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Karlsruhe Gefährliche Keime im Wasser? Darum werden Karlsruher Badeseen nicht auf multiresistente Erreger untersucht

Mit großen Schritten nähern wir uns dem warmen Sommer und was macht da mehr Spaß, als zur Abkühlung in einen der zahlreichen Badeseen rund um Karlsruhe zu springen? Damit auch in diesem Sommer einem ungetrübten Badevergnügen nichts im Wege steht, werden die Gewässer regelmäßig getestet. Jedoch nicht auf multiresistente Erreger (MRE).

Seit einigen Jahren ist das Problem mit den multiresistenter Keime immer weiter in die Öffentlichkeit gerückt. Vor allem durch den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika haben sich diese resistenten Erreger gebildet. In den Krankenhäusern hat man direkt reagiert und neue Hygiene-Verordnungen erarbeitet. "Das war eine gute Idee und da hat sich auch das MRE Netzwerk Karlsruhe gegründet", erklärt Eveline Schwerdt, Koordinatorin des Netzwerks beim Gesundheitsamt. Doch bei der Untersuchung auf MRE liegt der Fokus auch in Karlsruhe nicht auf den (Bade-)Gewässern in der Region. 

Badeseen werden kontrolliert - doch nicht auf MRE

"Da gibt es auch keine gesetzliche Vorgabe, das zu kontrollieren", sagt die Expertin vom Gesundheitsamt im Landratsamt Karlsruhe. "Die Gewässer sind nicht unsere primärer Fokus, denn solche Tests kosten Geld. Daher müssten solche Untersuchungen geregelt werden - und auch wer das dann zahlt", so Eveline Schwerdt gegenüber ka-news weiter. Die Badeseen in und um Karlsruhe werden jedoch regelmäßig kontrolliert - wenn auch nicht auf MRE. "Da wird auf Fäkalkeime getestet, denn die sollten nicht im Wasser sein. Dafür gibt es auch gesetzliche Vorschriften!"

Die Wasserqualität ist sehr gut

Die Untersuchungen macht das Gesundheitsamt, das beim Landratsamt Karlsruhe angesiedelt ist. In jeder Badesaison werden etwa zwischen dem 1. Juni und dem 15. September mindestens ein Mal im Monat Proben entnommen. Das Wasser wird dann im Labor auf Keime oder chemische Stoffe untersucht.

 

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"Antibiotika müssen reduziert werden"

Doch die multiresistenten Erreger sind durchaus ein Problem, weiß Eveline Schwerdt vom Gesundheitsamt. "Man kann die Keine nicht filtern", sagt sie gegenüber ka-news. "Was man machen kann: Schon am Anfang der Kette eingreifen, dass sich MRE überhaupt nicht erst bilden können. Dazu müsste der Antibiotika-Gebrauch beim Mensch und beim Tier stark reduziert werden!" 

Baggersee Grötzingen
(Symbolbild) | Bild: Sarah Ball

Inwieweit die MRE gefiltert werden können, damit beschäftigte sich in der Aprilsitzung der Karlsruher Gemeinderat. Die Fraktion der Grünen wollte wissen, ob die Gewässer in der Fächerstadt auf diese Keime untersucht werden und ob die geplante 4. Klärstufe im Karlsruher Klärwerk das Wasser von diesen Keimen reinigen kann.

Kein Handlungsbedarf erkennbar

"Eine Untersuchung auf MRE ist nicht gefordert und für den Grötzinger Baggersee liegen daher auch keine Ergebnisse vor", so die Stadt in ihrer Stellungnahme auf die Anfrage der Grünen-Gemeinderäte. Und ergänzt: "Seitens des Gesundheitsamtes, des LUBW und auch der Stadt sind keine Untersuchungen auf multiresistente Keime geplant!"Auch eine "Dringlichkeit", die Karlsruher Gewässer dahingehen zu testen, sieht die Stadt als nicht gegeben an. 

Klärwerk Rastatt
Im Klärwerk wird das Wasser gereinigt | Bild: I.Wentz

Trotz aufwendiger Reinigung im Klärwerk "verbleiben Spuren von Schadstoffen im Wasser und finden ihren Weg ins Gewässer in den Rhein", weiß die Stadt Karlsruhe. Um die Belastungen weiter zu reduzieren, wird am Klärwerk die sogenannte 4. Reinigungsstufe umgesetzt. Die besteht aus einer Flockungsfiltration und einer Aktivkohle-Adsorption, so die Stadt. "Das ist die bestmögliche verfügbare Technik!" Doch auch das wird, laut Stadt, zu keiner Reduzierung der Keimzahlen beitragen. 

Nur in Grötzingen darf offiziell gebadet werden

Angst vor den multiresistenten Keimen in den Karlsruher Seen muss allerdings keiner haben, denn: Offiziell ist das Baden in den Gewässern der Fächerstadt verboten. Einzig im Badesee Grötzingen, wo eine Badestelle eingerichtet ist, darf nach Herzenslust geplantscht werden. 

Baggersee Grötzingen
(Symbolbild) | Bild: Sarah Ball

Ein Blick auf die Gewässerkarte zeigt: Die offiziellen Badeseen in der Region haben allesamt eine gute Wasserqualität. "Im europäischen Vergleich erzielte Baden-Württemberg in der Badesaison 2017 wieder überdurchschnittliche Ergebnisse", so Gesundheitsminister des Landes, Manne Lucha in einem aktuellen Bericht an die Presse. 

Hier gibt's den großen ka-news-Badeseetest. 

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  •   andip
    (8761 Beiträge)

    28.05.2018 08:36 Uhr
    In die Badeseen
    werden doch m. W. gar keine Abwässer eingeleitet.
    Woher sollen dann diese multiresistenten Keime kommen?
    Was anderes ist es mit dem Rhein, aber in dem sollte man auch nicht schwimmen gehen.
    Soll da wieder mal eine Gefahr herbeigeredet werden, die gar nicht existiert?
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  •   Der_Sprayer
    (209 Beiträge)

    27.05.2018 12:39 Uhr
    Wenn nicht getestet wird,
    sind keine multiresistenten Keime da und dann ist ja alles bestens.
    Und rund um Karlsruhe sind alle Baggerseen von bester Wasserqualität (Ironie aus)
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  •   chris
    (420 Beiträge)

    27.05.2018 14:00 Uhr
    wohl wahr
    wohl wahr...stimmt. Ebenso verhält es sich mit Kriminalitätsstatistiken, alles relativ. Nur mal so am Rande, der Grötzinger Baggersee wird aus dem Grundwasser gespeist...unweit von dem See befindet sich eine riesige Mülldeponie aus den 70er und 80er.
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