Die Bundesregierung erarbeitet derzeit den neuen Bundesverkehrswegeplan - eine Art Investitionsrahmen für Straßen, Schienen und andere Verkehre in der Republik. Eine der Grundlagen des Plans ist die "Korridorstudie Mittelrhein". Die Studie empfiehlt, die bislang zweigleisige Strecke von Graben-Neudorf nach Karlsruhe auf vier Gleise zu erweitern.

"Schienentrasse so breit wie die A5"

Die Anwohner im Norden der Fächerstadt befürchten dadurch eine massive Verschlechterung ihrer Wohnqualität: "Höhere Lärmbelastung, mehr Feinstaub, ständige Erschütterungen", heißt es auf der Website der Bürgerinitiative "Hagsfeld zweigleisig", die sich gegen den Ausbau einsetzt. Derzeit rollen Güterzüge auf zwei Gleisen durch den Stadtteil im Karlsruher Nordosten - hinzu kommen zwei Stadtbahngleise.

Mit dem Ausbau würden sechs Gleise durch den Ort führen. Laut der Bürgerinitiative könnte die Verdopplung der Gleise für den Frachtverkehr bedeuten, dass bis zu 660 Güterzüge pro Tag durch den Stadtteil fahren: "Das wäre eine Schienentrasse so breit wie die Autobahn A5", heißt es dazu auf der Website. Die Bürgerinitiative fordert, neben dem vorgeschlagenen Ausbau dieser Strecke, auch andere Möglichkeiten zu prüfen.

RVMO fordert "ausgewogene Betrachtung"

Für ein breiteres Blickfeld bei der Planung wirbt auch Karlsruhes Landtagsabgeordneter Johannes Stober (SPD) in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Stobers Vorschlag: Eine Untertunnelung der Trasse auf Höhe der Ortschaften. Ebenso bringt er eine Umfahrung, etwa entlang der A5, ins Spiel.

Der Landtagsabgeordnete weißt in seinem Brief zudem darauf hin, dass die Gleise der Trasse die geplante Nordtangente-Ost schneiden. Bei einer Umsetzung der Nordtangenten-Pläne könnten sich die Baumaßnahmen aus Stobers Sicht buchstäblich "in die Quere kommen".

Auch der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) stimmt in die Forderungen nach mehr Ausgewogenheit ein: "Der Regionalverband plädiert für eine gesamträumliche Betrachtung, in der die Vor- und Nachteile aller Varianten ausgewogen betrachtet werden", heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Eine "regionale Facharbeitsgruppe", die in Diskussionen mit dem Bund der Bahn tritt, sei bereits eingerichtet, erklärt der RVMO.

Die "Korridorstudie Mittelrhein" wurde im März vom Bundesverkehrsministerium vorgestellt. Das Gutachten sieht den Ausbau verschiedener Trassen im Personen- sowie im Güterverkehr entlang des Rheins vor. Die Studie ist eine der Grundlagen des Bundesverkehrswegeplans, der 2015 neu gestaltet wird. Ob die Empfehlung der Gutachter in den Plan übernommen wird, steht noch nicht fest.

Am Mittwoch, 29. April, findet eine Veranstaltung zum beabsichtigten Streckenneubau statt. Der Termin beginnt um 18 Uhr in der Turnhalle TV Hagsfeld. Das Programm sieht mehrere Redner, darunter Karlsruhes Landtagsabgeordneten Johannes Stober sowie Gisela Splett, Staatssekretärin im  Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, vor. Interessierte Bürger sind willkommen.

Am selben Tag beginnt bereits um 16 Uhr eine Veranstaltung der Bürgerinitiative "Hagsfeld zweigleisig". Unter den Rednern wird unter anderem Ingo Wellenreuter, Karlsruhes CDU-Bundestagsabgeordneter, sein. Die Veranstaltung findet am Bahnhof Hagsfeld statt.

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