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Karlsruhe Verboten! Warum Karlsruhes Baggerseen keine Badeseen sind

Das Baden in Gewässern der Stadt Karlsruhe ist verboten. Das Rathaus verweist auf die kostenpflichtigen Schwimm- und Freibäder, die genug Möglichkeiten zum Schwimmen bieten würden. Trotzdem ignorieren jeden Sommer tausende Bürger das Badeverbot und schwimmen auf eigene Gefahr in den Seen. Die DLRG Durlach warnt nun vor den Gefahren.

Für Tausende startet mit den steigenden Temperaturen die Badesaison. Doch wer den Sprung in ein Badegewässer der Stadt Karlsruhe wagt, der bricht geltendes Recht. Laut einer seit 1979 bestehenden Verordnung ist das Baden und Tauchen in öffentlichen Gewässern im Stadtgebiet Karlsruhe verboten. Davon betroffen sind die Baggerseen Grötzingen und Neureut sowie der Heidesee bei Neureut.

Die Stadt begründet das Verbot auf Anfrage von ka-news wie folgt: "Die Stadt Karlsruhe bietet den Bürgern über die Bäderbetriebe eine ganze Anzahl von Bädern - mit Badepersonal, Infrastruktur sowie unter anderem auch permanente Wasserkontrollen - an. Angesicht dieser vielfältigen erlaubten Wasserflächen engagiert sich die Stadt nicht zusätzlich an auf der Gemarkung Karlsruhe liegenden Baggerseen."

In 22 Seen im Landkreis Karlsruhe ist Baden erlaubt

Die Karlsruher Bürger werden damit auf die kostenpflichtigen Schwimm- und Freizeitbäder verwiesen. Dabei lässt sich das Baden in Gewässern nach Paragraf 28 des Wassergesetzes von Baden-Württemberg zwar verbieten, es braucht allerdings einen exakt definierten Grund: Das Baden kann "aus Gründen des Wohls der Allgemeinheit, insbesondere der Ordnung des Wasserhaushalts, der Sicherstellung der Erholung, des Schutzes der Natur oder der Abwehr von Gefahren" verboten werden (Link führt zu Wassergesetz als PDF). Darüber hinaus genießt das 33 Jahre alte Badeverbot der Stadt Karlsruhe einen Sonderstatus. Denn laut Landratsamt Karlsruhe gibt es im gleichnamigen Landkreis 22 zugelassene Badeseen - in keinem davon ist das Baden verboten.

Nur sporadische Kontrollen

Trotz des Verbots widersetzen sich Bürger der Verordnung und gehen in den betreffenden Seen regelmäßig illegal baden. Der Stadt Karlsruhe ist bekannt, dass es am Grötzinger Baggersee große Anstürme von Menschen gibt: "Speziell in Grötzingen haben die Freizeitaktivitäten ein Ausmaß angenommen, das zur Beeinträchtigung des Landschaftsschutzgebietes führt."

Dennoch scheint die Stadt das Badeverbot nicht konsequent durchzusetzen. Laut Michael Deufel, erster Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Durlach, würden "viele Menschen" am Baggersee baden. Der erfahrene Rettungsschwimmer habe aber noch von"keinem Fall gehört", bei dem ein Bürger eine "Strafe wegen unerlaubten Badens" bekommen hätte. Die Stadt Karlsruhe verweist darauf, nur sporadisch zu kontrollieren und stattdessen Verständnis für das Badeverbot wecken zu wollen.

Wasserqualität wird nur selten überprüft

Das illegale Baden ist jedoch nicht ungefährlich. Zum einen ist die Stadt Karlsruhe aufgrund des Badeverbots nicht verpflichtet, das Wasser auf seine Qualität zu überprüfen und nimmt nach eigenen Angaben "keine regelmäßigen Wasserproben". Damit setzen sich Badende der Gefahr aus, in gesundheitlich bedenklichem Wasser zu schwimmen.

Zum anderen ist zumindest der Grötzinger See seit diesem Jahr unbewacht. Wer ertrinkt, stirbt unbemerkt. Die DLRG Ortsgruppe Durlach hat bis zum vergangenen Jahr regelmäßig Badeaufsicht geleistet, die Überwachung dieses Jahr jedoch eingestellt. Der Wachdienst der DLRG, so Vorsitzender Deufel, sei "nicht so gewünscht gewesen". Man sei von der Stadt "geduldet worden". Der Verein, erklärt Deufel, wolle das gute Verhältnis zur Stadt Karlsruhe jedoch nicht strapazieren. Deswegen habe man die Badeaufsicht eingestellt. Aus dem Rathaus heißt es dazu: "Er (der DLRG) ist nicht von uns beauftragt, sich um die Badenden zu kümmern." Mit der Beendigung der Wasseraufsicht kann man laut Deufel nur darauf "hoffen, dass diesen Sommer nichts passiert, die Leute wieder alle heil aus dem Wasser kommen."

Badeverbot sorgt für Streit zwischen Tauchern und Anglern

Darüber hinaus kam es am Grötzinger Baggersee in der Vergangenheit zum wiederholten Male zu Revierkämpfen zwischen Tauchern und Anglern. Nach ka-news-Informationen beschimpften sich beide Seiten zum Teil heftig, auch Steine sollen geflogen sein.

Der Angelverein Grötzingen ist Pächter des Fischrechts am Grötzinger Baggersee. Dessen Mitglieder scheinen die Froschmänner des Öfteren drauf hingewiesen zu haben, dass das Tauchen am See untersagt sei. In Taucherkreisen stößt das Bade- und Tauchverbot der Stadt Karlsruhe auf Unverständnis. "Als Verein ist es uns untersagt, im Grötzinger Baggersee zu tauchen", sagt Tino Schmidt, erster Vorstand des Tauchsportclubs "Skin-Diver" Ubstadt-Weiher. Der See in Grötzingen, so Schmidt, habe eine einmalige Unterwasserwelt. "Gerne würden wir dort tauchen, aber wir halten uns notgedrungen an das Verbot."

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  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    29.06.2012 15:08 Uhr
    Vollkommener Schwachsinn . . .
    . . . was wollen die komischen Naturschützer noch verbieten . . . ich hab mein Leben lang in den Baggerseen gebadet und auch getaucht und mach das weiterhin. Sollen mal kommen mit der Kelle. Das sind doch alles künstliche Seen, auf deren Grund soviel Schrott liegt, dass es sowieso egal ist, dass da noch "Entenflott" von Kleinkindern oder Erwachsenen dazukommt.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.06.2012 14:17 Uhr
    ausgerechnet
    während der Ausstellung "900 Jahre Baden". Dass es die Seen so lange gibt, kann man sich noch vorstellen, aber ein Hallen- oder Freibad wird kaum so lange durchhalten.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1211 Beiträge)

    29.06.2012 13:54 Uhr
    ist es nicht eigentlich egal, ob man
    unbemerkt oder vor großem Publikum stirbt? Wer legt denn Wert darauf, unbedingt coram publico zu sterben? Solange ich kein Promi bin oder bei DSDS oder Big Brother die Show suche, kann ich doch auch unbemerkt sterben, oder?
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  •   haku
    (4191 Beiträge)

    29.06.2012 12:43 Uhr
    Ich denke mal,...
    ...dass Verbot ist primär dazu da, damit Haftungsfragen klar sind. Daher gibt es auch wenig Interesse von Seiten der Stadt, das Verbot auch durchzusetzen. Hauptsache keiner der Benutzer, der sich vielleicht verletzt oder beim Schwimmen Probleme bekommt, kann hinterher die Stadt verklagen. Wenn heutzutage jemand Mist baut guckt er doch erstmal, wen er verklagen kann um sich schadlos zu halten.
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  •   andip
    (11118 Beiträge)

    29.06.2012 12:09 Uhr
    Naja
    Seit 33 Jahren ist das schon verboten,da fällt denen ja früh ein,darauf aufmerksam zu machen.
    Und wenn die DLRG nicht beauftragt war,dann haben die sich freiwillig dahin gestellt.Wer kann so etwas verbieten bzw. für unerwünscht halten?
    Und den Zwist zwischen den Tauchern und Anglern halte ich für vorgeschoben,wie andere schon schrieben, dürften Taucher die Angler kaum stören.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    29.06.2012 12:23 Uhr
    Schon allein deshalb,
    weil die Angler ja auch nur ihrem Vergnügen nachgehen. Von den Herrschaften die selbstverständlich mit dem Auto bis ans Ufer fahren wird wohl keiner durch Fischfang seinen Lebensunterhalt bestreiten.
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  •   Tirak
    (576 Beiträge)

    29.06.2012 10:15 Uhr
    Gemeingebrauch
    Das Verhältnis zwischen Anglern und Tauchern ist noch schlechter als das zwischen Radlern und Autofahrern. Die Angler pachten ein Gewässer, was der Stadt wiederum Einnahmen aus Pachtgebühren bringt. Somit haben die Angler einen erheblich besserern Status und der Gemeingebrauch an einem Gewässer wird dadurch eingeschränkt bzw. ad absurdum geführt, da der Gebrauch an einem Gewässer unmöglich wird. Angucken ja, den Zeh ins Wasser stecken nein, denn der Zeh könnte ja wegen der schlechten Wassergüte absterben oder samt badendem Anhängsel ertrinken. Dass es anders geht, zeigt der Landkreis. Hier im Stadtkreis werden zig Bäder unterhalten in einer Menge, die der Bürger nicht braucht oder will. Witzig will man auch noch sein und gönnt sich ein Spaßbad. Das Mäntelchen des Naturschutzes wird dann auch noch bemüht, um sich zur Gänze aus der Pflicht zu nehmen. Ein Baggersee ist ein künstliches Gewässer, was den Menschen zur Erholung dienen sollte . Und dazu gehört auch Schwimmen und Tauchen.
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  •   andip
    (11118 Beiträge)

    29.06.2012 12:12 Uhr
    Nicht
    ganz:
    "Ein Baggersee ist ein künstliches Gewässer, was den Menschen zur Erholung dienen sollte "
    Ein Baggersee ist zwar künstlich,dient aber als erstes als Kiesgrube,also industriell.
    Das man später darin baden kann,ist ein angenehmer Nebeneffekt. grinsen
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    29.06.2012 09:46 Uhr
    Welches Problem haben Angler eigentlich mit Tauchern?
    Üble Geschichten militanter Angler kursieren ja leider genug.
    Nur wo ist das Problem, solange keiner denen eine Kiste Blei an die Angel hängt?
    Was man so hört, werden die Fische von den Tauchern weder gefangen, gequält noch getötet oder verschleppt.
    Warum gibt es dann trotzdem Geschichten, dass sogar mit Booten über die Luftblasen gefahren und Steine hinabgeworfen wurden.
    Oder anders gefragt: gibt es Gründe, die einen Angler dazu bringen könnten den Tod eines Menschen in Kauf zu nehmen, nur weil der "seine" Fische angugt??
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  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    29.06.2012 15:12 Uhr
    Angler sind mitunter das dümmste
    und reaktionärste Volk an den Seen. Die stehen mit dem Ghillie-Suit hinter den Bäumen. Meiner Meinung nach gehört das Angeln grundsätzlich in professionelle Hände gelegt, wenn es denn notwendig ist.
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