konkurrenz, aber das schmeckt mir meist nicht so gut, wie das selbst gebraute Bier." Von Vorteil für Gutbrod ist es, dass jeder Mitarbeiter pro Monat 99 Liter Haustrunk bekommt.

Von der Arbeit kriegen er und seine Kollegen nicht genug: "Wir brauen sogar in unserer Freizeit Bier." So haben die Brauer sich eine eigene Anlage gebaut, in der bis zu 25 Liter Bier gemacht werden können. Da werden dann auch Rezepte ausprobiert, die nicht im Sortiment des Arbeitgebers Platz finden.

"Wir kriegen einfach nicht genug." Anschließend werden die eigenen Kreationen dann verkostet. "Ich habe einfach eine Leidenschaft fürs Brauen", sagt er. Seitdem er ein Praktikum gemacht hat, ist er nach der Ausbildung ohne Unterbrechnug als Brauer und Mälzer tätig. "Es hat mich von Anfang an einfach in seinen Bann gezogen." Und diese Leidenschaft geht über den Feierabend hinaus: "Ab und an denke ich auch zu Hause nochmal drüber nach, ob ich nicht irgendwas vergessen habe." Nicht, dass 'sein' Bier nicht gelingt.
Mehr zum Thema ein-tag-mit: Ein Tag mit... die neue ka-news Reportage-Reihe