Der Mai meinte es gut mit den Karlsruhern: Nach einem Sonntag mit über 33 Grad war es auch an den vergangenen zumindest teilweise sommerlich warm. Das gute Wetter wurde und wird von den Karlsruhern ausgiebig genutzt. Und so wird es auch bald wieder viele in die Freibäder und Baggerseen in der Region ziehen. Timo Imhof, Einsatzleiter bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Karlsruhe, sieht das nicht ganz ohne Sorge. 

Jeder zweite Grundschüler kann nicht schwimmen 

In den vergangenen Jahren beobachtet der DLRG-Experte einen gefährlichen Trend: Immer wieder weniger Menschen könnten richtig oder überhaupt schwimmen. Deutschlandweit seien im vergangenen Jahr über 500 Menschen ertrunken, erklärt er im Gespräch mit ka-news. Im Zuständigkeitsbereich des DLRG Karlsruhe habe es im vergangenen Jahr 19 Einsätze gegeben. Hierzu zählen Fahrzeugbergungen, Eis-Unfälle, aber eben auch die Suche nach potentiell vermissten Menschen - vor allem Kindern. 

"Bei einer Studie in Bruchsal haben wir festgestellt, dass 64 Prozent der Drittklässler nicht schwimmen können", erklärt Imhof. Soll heißen: Die Kinder haben nach Angaben der DLRG kein "Seepferdchen-Niveau", können also keine 25 Meter am Stück schwimmen. 

Das deckt sich etwa mit den Ergebnissen einer landesweiten Studie der Universität Heidelberg: Diese kam zu dem Ergebnis, dass in 1.500 untersuchten Grundschulen 53 Prozent der Schüler in den zweiten Klassen noch nicht schwimmen konnten. Imhof ist davon überzeugt, dass sich die Ergebnisse aus Bruchsal auch auf Karlsruhe übertragen lassen. "Je größer die Stadt, desto schlechter können die Kinder schwimmen", so seine Erfahrung. 

Es fehlt an Zeit und Wissen 

Aber woher kommt das? Imhof erklärt diese Entwicklung zum einen damit, dass in den vergangenen Jahren im Landkreis immer mehr Schulschwimmbäder geschlossen hätten. Die Folge: Für die dortigen Schulen werde es schwer bis nahezu unmöglich, im Unterricht Schwimmen zu gehen - und wenn, dann seien die Schwimmstunden zu eng getaktet. 

Doch auch die Eltern sieht er immer mehr in der Pflicht. Man dürfe sich nicht allein auf den Schulsport verlassen, mahnt der Experte. Leider beobachte man bei der DLRG, dass oftmals die Zeit fehle, den Kindern Grundkenntnisse beizubringen. "Oft fällt uns auf, dass die Kinder von den Eltern unzureichend oder falsch angeleitet werden", meint Imhof. Wer sein Kind zu einem Schwimmkurs anmelden möchte, muss dies aber rechtzeitig angehen. "Wir haben inzwischen eine zweijährige Warteliste für Anfängerschwimmkurse", so Imhof.

Das Phänomen beschränke sich aber nicht nur auf Kinder. Auch Teenager und Erwachsene überschätzen ihre Fähigkeiten. Auch sie können laut DLRG immer schlechter schwimmen - und das zeige sich auch an den Einsatzzahlen: "Es wird tendenziell mehr", so Imhof gegenüber ka-news. Die traurige Bilanz: 13 Menschen ertranken laut Imhof rund um Karlsruhe beim Schwimmen. Der Einsatzleiter appelliert daher an jeden Badegast, sich an die aufgestellten Regeln zu halten: "Wenn man sie beherzigen würde, müssten wir nicht so oft ausrücken." 

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Die DLRG Bruchsal will zum Start in die neue Freibadsaison das Schwimmniveau vieler Kinder verbessern. Die Rettungsgesellschaft hat aus diesem Grund das Projekt "Seepferdchen Helden" ins Leben gerufen. Bei einem großen Aktionstag am 18. Juni in Bruchsal werden Anfängerschwimmkurse angeboten. Weitere Termine in der Region Karlsruhe sind in Planung. 

Auch das Freibad Wölfe in Karlsruhe bietet in diesem Jahr wieder Schwimmkurse an. Dort sind noch Plätze frei. Der Open-Air-Schwimmkurs findet jeweils montags bis donnerstags und sonntags ab 14 Uhr statt. Ein laufender Einstieg und die flexible Wahl der Termine ist möglich. Eine Festlegung auf einen konkreten Wochentag oder einen Zeitraum ist nicht erforderlich.

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