Was war passiert? Gegen 8.15 Uhr fuhr ein Arbeiter am Dienstagmorgen  mit seinem gelben Bagger zielstrebig in die Pfinz in Durlach ein Stück stromabwärts, "bis er an der aktuellen Stelle stehen blieb". So beschreibt es ka-Reporterin Sina Reißlehner, die in einem benachbarten Gebäude arbeitet und das Treiben beobachtet hatte.

Zweiter Bagger wollte helfen

Dann sei der Bagger plötzlich eingesunken und nicht mehr weitergekommen. Der Fahrer konnte sich glücklicherweise auf seinem Arbeitsgerät in Sicherheit bringen, verletzt wurde bei der Havarie niemand. "Der Baggerfahrer hat bis auf nasse Füße nichts abbekommen", kommentiert Markus Pulm, Sprecher der Karlsruher Berufsfeuerwehr den Unfall.

Um den Bagger aus seiner misslichen Lage zu befreien, hätten die Arbeiter mit einem zweiten Bagger zunächst versucht einen Damm zu errichten und so die Strömung zu unterbrechen - doch auch dieser Bagger fuhr sich in der nassen Erde fest und blieb stecken.

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Feuerwehr stellt fest: Es besteht keine Gefahr

Es half alles nichts: Nachdem die Rettungsaktion nicht von Erfolg beschienen war, begutachtete am Dienstagabend die Feuerwehr den Unglücksort. Diese untersuchte unter Scheinwerferlicht die Lage vor Ort. Noch am Abend konnte geklärt werden: Es besteht keine konkrete Gefahr für die Umwelt. Betriebsstoffe drohten nicht auszulaufen.

Weiterhin wurde bereits vor Beginn der Bauarbeiten eine Ölsperre auf Höhe der Eisenbahnbrücke eingerichtet, sodass im Notfall ein Verbreiten giftiger Stoffe im Fluss verhindert wird. Die Maßnahme ist Routine: Immer wieder werden Ölbehälter mutwillig in Flüssen versenkt - diese können bei Bau- und Renaturierungsmaßnahmen beschädigt werden und die Umwelt verschmutzen.

Dem Bagger steht das Wasser bis zum Führerhaus.
Dem Bagger steht das Wasser bis zum Führerhaus. | Bild: Philipp Dreusicke/Anglerverein Durlach

Nach der Entwarnung durch die Feuerwehr, wurden die Bergungsarbeiten wurden am Dienstagabend abgebrochen - der Bagger im Wasser belassen. Am Mittwochmorgen wurde ein dritter Bagger vor Ort beordert, der die Arbeit am "rettenden" Damm fortsetzen sollte. Unterstützt wurde er dabei von dem zwischenzeitlich befreiten zweiten Minibagger. Das zeigen Fotos von ka-Reporterin Sina Reißlehner. Mit einer Pumpe versuchte man, das Wasser um den versenkten Bagger abzuschöpfen, um ihn anschließend zu befreien.

Anglerverein sorgt sich um Umwelt

Die Bagger-Rettungsaktion verfolgt auch Philipp Dreusicke. Er ist der Gewässerwart des 1. Anglerverein Durlach 1923. Der Verein hat den betroffenen Gewässerabschnitt von der Stadt gepachtet und ist unter anderem dafür zuständig, dass es im Bereich sauber ist und es eine ausreichende Anzahl an gesunden Fischen gibt.

Doch um genau diese fürchtet er sich nun: Aktuell habe die Bachforelle ihre Laichzeit und sollte Kraftstoff aus dem havarierten Fahrzeug austreten, könnte dieser massiven Schaden verursachen- mal von der schwerwiegenden Umweltbelastung abgesehen. Der Bauunternehmer habe gegenüber dem Verein versichert, dass keine Betriebsstoffe austreten können: Der Bagger sei nagelneu und mit einer elektronischen Sicherung ausgestattet, die das Auslaufen verhindern soll.

 

Video: Philipp Dreusicke/Anglerverein Durlach

Verein wusste von dem Erdloch - nur nicht von den Arbeiten

Generell stößt die Aktion beim Verein auf wenig Verständnis: Vom Unfall habe der Verein erst durch ka-news erfahren. Auch dass an der Stelle überhaupt gebaut wird, geschah ohne Vorankündigung. Bekannt war seit Jahren nur, dass der Bereich renaturiert werden soll, der Uferrand beispielsweise in einen natürlichen Bereich umgestaltet und leichte Kurven angelegt werden sollen.

Das bestätigt auch Hanspeter Postweiler, der 1. Vorsitzende des Anglervereins. Er sagt zudem: Hätte man den Verein vorab informiert, hätte man den Unfall auch verhindern können. Das Loch, in das der Bagger geraten ist, ist dem Verein bekannt: "Es handelt sich hier um ein Bombentrichter aus Kriegszeiten, der mit Schlamm voll gelaufen ist", so Postweiler.

Früherer Baustart wegen eines freien Terminkalenders

Die Terminierung der Bauarbeiten hat sich noch am Mittwoch geklärt: Die Stadt habe sich bei Postweiler gemeldet und aufgeklärt. Die Fachfirma aus dem Saarland habe im Januar noch einen freien Platz im Terminkalender gehabt. Bei der Neu-Planung sei dann versäumt worden, den zuständigen Verein zu informieren.

Und jetzt? Der Verein beobachtet die Rettungsmission für den Bagger und geht von einer aufwändigen Bergung aus. Die Stelle sei immerhin mit schwerem Gerät nicht zu erreichen, ein Kran könne also nicht helfen. Bleibt zu hoffen, dass die Damm-Taktik aufgeht und der Bagger bald wieder trockenen Boden unter den Ketten hat.

Aktualisierung, 17 Uhr: ka-Reporter vor Ort berichten

Von ka-Reporterin Reißlehner heißt es um 16 Uhr: "Mittlerweile ist der eine Teil, in dem der gelbe Bagger steht und durch Sand abgesperrt wurde ausgepumpt. Es waren nur noch ein paar Pfützen mit Wasser zu sehen. Einige Männer arbeiteten am Bagger - jedoch am oberen Teil, wo vermutlich die Elektrik und Lüftung sitzt. Ein Abschlepper steht schon auf der Straße bereit." Wie der Bagger jedoch geborgen werden soll, war noch nicht ersichtlich.

Von ka-Reporter Fabio P. wird gegen 17.30 Uhr berichtet: Die Versuche, den Bagger aus dem Fluss zu ziehen, sind bislang nicht erfolgreich. "Er versucht es, versinkt aber immer wieder." Kurz darauf kommt eine weitere Info von ka-news-Leserin Reißlehner: Der Bagger ist geborgen und steht nun wieder auf festem Grund.

 

Video: ka-Reporter: Fabio P.

 

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